Hela la 806 „* N. 3 ).** E 1 1 9.63 9.65 — 0064 5 — —— . den eu Vaſer⸗ Wohl t enp⸗ Viernheimer Viernheimer Zeitung. Erſcheint dreimal wöchentlich Dienſtags, Donnerſtags u. Samſtags mit den Beilagen: „Sonntagsblatt“ u.„Sonntagsfeier“. Bezugspreis: 30 Pf. monatlich einſchließl. Trägerlohn d. die Poſt Mk. 1.14 vierteljqährl. Telephon⸗Ruf 20. Amtsblatt der Groſtherzoglichen Bürgermeiſterei Viernheim. Berbreitetſte und geleſenſte Zeitung in Viernheim daher beſtes und wirkſamſtes Inſertions⸗ Organ. — Druck und Verlag von Wilhelm Bingener, Viernheim.— Anzeiger Vieruheimer Nachrichten. Anzeigenpreis: 12 Pfg. die 1⸗ſpaltige Petit⸗Zeile. Lokal⸗Anzeigen 10 Pfg. Reklamen: 30 Pfg. die 3⸗ſpaltige Zeile. Telephon⸗Ruf 20. Bei mehrmaliger Aufgabe Rabatt. Nr. 49. Dienſtag, den 27. April 1909. 25. Jahrgang. Die weitſchauende engliſche Aus⸗ landspolitik. 5 Bei der Beurteilung der Flottenhetze gegen die Deutſchen iſt ein Moment nicht genügend in Rechnung gezogen worden: die Verhältniſſe im fernen Oſten. Als es für England galt, Rußland auf bequeme Weiſe wohne eigene Unkoſten aus dem Wettbewerb in Oſtaſien auszuſchalten, war das engliſch⸗japaniſche Bündnis in England ſehr populär und galt als eine hervorragende ſtaatsmänniſche Tat. Die kleine gelbe Raſſe hat jetzt ihre Schuldigkeit getan. Rußland hat ſich auch heute noch nicht von ſeiner Ohnmacht erholt, und ſo könnten die Engländer mit dem Erfolge des Bündniſſes recht zufrieden ſein, wenn da nicht ein großes Aber wäre. Als Rußland am Boden lag und die Friedensverhand⸗ lungen in Amerika begannen, ſetzte ſchon die doppel⸗ innige Politik Englands eim, um Japan nicht noch größer werden zu laſſen. Hier hatte England einen ſtarken Rechenfehler gemacht. Das engliſch⸗japaniſche Bündnis war den Japanern eine koſtbare Hilfe, nach Belieben die ruſſiſche Flotte zu zerſtören. Dann aber, als die Japaner merkten, daß die Engländer ihnen nur noch Bleigewichte anhängten, begannen ſie, auf oſtaſia⸗ tiſche Weiſe die Verträge auszulegen. Einer dieſer Ver⸗ träge handelt von der ſogenannten„offenen Tür“, alſo von der wirtſchaftlichen Gleichberechtigung aller Mächte in Oſtaſien. Dieſe offene Tür iſt von den Japanern vom erſten Tage ab in der frechſten Weiſe verbarrikadiert worden. Die Diplomaten verſichern ſehr höflich, daß Japan die Verträge achtet. In der Mandſchurei und in den benachbarten chineſiſchen Provinzen können aber europäiſche Firmen nur ganz ausnahmsweiſe auf einen grünen Zweig kommen. Hier hat eben die Raſſenver⸗ wandtſchaft zwiſchen Chineſen und Japanern einen dicken Strich durch das Bündnis gemacht. Japaniſche Kauf⸗ leute und Agenten werden ſozuſagen auf jedem Wege, den ſie zurücklegen, von der japaniſchen Regierung ge⸗ ſchützt. Die Leichtigkeit, die Sprache zu beherrſchen, und überhaupt der Widerwille gegen die weiße Raſſe tun das Uebrige. So iſt Japan auf dem beſten Wege, aus der Mandſchurei eine japaniſche Provinz zu machen, und was es ſonſt noch mit China zuſammenführen wird, läßt ſich ziemlich leicht ausrechnen. Auf dieſe Weiſe nun iſt das engliſch⸗japaniſche Bünd⸗ nis für die Engländer eine ſchwere Verlegenheit ge⸗ worden. Wenn die Japaner tatſächlich, wie vor einigen Tagen gemeldet wurde, das engliſche Bündnis kündigen wollen, ſo bedeutet das für England eine ganz erhebliche Schwächung ſeiner Seemacht. Augen⸗ blicklich übt Japan im Intereſſe Englands in den oſt⸗ aſiatiſchen Gewäſſern die öffentliche Polizei aus und Deutſchland wüßte z. B. nicht ganz genau, was es mit Kiautſchou anfangen ſollte, wenn es den Chineſen einfiele, mit Hilfe der Japaner eines Tages kontraktbrüchig zu werden. Denn ſoviel Schiffe, als nötig ſind, um einen derartigen Ueberfall auf unſeren„Platz an der Sonne“ zu verhindern, kann Deutſchland ſchwerlich nach Oſtaſien hinſchicken. f Andererſeits iſt die japaniſche Flotte, wenn nicht ſtärker als die deutſche, ſo doch wenigſtens gleich ſtark. Scheidet ſie aus den Machtfaktoren Englands aus, ſo entſteht für England die neue Verlegenheit, wiederum mindeſtens zwei neue Geſchwader auf Stapel zu legen. Angeſichts derartiger Berechnungen wird man nun erſt recht begreifen, warum die Deutſchenhetze in England eine derartige Siedehitze erreichen konnte. Wenn ſchon jetzt ein fieberhafter Bau von Dreadnoughts beſchloſſen werdenſſoll, was wird erſt werden, wenn durch die Kündi⸗ gung des japaniſchen Bündniſſes zwei vollſtändige mobile Schlachtgeſchwader erforderlich werden? Die konſervative Partei findet bei den Liberalen nicht genügende Unterſtützung für ihre Schwärmerei vom z größeren Britannien“. In dieſen Schwärmereien ſehen ſich die Engländer bedroht durch die Kündigung des japaniſchen Bündniſſes und durch den deutſchen Flotten⸗ bau, und ſo haben wir einen Grund mehr, um die fana⸗ tiſche Wut zu erklären, mit der Ihhn Bull bearbeitet wird, die neuen fabelhaften Flottenforderungen zu be⸗ willigen. Das Ausſcheiden Japans würde aber vielleicht mit einem doppelten Geſchwader nicht einmal genügend ausgeglichen ſein, und ſo können wir uns für die nächſte Zeit nicht etwa auf ein Nachlaſſen, ſondern noch auf ein Anſchwellen der Flottenhetze gefaßt machen, ſobald das Ende des oſtaſiatiſchen Bündniſſes gekommen iſt. Für die Abrüſtungsfreunde in Deutſchland aber iſt dieſe Betrachtung ein geeigneter Hinweis, den Engländern nicht allzuweit entgegenzukommen. Es iſt ihnen wirklich nicht über den Weg zu trauen, wenn es um ihren eigenen Geldbeutel geht. Politiſche Rundſchau. );(Myſteriöſes„Attentat“ gegen den Kronprinzen. Von einem peinlichen Vorfall, der der Beſtätigung bedarf, weiß eine Budapeſter Korreſpondenz zu berichten. Danach ſoll ein Irrſinniger dem deutſchen Kronprinzen, während er mit dem König von Rumänien in einem Automobil die Straße paſſierte, ein Buch an den Kopf geworfen haben. Der Täter, der ſich Daniel Fauſtner nennt und behauptet, Literat zu ſein, ſoll aus Deutſchland ſtammen. Er wurde verhaftet. 