Bürgerholzabgabe. Von morgen Mittwoch ab wird Rezeßholz abgegeben.(Siehe Bekanntmachung.) * Einbruchsdiebſtahl. In der Nacht von Sonntag auf Montag ſo gegen 3 Uhr, wurde in der Wirtſchaft zur friſchen Quelle ein Einbruchsdiebſtahl verübt. Die Diebe eutwen⸗ deten aus der Wirtsſtube und der Küche: 150 Packungen Cigaretten, 10 Pakete Rauchtabak, 100 Cigarren, 7¼ Pfd. Leber- und Blutwurſt, verſchiedene Flaſchenweine„Gau Bickelheimer“ und„Diedenheimer Oelgäſſel“, ſowie verſchiedenes andere. Angaben, die zur Ermittelung der Täter führen können, wollen bei der Kriminalpolizei gemacht werden. Diskretion wird zugeſichert. e Dachbodenbrand. Geſtern nach⸗ mittag wurde in einem Hauſe in der Bismarck⸗ ſtraße zur rechten Zeit ein Dachbodenbrand ent · deckt und ſo ein größerer Brand vermieden. Ein Balken Nähe des Kamins hatte Feuer gefangen und war bereits ganz durchgebrannt. * BVerfrühte Frühlingsboten. Kin- der brachten uns geſtern freudeſtrahlend zwei Maikäfer in die Redaktion. Die braunen Ge⸗ ſellen waren recht munter und nicht ahnend, daß ſie ihr vorwitziges Erſcheinen mit dem frühen Tode bezahlen müſſen. »Neuhausbeſitzer. Am 7. Januar 1933 tagte in Berlin der Geſamtvorſtand der Reichs arbeitsgemeinſchaft des Deutſchen Neuhaus ⸗ beſitzes. Es wurde beſchloſſen, der Reichsregie⸗ rung erneut die ernſte Notlage des deutſchen Neuhansbeſitzers vor Augen zu halten und ſo⸗ fortige Abhilfe zu fordern. Der Mietwohnhaus⸗ beſitz iſt durch das außerordentliche Kündigungs- recht und das ſtändige Abſinken des Einkommens ſeiner Mieter aufs Aeußerſte bedroht. Zahl- reiche erwerbsloſe Eigenheimbeſitzer kämpfen in allen deutſchen Landen verzweifelt um die Erhaltung ihres mühſam erworbenen Beſitztums und ihrer perſönlichen Exiſtenz. Für ſie fordert die Reichsarbeitsgemeinſchaft des deutſchen Neu- hausbeſitzes einen beſonderen Schutz vor Zwangs- vollſtreckungsmaßnahmen, für den geſamten Neu⸗ hausbeſitz aber eine entſprechende Erleichterung der auf den Grundſtücken ruhenden Laſten. Die pei der Vorſtandsſitzung aus allen Landesteilen eingegangenen Berichte geben ein ſo erſchüttern⸗ des Bild von der vielfachen Notlage, daß nur ein unverzügliches Eingreifen der Reichsregierung Hilfe bringen kann. Fgelchtergilde der D. J K. Viernheim. Die Fechter der Deutſchen Jugendkraft hatten ihre Mitglieder und eine Anzahl Ehrengäſte ein⸗ geladen, um mit ihnen am Donnerstag, den 5. Januar 1933, die Abſchlußfeier zu begehen, welche gleichzeitig die Eröffnung des neuen Sport- jahres war. Der verdienſtvolle Leiter der Fechter⸗ gilde, Herr Ph. Jung jr., Mannheim konnte unter den erſchienenen Ehrengäſten, Herrn Be⸗ zirkspräſes Prof. Schwall, den Präſes der D. J. K. Herrn Kpl. Well und eine Abordnung der Fechter⸗ Fgecſellſchaft D. J. K. Mannheim begrüßen. In feiner Anſprache betonte Herr Jung, daß der Name Viernheim in der Fechterbewegung der Deutſchen Jugendkraft bereits einen guten Klang hat. Die Uebungsſtunden waren gut beſucht und konnte am Ende des Jahres ein Mitglieder- zuwachs verzeichnet werden. Herr Jung hatte für den Abend ein an⸗ ſprechendes Programm zuſammengeſtellt. W. Weiß brachte Muſikſtücke und Märſche auf dem Klavier zum Vortrag und Herr Englert, Mannheim zeigte mit dem„Adagio“ auf der Flöte, daß er dieſes Inſtrument gut beherrſcht. Zwei Fechter ſtellten ſich als Straßenſänger vor und ernteten ebenfalls Beifall. Herr Jung zeigte dann im Rahmen des Programms noch Licht- bilder von dem Reichstreffen in Dortmund. Mit dem Liede„Und wenn wir marſchieren“ fand der Abend einen würdigen Abſchluß. 37. General⸗Verſammlung des Volkschors. Am Samstag abend hielt der„Volkschor“ im„Karpfen“ ſeine ordentliche Generalverſamm⸗ lung ab. Nach dem Gedenken an das verſtor⸗ bene Mitglied Johannes Schmidt konnte Vor⸗ ſitzender Georg Herbert den Geſchäfts bericht geben, der anſchließend noch vom Schriftführer Ludwig Benz ergänzt wurde. Hiernach hat der„Volks⸗ chor“ im verfloſſenen Jahre mehrere eigene Ver⸗ anſtaltungen durchgeführt, wobei die Revue ⸗ Operette„Verliebte Leut“ und in erſter Linie das am 9. Oktober ſtattgefundene Chorkonzert zu erwähnen iſt. Unter der Leitung von Alphons Meißenberg iſt der Volkschor ſehr raſch in die Spitzengruppe der Mannheim— Ludwigshafener Geſangvereine aufgerückt. Die Mannheimer Kri⸗ tiker, die Herren Dr. Karl Lauſe, Fritz Lemke, Fritz Zobeley, Dr. Bahle uſw. haben in ihren Zeitungen dem Chor ſowie ſeinem Leiter mit der vorbildlichen Programmzuſammenſtellung, nur einſtimmiges Lob erteilt. Der Chorkörper mit z. Zt. 124 Sänger und Sängerinnen muß zu der geplanten Aufführung von Hayd'ns Schöpfung eine Stärkung erfahren. Der Mitgliederſtand iſt gegen das Vorjahr etwas zurückgegangen. Der Kaſſenbericht des Kaſſiers Georg Umhauer iſt befriedigend. Die Beiträge ſind in dieſem Jahre zu 900% eingegangen. Bei Neuwahlen wurde der alte Vorſtand faſt reſtlos wiederge⸗ wählt. Das Amt des 2. Vorſitzenden Michael Mandel, der beruflich abweſend iſt, hat auf Wunſch der Verſammlung der verdienſtvolle frühere 1. Vorſitzende Matthäus Mandel übernommen. Zu Beiſitzern wurden Fritz Froſchauer, Chriſtian Haas und Hans Träger hinzugewählt. Georg Herbert als 1. Vorſitzender, Georg Umhauer als Kaſſter, Ludwig Benz als Schriftführer, ſowie die ſeit Jahren tätigen Beiſitzer wurden per Akklamation wiedergewählt. Als Reviſoren fungieren Valtin Alter, Fritz Kamuff und Fritz Gallei. Als Archivar Peter Weinlein. Mit dieſer Vorſtandſchaft wird der Volkschor ſein umfangreiches Jahresprogramm zur allſeitigen Zufriedenheit bewältigen können. Mit dem Frei⸗ heitschor„Ich werde Dein“ konnte die harmoniſch verlaufene Generalverſammlung geſchloſſen werden Rufruf! Der„Volkschor“ plant in dieſem Herbſt die Aufführung des Oratoriums „Die Schöpfung“ 8 von Joſeph Haydn. Hierzu ſoll der Männerchor und der Frauen⸗ chor verſtärkt werden. Alle ſangesfreudige Herren und Damen, insbeſondere aber die ſtimmbegabten Angehörigen unſerer Mit- glieder, ſind zur Mitwirkung freundlichſt eingeladen. Die Singſtunden finden jeweils Samstags abends 9 Uhr im geheizten „Karpfen⸗Saale“, ohne Getränke ſtatt. Ein⸗ gang zum Saal von der Straße aus. Geld⸗ ausgaben irgendwelcher Art entſtehen alſo nicht. Der Vorſtand. Herr. beſſeren Fußball und hatten gewaltiges Pech. In der erſten Halbzeit verſagten die Halbſtür⸗ mer ſo ziemlich. Es iſt klar, daß die Ballbe⸗ immer noch nicht und wieder trat das Publikum Mittwoch Nachm. 3 Uhr: Training der Jugend 0 Die Saarmannſchaft knapp 211 geſchlagen! Voriges Jahr ſpielten die Saarleute einen Dieſes Jahr war die Sache umgekehrt. Mit einem rieſelhaften Duſel führten ſie bis tief in die zweite Halbzeit hinein, wobei die fabelhafte Leiſtung Dahlheimers im Saartor auch dazu beitrug. Das Spiel hätte dick gewonnen wer⸗ den müſſen, wenn in der Mannſchaft d. h. im Sturm ein taktiſcher Führer wäre. Wenn ein Gegner mauert, ſo muß doch das Spiel aus⸗ einandergezogen werden und wenn ein Gegner in Führung liegt, ſo muß der Sturm mit aller Gewalt losziehen und ſich nicht ängſtlich in der Läuferreihe verkriechen, daß man zur Anſicht kommen könnte, die Läufer wären Stürmer. handlung bei dem hartgebackenen Boden leiden mußte. Nach der Pauſe klappte es anfangs rettend ein, weil es ihm zu dumm war. Tore wollten die Leute ſehen. Man hörte faſt die Steine von den Herzen der Fanatiker fallen als Vallendor ganz hübſch den Ausgleich ſchoß und ehrlich war der Jubel, als Kiß Karl den Sie⸗ gestreffer ſchoß. Panzer⸗Phönix Lu leitete ganz hervorragend. Am Sonntag nachm. 1 Uhr findet die Generalverſammlung ſtatt und man darf hoffen, daß alle Mitglieder ſich dazu einfinden. Wochenplan der Sportver⸗ einigung Amicitia 09 E. V. Vereinshaus„Waldſchenke“.— Täglich Betrieb Abteilung Fußball: Dienstag Nachm. 3 Uhr: Training der 1. M. und der 3. Maunſchaft. und Schüler. Donnerstag nachm. 3 Uhr: Training der 1. 2. und 4. Mannſchaft. Donnerstag abend 8 Uhr: Vorſtands⸗ und Ver- waltungsausſchuß im Vereinshaus. Sonntag, den 22. Januar, nachmittags 1 Uhr im Vereinshaus Ordentliche General(Jahres)verſammlung. NB. Satzungen ſtehen in der Geſchäftsſtelle von morgen ab zur Verfügung. Bekanntmachung. Betr.: Kontrolle der Beitragsleiſtung zur In⸗ validenverſicherung. Wir machen darauf aufmerkſam, daß in nächſter Zeit der Kontrollbeamte der Landes- verſicherungsanſtalt eine Kontrolle der Quittungs karten vornimmt. Die Arbeitsgeber werden jegt ſchon darauf hingewieſen, damit bei der Kom rolle Beanſtandungen der Markenverwendung nicht zu erheben ſind. Arbeitgeber, die es unterlaſſen, die Markenverwendung für ihre verſicherungs⸗ pflichtig Beſchäſtigten rechtzeitig und in richtiger Höhe vorzunehmen, unterliegen nach 8 1488 RBO. einer Beſtrafung bis zu 1000.— RM. Viernheim, den 16. Jan. 1932. Heſſ. Bürgermeiſterei Viernheim Lamberth. Druckſachen aue a Die erſte Tunnelauſſchlitzung in Deuiſchland. Mainz, 17. Januar. Auf einer Strecke von 40 Metern iſt der Mainzer Tunnel jetzt mit eiſernen Bogen eim erüſtet, und nun wird ber den Tunnelauf⸗ ſchlitungsarbeiten ein hiſtoriſcher Moment für ganz Deutſchland einſetzen, der Durchbruch. Er geſchieht am Gautor. Man iſt vort bereits 10 Meter über dem Tunnelſcheitel angelangt, die weitere Erdabtragung erfolgt ſtufenförmig, um eine gleichmäßige Belaſtung bei behal⸗ ten. Sobald der Durchbruch erfolgt iſt, wird ſofort mit dem Einbau eines Portals an die⸗ er Stelle begonnen. Wenn keine unvorherge⸗ henen Hinderniſſe ſich einſtellen dürfte der Durchbruch im März erfolgen. Dem ereignis vollen Tag— es iſt das erſte Mal, daß in Deutſchland ein Tunnel aufgeſchlitzt wird, wer⸗ den Vertreter aller Reichsbahndirektionen bei⸗ wohnen, in denen ſich Tunnels befinden. Bis- her ſind 360 000 Kubikmeter Erde von der 300 Meter langen Bauſtelle abgetragen und nach Fort Hechtsheim geſchafft, wo ein neuer No⸗ delberg entſteht. Nach der Auſſchlitzung des Tunnels wird der verbleibende Tunnel von Mainz⸗Süd nach Gautor eine Länge von 300 Meter, von Gautor nach Mainz⸗Hbſ. eine Länge von 600 Meter haben. Seither war das Tunnel 1200 Meter lang. Staatskommiſſar für den milchwirtſchaftlichen Zuſammenſchluß Frankfurt— Offenbach. Darmſtadt, 17. Jan. Nachdem der Negie⸗ rungspräſident des Regierungsbezirks Wies⸗ Verfahren zur Bildung des Zwangszufammen⸗ ſchluſſes der an der Milchverſorgung der Städte Frankfurt und Offenbach beteiligen und Bearbeitungsbetriebe zum Erzeuger⸗ Zwecke der Regelung des Abſatzes von Trink Kommiſſar im Sinne des preußiſchen und heſ⸗ ſiſchen rungsrat Klauſer in Wiesbaden ernannt. Der dung des Milchwirtſchafts verbandes Fran⸗ mannſtraße 50. lich an. Der Schnellrichter verurteilte ihn zu Verſagung einer Bewährungsfriſt. Weilburg, 17. Jan. ßigkeiten beim Freiwilligen Ar⸗ vatgeſchäfte zu erledigen. Die Verwendung der Ruhrgelber. In dieſer Sitzung wird der Ausſchuß die letz kanntgabe näherer Einzelheiten an. Gemeindekaſſe. Am Mittwoch, den 18. Januar 1933, wird an Rezeßholz für 1933 abgegeben: Großes Losholz Rl. Los holz(R. ⸗Sch.) Rl. Cos holz(K.-H. Ergänzungsholz f Eichen⸗Rnüppel Kiefern⸗Stöcke 1 geboren 25. 1. 96 Buchenſtöcke Eichen⸗Wellen Kkiefern⸗wellen Rkief.⸗Rnüppelreiſt . * vom älteſten Ortsbürger bis Kaſpar Buſalt 1., geboren 15. 9. 65 von Gg. Jak Hanf 1., geb. 30. 1. 79 bis zum letzten Bezugsberechtigten und vom älteſten Ortsbürger bis Seb. Dewald 2. geboren 9. 8. 58 von Ferd. Pfenning 1., bis Phil. Grab 3., geb. 17. 2. 76 von Alex Hoock 1, geb. 16. 10. 64 bis Valt. Froſchauer 1., geb. 20. 10.66 von Joh Bugert 17, geb. 12. 5. 00 bis Nik Knapp 4., geb. 25 5. 02 von Gg. Mich. Valt. Hofmann 1. geb. 15. 4. 93 bis Nik. Bugert 10., von Nik. Helfrich 4., geb. 27. 2. 83 bis Gg. Aug. Schmitt 1., geb. 19. 8. 83 von Corn. Hoock 2., geb. 16. 9. 07 bis Peter Beikert 4., geb. 23. 1. 08 von Ernſt Ludw. Hanf 1., geb. 19.11.00 bis Jak. Buſalt 8., geb. 25. 12. 06 g von Karl Knapp 1., geb. 26. 12. 06 bis Edmund Martin 3., geb. 19. 9. 07 Ein Acker in der Nacht weide und eine Brücken⸗ wieſe zu verkaufen. Wo, ſagt der Verlag. Auflage: RM. 16.— Eine Kaute Miſt mit Pfuhl zu verkaufen. Neff Pandurengaſſe Nr. 13 geb. 14. 3. 62 Viernh. Anzeiger 1 Zimmer und Küche ſofort zu vermieten Jägerſtraße 12 zu kaufen geſucht Auguſt Krämer Mannheim Dieſterwegſtraße Nr. 4 Deamtendarienen Verloren geſtern Vormittag von der Wieſenſtraße bis zur Ortskrankenkaſſe(Haus Schuchmann) ein Ohrring Um gefl. Rückgabe gegen Finderlohn wird gebeten Reine Aehaltsüdörwelsung durch ire Nesse. Keine Baroschanl. Reine Ler- Abzugeben im Verlag. pfängung. Auszahlung in wenigen Tagen Diskrete zu h Winkenbach. ſupdpam een 0 Alte Zeitungen Bearbeitung. Rückp er⸗ beten. Bezirksdirektion Thoma, Mannheim Särtnerſtr. 85. Dieſe Woche erfolgten durch uns in Viernheim wieder Auszahlungen. Acker in der Dreiruthe zu verpachten. Inne Por spesen! Bel Husten, Heiserkeit Verschleimung Beutel 25 u. 50 Pig. Bienenhonig gar. rein, Gl. 1.30, 83 u. 40% Fümmbeufaschen v. L85 empfiehlt RATHAUS DROGERIE Laer Moskopp. ieee Die unentgeltliche Beratungsſtunde für Lungenkranke findet am Mittwoch, den 18. Jan, von 2—4 Wo, ſagt der Verlag Uhr im hieſigen Krankenhauſe ſtatt, baden mit Zustimmung des heſſiſchen Finanz. miniſteriums, Abtlg. für Landwirtſchaft das milch eingeleitet hat, wurde als gemeinſamer ilchgeſetzes zur Verhandlung mit den Beteiligten der Landrat i. R. Geheimer Regie- Amtsſitz des„Staatskommiſſars für die Bil⸗ 5 i furt⸗Offenbach“ iſt Frankfurt a. M., Beeth⸗ 1 Wiesbaden, 17. Jan.(Schnelle Zu⸗ ſti z.) Bei einer kommuniſtiſchen Demonſtra-⸗ tion leiſtete ein Teilnehmer der Polizei Wider N ö ſtand, gleichzeitig griff er einen Beamten löl. krieges herbei. An den Folgen drohte Reich zu zerbrechen. einer Gefängnisſtrafe von neun Monaten unter (Unregelma⸗ beitsdienſt.) Das Arbeitsamt ſtellte bei Prüfung des Arbeitsdienſtes in Löhnberg ſeſt, daß durch den Führer des Freiwilligen A beitsdienſtes Arbeitsdienſtwillige nicht nur ſtun denweiſe, ſondern ganze Tage von der Teil- nahme an der Arbeit befreit wurden, um Pr machen? Und f getzung ging die franzöſiſche Politik darauf aus, in Deutſchland ſeparatiſtiſche Strömun— Der Unterſuchungsausſchuß zur Nachprüſung gen hervorzurufen und zu fördern. der Verwendung von Ruhrhilfegeldern durch die Heſſiſche Handwerkskammer iſt zu einer öffentlichen Sißung auf Dienstag einberuſen. jen Zeugen vernehmen und dann die Berichle andert und Vorſchläge an das Plenum ausarbeiten. Eine nichtöffentliche Sitzung des Ausſchuſſe fand am Freitag ſtatt. Dabei kritiſierte der Regierungsvertreter, daß durch einige Zeugen ausſagen in der öffentlichen Beweſsaufnahme die Intereſſen des Staates und der Hand⸗ werkerzenträlgenoſſenſchaft ſowie einde deu ei ſpätere Zeit wird in vollem Umfange wür⸗ digen Attentate auf die werker geſchädigt ſeien. Der Regierungs vert. ter kündigt für die nächſte Sitzung die Be Kämpfe Selbſtzweck werden dürfen, ſondern nur Stände 5 Emeukall“ Mann kücghnnss- Bodens (oiernbelmer Tageblau— Blernheimer Nachrichten) Erſcheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage.— Bezugs 1,40 0 f 8 k. frei ins Haus gebracht.— Gratisbeilagen: wöchentl. das achtſeltige 1 0 aktuelle, intereſſante„Sonntagsblatt“, halbjährlich einen Fahrplan ſowie einen preis monatl. nd⸗ kalender.— Annahme von Abonnements tägl. in der Geſchäftsſtelle u. beim geitungsträger Erſtes, älteſtes u. erfolgreichſtes Lokal⸗Anzeigeblatt in Viernheim ernheim.— Poſtſchecktonto Nr. 21577 Amt 5 rd e ü Martin, Geschäfts ſtelle Narhausſtr. 9 ernheimer Anzeiger Viernheimer Zeitung mittags 8 Uhr, Geernhelmer Barzer- Htg.. Viegnb. Volksblatt) le toſtet 25 Pfg., die Meklamezeile 60 Pfg., großere Urtikel einen Tag vorher.— Annahme von Anzeigen im unſerer An 1 reiſei Die J f bei Wi 5 abgeſtufter att.— Annahmeſchluß für Inſerate und Notizen vor⸗ Geſchäftsſte u. von ſämtlichen Annoncen Expeditionen ſchlanbs u. des Auslands Amtsblatt der Heſſiſchen Bürgermeiſterei und des Polizeiamtes Platvorſchriſten bei Anzeigen werden nach Möglichkeit 2 an vorgeſchriebenen Tagen kann jedoch eine Gewähr ni Nummer 15 t.— Für die Aufnahme t übernommen werden 50. Jahrgang Das Neich über alles! Zum 18. Januar. Am 18. Januar 1871 wurde im Spiegelſaale des Verſailler Schloſſes König Wilhelm von Preußen zum Deutſchen Kaiſer ausgerufen. Von den Freiheits- kriegen über die Frankfurter Paulskirche führt eine gerade Linie zu dieſem Akte der Reichsgründung, der das Sehnen des deut⸗ ſchen Volkes nach nationaler Einigung er⸗ füllte, der die Grundlage ſchuf, zu dem mäch⸗ tigen Aufſchwung, den Deutſchland danach erlebte. Bismarcks geniale Staatskunſt hatte das große Werk geſchaffen, das vorbereitet worden war durch die beſten Geiſter der deutſchen Nation, die viele Jahrzehnte hin⸗ durch dafür geſtritten und gelitten hatten. * Seither ſind 62 Jahre vergangen. Jahre des ſtolzen Aufſtiegs zunächſt, die Anſehen brachten, und Glück und Wohlſtand. Dann die Kriegsjahre mit ihren Leiden und Opfern, aber auch mit der heroiſchen Lei— ſtung des deutſchen Volkes, das in einem Ringen, wie es die Welt noch nie geſehen hatte, ſich über vier Jahre hindurch ſeiner Feinde erwehrte... Uebermacht der ande— ren und— nicht zuletzt— der Hunger führ⸗ ten das unglückliche Ende des großen Welt⸗ das Frankreich tat alles, um die ſtaatliche Einheit des deutſchen Vol⸗ kes zu zertrümmern und um die franzöſiſche Grenze bis an den Rhein vorzuſchieben. Was war die franzöſiſche Ruhrbeſetzung, de⸗ ren Beginn ſich in dieſenTagen zum 10. Maſe jährte, anders als das Beſtreben, durch Er⸗ richtung eines Vaſallenſtaates am Rhein, an der Stelle, wo Deutſchlands wirtſchaftlicher Lebensnerv liegt, das Reich ohnmächtig zu ſchon lange vor der Ruhrbe⸗ An der Reichstreue des ganzen deutſchen Volkes ſind alle Machenſchaften dieſer Art geſcheitert. Zwar wurde die Staatsform ge⸗ — aber eben nur die Form. Das Reich ſelber blieb erhalten, es überdauerte die ſchweren ſtaatlichen Erſchütterungen nach dem Kriege, hielt ſtand gegenüber den Ein— wirkungen von außen her und machte dazu noch ſchwere wirtſchaftliche Notzuſtände durch, die das ganze ſoziale Gefüge des deut⸗ ſchen Volkes ſchwer bedrohten. Erſt eine können, was es bedeutet, daß alle Reichseinheit abgewieſen worden ſind und daß das deutſche Volk in 1 all den Unglücksjahren, die es durchleben mußte, ſo viel es auch verlor, doch eines ſich erhielt: die Einheit des Deut⸗ ſchen Reiches. Es iſt gut, gerade in den heutigen Tagen der politiſchen Zerriſſenheit und der wirt⸗ ſchaftlichen Nöte wieder einmal an dieſe Zu⸗ ammenhänge zu erinnern. Und es iſt nötig, gerade jetzt daran zu denken, daß politiſche innerhalb eines Volkes niemals dann Sinn und Berechtigung haben, wenn ſie unter dem Motto ausgetragen werden: über allem das Vaterland! Das Reich wieder groß und mächtig und angeſe⸗ hen zu machen, den nationalen Gedanken im Volke zu pflegen, eine wahre deutſche Volksgemeinſchaft zu ſchaffen, die Stadt und Kopf⸗ und Handwerker, die alle 5 umfaßt— das, ſo möchten wir glauben, muß oberſtes Ziel jeder politiſchen Arbeit ſein, einerlei, in welchem Parteilager ſie auch geleiſtet werden möge! * Land, So ſollen die Fahnen, die zur Feier des 18. Januar wehen, von dem feſten Willen des deutſchen Volkes künden, ſein Reich und ſich ſelbſt zu behaupten, allen Widrigkeiten und allen Hemmungen zum Trotz. Wir ge⸗ denken am Geburtstage des Reiches in Dank barkeit der Millionen deutſcher Männer, die Reichsarbeitsminiſter Reichstagsausſchüſſe beraten Der Arbeitsdienlt ſoll freiwillig bleiben— Zurzeit 250000 Arbeitsfreiwillige Die Zuſchüſſe zu Wohnungsumbauten— Ein