0 (72) Beamtenmaßregelungen? Der letzte Beamtentag mit ſeinen ſcharfen Ausfällen gegen die Regierung ſcheint mehrere Maßregelungen zur Folge zu haben. Vor eini⸗ gen Tagen iſt gegen den Vorſitzenden des Verbandes der mittleren Reichs-, Poſt⸗ und Telegraphenbeamten, Oberpoſtaſſiſtenten Zollitſch⸗ Berlin, das förmliche Dis⸗ eingeleitet worden. Z. wurde vom Amt ſuspendiert, ſein Gehalt wurde bis zur Entſcheidung der Disziplinar⸗ kammer um die Hälfte vermindert. Als Grund für dieſes Vorgehen wird ſeine politiſche Haltung angegsden, die gegen den Paragraphen 10 des Neichsbeamtengeſetzes verſtoße. Wie außerdem die„Bresl. Ztg.“ berichtet, ſoll auch gegen den Telegraphenſekretär Britz in Berlin aus ähnlichen Gründen ein Disziplinarverfahren einge⸗ leitet ſein, ebenſo gegen verſchiedene Redner in der letzten Berliner allgemeinen Beamtenverſammlung⸗ Ob aber durch ſolche Maßnahmen die Beamtenſchaft zufrieden geſtellt wird, iſt doch mehr als zweifelhaft. );(England und Deutſchland. Die Stadt London hat dreitauſend Pfund Sterling(über 60 000 Mark) für den Empfang der Vertreter Groß⸗Berlins, der bekanntlich im Mai ſtattfinden wird, bewilligt. a 1 : Kapitaliſtiſche Kunſtſtücke der Genoſſen. Die Düſſel⸗ dorfer Sozialdemokratie iſt gegenwärtig mit der Errich⸗ tung eines neuen Gewerkſchaftshauſes beſchäftigt, das einen Koſtenaufwand von 1070 000 Mark erfordern wird. Die erſte Hypothek in Höhe von 600 000 Mark hat die Sparkaſſe der Stadt Düſſeldorf gegeben, zwei dortige Brauereien gaben in gleichem Range 180 000 Mark, und der Reſt ſoll nach den„L. N. N.“ durch„Volkshaus⸗ Obligationen“ aufgebracht werden. Ueber 100 000 Mk. dieſer Obligationen hat nunmehr die Unternehmerin des Neubaues, die Firma Moritz u. Stahl, anſtatt barer Zahlung übernommen, wobei dieſe Firma die Obligatio⸗ nen wieder an Zwiſchenunternehmer ganz oder teilweiſe abgibt. Und bei der jetzigen mißlichen Konjunktur haben ſich denn auch ſehr achtbare Firmen, um einen Teil der Lieferungen zu bekommen, bereit erklärt, für ihre Liefe⸗ rungen teilweiſe Obligationen in Zahlung zu nehmen. Die einzelnen Obligationen lauten auf 20 Mark.— Im Düſſeldorf haben die Genoſſen etwas gelernt. Parlamentariſches. ? Die Novelle zum Zolltarif über Verhütung der zollwidrigen Verwendung von Gerſte, die jetzt dem Reichstag gedruckt vorliegt, ſtellt die Benutzung von Gerſte, die als Futtergerſte verzollt iſt, zu Brauzwecken unter Strafe. Um Futtergerſte als ſolche kenntlich zu machen, ſoll ſie gefärbt werden. ? Nach Erledigung des gegenwärtig zur Beratung ſtehenden Abſchnittes der Branntweinſteuervorlage be⸗ ſchloß die Finanzkommiſſion des Reichstages, zunächſt den konſervativen Antrag betr. die Wertzuwachs⸗ ſteuer zu verhandeln. In den Verhandlungen am Samstag über die Branntweinſteuervorlage kam es wiederholt zu heftigen Debatten zwiſchen den Konſer⸗ vativen und Freiſinnigen. ö „ Ein Entwurf über die Haftung des Reichs für Amtspflichtverleleßzungen von Reichsbe⸗ amten iſt dem Reichstage zugegangen. Zweimal gelebt. Aus dem Engliſchen von C. Weßner. 431 Nachdruck verboten.) „Ich will Ihnen nur noch ſagen, warum ich ſoweit her⸗ gekommen bin— dann gehe ich“, fügte ſie mit gebrochener Stimme hinzu.„Es betrifft Frau Eppler. Alſo ſie ſtand mit mir bei den Erlen, ich beſchrieb ihr die Szene des Mordes, als ſie mich plötzlich durchbohrend anſah. Sie ſagte Herbert Franzius ſei der Ermordete— aber der Mörder wäre nicht ihr Sohn, nicht Fritz Eppler. Sie redete mit einer ganz ſchrecklichen Stimme und ſagte, ſie wüßte die Wahrheit— ſie könnte es beſchwören, daß ihr Sohn unſchuldig ſei. Ach, Herr Baron, da bekam ich einen furchtbaren Schreck— daß ich beinahe die Wahrheit eingeſtanden hätte!“ *„Beinahe die Wahrheit eingeſtanden? Was ſoll das heißen?“ „Herr Baron, iſt es denn möglich, daß Sie ſie nicht kennen?“ Hedwig holte tief Atem und warf einen ſcheuen Blick auf Uhren Begleiter. „Ich ſehe, daß Sie daran feſthalten und bin froh darüber, Herr Baron. Aber Frau Eppler iſt wirklich eine Perſon, die einen in Angſt jagen kann. Sie hat Augen, mit denen ſie einen durchbohren möchte— Augen, die einem die Geheimniſſe aus tiefſtem Herzensgrund herausleſen möchten. Herr Baron, ich habe eine Bitte an Sie. Würden Sie das Land nicht auf einige Zeit verlaſſen? Es wäre ſchrecklich, wenn alles, was ich getan und erduldet, umſonſt geweſen ſein ſollte!“ Arſtein erwiderte nichts. Er hatte Hedwigs letzte Worte offenbar gar nicht gehört. Seine Aufmerkſamkeit weilte in dieſem Moment bei etwas ganz anderem. Er ſah Frau Eppler, ſeine Gattin und ſein Söhnchen durch den Park auf ihn zukommen. Der Knabe, ein herziges, ſüßes Geſchöpf mit roſigen Wangen und behenden Gliedern, lief den Damen davon und eilte mit freudigem Jauchzen dem Vater in die Arme. Er war ein echter Arſtein, ein würdiger Nachkomme des alten, vornehmen Geſchlechts. Der Baron dachte an nichts anderes als an ſeinen Knaben. Hedwig war für ihn nicht mehr vorhanden. Sie ſah das deutlich, ſchlug einen Seitenweg ein und verſchwand alsbald. „Papa, lieber Papa!“ jubelte der Kleine freudig erregt. Margarete und Frau Eppler kamen inzwiſchen auch herbei. „Hoffentlich geht es Dir beſſer, lieber Robert?“ fragte die erſtere nach der Begrüßung. „O ja, ich hatte eine ganz gute Nacht. Wie hübſch Artur heute ausſieht!“ „Der arme Junge! er konnte es kaum erwarten, Dich zu ſehen. Er hat ſich ordentlich gegrämt, daß Du nicht gleich früh da warſt.“ Darauf wandte ſich Arſtein an Frau Eppler. Ihre Wangen waren lebhafter gerötet als ſonſt, und ihre großen dunklen Augen blickten durchbohrender denn je zuvor. „Verzeihen Sie, Herr Baron“, begann ſie,„wenn ich eine Frage an Sie richte. Ich ſah Sie vorhin an der Seite einer Frau. Darf ich erfahren, wer es war?“ Arſtein drehte ſich wie ſuchend um, dann lachte er. „Sie iſt ja fort! Wer glaubſt Du, wer es war?“ wandte er ſich an Margarete.