Antrag zur Oſthilfe Berlin, 18. Januar. Im Sozialpolitiſchen Ausſchuß des Reichstags gab am Dienstag Dr. Syrup einen Ueberblick über die bisherigen Maßnahmen auf dem Gebiete des Freiwilligen Arbeits— dienſtes. Er erklärte, daß wir rund eine Million männliche und 400 000 weibliche Ar- beitsloſe unker 25 Jahren haben. Es handele ſich da alſo nicht um Einzel- ſchickſale, ſondern um das Schickſal gan- zer Alkersklaſſen, das nicht nur Lehr- linge krefſe, ſondern auch die Abiturien⸗ ten und die Jungakademiker ſowie die zweiten und dritten Bauernſöhne. Aus dieſem Grunde ſei erſtmals im Juli 1931 der Freiwillige Arbeits⸗ dienſt eingeführt worden. Im Oktober 1931 habe man rund 300 Arbeitsdienſtwilli⸗ ge gezählt, am 1. Januar 1932 7000, im Frühjahr 27 000, im Sommer 74000. Mini⸗ ſter Syrup teilte weiter mit, daß der Ar⸗ beitsdienſt durch die Verordnung vom 16. Juli 1932 neuen Auftrieb erhalten habe, ſo daß die Zahl der Arbeitsdienſtwilligen um 1. September auf 144 000 geſtiegen ſei. Die Höchſtzahl habe 280 000 betragen, ſei jetzt eiwas geſunken, habe ſich aber am 1. Januar immerhin noch auf 250 000 belaufen. Jeder Arbeitsdienſtwillige bedeute im Durch— ſchnitt volkswirtſchaftlich eine Belaſtung von 1000 Mark im Jahr. Es ſeien bis Mitte Dezember vorigen Jahres über 50 Millionen für den Freiwilligen Arbeitsdienſt ausgege— ben worden; auf neue Anforderungen hin habe man weitere 25 Millionen Mark bereit— geſtellt. Keine militäriſchen Geſichtspunkte Nach einer längeren Ausſprache zur Frage des Freiwilligen Arbeitsdienſtes und über das Für und Wider der Arbeitsdienſtpflicht wurde vom Reichsarbeitsminiſter in Uebereinſtimmung mit den Anſichten des Reichs wehrminiſters hervorgehoben, daß militäriſche Geſichtspunkte mik dem Arbeitsdienſt nichts zu kun häkken. Die Regierung halte es daher auch nicht owa für nötia. wie von einer Seite behaup— während des Weltkrieges für das Vaterland geblutet haben und geſtorben ſind. Wir ge⸗ denken der deutſchen Brüder, die das Ver⸗ ſailler Diktat vom Reiche getrennt oder de⸗ ren Aufnahme in das Reich es uns verboten hat. Und wir geloben, daß wir am Reichs⸗ gedanken feſthalten und alles tun werden, um das deutſche Vaterland einer ſchöneren und beſſeren Zukunft entgegenzuführen. Das wird noch eine ſchwree Aufgabe ſein. Denn gar viel iſt dafür noch zu leiſten. Noch iſt die deutſche Gleichberechtigung mit den übrigen Großmächten nicht durchgeführt, noch iſt die deutſche Kriegsſchuldlüge nicht ausgeräumt, noch iſt der polniſche Korridor eine offene Wunde am Körper des Reiches und noch iſt das deutſche Saargebiet nicht wieder zum Reiche zurückgekehrt. Um alle dieſe Dinge gilt es weiter zu kämpfen. Tun wir es, in dem Bewußtſein, für eine große und gute Sache zu ſtreiten und tun wir es, indem wir aufblicken zu der ehrwürdigen Geſtalt des Reichspräſidenten von Hinden⸗ burg, der ſchon bei der Kaiſerproklamation in Verſailles dabei war und der heute noch allen Deutſchen ein leuchtendes Vorbild der Pflichterfüllung im Dienſte des Vaterlandes iſt, Das Reich über alles! tet worden ſeti, militäriſchen Beſtrebungen ein ſoziales Mäntelchen umzuhängen. Dr. Syrup ging dann auf das Problem der Arbeitsdienſtpflicht ein. Ein Lehrgang umfaſſe mindeſtens ine halbe Million Menſchen. Für Jugendliche weiterer Jahrgänge müſſe man dann wenig— ſtens einen Freiwilligen Arbeitsdienſt zu— laſſen. Rechne man beim Arbeitsdienſt mit einer Million Jugendlicher zu je 1000 Mark im Jahr, ſo ergebe ſich eine Ausgabe von einer Milliarde, wovon der Arbeitksdienſt⸗ fonds 600 Millionen Mark aufzubringen häkte. Wer garantiere dafür, daß ein junger Menſch, der einen Arbeitsplatz hatte, einen nach Ableiſtung ſeines Dienſtjahres wieder⸗ bekomme? Wie ſolle man ferner für ſo viele junge Leute genug Arbeit beſchaffen, zumal durchgeführt werden ſolle. Jeder Zwang ſoll unterbleiben In der Abſtimmung wurde ein natio— nalſozialiſtiſcher Antrag, den Frei⸗ willigen Arbeitsdienſt zur allgemeinen, glei— chen Arbeitsdienſtpflicht auszubauen, gegen die Stimmen der Ankragſteller abgelehnt. Dagegen fand ein Zentrumsantrag in abgeänderter Faſſung bei Stimmenthal— tung der Nationalſozialiſten und Kommuni⸗ ſten Annahme. Danach wird die Reichs- regierung erſucht, bei der Durchführung des Freiwilligen Arbeitsdienſtes, der als natio— nale und ſoziale Notmaßnahme aufgegriffen worden ſei, darauf zu achten, daß; unker Wahrung der nalkürlichen Werte und Bindungen an Familie, Weltanſchauung und Heimat der Frei- willige Arbeitsdienſt ſeinen freiwilligen Charakter behält, alſo jeder öwang un- kerbleibe. daß ferner bei der Durchführung der Lager die Selbſtverwaltung und Selbſtgeſtaltung des Arbeitsdienſtes durch die Träger des Dienſtes unter ſtärkſter Berückſichtigung des Eigenlebens der Jugendverbände geſichert werde. und daß ſchließlich die Möalichkeiten, Berlin, 18. Januar. Die innerpolitiſche Lage iſt noch unverändert, d. h. ſie iſt nach wie vor ungeklärt. Die Nationalſozialiſten haben die Entſcheidung, wie es weiter gehen ſoll, in der Hand, aber man weiß noch immer nicht, nach welcher Richtung ſie davon Ge⸗ brauch machen werden. Nach den verſchiede⸗ nen Kampfanſagen an die Regierung Schleicher, die aus dem nationalſozialiſti⸗ ſchen Lager kommen, wird eine Verſtän⸗ digung zwiſchen NSDAP. und Reichsre⸗ gierung aber immer unwahrſchein⸗ licher. Für die Sitzung des Aelteſten⸗ rats des Reichstags am Freitag beſtehen zwei Möglichkeiten: entweder er beſchließt eine weitere Vertagung des Reichstags oder es bleibt bei dem früheren Beſchluß, wonach der Reichstag am nächſten Dienstag zuſammentritt. Wie die Dinge augenblicklich ſtehen, die ſich für den Arbeitsdienſt in der Wiſſen— ſchaft ergeben, im Inkereſſe der Forſchung und Wiſſen⸗ ſchaft, aber auch der akademiſchen Ju- gend, gefördert würden. Am Mittwoch behandelt der Ausſchuß die Anträge zur Beſeitigung von Härten in den Notverordnungen über Sozialverſiche— rung und Wohlfahrtspflege. Aus dem Wohnungsausſchußz Der Wohnungsausſchuß des Reichstages nahm am Dienstag in ab⸗ geänderter Faſſung einen Antrag der Baye⸗ riſchen Volkspartei an, wonach als zuſchuß⸗ fähige Inſtandſetzung Wohnungsteilungen und Umbauten nur bei denjenigen Hausbe— 2075 anerkannt und behandelt werden dür— en, die die Arbeit ſolchen Gewerbetreiben⸗ der Arbeitsdienſt nicht nur ein Jahr lang den übertragen, die die Mitgliedſchaft bei einer Berufsgenoſſenſchaft beſitzen, nicht gleichzeitig in einem Arbeitnehmer- verhältnis ſtehen, und ſchließlich ihren Arbeitern den Tariflohn zahlen. Bei Beratung von Eingaben wurde vonſei— ten der Regierung die Erklärung wiederholt, daß zwar das Wohnungsmangelgeſetz auf— gehoben werde, daß aber das Reichsmieten— geſetz und das Mieterſchutzgeſetz über den 1. April ds. Is. hinaus in Kraft bleiben ſollen. Die Oſthilſe Im Haushaltsa usſchuß Reichstages wurde am Dienstag am Schluß einer längeren finanz- und wirt⸗ ſchaftspolitiſchen Ausſprache einſtimmig ein Zentrumsantrag zu den Fragen der Oſthilfe angenommen. Der Ankrag erſucht die Reichsregierung um die Vorlegung einer Ueberſicht dar- über, wie hoch die Verluſte der privalen Glaubiger, wie Handwerker, Händler, Lieferanten uſw. bei der Eniſchuldungs⸗ aktion im Oſten ſind, und welche Ver- luſte bei Genoſſenſchaften, öffenklich⸗ rechklichen Hypokhekenbanken aller Ark, Sparkaſſen uſw. eingetreten ſind. Am Mittwoch wird der Ausſchuß in eine Ausſprache über Mißſtände bei der Oſt⸗ bwilfe eintreten. des Man rechnet mit Neuwahlen Die Lage im Reich— Entſcheidung über die weitere Entwitklung liegt bei der N5 d AR. rechnet man in unkerrichteken Kreiſen damit, daß der Keichskag ſich am näch⸗ ſten Dienstag verſammelkt und daß dann ein Mißtrauensantrag gegen das Reichs- kabinetk angenommen wird. Das würde die Reichsregierung mit einer Keichs⸗ ktagsauflöſung beantworten, der Neu⸗ wahlen— am 19. oder 26. Februar— folgen würden. Was die Frage einer Umbildung des Reichskabinetts anlangt, ſo behaup⸗ tet man in unterrichteten Kreiſen, daß der Plan der Schaffung einer Vizekanzlerſchaft fallen gelaſſen worden ſei. Für dieſen Po⸗ ſten war bekanntlich der Nationalſozialiſt Gregor Straſſer auserſehen. Er weilt zurzeit noch in München und es iſt nicht bekannt, wie er ſich perſönlich zu der Frage ſeines Eintritts in das Kabinett Schleicher ſtellt und wie ſein Verhältnis zu Hitler und der NSDAP. iſt. In kurzen Worten: Die neue Notverordnung über den Voll⸗ ſtreckungsſchutz für die Landwirtſchaft wird am heuligen Mittwoch veröffentlicht werden. Das Reichskabinett trat Dienstag nach⸗ mittag zuſammen, um ſich mit grundſätz⸗ lichen Fragen der deutſchen Wirtſchaftspoli⸗ tik zu beſchäftigen. Im Sozialpolitiſchen Ausſchuß des Reichs⸗ tags gab Reichsarbeitsminiſter Dr. Syrup einen Ueberblick über die bisherigen Maß⸗ nahmen auf dem Gebiete des Freiwilligen Arbeitsdienſtes. Das Reichsverſicherungsamt hat ſoeben die von ihm bearbeitete Statiſtik der Sozial⸗ verſicherung 1931 mit einem Blick auf das Jahr 1932 herausgegeben. In der zweiten Januarhälfte iſt eine wei⸗ tere normale Entlaſtung der Reichsbank feſt⸗ zuſtellen. Auch das Deckungsverhältnis hat ſich gebeſſert. Unterrichtete Genfer Kreiſe rechnen mit einem Austritt Japans aus dem Völkerbund wegen des Oſtaſienkonfliktes. eee eee And der Neuwahl? Die Ausſichten einer etwaigen Neuwahl werden in politiſchen urteilt. Man glaubt allgemein, daß Neuwahlen nicht nur eine Beunruhigung und Ver- quickung der Anſätze der wirkſchaftlichen Erholung zur Folge häkken, ſondern un⸗ ter dem augenblicklichen Wahlſyſtem ohnehin keine Klärung der innerpo⸗ litiſchen Lage bringen würden. Jeder Kanzler— ob Schleicher oder ein an⸗ derer— würde auch nach Neuwahlen ver— mutlich wieder vor derſelben Situation ſte— hen, vor der am 13. Auguſt vorigen Jahres der Reichskanzler v. Papen ſtand, zumal die inneren Vorausſetzungen gleichfalls kaum andere ſein würden. Der Vollſtreckungsſchutz Mittwoch Veröffentlichung der Verordnung. Berlin, 18. Januar. Der Reichspräſident empfing am Dienstag den Reichsminiſter der Juſtiz Dr. Gürtner zum Vortrag über die auf dem Gebiete des Vollſtreckungsſchutzes geplanten Maßnahmen. Die Verordnung über den Vollſtreckungs⸗ ſchutz für die Landwirtſchaft wird am Mittwoch abend im Reichsgeſetzblatt ver⸗ öffentlicht werden. Das Kabinett trat am Dienstag zuſammen um ſich mit grundſätzlichen Fragen der deut— ſchen Wirtſchaftspolitik zu befaſſen. In dieſen Sitzung wurde auch die Frage weiterer Bürg⸗ ſchaften für den Umbau bezw. Teilung vor Wohnungen erörtert. Es handelt ſich dabe um einen Betrag von weiteren 50 Millioner Mark im Rahmen des Arbeitsbeſchaffungspro, gramms. Finanzwünſche der Länder Wie verlautet, haben innerhalb der Länder. regierungen Beſprechungen ſtattgefunden, die zu finanzkellen Wünſchen an die Reichs regierung geführt haben. In den Kreiſen der Länderregierungen werde betont, daß die Reichsregierung neben der Ein⸗ 1 5 Kreiſen ſkeptiſch be⸗ gen im Jahre 1932 erheblich verringert. 935 tommenſteuer, die zu 15 v. H. den Lan⸗ dern zufließe, eine Reihe von anderen Steuern eingeführt habe, die ihrem Cha⸗ rakter nach auch Einkommen feilen und an denen demgemäß 8 die Länderr rungen finanziell beteiligt ſeien. Es werde dabei u. a. verwieſen auf die Kri- 1 ſenſteuer und die Ledigenſteuer. Wie weiter verlautet, werde ſich die Reichs regie⸗ rung mit dieſen Wünſchen der Länder in der nächſten Zeit beſchäftigen. Die ozialverſicherung Die Entwicklung im Jahre 1931/32. Berlin, 18. Januar. Nach einer vom Reichsverſicherungsamt herausgegebenen Statiſtik beliefen ſich im Jahre 1931 die Beitragseinnahmen in der Sozialverſicherung auf drei Milliarden Mk., die Geſamtausgaben auf 3,5 Milliarden Mk. Ein Einnahmeüberſchuß war nur noch in der Angeſtelltenverſicherung zu verzeichnen. Die Arbeitsloſenverſicherung wies auf der Einnahmeſeite 1411 Millionen Mark und auf der Ausgabenſeite 1531 Millionen Mark auf. Das Jahr 1932 brachte eine Fortſetzung der ungünſtigen Entwicklung. Neben den Einnahmen haben ſich aber auch die Aus- gaben infolge der Einſchränkung der Leiſtun⸗ Das Neichsehrenmal Vor der Enlſcheidung über die Wahl des Enkwurfs. Berlin, 18. Januar. Das Preisrichterkollegium der Stiftung Reichsehrenmal tritt am heutigen Mittwoch, den 18. Januar zu der entſcheidenden Beratung über die Entwürfe für das Reichsehrenmal zuſammen. Sämt⸗ liche an den engeren Wettbewerb beteiligten 20 Künſtler haben ausgearbeitete Entwürfe eingeſandt. Den Vorſitz im Preisgericht führt Miniſterialdirektor Dr. Döhle. Die Beratungen des Preisgerichts werden durch eine Reiſe nach Bad Berka unkerbro⸗ chen werden, um an Ort und Stelle die etwa erforderlichen Jeſtſtellungen zu kreffen. Die Entſcheidung des Preisrichterkollegiums iſt nicht vor Ende nächſter Woche zu erwarken. Die Stiftung iſt in ihrer Entſchließung an den Vorſchlag des Preisrichterkollegiums nicht gebunden, doch beſteht die Abſicht, dieſem Vorſchlag tunlichſt zu entſprechen. Nuſſiſche Gewaltmethoden Maſſenausweiſungen aus Großſtäd ten. Moskau, 18. Januar. Die unter dem Fünfjahresplan vorgeſehene Vertreibung von revolutionär unzuverläſſigen Elementen aus den ruſſi⸗ ſchen Großſtädte nimmt ihren Anfang. In den Großſtädten wird die geſamte Bevölke⸗ rung zunächſt durch Hunderte von neu ein⸗ gerichteten Einwohnermeldeämtern geſichtet. Dieſe Arbeit ſoll bis zum 15. April vollendet ſein. Päſſe werden ohne weiteres verwei⸗ gert: 1. Prieſtern, die nicht in den wenigen dort beſtehenden Kirchen angeſtellt ſind, ſo⸗ wie Mönchen und Nonnen: 2. allen denen, die ſchon einmal mit der GPU. in Konflikt gekommen ſind, ſowie 3. allon denon, die»icht mindeſfens drei Jahre in der betreffenden Siadt anſäſſig ſind. Anter Androhung ſchwerſter Strafen müſſen am 15. a alle e in Paß verweigert dae J gen räumen und das Skadigebſet verlaf⸗ ſen haben. Sie dürfen ſich in einem Umkreis von 190 Kilometern von ihren früheren Hei. malſtädien nicht niederlaſſen. Unter ande⸗ rem ſind Tauſende von ſogenannken Groß⸗ bauernfamilien, die nach Enkeignung ihres Grundbeſitzes ſich in den Skädien durchzu⸗ bringen verſuchten, jetzt wieder einer unge ⸗ wiſſen Jukunft ausgeliefert. Sie ſollen nach dem Willen der ſtommuniſtiſchen Partei ausgeroktet werden. N Heſſens Sofort⸗Programm Der heſſiſche Finanzminiſter hat an den Reichskanzler und die zuſtändigen Reichs mini⸗ ſterien ſowie an den Reichskommiſſar für Ar⸗ beitsbeſchaffung ein Schreiben gerichtet, in dem auf die Bedeutung von Eiſenbahnbauten im Rahmen des Sofortprogramms der Arbeits⸗ beſchaffung nachdrücklich hingewieſen wird. Das Programm der heſſiſchen Regierung enthält keine neuen Eiſenbahnlinien, weil hier⸗ für zwar eine Reihe von Münſchen und auch dringendes Bedürfnis feſtgeſtellt werden konnte, die Ertragsfähigkeit ſolcher Bauten zurzeit aber leider nicht gegeben iſt. 4 Das heſſiſche Programm umfaßt zunächſt eine Reihe von kleineren Erweiterungen, Bau⸗ ten und Verbeſſerungen beſtehender Anlagen im Geſamtbetrage von rund 7 Mill. Rm. Hierin iſt insbeſondere enthalten das Projekt der kreuzungsfreien Einführung der Perſonen⸗ zuggleiſe von Wiesbaden in den Hauptbahnhof Mainz, die Verbeſſerung der Gleisentwicklung bei dem Zuſammenſchluß der Strecken Mainz — Worms und Mainz— Darmſtadt im Bahn⸗ hof Mainz⸗Süd, die Beſeitigung von Gleis⸗ kreuzungen bei der Betriebsſtelle Koſtheim und ferner der Umbau des Bahnhofes Darmſtadt⸗ Oſt. ö f Außerdem wird angeregt, einen Koſtenbei⸗ rag von rund 2 Mill. Rm. aufzuwenden zur Beſeitigung ſchienengleicher Uebergänge, um die hier ſeit langem beſtehenden Mißſtände zu beſeitigen. Vorgeſehen ſind weiter eine, Reihe größerer Bahnhofsumbauten, namentlich der Bahnhöfe Gießen und Mainz ⸗Kaſtel. Auch die Elektrifizierung der Strecke Frankfurt a. M.— Baſel wird nachdrücklich gefordert. Es bleibt dabei Keine Zurüdnahme der Aufhebungsverordnung der badiſchen Finanzämter. Karlsruhe, 18. Januar. Wie wir zuverläſſig erfahren, hat es der Neichsfinanzminiſter abgelehnt, ſeine kürzlich er⸗ laſſene Verordnung auf Aufhebung der ſechs badiſchen Finanzämter zurückzunehmen. Relordbeſuch im Südschwarzwald Feldberg, 18. Jan. Das Feldberg⸗ und Belchen⸗Gebiet hatte am Sonntag einen Maſ⸗ ſenandrang von Skiläufern und anderen Sportlern aufzuweiſen. Man ſchätzt die Zahl der Beſucher von auswärts auf etwa 15 000 bis 20 000. Da die alte Schneedecke ziemlich vereiſt und die neue Schneedecke noch verhält⸗ nismäßig gering iſt, kam es infolge der man⸗ gelnden Vorſicht zu verſchiedenen Unglücksfäl⸗ len, die aber ſämtlich nicht ſchwerer Natur ſind. Am Feldberger Hof wurden dem dort ihre Woh⸗ ſtationierten Arzt acht Perſone 5 Todtnau wurden ſieben P Arzt behandelt. Im Belchengebie ten e aus Baſel, die ne itlich die Heimreiſe wieder konnten. In Todtnau 0 ein Junge aus Todtnau ſelbſt beim Rodeln und zog ſich einen Oberſchenkelbruch zu. Aus Baden Tagung des Badiſchen Lehrervereins. Bad Freyersbach, 18. Jan. Der Badiſche Lehrerverein wird vom 10. bis 12. April (Karwoche) hier ſeine ordentliche Vertreterver⸗ ſammlung abhalten. Man wird folgende The⸗ men behandeln: 1. Sinn und Aufgabe der deutſchen Volksſchule, 2. Die durch die heu⸗ tige Lage von Volk und Staat an Volksſchule und Volksbildung zu ſtellenden Forderungen. * Mannheim, 18 Jan.(Giftmordver⸗ ſuch an der eigenen Mutter.) Vor dem hieſigen Schwurgericht hatte ſich die 25jäh⸗ rige erwerbsloſe Hausangeſtellte Anna Eliſe Schumann von hier wegen Totſchlagsverſuchs an der Mutter zu verantworten. Die Schu⸗ mann, die ſchon immer das Sorgenkind ihrer Eltern war, hatte aus Furcht vor Enkdecung verſchiedener Verfehlungen den Entſchluß ge⸗ faßt, ihre Mutter aus der Welt zu ſchaffen. Sie ſchüttete daher während des Kaffeetrin⸗ kens ihrer 58jährigen Mutter Lötwaſſer in den Kaffee, in der Abſicht, dieſe zu töten. Dieſe Abſicht mißlang jedoch dadurch, daß die Mutter ſchon beim erſten Schluck durch die ätzende Flüſſigkeit ſtarkes Brennen verſpürte und den Kaffee nicht weiter trank. Der ahnungsloſe Vater der Angeklagten machte ſelbſt die Anzeige bei der Polizei und dieſer gelang es, die eigene Tochter als Täterin zu überführen. In der Verhandlung gab die An⸗ geklagte die Tötungsabſicht unumwunden zu. Das Gericht verurteilte die Angeklagte zu einer Zuchthausſtrafe von zwei Jahren. Weinheim, 18. Jan.(Den Verletzun⸗ gen erlegen). Ju dem Autounfall an der heſſiſchen Landesgrenze, aus Mannheim ſtammenden Inſaſſen ſchwer verletzt wurden, erfahren wir, daß Willi von Nombs, aus Mannheim, in der Nacht von Montag auf Dienstag und am Dienstag mit⸗ tag auch der zweite Inſaſſe des verunglückten Auͤtos Heinrich Olbrecht im Krankenhaus ge⸗ ſtorben iſt. Die Firma Ph. Oeſtreicher und Co., Mannheim, verliert zwei bewährte, lang⸗ jährige Angeſtellte. Ausſichtsloſe Bemühungen Auf biegen oder brechen.— Die Unterre⸗ dung Hitler— Hugenberg.— Hitler geht nicht zu Schleicher. Berlin, 18. Januar. Wie an unterrichteter Stelle verlautet, la- gen am Dienstag abend Anmeldungen von Parteiführern beim Reichskanzler noch nicht vor. Eine Unterredung mit ſozial⸗ 0 1 demokratiſchen Führern im Zuge der bisher geführten Verhandlungen des Reichs⸗ . iſt nicht vorgeſehen. eber dient jedoch feſtgehalten zu werden, daß ſie bei dem die beiden 1 von gelblicher Farbe künden die Infektion an. die mehrſtündige Unterredung, die am Dienstag in Berlin zwiſchen Hitler und Hugenberg ſtattgefunden hat, verlauten von beiden Seiten keinerlei Einzelheiten. Zur po- litiſchen Bewertung dieſer Unterredung ver⸗ Evchen aus dem Armenviertel Roman von Käthe Hübner-Wehn Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) 1 13 Darum entgegnete er nun auch wie ſcherzhaft: „Du haſt recht, Evel, eigentlich bin ich dir noch eine feurige Liebeserklärung ſchuldig. Aber wer ſagt dir denn, ob ich die nicht längſt hinter deinem Rücken einem anderen hübſchen Mädchen gemacht habe? Was meinſt du, wie viele angeſehene Bürgerstöchter hier in unſerer Stadt ſich nach der Ehre ſehnen, einmal Frau Meininger zu heißen. Alſo wenn du meinſt, daß du noch lange zu über⸗ legen haſt, dann muß ich mich eben um eine andere Braut umſehen, der du vor Eiferſucht am Ende die Augen aus⸗ kratzen wirſt.