„Niemand anders, als die kleine Hedwig Amberger— eine alte Bekannte aus der Heimat. Sie trägt zwar jetzt einen anderen Namen, ich habe ihn aber vergeſſen. Sie behauptete, ſie wäre extra nach Maringen gekommen, um mich zu ſprechen, ich konnte ſie aber nicht dazu bewegen, mit zu mir nach Hauſe zu kommen.“ „Ich möchte dieſe Hedwig Amberger zu gern einmal ſprechen“, erwiderte Frau Eppler auf Arſteins fragenden Blick.„Gab ſie Ihnen vielleicht ihre Adreſſe?“ „Nein, ich fragte auch gar nicht darnach. Ich wundere mich nur, weshalb ſie ſo ſchnell davonlief, ſie kam mir merkwürdig erregt vor. Ich glaube, ſie iſt krank.“ „Krank?“ diederholte Frau Eppler heftig.„Mag ſein! Jedenfalls iſt es etwas Merkwürdiges um die Frau. Wenn ich nur etwas Genaueres wüßte, ich würde wahrhaftig einen Detektiv an ihre Ferſen heften. Ich habe ſie in einem ganz beſonderen Verdacht. Wenn je ein Menſch mit einem ſchuld⸗ beladenen Gewiſſen in der Welt herumläuft, ſo iſt es dieſe Hedwig.“ „Aber Frau Eppler!“ rief Margarete vorwurfsvoll.„Sie dürfen ſich von Ihren Vorurteilen nicht ſo weit hinreißen laſſen! Bedenken Sie doch, Hedwig iſt in Großhofen auf⸗ gewachſen. Mein Mann und ich haben ſie ſchon als kleines Kind gekannt.“ „Ein flatterhaftes, kokettes, aber ungewöhnlich hübſches Ding war ſie“, warf Arſtein ein. „Laſſen wir Hedwig jetzt“, unterbrach ihn Margarete ſanft, jedoch mit einem Anflug von Ungeduld in ihrem Weſen.„Komm Robert, berichte mir, was Dr. Romberg Dir verordnet hat.“ „Er ſagt, meine Nerven ſeien ſehr erſchüttert. Ich glaube es jetzt auch, obgleich ich mich heute ganz wohl fühle. Er ſagte etwas von Land verlaſſen und eine Seereiſe unter⸗ nehmen. Wenn ich mich recht entſinne, verſprach er, heute abend mit heranzukommen, um nochmals über die Sache zu ſprechen. Nun, Kleiner“, wandte er ſich an Artur,„Du haſt es wohl ſchon recht eilig?“ „Ja Papa“, verſetzte mit leuchtenden Augen der kleine Mann, der inzwiſchen ungeduldig von einem Beinchen auf das andere getrippelt war. Arſtein nahm ihn bei der Hand, und beide gingen miteinander davon. Margarete und Frau Eppler folgten langſam. (Fortſetzung folgt.) ziplinarverfahren mit dem Antrag auf Dienſtentlaſſung 7»i»in„„„:„: —— — 8—— 5 ö — e —— 1 Der Senſlorenkonvent des Reichstags änderte am Freitag ſeine Vereinbarungen über die Jitzungsfreien Tage ab. Anſtatt nur den Dienstag und Donnerstag wird das Plenum Freitag, Samstag und Montag ſitzungsfrei laſſen, alſo nur an drei Tagen in der Woche Sitzungen abhalten. Die Finanzkommiſſion will den Montag gleichfalls freilaffen und am Freitag und Samstgg je ſechs Stunden arbeiten. Dieſe Regelung gilt vom nächſten Freitag ab. ? Die Finanzkommiſſion des Reichstags be⸗ endete am Freitag endlich die Erörterung über das Kon⸗ tingent in der Branntweinſteuervorlage. U. a. wurde der Antrag des Centrums angenommen, wonach Brenne⸗ reien, die zum Lufthefeverfahren übergehen, nicht nur wie die ſonſtigen Hefebrauereien um, ſondern um im Kontingent gekürzt werden; im übrigen wird die Megierungsvorlage angenommen. Ferner beſchloß die Kommiſſion, die verbündeten Regierungen durch Vermitt⸗ Lung des Reichsſchatzamtes um eine Liſte für das ganze Reich von den Gütern zu bitten, die bei ausgeſprochenem Rübenboden nur des Kontingents wegen Kartoffeln bauen und mit einem Kontingent bedacht find. Kirche und Schule. Schuljugend und Alkohol. Ueber den Alkohol⸗ genuß der Schuljugend enthält der unlängſt erſchienene Medizinalbericht von Württemberg für 1907 eine Er⸗ hebung, welche der Oberamtsarzt in Rottenburg im Ein⸗ verſtändnis mit den Bezirksſchulinſpektoren in ſeinem Oberamt angeſtellt hat. Sie erſtreckte ſich auf 68 Schul⸗ klaſſen mit 4240 Schulkindern. Von dieſen hatten 4187 oder 98 Prozent ſchon Alkoholika genoſſen.„Moſt“ haben hauptſächlich getrunken 85 Prozent, Bier 15 Proz. Täglich trinken ein geiſtiges Getränk nicht weniger als 3010 oder nahezu drei Viertel der Kinder, und zwar trinken täglich ½ Liter oder mehr 549 Kinder oder 12,9 Prozent. Schon morgens vor Schulbeginn bekommen ſolche Getränke 44 Kinder. Von 10 Schülern wurde 1 Liter und von einem ſogar 1½ Liter(1) täglich getrunken. Was den Branntweingenuß betrifft, nach dem der um⸗ fragende Arzt gar nicht fragte, im Glauben, ein der⸗ artiger Mißbrauch wäre etwas Unerhörtes, ſchrieb ein Lehrer, von ſeinen 71 Schülern im Alter von—9 Jahren hätten 21 ſchon Schnaps getrunken; ein anderer:„Auf Befragen, wer ſchon Branntwein getrunken, ſteckten alle die Finger in die Höhe“; ein dritter:„In S. gibt es kein Kind zwiſchen 7— 14 Jahren, das nicht ſchon wenigſtens etwas Schnaps verkoſtet hätte“. Häufig tritt auch an Stelle des warmen Mittageſſens kalte Koſt mit Bier oder„Moſt“. Medizinalrat Scheef ſchließt ſeinen Bericht mit folgenden Ausführungen:„So haben die angeſtellten Nachforſchungen, wenn ſie auch keinen An⸗ ſpruch auf Vollſtändigkeit und abſolute Zuverläſſigkeit machen können, uns manche unerwartete und unerfreuliche Aufklärung gebracht und grelle Streiflichter auf die verkehrten Sitten und die Gedankenloſigkeit unſeres Vol⸗ kes geworfen. In der Tat iſt es vor allem Unerfahrenheit und Mangel an Denken bei den Eltern, was an dem unſinnigen, faſt allgemein verbreiteten Alkoholgenuß der Schulkinder Schuld trägt. Die meiſten Eltern ſind blind gegen die Erkennung der großen Gefahren und Schäden und taub gegen die von Aerzten und Lehrern kommen- den Warnungen.