“ „Niemals würde ich das tun, niemals! Ich würde mich freuen für dich, wenn du ein recht liebes, nettes Mädel finden könnteſt, an dem du mit ganzem Herzen hängſt. Dann wäre uns beiden geholfen, denn du und. ich, wir zwei kommen ja doch nie zuſammen! Dieſen Gedanken mußt du dir aus dem Kopf ſchlagen! Es wäre wirklich kein Glück für uns beide.“ Der junge Mann hatte inzwiſchen begriffen, daß Eva nicht etwa Scherz treiben wollte, ſondern daß es ihr voll⸗ kommen ernſt war mit dem, was ſie ſagte. Eine er⸗ ſchreckende Bläſſe überzog plötzlich ſein ſonſt ſo friſches, gutmütiges Geſicht. Und ſeine Augen wurden grell und blank vor Entſetzen über des Mädchens Worte. Und doch dachte er noch mit keinem Gedanken daran, daß Eva für ihn ganz verloren ſei. Er umſpannte mit ſchmerzhaft feſtem Druck ihre Arme und zwang ſie, ihm direkt in die Augen zu ſehen: „Und warum ſoll es kein Glück für uns ſein, wenn wir zuſammenkommen als Mann und Weib?“ ſtieß er rauh hervor.„Was haſt du plötzlich auszuſetzen an einer Heirat mit mir?“ „Weil ich einen anderen liebe, Ferdi, darum darf ich niemals deine Frau werden. Jeder Schlag meines Herzens gehört ihm und wird ihm gehören, ſolange ich atme.“ Mit einem erſtickten Aufſchrei ließ der junge Mann Evas Arme los und ſchlug die Hände vor die Augen, denen ein Tränenſtrom heiß und jäh entrann. Sein ſchwerer Körper erſchauerte unter der Wucht dieſes ſchmerzlichen, wilden Weinens, und er hörte gar nicht auf das, was Eva ihm Tröſtendes ſagte; er hörte nur ihre weiche, liebe, altvertraute Stimme und fühlte, wie ſie hineingehörte in ſein Leben, wie verwachſen er mit ihr war, wie ſonnenlos, wie gräßlich einſam ſein Leben ſein würde, wenn dieſe ſüße, geliebte Stimme ihm einſt nicht mehr erklang. Als Eva die ungeheure Erſchütterung ſah, die mit dem Jugendfreunde vor ſich ging, überfiel ſie ein Gefühl der Reue und der Beſchämung, in ihrem Glück ſo egoiſtiſch geweſen zu ſein und ihm ihr Geſtändnis nicht ſchonungs⸗ voller und langſamer beigebracht zu haben. Und mit einem Male dachte ſie wieder an all das Gute und Schöne, das ſie ſeit ihrer früheſten Kindheit aus dem Gärtnerhauſe empfangen hatte. Sie trat ganz dicht an ihn heran und legte mit weicher Gebärde ihm die Hand auf die Schulter: „Nimm es doch nicht ſo ſchwer, Ferdi! Du biſt jung, reich und begabt. Deine ganze ſorgenloſe Zukunft liegt noch vor dir, und du kannſt es noch weit bringen im Leben.“ „Was iſt mir das Leben ohne dich“, ſtammelte er, die Arme ſinken laſſend. Eine unſägliche Müdigkeit lag über ſeiner ſonſt ſo robuſten, friſchen Geſtalt. Seine Stimme klang gepreßt, als er jetzt fragte: „Es iſt der junge Arzt, der jeden Tag zu dir kam, den du liebſt?“ „Ja, er iſt es“, gab ſie geſenkten Hauptes zurück. Ein tiefes, ſchweres Atemholen und dann ein Flüſtern: „Ich habe es befürchtet von der Stunde an, da ich ihn zum erſten Male ſah. Wird er dir auch ſeinen Namen geben, Ev?“ a Sie zuckte nur mit den Achſeln, das Antlitz immer noch zu Boden geſenkt. Da glomm ein Schatten jäher Hoffnung über ſein leid⸗ volles Geſicht. Und lauter, wie neu erweckt, klang nun ſeine Stimme: „Ev, es iſt noch Zeit zur Umkehr. Sieh, beide Hände ſtrecke ich dir entgegen, nimm ſie! Ich verſpreche dir, mit keinem Wort jemals an dieſe Stunde heute zu rühren; komm zu mir zurück. Ich kann ja nicht leben ohne dich. Zerbrich mich doch nicht ganz! Mein Sein oder Nichtſein hängt ab von einem guten Wort aus deinem Munde.“ Eva fühlte, daß der einſtige treue Gefährte ihrer Kind⸗ heit grenzenlos litt, daß die Verzweiflung über ihn zu⸗ ſammenſchlug, und ihr Herz floß über von Mitleid mit ihm. Sie ſah die Mutter, die im Schlafzimmer nebenan die Gardinen aufgeſteckt hatte und nun unter der offen ſtehenden Tür erſchienen war, bleich und erſchrocken am Türpfoſten lehnen. Sie ſah ihre beſchwörende, bittende Gebärde, ſie ſah das ſtumme Flehen ihrer Augen und konnte doch nicht anders. Es drängten ſich ihr die Worte auf die Lippen, die ſie niemals hätte ſagen dürfen, und es war, als ſpräche ein anderer ſie aus. „Laß gut ſein, Ferdi, und quäle uns beide nicht länger. Ich würde lieber ſterben, als mit meiner Liebe zu dem andern im Herzen deine Frau zu werden.“ Da taumelte Ferdinand Meininger zurück. Frau Wanner, die bis jetzt immer noch bleich und verſtört an der Tür lehnte, ſprang nun hinzu und umfing den Taumelnden mit beiden Armen: „Ferdi, lieber, guter Menſch, nimm es doch nicht ſo ſchwer. Ich würde ja alles tun, wenn ich dir nur helfen könnte. Geh jetzt nach Hauſe; vielleicht kommt das törichte Mädel doch noch zur Beſinnung, und ich kann dir morgen beſſere Nachricht bringen. Ich hatte wirklich nicht die mindeſte Ahnung, was ſich hinter meinem Rücken zwiſchen ihr und dem Doktor angeſponnen hat. Sie verriet mir nie mit einem Wort etwas davon, ſonſt hätte ich ſicherlich der Herrlichkeit ſchnellſtens ein Ende gemacht, das kannſt du mir glauben.“ N(Fortſetzuna folgt.) länaſt vor den Lippiſchen Wahlen 1 95 Keſtägeltruntheiten 5 pee Von Guſtap Staute. Wie man ſich ihnen gegenüber zu verhalten hat, Krantheiten, die man bekämpfen will, muß man kennen, kechtzeinig erkennen, um dann ſofort zu den nötigen und ſicherſten Abwehrmaßnahmen ſchreiten zu können. Ein ge⸗ wiſſenhafter Tierhalter muß darum ſein lebendes Inventar dauernd unter Kontrolle halten und wiſſen, was er im Falle einer Gefahr zu tun hat. Am häufigſten befällt das Hühnervolk die Diphthe⸗ itis, die bazilläre Erkrankung der Naſen⸗, Nahe 115 Rachenſchleimhäute ſowie der Augenbindehaut. Dieſe leicht Se Krankheit kann bei nachläſſiger Behandlung zur e e d e bee neee e ei den Menſchen führen. er Formen ſucht ſie die Tiere heim. 1 ee a) Erkrankungen der Luft⸗ und Speiſeröhre: Bei ſumptomatiſchen Erſcheinungen, wie Atemnot mit leise röchelnden, pfeiſenden oder raſſelnden Tönen, Hocken in der Ecke, geſträubtem Gefieder, mangelnder Freßluſt. Verfärbung des Kammes, iſt ſoſortiges Eingreiſen vonnöten, ſonſt ver⸗ nichten komplizierende Lungenentzündung, Durchfall, dunkel⸗ rote Färbung mit gelblich dünnem Belag unweigerlich das einzelne Tier und oft den ganzen Beſtand. Die Behandlung erfordert ſofortige Trennung der geſunden Tiere von den kranken. Desinfektion ſämtlicher Ställe. Ausbrühen der Futter⸗ tröge und Saufgefäße und gründliche Säuberung vom Kot. Dafür Umquartierung in ſonnige, luftige Räume(keine Zug⸗ luſtl), gutes, leicht verdauliches Futter und im ganzen be⸗ ſonders ſoraſältige und pünktliche Wartung. b) Schnupfen: Die Abſonderung von ſchleimig wäſſe⸗ riger bis gelber Flüſſigkeit, die die Naſenlöcher faſt völlig ver⸗ klebt, zeigt den Schnupfen an, den ſtarkes Piepſen, Nieſen oder gar Röcheln unzweideutia einleiten. Die Behandlung erfolgt wie im vorigen Falle. e Pips: Die Hühner ſperren den Schnabel auf, huſten. teuchen und fallen oft erſchöpft zu Boden— ſie haben den Pips, eine ſekundäre Erſcheinung der Naſen⸗ und Rachendiphtheritis. Nur barbariſche Ignoranten können es jetzt noch fertig bringen, mit dem Meſſer die verhärtete Haut der Zungenſpitze brutal abzuziehen. Das kranke Tier muß bei guter, leichter Koſt in einen gleichmäßig warmen, ſonnigen Raum gebracht werden. Entziehung des Badenapfes, Naſenſpülungen mit lauwarmem, etwas ſalzigem Waſſer und Beſtreichen der Zunge mit Baumöl werden das Uebel beſeitigen. d) Augenentzündung: Feen der Augenpartie, ſchäumige Abſonderung der Bindehaut, gelblicher Belag, völlige Verklebung des Auges durch Exſudate ſind untrügliche Merk⸗ male Man bringe die Patienten in etwas verdunkelte Räume und beſtreiche die Augenpartie mit mildem Oel; außerdem iſt Trockenhaltung der Tiere und Schutz gegen Zugluft geboten. e) Pocken: Kamm, Kehllappen und Geſicht weiſen warzen⸗ artige Schwellungen, deren Oberflächen ſich mit Schorf beziehen, auf. Die Behandlung iſt äußerlich. t) Darmkatarrh: Entzündung der Darmſchleimhaut führt zum Durchfall mit übelriechendem Kot, der dünnbrelig, grünlich und zuweilen mit Blutſtreiſen durchſetzt iſt. Dazu kommen ſchlechter Geruch aus dem Halſe, Apathie, Sträuben der Federn, Appetitmangel und ſchnelle Abmagerung. Dieſe Krankheit iſt namentlich bei Küken ſehr gefürchtet. Die davon befallenen Tiere ſind ſoſort abzuſondern und beim Verſagen der gewöhnlich gereichten Medikamente, zum Heil der geſunden Tiere, rückſichtslos abzuſchlachten. „Die gefährlichſte aller Geflügelkrankheiten iſt die Cholera. Sie vernichtet enorm ſchnell die Beſtände oft ganzer Ort⸗ ſchaften. Zwiſchen Ausbruch der Krankheit und Tod liegen wenigſtens drei Stunden, höchſtens ſechs Tage. Blauer Kamm und allmähliche Verfärbung des Geſichts ſowie ee Kot v ei einer ſehnellen Entwicklung der Cholera, die über Nacht das Tier hinſtreckt. iſt jede Rettung unmöglich. Bei langſamem Verlauf ſollte man eine direkte Behandlung auch gar nicht erſt verſuchen, da die Koſten für die Medikamente und die ungeheure Mühe kaum den Wert der Tiere aufwiegen, zumal im Hinblick auf den mehr als zweifelhaften Erfolg. Am beſten ſind alle augen⸗ ſcheinlich erkrankten Tiere zu töten, ihre Kadaver zu vergraben und prophylaktiſches Handeln. Eine Seuche muß lokaliſiert und den Bazillen ein Uebergreifen in andere Bezirke unmöglich ge⸗ macht werden. „Von Krätze und Kammgrind bis zur Cholera werden die Hühner nie ganz frei bleiben. Wenn aber die Tiere ſachgemäß gepflegt, richtig gefüttert, ſauber gehalten und ſtändig beob⸗ achtet werden, dann bewahrt ſich jeder ſelbſt vor Schaden. Tiere wollen, genau wie Kinder, gepflegt und gehegt werden, und haben einen Anſpruch darauf, von laienhafter Probierkunſt ver⸗ ſchont zu bleiben. Es iſt jetzt jedem Tierhalter die Möglichkeit gegeben, allein oder mit Hilfe von Tierärzten und tierärztlichen Inſtituten leichte und ſchwere Erkrankungen zur Heilung zu bringen. Es kommt nur darauf an, zur rechten Zeit das Uebel zu erkennen und ungeſäumt die Heilung zu betreiben. Wer zögert, ſtraft ſich ſelbſt! Der Arzt zum Problem: Billigſte Ernährung. Von Univ.