“ e real l GEuropäiſches Aus laud. 8 Serbien. k Die Serben wollen ſich für alle Fälle vorſehen. Die ſerbiſche Skupſchtina hat die Regierung ermächtigt, mit engliſchen und franzöſiſchen Finanzkreiſen wegen einer Anleihe für Militär⸗ und Eiſenbahnzwecke zu ver⸗ handeln. ö Fraukreich. * Wegen der Angriffe, die der Journaliſt Thery gegen die franzöſiſche Marine und beſonders gegen vier Beamte des Marineminiſteriums richtete, ermächtigte Ma⸗ rineminiſter Picard die letzteren, gegen Thery die Ver⸗ leumdungsklage anzuſtrengen. In einer Unter⸗ redung mit einem Journaliſten erklärte ein Mitglied der Regierung, dieſe widerſetze ſich nicht einer gericht⸗ lichen Verhandlung, müſſe jedoch verhüten, daß die fran⸗ zöſiſchen Schiffswerften weiter diskreditiert wür⸗ n, da ſonſt eine Verringerung beſonders der Aus⸗ landsaufträge eintreten würde. England. b Gegen die Flottenpanik will man jetzt energiſcher einſchreiten. Die„Daily News“ veröffentlicht heute ein Interview mit Lord Charles Beresford, in dem der Ad⸗ miral die Hoffnung ausſpricht, daß weder die liberale, noch die konſervative Partei die Flottenfrage als Partei⸗ ſache betrachten werde.„Was für einen Zweck hat es,“ ſagte der Admiral,„eine nutzloſe Panik zu erzeugen? Wir können die Flotte verſtärken, ohne als Feiglinge zu erſcheinen. Ich verlange eine ſtarke Flotte, bin aber kein Alarmiſt.“ Auch der Miniſterpräſident hat einen neuen Schritt zur Beruhigung des Landes mit Bezug auf den Zuſtand der engliſchen Flotte getan. Er hat einen Ausſchuß eingeſetzt, der die ſtrittigen Fragen unterſuchen und dem Kabinett einen Bericht vorlegen foll. Asquith ſelbſt führt den Vorſitz in dieſem Aus⸗ ſchuß, ſo daß er ſich über alle Punkte wird informieren können. Auf der Liſte der Fragen, die zur Erörterung ge⸗ langen werden, ſtehen ſämtliche Anklagen, die gegen die jetzige Adminiſtration der Kriegsmarine gerichtet worden ſind. Durch das Verhör von Sachverſtändigen wird ſich der Ausſchuß ein genaues Bild über den Zu⸗ ſtand aller Zweige der Flotte machen können. 5 Aſien. 5 Perſien. ? Das aktive Eingreifen Rußlands in die perſiſchen Wirren ſteht unmittelbar bevor. Angeſichts der beun⸗ ruhigenden neueren Meldung hat die ruſſiſche Regierung beſchloſſen, die aufgeſchobene Entſendung einer genügend ſtarken Truppenabteilung nach Täbris nunmehr zu ver⸗ wirklichen, um die Sicherheit der Ausländer, die Ver⸗ ſorgung der Stadt mit Proviant und die Verbindung mit Dſchulfa zu ſichern. Der Statthalter des Kaukaſus wurde angewieſen, die Abteilung in Eilmärſchen nach Täbris rücken zu laſſen. 1 St Amerika. Vereinigte Staaten. f f * Die amerikaniſche Friedensliga iſt um den inter⸗ nationalen Frieden beſorgt. Der bekannte Friedens⸗ apoſtel Carnegie hielt in der Newyorker Friedensliga eine Rede, in der er erklärte, daß ein großer Krieg zwiſchen Deutſchland und England(1) bevorſtehe. Es ſei endlich an der Zeit, daß die Nationen der Welt gegen die beiden Friedensſtörer vorgingen. Die Liga nahm einen Beſchluß an, in dem ſie Carnegies Anſichten zu den ihrigen macht und Präſident Taft auffordert, Maßnahmen zur Sicherſtellung des internationalen Frie⸗ dens zu treffen. Venezuela.* 4 Caſtro will von ſeinem„undankbaren“ Vaterland nichts mehr wiſſen. Seine Landung in St. Nizaire (Frankreich) am Freitag wird keinerlei Zwiſchenfälle her⸗ vorrufen. Der Expräſident will mit dem nächſten Zuge Frankreich verlaſſen und ſich nach Spanien begeben. Deutſcher Reichstag. DUE Berlin, 23. April. Der Reichstag 1 heute die erſte Leſung der Strafgeſetznovelle. Staatsſekretär Dr. Nieberdin begründete die Vorlage, welche oft empfundene Mänge beſeitigen ſolle. Im Schutze der vermögensrechtlichen Intexreſſen träten manche Milderungen ein, während für gewiſſe Rohheitsdelikte ſchärfere Strafen vorgeſehen ſeien. Der Staatsſekretär ſuchte ſodann die Einſchrän⸗ kung des Wahrheitsbeweiſes bei Beleidigungsprozeſſen u rechtfertigen. Abg. Engelen(Ctr.) bemängelte an der Vorlage, daß ſie den Paragraph 175 nicht verſchärft hin⸗ ſichtlich der Vergehen von Perſonen mit anderen, über die ſie Aufſichtsbefugnis haben. Beſonders müßten Miß⸗ handlungen und Vergehen an Kindern und Zöglingen von Eltern, Stiefeltern, Anſtaltswärtern ufw. viel ſchärfer beſtraft werden. Bei Diebstählen müſſe auch Freiheits⸗ ſtrafe zuläſſig ſein. Die Abgg. Perniock(konſ.) und Varenhorſt(Rp.) ſtimmten der Vorlage zu. Letzterer wünſchte, daß der Wahrheitsbeweis bei eleidigungs⸗ prozeſſen ganz falle. Abg. Oſann(ntl.) begrüßte vor allem, daß die Kindermißhandlungen ſchärfer beſtraft werden ſollen. Abg. Frohme(Soz.) war grundſätzlich gegen jede Aenderung des Beleidigungsparagraphen hin⸗ ſichtlich Einſchränkung des Wahrheitsbeweiſes. Nachdem dann noch die Abgg. Roth(wirtſch. Bgg.) und Werner (Refp.) ihre Zuſtimmung zur Vorlage ausgedrückt hatten, vertagte man die Weiterberatung auf morgen. b Berlin, 24. April. Der Reichstag ſetzte heute die erſte Leſung der kleinen Strafgeſetznovelle fort. Abg. Müller⸗Meiningen(frſ. Vp.) erklärte, gegen die Peſtbeule am modernen Journalismus, gegen die Nevolverpreſſe, die im Schmutze wühle, müſſe mit aller Schärfe vorgegangen werden. Abg. Dr. Faß⸗ bender(Ctr.) forderte eine weitere Verſchärfung der Strafen wegen Kindermißhandlungen. Abg. Dr. Heckſcher (frſ. Vgg.) betonte die Notwendigkeit der Einſchränkung des Wahrheitsbeweiſes in Beleidigungsprozeſſen. Abg. Hormann(frſ. Vp.) war ebenfalls der Anſicht, daß die Kindermißhandlungen 1 viel ſchärfer beſtraft werden müßten. Auf Anzapfung des Abg. Frank(Soz.) erklärte Staatsſekretär Nieberding, daß nicht allein die Beleidi⸗ gungen die Motive zu der Vorlage gebildet hätten. Abg. Kirſch(Ctr.) erklärte, bei Geſetzentwürfen ſolle man nicht immer Vorbilder im Auslande ſuchen. Unſere Geſetze müßten vor allem dem deutſchen Volksempfinden ent⸗ ſprechen, Nach weiterer Debatte, an der ſich die Abgg. Wölzl(ntl.), Seyda(Pole) und Kölle(wirtſch. Vgg.) beteiligten, wurde die Vorlage an die Juſtizkommifſion verwieſen. Montag Zivilprozeßnovelle. 0 Soziales. . Der Papſt und die chriſtlichen Gewerkſchaften. Das Blatt des Vatikans erklärt in einer offiziöſen Note, daß der hl. Vater bei dem Empfang der katholiſchen Arbeitervereine Weſtdeutſchlands die Aeußerung: „Auch hat es meine Billigung, daß ihr in chriſtlichen Gewerkſchaften gemeinſam mit den Pro⸗ teſtanten zur Erhaltung des chriſtlichen Gedankens tätig ſeid“, nicht getan habe. + Der chriſtliche Metallarbeiterverband Deutſchlands veröffentlicht in der Nr. 17 ſeines Verbandsorgaus„Der Deutſche Metallarbeiter“ die Jahresabrechnung für 1908. Die Einwirkung der Kriſe ſpiegelt ſich auch in den öffentlichen Zahlen der Abrechnung wieder, beſonders in der koloſſalen Steigerung der Arbeitsloſenunterſtützung. Dieſe iſt von 7001 Mark im Jahre 1907 auf 52 508 Mark im Jahre 1908 geſtiegen. Eine ähnliche Steigerung weiſt auch die für Krankenunterſtützung gezahlte Summe auf, die von 71228 Mark auf 120 196 Mark geſtiegen iſt. Ebenſo weiſen die für die anderen Unterſtützungen bezahlten Summen überall eine Steigerung auf, mit Ausnahme der Streikunterſtützung, was in einem Kriſen⸗ jahr wie 1908 erklärlich iſt. Trotz dieſer hohen An⸗ forderungen, die in finanzieller Beziehung an den Ver⸗ band geſtellt worden ſind, iſt es ihm möglich geweſen, ſein Vermögen um rund 127000 Mark zu vergrößern, von 585352 Mark Ende 1907 auf 712610 Mark am Schluß des Jahres 1908, davon ſind in der Hauptkaſſe 660 313 Mark. Dieſe Tatſache iſt um ſo beachtenswerter, da der ſozialdemokratiſche Metallarbeiterverband im vori⸗ gen Jahre eine Vermögensabnahme von 2 Mark auf den Kopf ſeiner Mitglieder zu verzeichnen hat, während der chriſtliche Metallarbeiterverband ſein Vermögen um 5 M. auf den Kopf ſteigern konnte. Die Einnahmen betrugen insgeſamt 673 325,38 Mark. Die Ausgaben ſetzen ſich zuſammen aus Wanderunterſtützung 6234,30, Umzugs unterſtützung 3643,70, Erwerbsloſenunterſtützung bei Krankheit 52 508,08, Streikunterſtützung 29 506,63, Unterſtützung bei Maßregelung 8794,48, Unterſtützung bei Sterbefällen 2355, Rechtsſchutz 2503,13, beſondere Unterſtützungen 528, für Bildungszwecke 9841,85, für das Verbandsorgan 37 613,79, Beiträge an den Geſamt⸗ verband der chriſtlichen Gewerkſchaften inkl. Penſions⸗ fonds 8580, Anteil der Zahlſtellen 181 417,60, Agitation und Bezirksleitung 40 900,45, Generalverſammlung und Konferenzen 8477,78, Verwaltungskoſten 33 099,85 Mk. Das Vermögen nur der Hauptkaſſe auf den Kopf der Mit⸗ glieder berechnet, ergibt einen Beſtand von 27,15 Mark auf das Mitglied, während die ſozialdemokratiſche Kon⸗ kurrenzorganiſation, der Deutſche Metallarbeiterverband, auf den Kopf ſeiner Mitglieder nur einen Beſtand von 9.32 Mark aufweiſt. Lokale Nachrichten. Viernheim, 27. April. — Euteignungsverfahren. Das Großh. Mini- ſterum des Innern hat in einer Entſcheidung auf einen Rekurs gegen ein Urteil eines Provinzlal⸗Ausſchuſſes folgenden Grundſatz anerkannt: Hat aus Anlaß einer Feldbereinigung nach Art. 4 Abſ. 3 und Art. 14 Ziffer 1 des Feldbereini⸗ gungsgeſetzes von 1906 beſchloſſen, ein der Feldberelnigung an und für ſich nicht unterliegendes Grundſtück zur Bereinigung zuzuziehen, ſo iſt auf Widerſpruch des Eigentümers im Ent- eignungsverfahren nur noch über die Hohe der Entſchädigung zu befinden. Der Pian des Unternehmers wird alſo endgültig von den Inſtanzen der Feldbereinigung feſtgeſtellt und unter⸗ e liegt nicht mehr einer abändernden Eutſcheidung durch die Inſtanzen im Enteignungsverfahren(d. l. der Provinzlal⸗ ausſchuß in erſter Inſtanz und das Miniſter ium des Innern in der Rekursinſtanz.) — Heſſeus Garniſonen. Die heſſiſche Milltär⸗ bevölkerung einſchließlich Milttärverwaltung zählt gegenwärtig rund 24 000 Köpfe. Davon entfallen auf Rheinheſſen 11648, auf Starkenburg 9398 und auf Oberheſſen 2887 Kopfe. Die ſtärkſten Garniſonen ſind Mainz mit 8077, Darmſtadt mit 6048, Gießen mit 1985, Worms mit 1985 und Offenbach mit 679 Perſonen Milttärbevölkerung. Aus Nah und Fern. — Maunheim, 24. April. Der große Schrauben⸗ dampfer„Franz Haniel 9“ wurde geſtern nachmittag halb 2 Uhr von dem aus dem Neckar kommenden Schraubendampfer „Mathias Stinnes 10“ angefahren und erlitt eine derartige Lecklage, daß er ſofort ſank. Die Mannſchaft wurde gerettet. — Lampertheim, 24. April. Der verhaftete Kronauer hat die Frledhofsſchändung in einem Verhöre am Tatorte eingeſtanden. Teilwelſe hat Kronauer eine au den Tatort mitgenommene Hacke benutzt, mit welcher er u. a. einen ſchweren Grabſtein von der Mauer loszuſtemmen ver- ſuchte, und die er nachher wegwarf. Er bemüht ſich, ſeine ruchloſe Handlung in moͤglichſt mildem Lichte darzuſtellen, wird aber vor Gericht ſchwerlich ſonderlichen Erfolg haben. — Lampertheim, 26. April. Mit Beginn des Schuljahres wurden in der hieſigen Volksſchule 278 Schüler neu aufgenommen und 203 Schüler entlaſſen. mithin ein Ueberſchuß von 75 Schuͤlern, wodurch die Errichtung einer weiteren Schulklaſſe notwendig wurde. Die Zahl der Klaſſen beträgt 32, davon 20 evangeliſche und 12 katholiſche. Die evangeliſche Schule beſuchen 1218, die katholiſche 794 Kinder zuſammen 2018(ausſchließlich Hüttenfeld). Auf jede Klaſſe entfallen durchſchnittlich 63 Schüler. — Heppenheim, 24. April. Geſtern wurde die hieſige Gemeinde ſchon wieder durch einen Waldbrand, den zweiten in letzter Zeit, geſchädigt. Das Feuer entſtand gegen 4 Uhr im Diſtrikt Steinberg und vernichtete einen großen Teil Hege.— Vorige Woche durchſchnitt ſich der 37jährige Wilhelm Schul, Beſitzer des Gaſthauſes„Zum roten Löwen“ den Hals und eine Pulsader. Schwer verletzt wurde er ins Hoſpital verbracht. — Beusheim, 26. April. In einer hieſigen Familie iſt bei einem Kinde ein Fall von epidemiſcher Genick⸗ ſtarre mit tödlichem Ausgang vorgekommen. Von ſeiten der zuſtändigen Behörden ſind die umfaſſendſten und ſtrengſten Sicherheitsmaßregeln angeordnet worden. — Mainz, 26. April. Vor der hieſigen Strafkammer ſtanden vorige Woche 21 Perſonen wegen Kartätſchendieb- ſtahls im Fort Marienborn. 