⸗Prof. Dr. Hanauer(Frankfurt a. M.). f Konſumſteuern ſind von jeher unbeliebt, und wer es ein⸗ richten kann, weicht ihnen aus, weil ſie oft einen Konſum⸗ rückgang zur Folge haben, ſo daß oft beträchtliche Steuer⸗ erhöhungen keinen Mehrertrag geben. Bei reinen Genuß⸗ mitteln wäre das noch zu ertragen, nicht ſo bei lebenswichtigen Nahrungsmitteln. Eine nur aus der kataſtrophalen Finanz⸗ lage zu erklärende Konſumſteuer iſt die Verdoppelung der 3 uckerſteuer, im Grunde genommen ein Muſterbeiſpiel der Unlogik. Während man, um der Landwirtſchaft zu helſen für eine Reihe landwirtſchaftlicher Produkte Zölle, Einfuhrſcheine und dergleichen eingeführt hat, ſorgt man auf der anderen Seite durch Beſteuerung des Zuckers dafür, daß der Zucker⸗ rübenbau nicht geſunden kann. Die Zuckerinduſtrie in Deutſchland iſt, weil die Verhältniſſe unbedingt ihren Schutz erforderten, durch das Handelsklaſſen⸗ geſetz zuſammengeſchloſſen. Durch die Verdoppelung der Zucker⸗ ſteuer wurde aber dafür geſorgt, daß der Zuckerumſatz mit mathematiſcher Sicherheit zurückgehen mußte. Den Verbraucher wiederum hat mau gegen etwaige Uebergriffe der Zucker⸗ induſtrie durch Höchſtpreisfeſtſetzung geſchützt, verteuerte dem⸗ ſelben Verbraucher aber ſeinen Zucker um einen Betrag, den die Induſtrie ſicher niemals aufgeſchlagen hätte. Seit Jahren ſtieg der Zuckerverbrauch in Deutſchland und würde ohne die Zucker⸗ ſteuererhöhung ſicherlich weiter geſtiegen ſein. Statt deſſen ging der Abſatz zurück. Wie wir Aerzte über einen ſolchen Rückgang im Verbrauch eines Volksnahrungsmittels denken, bewieſen die Verhandlungen im Deutſchen Aerzte⸗Vereins⸗Bund, in denen auf das Unbegreifliche dieſer Steuer hingewieſen wurde, die ſich beſonders in der Ernährung der bedürftigſten Teile des Volkes auswirken müſſe. Die Finanzpolitiker und Regierungs⸗ funktionäre ſind bei der großzügigen Erhöhung der Zucker⸗ ſteuer anſcheinend von ganz falſchen Vorausſetzungen aus⸗ gegangen, indem ſie den Zucker als ein Genußmittel, ja, einen Luxusartikel ungeſehen haben, der auf gleiche Stufe mit Alkohol ind Tabak zu ſtellen ſei. In Wirklichkeit iſt Zucker ein Nah⸗ tungsmittel, und es ſcheint notwendig, etwas über ihn und ſeine Wichtigkeit für den Haushalt unſeres Körpers zu ſagen Zuger iſt ein im Körper ſehr gut ausnutzbarer Nährſtoff, der ür die Verdauung ſelbſt, braucht, um aſſimiliert zu werden ja keine Verdauungsarbeit, iſt alſo ein ſehr werwolles, traft⸗ erzeugendes Materſal Da der Zucker im Körper leicht löslich iſt und nicht wie andere Kohlehydrate erſt eine Umwandlung durchzumachen har, da er ferner prozentual zu ſeinem Nähr⸗ ſtoffgehalt ein ſehr billiges Nahrungsmittel ift und uns das teure Eiweiß erſpart, ſo ſollte er beſonders in der Koſt der Minderbe mittelten Verwendung finden. Daß der Zucker außerdem ein wohlſchmeckendes Würz⸗ und Genußmittel iſt. braucht nicht weiter erwähnt zu werden. Wie zahlreiche Erfahrungen in Armee und Sportkreiſen beſtätigen, iſt der Zucker ferner das vorzüglichſte Stärkungs⸗ und Belebungsmittel bei ermüdender Arbeit Schon fünfzig bis ſechzig Gramm Zucker je Tag vermögen das Hunger⸗ und pee der Soldaten auf den Märſchen längere Zeit zurückzuhalten Die Soldaten nehmen unter dem Einfluß von ee ne an Gewicht zu, zeigen arößere Ausdauer und eiden weniger an Magen⸗ und Darmerkrankungen Zur Hebung der Muskelkraft bei angeſtrengter Arbeit bewähren ſich kleine Mengen von pen bis zwanzig Gramm Auch das Nerven⸗ ſyſtem beſtreitet ſeinen Energieumſatz im weſentlichen aus Zucker. Bei Erlahmen der Herzarbeit wirten Einſpritzungen von Zuckerlöſungen ins Blut oſt lebensrettend. Profeſſor von Noorden in Wien. wohl die erſte Autorität auf dem Gebiet der Ernährungslehre, bezeichnet Zucker als gutbekömmliches Nah⸗ rungsmittel von außerordentlichem Nährwert und bedauert, daß der Zuckerverbrauch in Deutſchland noch weit zurückſteht. Obwohl bei uns ſehr große Mengen Zucker erzeugt werden, iſt der Verbrauch in faſt allen anderen Ländern. ſo beſonders in England und Amerika bedeutend höher Wenn Süßſpeiſen. geſüßte Mehlſpeiſen und ſo weiter weder beim Mittag⸗ noch beim Abendeſſen auf keinem Tiſche ſehlten, würde der Zucker in weit höherem Maße Volksnahrung ſein und könnte einen Teil des teuren Feites erſetzen. Süßſpeiſen vermindern die Ausgaben für das tägliche Eſſen, verlängern, am Ende der Mahlzeit eingenommen, die Verweildauer des Speiſebreies im Magen vervollſtändigen das Sättigungsgefühl und ſchieben das Wiedererwachen des Hungergefühls hinaus. Daß Zucker ein vorzügliches Konſervierungsmittel für das Obſt iſt. weiß jede Hausfrau. Konzentrierte Zuckerlöſungen vernichten die das Obſt ſchädigenden Pilze ſowie die Gärungs⸗ erreger und wirken ſo dem Verderben des Obſtes entgegen. Auf dieſe Weiſe laſſen ſich die ganzen wie die zerkleinerten Früchte auf faſt unbegrenzte Zeit haltbar machen. Die Verbindung von Obſt mit Zuckergenuß iſt die beſte Form, um dem Körper an⸗ ſehnliche Zuckermengen einzuverleiben und die Energiemenge des Zuckers für die Körperleiſtung auszubeuten. Nach Profeſſor von Noorden liegt die obere Grenze der Bekömmlichkeit von Zucker beim Menſchen ſehr hoch. Ob⸗ wohl ein täglicher Zuckerverbrauch von 200 Gramm beim ge⸗ ſunden Menſchen unſchädlich ſei, empfiehlt Profeſſor von Noorden eine tägliche Durchſchnittsaufnahme von 100 Gramm Zucker Natürlich dürfen nicht allzu große Zuckermengen auf einmal genoſſen werden, ſondern ſie ſind auf verſchiedene Mahl⸗ zeiten zu verteilen. Was die Frage betrifft, ob der Zucker die Zunahme der Zuckerkrankheit auf dem Gewiſſen habe, ſo ſind alle ärztlichen Autoren, die ſich damit beſchäftigten, zu einem ablehnenden Ergebnis gekommen Profeſſor Leſchke (Berlin) führte in einer Ausſprache der„Berliner Mediziniſchen Geſellſchaft“ aus, daß die Zuckerſterblichkeit in allen Kultur⸗ ländern. unabhängig vom Zuckerverbrauch, erheblich geſtiegen ſei. Am größten iſt die Sterblichkeit in Preußen. während in den Ländern mit dem ſtärkſten Zuckerverbrauch, wie Argen⸗ tinien und Kuba, die Zuckerſterblichkeit nur halb ſo groß iſt wie bei uns. Die Zunahme der Zuckerkrankheit beruht einmal auf der ſtärkeren Erfaſſung der Fälle; ſie hängt aber auch mit der zunehmenden Haſt. den Sorgen und Aufreibungen des Er⸗ werbslebens zuſammen, weshalb ſie in der Stadt viel häufiger angetroffen wird, als auf dem flachen Lande. Daß auch durch einen ungewöhnlich hohen, jahrelang fortgeſetzten Zuckerverzehr die Zuckerkrankheit nicht hervorgerufen wird, bewies am beſten ein Patient des Wiener Profeſſors Schleſinger, der an der un⸗ gewöhnlichen Krankheit der Kaffeeſucht litt. Der Mann trank läglich zehn bis zwölf Liter Milchkaffee und brauchte zum Süßen jährlich etwa ſieben Zentner Zucker. Trotzdem war bei dem Patienten der Zuckerſpiegel im Blut erniedrigt wie er⸗ Um den Bruchteil einer Sekunde. Man hat ſich ſchon oft über neue und alte Rekordzeiten ge⸗ ſtritten, weil immer wieder behauptet wurde, die Zeitnehmer hätten falſch geſtoppt oder die Uhren ſeien nicht richtig in Ord⸗ nung geweſen. Wie dem auch ſei, es dürfte heute keinen Menſchen mehr in der Sportbewegung geben, der behaupten wollte, die heute geſtoppten Zeiten entſprächen den wirklichen Leiſtungen genau bis auf die Zehntelſekunde. Dabei paſſiert es genau ſo oft, daß zum Vorteil wie zum Nachteil eines Läufers Zeit genommen wird. Nun wird es uns zwar nie möglich ſein, die früher aufgeſtellten Beſtleiſtungen auf ihre Richtigkeit hin nachzuprüfen; aber es wäre doch gut, wenn man recht bald Methoden einführen wollte, die eine einwandfreie Zeitnahme gewährleiſteten. Bei den langen Strecken ſpielen die Zeiten keine ſo weſent⸗ liche Rolle wie bei den kurzen, wo es ſich um Zehntelſekunden handelt. Außerdem iſt bei allen Rennen über lange Strecken und auch über Mittelſtrecken von 400 Metern aufwärts die Möglichkeit gegeben, daß die Zeitnehmer während des Rennens vom Start und Ziel laufen und dort eher erſcheinen als die Läufer, daß alſo die gleichen Zeitnehmer am Start und am Ziel ftoppen und jedesmal ſelbſt dabei ſind! Bei allen Strecken bis zu 300 Meter aber laufen die Läufer ſchneller auf der Bahn, als die Zeitnehmer vom Start quer über den Platz zum Ziel. Deshalb müſſen letztere von Anſang an am Ziel Aufſtellung nehmen und ſich auf ihre mehr oder minder guten Augen ver⸗ laſſen. Sie paſſen auf, bis aus der Piſtole des Starters der Blitz des Abſchuſſes hervorſchießt— und ſetzen im gleichen Moment ihre Uhren in Bewegung. Jeder aber weiß, daß niemals auf dieſe Weiſe ganz genau geſtoppt werden kann. daß die drei Uhren ſaſt ſtändig kleine Abweichungen zeigen, wenn es ſich auch meiſt nur um eine Zehntelſekunde handelt. Aber um die dreht es ſich ja gerade. Die Notwendigkeit einer Reviſion ſehen viele ein, aber nur wenige ſind ſich darüber klar, auf welche Weiſe ſie vorgenommen werden könnte. Drei Vorſchläge ſind bisher gemacht worden, von denen zwei für uns durchgeführt ſind, während der dritte vorderhand nicht in Frage