16 Taglöhner und junge Burſchen hatten aus militäriſchen Vorratsbhäuſern 80 Kartätſchen zu je 76 Kugeln geſtohlen. Fünf Althänder ſind wegen Hehlerei angeklagt. Die Angeklagten werden zu einem Monat Gefängnis bis zu einem Jahre Zuchthaus verurteilt. Zwei Althaͤndler wurden wegen Mangels an Beweiſen frei- geſprochen. — Leimen, 26. April. Am 19. d. M. ereignete ſich hier ein ſchwerer Unglücksfall. Die Frau eines ttalte⸗ niſchen Arbeiters war mit dem Umarbeiten des Bodens be- ſchaftigt, als plötzlich eine jedenfalls verloren gegangene Sprengpatrone explodierte, wobei der bedauernswerten Frau beide Hände zerriſſen wurden. Der Frau mußten an der einen Hand drei und an der anderen Hand zwei Finger amputiert werden. — Lahr, 26. April. Der Schleferdeckermeiſter Fuchs ſtürzte, anſcheinend von einem Schwindelanfall getroffen, rüͤck⸗ lings von der Leiter etwa 3½ Meter herab. Er erlitt einen Schädelbruch und ſtarb nach kurzer Zeit. Eine Frau und 9 Kinder trauern um den Ernährer. Geſtern abend 6 Uhr tee — Budenheim, 24. April. gerieten in der Nähe des Waldthauſenſchen Schloſſes zwei Zigeunerbanden in Streit, wobei 40 bis 50 Schüſſe gewechſelt wurden. Eine junge Frau erhielt einen Schuß in die Bruſt; die Verletzung iſt ſchwer; ein Zigeuner erhielt Streifſchüͤſſe an einem Arm und einem Bein. Herr Dr. Breitkopf legte Notverbände an und die Sanitätskolonne trat in Tätigkeit. Die Frau wurde ins Rochusboſpital nach Mainz geſchafft. Die Feldſchützen, die den Vorgang beobachteten, wurden auch mit der Waffe bedroht. Marktbericht. — Weinheim, 24 April. Schweinemarkt. Zuge⸗ führt waren 174 Stück Milchſchweine, die alle zum Preiſe von 28 bis 42 Mk. pro Paar verkauft wurden. Laufer waren keine zugeführt. — Rimbach, 24. April. Recht lebhaft geſtaltete ſich der Verkehr auf dem letzten Ferkelmarkte mit dem auch eine Prämiterung verbunden war. Die aufgetriebenen Tiere kamen ſämtlich zum Verkauf, da es an Kaufliebhabern nicht fehlte. Bezahlt wurden je nach Qualität und Alter 34—41 Mark pro Paar. Der nächſte Ferkelmarkt wird Mittwoch, den 5. Mat, vormittags 9 Uhr ſtattfinden. Aus Stadt und Land. Die Zählebigkeit der Hühner zeigte ſich während der Hochwaſſerzeit in der Altmark. In Seehauſen flatter⸗ ten einige Hühner ins Waſſer und kamen um, ein Huhn jedoch fand ganz oben im Stall einen Sitzplatz und blieb ruhig dort. Als das Waſſer fort war, ſaß es noch da, ſehr entkräftet, aber lebend. Es wurde ſorgfältig gepflegt, und es hat jetzt ſchon wieder gelegt. 14 Tage ſoll es ohne Nahrung zugebracht haben. In der Altſtadt rettete ein anderer Mann ſeine Hühner bis auf eins, das ſich im Stroh verkrochen hatte. Nach 13 Tagen wurden einige Bund Stroh gebraucht, und da fand man das Huhn. Es war ganz zuſammengeſchrumpft, leicht wie ein Flederwiſch. Da es nicht freſſen konnte, wurden ihm kleine Speckſtückchen in den Schnabel geſteckt, die es ver⸗ ſchluckte. Jetzt iſt es ganz geſund, legt aber noch nicht. * Fiſchſterben durch andauernde Kälte. Durch den harten Winter iſt auch der Fiſchbeſtand vieler Gewäſſer Ant gan, babe wirt eld aun be. , felge puſtelg bchban. Shüler uch e ng eller t fliſen . Die h 79 Auf e zurde die and, den 50 gegen d großen Jahre dagen“ utbe er hiesigen Genlck⸗ ten ber rengſten ſtaumer heubleb⸗ unge an 80 bet sind 1 einen rial. feel eraguete lle eus be · gangene n Fran an det Finger duch „ küc⸗ t einen u und 6 Uhr 8 zpel wechſilt Bm; ſhiſe ligt igket. hofft. 1 zu, ö Preſe Alufer ſullete auch Tiere uicht —1¹ woc, So haben u. a. viele Fiſche in den ausgetretenen Waſſern der Flußläufe des Elbe⸗ und Saalegebiets ihren Tod gefunden. Die Fiſche ſind in Maſſen auf den ihnen angrenzenden Geländen zu finden. Unterhalb Jena, ſo erzählt ein Fiſcher, würde es nicht ſſchwer halten, zwei Baggerkähne mit toten Fiſchen binnen kurzer Zeit zu füllen. In der Gegend von Merſeburg bei Meuſchau ſind Welſe bis zu 40 Pfund, Barben von 6 bis 12 Pfund, Karpfen bis zu 8 Pfund Schwere und! Hechte in unheimlichen Mengen aufzufinden. An der unteren Saale liegen beſonders viele Aaale auf dem Lande umher, der größte Teil des Fiſchbeſtandes ſcheint mit dem Grundeiſe umgekommen zu ſein. ** Ein neuer„Hauptmann von Köpenick“. Der 23jährige Klempnergeſelle Wilhelm Gaels aus Neuwied, der zahlreiche weſtdeutſche und mitteldeutſche Städte da⸗ durch unſicher machte, daß er als Offizier verkleidet in Hochgeſtellten Familien und vornehmen Gaſthäuſern große Schwindeleien verübte, erhielt von der Aachener Straf⸗ kammer wegen Betrugs in 25 Fällen fünf Jahre Zucht⸗ Haus und 4000 Mark Geldſtrafe. Außerdem wurde die Stellung unter Polizeiaufſicht angeordnet. Der recht jgewiegte Schwindler hatte wegen derſelben Taten vor einigen Tagen in Köln eine größere Freiheitsſtrafe er⸗ halten und wird auch von Frankfurt aus wegen ver⸗ schiedener Straftaten verfolgt. * Dyyhteriekranke Soldaten. In Magdeburg wurde durch einen Oſterurlauber in die Kaſerne des 4. Pionier⸗ bataillons die Dyphtheritis eingeſchleppt. Etwa zwan⸗ 3ig Pioniere ſind erkrankt und mußten bereits in das Garniſonlazarett einquartiert werden. Um die Ver⸗ breitung der Seuche zu verhüten, wurde eine größere Anzahl von Schutzimpfungen vorgenommen. ** Tiroler Jubeltage. Die Reihe der großen Feſte anläßlich der 100. Wiederkehr der Tage, in denen Tirol ſeinen Freiheitskampf ausfocht, eröffnete die Stadt Meran mit einer großen und wohlgelungenen Feier. Dieſe be⸗ gann mit einer Feſtvorſtellung im Stadttheater. Der Hauptfeſttag war von herrlichem Wetter begünſtigt. Der erſte Programmpunkt war die Fahnenweihe am Sport⸗ platze, um etwa ½3 Uhr vormittags erfolgte der Auf⸗ marſch der Korporationen im Sportplatz, wo ſich eine große Menſchenmenge eingefunden hatte. Nach einer Feldmeſſe wurde zum Trogmanndenkmal marſchiert, wo Schriftſteller Karl Wolf eine Anſprache hielt, in der er der Heldentaten der Tiroler in den Befreiungskriegen und der Leiſtungen des Tiroler Schützenhauptmanns Trog⸗ mann gedachte. Dann gab er das Zeichen zur Enthüllung, und unter Böllerknall und Volkshymne fiel langſam die Hülle von dem Denkmal Trogmanns, einem Werke Mayr⸗ hofers, eines jungen Meraner Künſtlers. Hierauf ordnete ſich der Feſtzug, beſtehend aus etwa 1500 Teilnehmern. Er ging durch die Hauptſtraßen der Stadt auf den Renn⸗ weg. Es waren etwa 60 Korporationen vertreten mit mehreren Originalfahnen von 1809, darunter die echte Andreas Hofer⸗Fahne von St. Leonhard im Paſſeier. Die Teilnehmer wurden mit Blumen überſchüttet, und das Ganze bot ein Bild des echten, kernigen Tiroler Volkstums. Gegen 11 Ubr langte der Feſtzug vor dem Gerichtsgebäude am Rennweg an. Dort war eine mit dem Doppeladler geſchmückte Rednertribüne errichtet wor⸗ den, von der aus Hofrat Profeſſor Dr. Hirn die Feſtrede hielt, in welcher erin erſchöpfender Weiſe das Thema der Freiheitskämpfe behandelte. Nachmittags wurde im Volksſchauſpielhauſe eine Feſtvorſtellung„Andreas Hofer“ gegeben, am Abend war die Stadt illuminiert. * Welche Sprache wird am meiſten geſprochen? Die vielfach verbreitete Meinung, daß die am meiſten geſprochene Sprache die engliſche ſei, iſt kürzlich auf Grund eingehender Forſchungen des Prof. Nathan Adler widerlegt worden. Nach Nathan Adler iſt die chine⸗ ſiſche Sprache die von den meiſten Menſchen auf der Erde geſprochene, denn ihrer bedienen ſich nicht weniger als 330 Millionen Menſchen, dann folgen die indiſche mit 263 Millionen Sprechenden, jetzt erſt die engliſche mit 116 Millionen und die deutſche mit 71 Millionen Erdenbewohnern.— Vielleicht ſind aber auch dieſe An⸗ gaben noch ungenau, denn die Zahl der Chineſen iſt moch nicht genau geſchätzt; die Schätzung ſchwankt zwiſchen 300 und 400 Millionen. ** Eine Infanteriekompagnie von einem Automobil überrannt. Am Donnerstag fuhr auf der Ingolſtädter Chauſſee eine Automobildroſchke in eine von einer Nacht⸗ übung kommende Kompagnie des Münchener Infanterie⸗ Leibregiments hinein, wobei zwei Soldaten ſchwer ver⸗ letzt wurden. Das Automobil ſetzte die Fahrt mit äußer⸗ ter Geſchwindigkeit fort, wurde aber bei Schleißheim von der inzwiſchen verſtändigten Polizei angehalten. Der CThauffeur gab an, die Soldaten weder geſehen, noch ge⸗ hört zu haben, und aus Furcht vor einer Lynchjuſtiz weiter gefahren zu ſein. Dieſe Angaben ſind falſch, da die Soldaten ſangen. ** Erpreſſer in Breslau verhaftet. Der bekannte Kommerzienrat Haaſe erhielt einen Brief, in welchem er unter Todesdrohungen aufgefordert wurde, 3000 Mk. auf dem Hauptpoſtamt niederzulegen. Er übergab den Brief der Polizei, die den Abſender, einen jungen Mann mamens Aulig verhaftete, als er das Geld abholen wollte. In Berlin wurde ebenfalls ein Erpreſſer verhaftet. * Einbruch in die römiſche Münze. In der Donners⸗ tag nacht drangen drei Raubgeſellen in den vatikaniſchen Park, um von dort aus in die benachbarte italieniſche Münze einzubrechen. Außer einer Anzahl von Gold⸗ barren befand ſich in der Münze eine eben eingetroffene halbe Million in Silbertalern, die zum Umprägen be⸗ ſtimmt waren. Ehe jedoch die Diebe in die unbewachte Münze einzuſteigen vermochten, wurden ſie von der Patrouille der päpſtlichen Gendarmen ab⸗ ge faßt und nach dem vatikaniſchen Wachtlokal gebracht. Am Donnerstag früh erfolgte die Auslieferung der Diebe an die italieniſche Polizei. Dabei ſprang einer der Diebe vom erſten Stock der Wachtſtube auf den Peters⸗ platz hinab, wurde aber mit Hilfe eines päpſtlichen Gen⸗ darmen und der Paſſanten wieder eingefangen. Wenn die italieniſche Münze nicht ausgeraubt wurde und unge⸗ heure Summen nicht geſtohlen worden ſind, ſo iſt dies lediglich das Verdienſt der päpſtlichen Gendarmerie. Die Eisgebirge des Niagarafalles. Aus Newyork wird gemeldet, daß die Ingenieure einen letzten Verſuch unternehmen wollen, die ungeheuren Eismaſſen vor den Niagarafällen zu ſprengen. Zu dieſem Zweck wird eine ganze Tonne Dynamit verwendet. Die Exploſion, die dabei entſtehen wird, dürfte ungefähr wie ein Erdbeben wirken. Die Eismaſſen haben nunmehr eine Länge von etwa zwanzig Kilometern und ragen bis zu einer Höhe geſchädigt worden. von dreißig Metern empor. Wenn dieſer letzte Verſuch mißlingt, ſo iſt die Vernichtung von vier Städten ſowie von Hunderten von Fabriken unvermeidlich. * Die Toten von Meſſina. Aus den Trümmern der durch das Erdbeben zerſtörten Stadt Meſſina wurden bisher 25 000 Leichen geborgen. Es wird angenommen, daß unter den ſchwer zugänglichen Schutthaufen noch 45 000 Tote liegen. 0 ** 17 Perſonen umgekommen. Beim Zuſammenſtoß der Dampfer„Edith“ und„Oxford“ in der Nähe von Chriſtiania ſind 17 Perſonen ums Leben gekommen. ** Arzt und Banknotenfälſcher. Wegen Fälſchung öſterreichiſcher Fünfzigkronnenoten wurden in Wien der Arzt Dr. Ladislaus Hoſchek, der Malariaſtudien treibt, und die Tabaktrafikinhaberin Frau Edle v. Kurz, eine Tochter des Sektionschefs, verhaftet. Die Fälſchungen werden als glänzend gelungen bezeichnet. * Neue Erdbeben werden aus dem Mittelmeer⸗ becken gemeldet. Seit dem 14. April herrſchte auf den Inſtrumenten der Laibacher Erdbebenwarte vollkommene Ruhe. Nun hat eine neue Erdbebenperiode begonnen. In Liſſabon wurde ein ſehr heftiges, mehrere Sekunden langes Erdbeben im Parlament ſo ſtark bemerkbar, daß die Sitzung geſchloſſen werden mußte. Viele Häuſer weiſen leichte Beſchädigungen auf. Mehrere Gasexplo⸗ ſionen fanden ſtatt, bei denen eine Anzahl Perſonen verletzt wurden. Ernſte Unfälle ſind glücklicherweiſe nicht zu verzeichnen. Auch in Madrid wurden zwei leichte Erderſchütterungen verſpürt, die einige Beunruhigung hervorriefen. 1 Der„Einbrecherkönig“ Paul Bierente, der an der Spitze einer ſiebenköpfigen Bande einen Einbruchs⸗ diebſtahl verübt hat, bei dem 64000 Mark geraubt wurden, iſt in Loboſitz verhaftet und den ſächſiſchen Behörden übergeben worden. g * Die Bank von Monte Carlo geſprengt. Einem Engländer namens Humley Walker iſt die Sprengung der Bank von Monte Carlo gelungen. Er hat in zwei Stunden im Roulette die Kleinigkeit von 240 000 Mark gewonnen, ein Ausnahmefall, der den Buchhalter zwank, das Spiel für einige Zeit zum Zwecke der Neuanfüllung der erſchöpften Kaſſe zu unterbrechen. Schon am Abend vorher hatte der vom Glück begünſtigte Engländer einen Gewinn von 120 000 Mark eingeheimſt. Mr. Walker hatte ſeit fünfzehn Jahren als Stammgaſt des Spielſaals die Rolle des gerupften Pechvogels geſpielt. Die Freude des Engländers, eines reichen Baumwollfabrikanten aus Lancaſhire, der auch als Teilnehmer an mehreren Auto- mobilrennen in der Sportwelt einen Namen hat, iſt darum um ſo größer. Er hat ſich im übrigen kluger⸗ weiſe, kaum daß er das Geld in der Taſche hatte, beeilt, den Staub Monte Carlos von den Füßen zu ſchütteln. 