kommt, und zwar lediglich aus pekuniären Gründen. Gedacht iſt hierbei an eine Holzgleitbahn neben der 100⸗Meter⸗Strecke. Der Zeitnehmer(nur einer!) würde vor dem Start auf dieſer Gleitbahn, die elektriſch zu be⸗ treiben wäre, Platz nehmen und beim Startſchuß, dicht daneben ſitzend, die Uhr in Gang ſetzen. Dann würde die Gleitbahn, die man ſich wie eine ſchnell funktionierende Rolltreppe mit einem feſten Stuhlſitz denken muß, raſch zum Ziele hingleiten und den Zeitnehmer ſchneller dorthin bringen, als die Läufer zu laufen vermögen(demnach in 8 bis 9 Sekunden), damit er im Moment, in dem der Sieger das Zielband durchreißt, be⸗ reits dort iſt und abſtoppen kann. Die Idee iſt ja ganz nett, aber wir wollen Amerika, woher der Vorſchlag ommt, den Vortritt laſſen, um dieſe Sache einmal auszuprodieren. Die Amerikaner haben ja auch das Geld dazu, dergleichen koſt⸗ ſpielige Experimente zu machen. Ein anderer Vorſchlag ging dahin, nur eine Rutſchbahn zu bauen, auf der lediglich die Uhr gleiten kann, ſo daß ein zweiter Zeitnehmer ſie am Ziel in Empfang nimmt und dann die Zeit des Siegers ſtoppt. Ernſthafter und für uns brauchbarer ſind ſchon die beiden anderen Ideen, deren erſte die Angelegenheit rein mechaniſch behandelt wiſſen will. Die Uhr foll ſich am Ziel befinden und mit dem Zielband derart in Berührung ſtehen, daß der leiſeſte eich ins Blu übergeht und als Wärmequelle raſch berbrennk; aach far die Abſonderung der Verdauungsſäfte ſowie iſt. Im Moment des Startſchuſſes wurde ſie 1 6 und in dem Augenblick, in dem 10 Set 4 1455 5 ruft das Zielband berührt, ſtillſtehen. Auf dieſe Art und Weiſe dürſte man ziemlich einwandfreie Zeiten erzielen. Da⸗ gegen die Zeiten der hinter dem Sieger einkommenden Länſer zu notieren, beſtehr durchaus keine zwingende Notwendigkeit. Was han es für einen Zweck. zu melden: 1. Müner 10,6, 2 Leh⸗ mann 10.7, 3 Schulze 10,7. 4. Meyer 10,9? Da kann man ſich keine Zwiſchenräume vorſtellen. Viel günſtiger für den Leſer der Nachricht wäre die Meldung: 1. Müller 10,6, 2 Lehmann 1 Meter, 3. Schulze Bruſtbreite, 4. Meyer 2 Meter zurück. 0 Solange man ſich noch nicht zu dieſer Methode wird en ſchlietzen können, ſolange eine derartige Uhr mit„angebautem“ e noch nicht konſtruiert iſt, könnte man ſich ſa mit der 0900 Art begnügen, die auch arößte Sicherheit für genaueſſe eſſung bietet. Allerdings ſind hierbeſ ſechs Uhren und dem⸗ zufolge auch ſechs Zeitnehmer notwendig: aber die laſſen 1a wohl(Uhren und Zeitnehmer) auf ſedem Platz beſchaſſen. Moment des Abſchuſſes— ſagen wir 4:25 Uhr— ſetzen die drei Zeitmnehmer am Start ihre drei Uhren in Gang. Im Augen⸗ blick, in dem der Sieger durchs Ziel geht— ſagen wir 4:25,11 Uhr(11 Sekunden ſpäter)—, drücken die drei Zeit⸗ nehmer am Ziel auf den Knopf und laſſen die Uhren lauen. Dann nimmt man die ſechs Uhren zu irgendeiner beliebigen Zeit und bringt ſie ſur gleichen Zeit zum Stehen und beginnt Stort fei zu rechnen. Nehmen wir an, die drei Uhren am Start ſeien im Mittel 47 Sekunden gelaufen, die drei Uhren am Start aber nur 36,4 Sekunden, dann hat der Sieger die 195 e 100 70 e Da man das Mittel ren nehmen kann, wird man i genaueſte Zeit errechnen können. e n Ne Ausſprüche aus Abraham a Santa Claras Predigten. Es iſt nicht lobwürdig, wenn wir Menſchen ſind wie di nic len. die zwar andere Sachen 89090 nch ſelbſt 1 165 E Es iſt ſelten ein Buch ohne Eſelsohr. 5 Die Nachtigall bleibt in ihrem reis, obw f auch im Walde herumfliegt. 5 e eee O Menſchenurteil! Wenn d ier Fi a täteſt du gleichwohl Uiiren ch gert ee Ae Der Neidige iſt eine Uhr mit einer ſteten Unruhe. * Solange jemand natürlicherweiſe ſich ſelbſt ka lfen muß er Gon nicht um ein Miratel an chen ene * Die Vernunft leidet mehrenteils Schiffbruch im Wein. * Der Menſch muß nicht ſein wie eine Orgel: wenn man dieſe nur ein wenig tupſt und ſtupſt, ſo ſchreit ſie. * Sind die Saiten nicht geſpannt, ſo haben ſie keine Stimme. * Die Welt iſt ein Meer: die Menſchen ſind die ſtolzen und aufgeblaſenen Wellen, das Ufer iſt der Tod. 1 Die Neldigen ſind wie die Nachteulen: fie Licht ſehen. 1 achteulen: die können kein *. Das böſe Gewiſſen iſt eine Uhr, die alleweil auf die be⸗ gangenen Laſter zeigt. * Wo der Brautſtand ein Rauſch war, iſt die Ehe öfters ein 11 8 Katzenjammer. J. St. Die beiden Gondeln. Von Wilhelmine Baltineſter. Eine leichte, helle Gondel ſchaukelt blumenüberſät über den glatten Spiegel des Kanals. Darin ſitzt ein eng umſchlungenes Liebespaar und ſtreut mit frohem Lächeln tiefrote Roſen in das dunkle Waſſer. Das Mädchen iſt jung und braun und ſenkt die brennenden Augen leidenſchaftlich in die des Burſchen, der in dieſem Augenblick nicht mit Gott ſelbſt tauſchen möchte. Langſam hebt der alte Gondolier die Ruder. Kein Wort tönt aus der hellen Liebesgondel; ſtille Harmonie breitet die mütterlichen Hände. i .. Unweit gleitet ein dunkler Kahn. In ſeiner Mitte tag: ſchwarz ein hochgewölbter Sarg empor. Schwermütig ſchleiſen düſtere Florgehänge im Waſſer. Auch hier kein Wort. Nur Schweigen, Schweigen Die beiden Kähne kreuzen ſich. Das Liebesſchifſchen leuchten auf— die Totengondel träumt In beiden Booten tiefes, großes Schweigen, und hier wie dort das Schweigen höchſter Seligkeit. 2* v Für die Küche. Fiſchſuppe(vorzüglich). Entweder der ganze Fiſch oder die gut gereinigten Fiſchköpfe, Gräten mit den Häuten. Floſſen und andere Abfälle werden in reichlich kaltem Waſſer mit Suppengemüſe, Zwiebeln und etwas Gewürz aufgeſetzt und gut ausgekocht. Die Brühe gießt! man durch ein Sieb. füllt mit ihr eine helle Einbrenne auf zur Suppe und ſchmeck: ſie mit Salz. Maggiwürze und Peterſilie ab. Als Einlagen in dieſe Suppe paſſen Klöße aus Fiſchfleiſch(ſiehe Fiſchklöße), Nudeln, Einlauf oder geröſtete Semmelwürſel. Lammrücken in Rotwein. Einen zarten Lammrücken häuter man ah und reibt ihn mit etwas Salz. Pfeffer und geſtoßenen Wacholderbeeren ein, legt ihn dann 48 Stunden in eine Beize von halb mildem Eſſig, halb Rotwein nebſt zwei Stengeln Salbei, Rosmarin und Majoran. in der man ihn täglich zwei⸗ mal umwendet. Vor dem Zubereiten wird das Fleiſch ab⸗ getrocknet und mit Speckfäden reichlich geſpickt, in heiße Bunter gelegt und im Bratoſen 1 bis 1½ Stunden lang gebraten. Ab und zu gießt man einen Löffel voll von der Beize dazu und überfüllt den Braten fleißig mit der ſich bildenden Soße. Dieſe wird, wenn nötig, durchgegoſſen, mit ewas Kraftmehl ſeimig gekocht, abgeſchmeckt und mit 15 Tropfen Maggiwürze verfeinert. Apfelbettelmaun. 300 Gramm geriebenes Schwarzbrot, 25 Gramm Korinthen, 500 Gramm Aepfel, 100 Gramm Zucker, 60 Gramm Butter. Das geriebene Brot und 50 Gramm Zucker werden zuſammengemiſcht. Die geſchälten, in ſeine Scheiben geſchnittenen Aepfel werden mit etwas Waſſer, dem Rum und 60 Gramm Zucker zugegeben wird faſt weich gekocht. In eine vorgerichtete Springform gibt man die Hälfte des Brotes, füllt die Aepſel und die gusgequollenen Korinthen darüber und zum Schluß die andere Hälfte Brot Man aibt die Butter in fleine Flöckchen verteilt obenauf und bäckt den Apfelbettelmann Druck dagegen die Uhr zum Stehen bringt, während ſie vom Start aus durch einen Hebeldruck in Bewegung geſetzt worden in heißer Röhre zu 5 Farbe, beſtreur ihn mit Zucker, nach Belſeben auch mit Zimt, und gibt ihn heiß zu Tiſch. „Glauben jollſt bu und vertrauen! 15 Roman von Sert Kothberg Copynght by Martin Feuchtwanger, He e . Fortſetzung. Nachdruck verboten. Die letzten Worte waren liebenswürdig an Herrn Oſtendorf gerichtet, der 10 einen tückiſchen Blick zuwarf. . er uſtimmend verbeugte. eee Sie befehlen, g ö ich reſpektiere ſeloſt⸗ verſtändlich jederzeit gern ältere Rechte.“ . 15 zu und zog Daniela mit ſich fort. Da in dieſem Augenblick die Baronin zu ihnen trat, ergab es ſich wirklich ganz von ſelbſt, daß Daniela noch eine Partie mit ihr ſpielte. Die junge Frau erntete heute ſchon ein Lob ihrer Lehrerin und freute ſich darüber. Die Baronin war heute ſehr ſcharmant und brachte Laune und Leben mit ſich. Dabei blieb ſie immer vor⸗ nehme Dame. Mit ihr zuſammen bildete man dann eine Gußerſt vergnügte„ Einmal wandte ſich die n an Hanna Elten. a g n ſah 807 beide mit Oſtendorf? Er ſitzt ſetzt allein dort drüben. Von mir aus kann er übrigens weiter dort allein ſitzen. Menſchen mit ſo ſcheuem Blick ſind mir nie angenehm geweſen“ Daniela ſah ſie erſchrocken Doktor Birkhoff hob das Wein. 135 „Dieſer Tropfen gilt 70 Klugheit, Frau Baronin“. und ſah ſie ernſthaft an. ae 91 See ihren Mund, doch dann ſagte mlos: 5 1 1 Sie ſich nun irren? Frauen ſind nie klug!“ Daniela und Hanna widerſprachen, und Doktor Birk⸗ hoff lachte Ein luſtiges Geplänkel hob an, und alle ich darüber. f ee e man auf ein anderes Thema über. Schließlich geſellten ſich noch mehr hungrige Geiſter dazu. und fröhliches Gelächter erfüllte den Platz. Doktor Birthoff beobachtete Daniela ſcharf. ohne daß ſie es bemertte Er wußte nicht, wie ſehr ihn dieſes junge Geſchöpf vereite 0 F Er dachte nur: dolfs Glück iſt in Gefahr 0 e Sorge hatte ihn ſchon die ganze Nacht gequält Er wußte ja, daß in der Ehe des Freundes bereits ein Riß klaffte Und Frau Daniela ſchien ihm temperament⸗ voll und unbeſonnen Und durch irgendeine ſolche Un⸗ beſonnenheit konnte ſie ihren Gatten derart reizen, daß unheilbar wurde. g eder Ausgerechnet er! Es war zum Längelang⸗ hinſchlagen! Ausgerechnet ihn mußte Daniela Brünneck kennenlernen! Es mochte ein dummer Zufall ſein. Auf 2 las Seite wat es das beſtimmt. 