0 ** Caſtro wieder in Paris. Caſtro hat ſich ſchleunigſt vom Hafen St. Nazaire, wo er landen wollte, um eine Reiſegelegenheit nach Columbia zu benutzen, nach Paris begeben. Caſtro traf am Freitag in Paris ein und legte den Weg vom Bahnhof zum Automobil. auf die Schultern zweier Freunde geſtützt, zurück. Er wird dem Präſidenten Fallieres einen Proteſt gegen ſeine Aus⸗ weiſung aus Martinique überſenden. In einem Inter⸗ view erklärte er, Venezuela werde zu ſpät einſehen, daß die gegenwärtigen Lenker ſeiner Politik die Annexion des Landes durch die Vereinigten Staaten vorbereitet hätten.— Da könnte er faſt Recht haben! ** Der letzte Biſon. Aus Winnipeg(Kanada) wird der„Frkf. Ztg.“ berichtet: In dem National⸗Parke bei dem berühmten heißen Schwefelbade Banff(Alberta) ſtarb am Montag der letzte in Gefangenſchaft gehaltene„wilde“ Büffel, wild inſofern, als die übrigen in Kanada lebenden Büffel entweder in der Gefangenſchaft geboren oder eine Kreuzung mit zahmem Rindvieh ſind.„Sir Donald“, ſo hieß der nach dem früheren Sir Donald Smith, jetzigen Lord Stratheona, dem hoch in den Achtzigern ſtehenden kanadiſchen Oberkommiſſar in London, getaufte wilde Geſelle, gehörte noch jenen alten, nun dahingegangenen Stämmen an, die auf der Prärie herumjagten und deren eigentliches Eigentum ſie einmal waren. Vor über 40 Jahren wurde„Sir Donald“ von James Mekay, einem Angeſtellten auf einer der Stationen der Hudſon Bay Company, im derzeit noch unbewohnten Innern des nordweſtlichen Kanada gefangen und kam nach Banff, wo die erſte Herde Büffel gehalten wurde. Anfangs betrug ſich„Sir Donald“ ganz artig und wohlgeſittet, aber ſeit ein paar Jahren zeigte er böſe Spuren von Unverträglichkeit mit der übrigen Herde, und es war auch ſchon beſchloſſen, ihn nur noch ein Jahr leben zu laſſen und dann abzuſchießen. Indeſſen der alte Herr ließ es ſo weit nicht kommen; durch ſeinen böſen Charakter grub er ſich ſelbſt ſein Grab; am Montag früh wurde er von dem Wärter tot im Walde aufgefunden, ſämtliche Rippen waren dem Tiere gebrochen, und der Körper zeigte auch ſonſt noch ſchwere Verwundungen; die ganze Herde hatte nämlich den alten gemeinſamen Feind angegriffen, der ſich tüchtig zur Wehr ſetzte, aber im Unterholz ver⸗ ſtrickte, zu Fall kam und dann von den erboſten Büffeln zu Tode geſtoßen wurde. Kleine Nachrichten aus Stadt und Land. Am Samstag erſchoß der Rendant der Ortskranken⸗ kaſſe König in Rixdorf ſeine Frau, ſeine 14 jährige Tochter und dann ſich ſelbſt. Frau und Tochter waren ſofort tot, König wurde ſterbend nach dem ſädtiſchen Krankenhauſe geſchafft. 1 Auf dem fiskaliſchen Römerſchacht bei Rybnik ſtürzten ewaltige Geſteinsmaſſen ab, wobei der Oberhäuer 405 rika getötet, mehrere andere Bergleute tödlich verletzt wurden. — Leipzig wurde ein Arbeiter mit einem Schuß in der Bruſt ſchwerverletzt aufgefunden. Er konnte noch an⸗ geben, daß er in der Nähe des Waldes von einem Unbe⸗ kannten angebettelt wurde, worauf dieſer einen Revolver auf ihn abfeuerte. Die Stadt Espincho in Portugal wurde von einer e heimgeſucht, die zahlreiche Wohnhäuſer zerſtörte. g r 3 Geſchäftliches. — Die Wiſſenſchaft wie die Induſtrie bemühen ſich heute eruſtlich, alle pflanzlichen Stoffe der menſchlichen Ernährung nutzbar zu machen. Man hat überall erkannt, daß ein Uebermaß im Fleiſchgenuß dem Organismus direkt ſchädlich iſt, daß dagegen pflanzliche Nahrung nur die Geſundheit fördert. Eine Frucht dieſer Beſtrebungen iſt die mit ſo viel Erfolg in den Handel gebrachte„Knorr ⸗Sos“, ein pflanzliches Produkt mit ausgezeichnetem Bouillon⸗Geſchmack. Es iſt wirklich erſtaunlich, daß man aus Pflanzen eine ſolche Fülle von Wohlgeſchmack gewinnen kann. e. Für die Redaktion verantwortlich: Wilh. Bin gener, Viernheim g Bekanntmachung. Freitag, den 30. d. Mts., vormittags 8 Uhr wird auf dem Rathauſe dahier: 1. Verſchiedene Allmendgrundſtücke auf die Dauer der Ge⸗ nußzeit und 2. das Grundſtuck Unterbruchweide 1. Gewann Nr. 9 auf 1 Jahr in Pacht an die Meiſtbtetenden verſteigert. Viernheim, den 27. April 1909. Großh. Bürgermeiſterei Viernheim: Kühlwein. Freiwillige Feuerwehr Viernheim. N 5 Junge Leute, namentlich von der 100 Pflichtfenerwehr werden ſtets aufge⸗ 775 nommen in das freiwillige Corps. Anmeldungen ſind beim Kommando zu machen. Der Kommandant: Müller. 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Wir bringen zur öffentlichen Kenntnis, daß die Preiſe für den aus dem Gaswerk der Gemeinde abzugebenden Koks anderweit wie folgt feſtgeſetzt ſind. 1. für gebrochenen Koks(1. Sorte), 1,40 M. pro 50 kg. 2.„ungebrochenen„„„ 0.„ 75 — Betr. Die Ausführung des Urkundenſtempelgeſetzes. Wir bringen nochmals die Erneuerung der Radfahr- karten und Erlaubniskarten für Automaten, Muſikwerke ꝛc. in Erinnerung und machen gleichzeitig darauf aufmerkſam, daß die Friſt bis 1. Mai 1909 erſtreckt iſt. Die nach dieſem Zeitpunkt entſtehenden Koſten fallen den Säumigen zur Laſt. 77 I Die Anlieferung von 20 Ztr. Welſchkorn und 10 Ztr. Gerſte für das gemeinheitl. Faſelvieh ſoll öffentlich vergeben werden. Angebote ſind mit entſprechender Aufſchrift verſehen, mit Muſtern bis längſtens 30. ds. Mts. bei uns einzureichen. Viernheim, den 24. April 1909. Groftherzogliche gürgermeiſterei Viernheim. K ü hlwein. Hanern- Verein Viernheim. 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