5 e Oſtendorf? Dieſer berüchtigte Frauenjäger? Bei ihm war ee kein Zufall! Er ſtellte der ſchönen Daniela Brünneck mit allem Vorbedacht nach, 9 war ſicher! Und m das Handwerk legen a ee e Ja. die! Die konnte mithelfen und würde es Unter der Maske eines oberflächlichen Lebens trug ſie ein tieſee veid! Und ſie batte in Oſtendorf zeitig genug den wahren Kern erkannt Seine glatte, zurecht⸗ gemachte Außenſeite konnte ſie nicht täuſchen. Daniela aberb Gerade um ſie ging es! Und gerade ſie ſchien eine ſchlechte Menſchenkennerin zu ſein! Die Baronin Hettenheim wandte ſich ihm zu. „So ſchweigſam mii einem Male, Herr Doktor? Reut es Sie, daß Sie une armen Sterblichen der Provinz Ge⸗ ſellſchaft leiſten, gewiſſermaßen doch Ihre koſtbare Zeit vergeuden während Berlin lacht und lockt mit tauſend Freuden und en e gte 0 ah ſie ernſt an Dann 8 5 00 Sie mich für einen ſolchen Genußmenſchen. Frau Baronin?“ „Nein, das nicht an, ſagte jedoch nichts. Glas mit dem goldgelben Was das anbelangt, ſoll man 1 upi nie zu ſchnell urteilen Aber es iſt immer be er. 11 0 iſt ange m enttäuſcht in dieſer Beziehung Jeden⸗ falls iſt dae köſtlicher ale wenn einem die glatte Maske eines anderen täuſcht Man ſoll lieber zeitweilig etwas Raubeinigken vertragen können, wenn man es dabei mi: einem ehrenwerten Menſchen zu tun hat, als wenn einem irgendein ſchlechter falſcher Menſch katzbuckelt Das iſt ein Ausſpruch meinee e Ich weiß nicht, ob er auch Ihre Zuſtimmung findet 0 19 0 Debatte entſpann ſich, aber alle gaben a Baronin recht nei enthielt ſich jeder Aeußerung. Sie dachte an ihren Gatten den ſtolz und gebieteriſch ihr Vertrauen ver⸗ langte, ſich von niemand beugte und unentwegt den Pfad Pflicht aging! 1 ee jetzt in dieſer Stunde war ſie überzeugt. daß er immer num den Weg der Pflicht geſchritten war Heute wo bereite dieſee ſchwere Zerwürfnis zwiſchen ihnen be⸗ ſtand, heute zweifelie ſie nicht mehr daran. „Es iſt nur eine vaune, Danie!“ Hatte er es wirklich geſagt, als ſie geſtern abend ſich an feine Bruſt warf? Daniela ächzte plötzlich. und alle ſahen ſie beſorgt an. „Dir iſt nicht wohl, Danie! Sollen wir dich nach Hauſe bringen?“ fragte Hanna Elten. 5 5 ſchüttelte den Kopf. dachte an Rudolf Brünnecke kalte Abwehr und lachte laut auf. „Nein, durchaus nicht Ich will nicht heim. Amüſieren will ich mich, luſtig ſoll es ſein.“ Doktor Birkhoff blickte von Daniela auf Hanna Dieſe ſenkte die Augen, während Baronin Hettenheim die ſchönen Brauen dicht zuſammenzog und einen mißbilligenden Blick auf Daniela Brünneck warf Die junge Frau gefiel ihr heute nicht! Was mochte nur um alles in der Welt in der Ehe des bekannten und beliebten Arztes nicht ſtimmen? Dieſe zwei ſchönen Menſchen, die füreinander geſchaffen waren, die würde doch nicht etwa irgend etwas trennen? Die anderen Teilnehmer der kleinen Tiſchgeſellſchaf! hatten ſich mit einem anderen Thema beſchäftigt So fiel es weiter nicht auf, daß die vier am oberen Ende des Daniela aber dachte: 0 „Ich darf mich nicht noch einmal demütigen; ich muß irgend etwas tun, was mich von ihm trennt. Damit es ein für allemal zwiſchen uns zu Ende iſt!“ 5 b Es ging dann wieder ſehr laut und fröhlich zu, und dann verabredete man für morgen früh wieder ein Zu⸗ ſammentreffen und verabſchiedete ſich voneinander. Daniela wurde von Hanna Elten und Doktor Birkhoff begleitet. 5 1 5 „Kommen Sie beide noch mit zu mir“, ſagte ſie dann haſtig, als Birkhoff und Hanna ſich verabſchieden wollten „Es iſt Mittagszeit. Dein Mann kommt, und wir möchten nicht ſtören“, ſagte Hanna abwehrend und blickte auf Birkhoff. 5. „Die gnädige Frau hat recht, auch ich möchte nicht ſtören“, ſagte 1 Hadle Daniela nickte gleichgültig. 1 „Wie Sie wollen! Rudolf würde ſich ſicher gefreut haben.“ 5 5 N Sie ſah den beiden, die langſam davongingen, nach. Recht ſo, man ſollte ſie ruhig allein laſſen, dann mochte eben das Schickſal ſeinen Lauf nehmen. 4 * n Die Tage, die Doktor Birkhoff hier verleben wollte, waren längſt um. Immer wieder gab er noch etwas zu. d ſo reihte ſich ein Tag an den anderen. 00 9 5 8 nuch immer bei ihren Eltern, trotz⸗ dem auch ſie nicht ſolange hatte bleiben wollen. Geſtern nun war Danielas Tante zurückgekommen. Und ihre Augen bemerkten ſofort die Veränderung. die mit Daniela vor ſich gegangen war Es traf ſie wie ein Schlag, als ſie Brünneck fragte und dieſer ihr antwortete: „Danie hat keine Schuld, Tante Maria! Wir hätten das alle wiſſen müſſen, daß bei ihr einmal der Zeitpunkt kommen wird, wo ſie bereut, daß ſie ſo viele glänzende Partien ausgeſchlagen hat. um meine Frau zu werden Frau von Lorring en vor ihm. Es dauerte eine ganze Weile, ehe ſie ſagen konnte: „Mein Gott, Rudolf, was iſt denn nur geſchehen? Was hat dieſes törichte Kind denn nur angeſtellt?“ „Nichts, Tante Maria! Eine zerſtörte Ehe muß nicht immer greifbare Tatſachen aufweiſen Danie iſt übrigens im Recht! Sie kann ein anderes Leben verlangen. als daß ſie hier ſitzt und ſich langweilt. Sie iſt ein Kind, das ein Spielzeug braucht Ich war in dieſen Wochen ſtark be⸗ ſchäftigt, ſo iſt das eben alles nach und nach ganz von ſelbſt gekommen.“ 1 „Rudolf, das— iſt ja entſetzlich! Ihr hattet euch ſo lieb. Sollte denn nun alles zu Ende ſein?“ Er ſah ſie lange und ernſt an. Dann ſagte er: 1 „Verzeih. Tante Maria, doch ich kann nichts tun Ich kann dir auch keine näheren Erklärungen geben Nur. damit du inſofern beruhigt biſt: ich liebe Danie noch 1 ſo wie am erſten Tage.“ ce 101 Dame atmete erleichtert auf Nun hoffte ſie daß doch noch alles gut werden könne. Freilich, Danie konnte ſie nicht zureden, das würde die Sache ja nur ver⸗ limmern 1 Wenn ich nur wüßte, was der Trotzkopf angeſtellt hat daß ein Mann wie Rudolf, der ſie ſtets als ein verwöhntes Kind behandelt hat, derart verbittert werden konnte Von ihm werde ich nichts weiter in dieſer Sache erfahren, ale das, was er mir zu ſagen für gut befand. Er wird Danie in meinen Augen niemals herabſetzen. Alſo muß ich beob⸗ achten. Gebe Gott, daß es doch nur eine vorübergehende Verſtimmung iſt! * 1 8 Rudolf Brünneck fühlte ſich wieder wohler in ſeinem vornehmen Heim, weil die Tante mit anweſend war und ihn wie einen lieben, ſehr lieben Sohn behandelte Daniela ging ihre eigenen Wege und kümmerte ſich nicht um ihren Mann Sie hatte ſtets ſehr viel zu iun Immer war ſie unterwegs Da aber Hanna Elten immer dabei wat, ſah Brünneck keinen Grund. ihr dieſe Ausgänge zu verbieten 4 Prinz Oldenhauſen hatte das von ihm gekaufte Schloß mit ſeiner Gemahlin bezogen, und nun kam natürlich in der Geiellſchaft das Geſpräch viel auf dieſes Paar: man machte allerlei lane, denn der Prinz hatte ſich dahin aus geſprochen daß er ſich ganz und gar dem geſelligen Kreiſe anzuſchließen gedachte ie i war eine ſchlanke überſchlanke, reizloſe Perſönlichteit in deren Geſicht nur die ſchönen, blauen Augen etwas Anziehendes hatten Um den Mund der Prinzeiſin lag ein bitterer Zug Aber ſie ſchien ihren Mann ſehr zu lieben was er hinnahm, ale müiſſe dae ſo ſein Jedenfalls aber war jetzt die Geſellſchaft um ein ſeh. intereſſantes Paar reicher geworden. 5 * 1 „Ich werde nun doch abreiſen müſſen“ ſagte Hanno Elten eines Tages,„mein Mann kommt am Neunzehnten zurück Ich darf ihn nicht ganz und gar den Dienſtboten überlaſſen“ a Daniela lächelte. I Du freuſt dich nicht? Pale 1 auch, doch es war ein müdes, ſchmerz⸗ liches Lächeln 8 „Danie, wie kann ich mich denn freuen. wenn er es in der ganzen langen Zeit nicht für nötig fand, mir auch uu; einen einzigen Brief zu ſchreiben? Immer muß ich mich mit dieſen gräßlichen Anſichtskarten begnügen.“ „Du weichſt mir ja aus, Hanna Geſtehe es doch ruhig daß deine Ehe genau ſo unglücklich iſt wie die meine! So, jetzt war es endlich einmal geſagt, jetzt hatte ſie der letzten Zeit immer klar eine Patientin geweſen ſein.“ Daniela blickte trotzig ſtarr „Was hat Tiſches ſo ſchweigſam blieben. aute Lehren, und wir ſahen endlich einmal die Maske fallen laſſen können. vor ſich hin Nach einer Weile ſagte ſie: a Rudolf Brünneck dit denn getan? „Er liebt nut ſeinen Beruf, nichts weiter Mit agibier in Hannas Geſicht. Dieſe ſah Was haſt denn du mich zu fragen. als ob du mich für d ö ſchuldigen Teil hielteſt?“ f Dein Mann bar keine Schuld. Danie! Das iſt mir in 1 30 tlarer geworden. Es wird damals „Warum ſuchſt du ihn zu rechtfertigen?“ fuhr Daniela auf, und ihr ſchönes Geſicht glühte förmlich„Was weißt denn du? Es iſt etwas ganz anderes, was mich ihn haſſen läßt.“ g ö 1— du— du haßt deinen Mann?“ alꝰ 1 1 1 18 tomm doch zu dir! Wie kannſt du einen Mann wie ihn haſſen, ihn, den..“ 7955 Erſchrocken hielt ſie inne. 1 Daniela lachte, dann aber ſagte ſie: 1 „Sprich es ruhig aus, Hanna. Den alle Frauen lieben. wollteſt du doch ſagen!“ f g „Ja, Danie!“ „Nun— und?“ „Nichts weiter, müßteſt, die Frau, ſein, dieſes Mannes, eu ſchenkt.“ 1 f 1 N ſagſt du mir, die du ſelbſt dich vorhin bitter be⸗ 1 haſt?“ eee Danie, ob ein Mann beruflich vou ſeiner Frau ſerngehalten wird oder ob er freiwillig jede Gelegenheit ergreift, ſich frei zu fühlen“ „Dein Mann iſt auch beruflich fort, Hanna.“ „Ja, nur daß ich zufällig erfuhr, daß er ſchon ein paar⸗ mal freiwillige Reiſen gemacht hat.“ Daniela ſchwieg. 805 900 aderlel Gedanken durch den Kopf. Nein, Rudolf war daheim in ſeiner freien Zeit. Aber wer ſagte ihr denn, was tagsüber in ſeinem Leben warf Et war ſo viele, viele Stunden von ihr fort. Und die Frauen liebten ihn alle! aui Brünneck richtete ihre ſchlanke Geſtalt hoch auf. „Hanna, du haſt ſelbſt geſagt, daß ich nicht immer zu Hauſe ſitzen dürſe. Und du hatteſt recht! Ich will mich amüsieren Was haft du vorhin geſagt? Kamerad ſoll ich ihm ſein? Nein, Hanna, denn ich haſſe alles, was mit Kranthen und Arznei zuſammenhängt.“ „Gut, Danie, ſo etwas läßt ſich nicht erzwingen. Dann ſei ihm eine liebe Frau, wenn er von ſeinem ſchweren Beruf heimkehrt!“ „Es wird nur eine Laune ſein, Danie!“ Ganz deutlich hörte ſie wieder die verletzenden Worte. mit denen Rudolf Brünneck ihre Reue und Liebe zurück⸗ wies Daniela zitterte plötzlich. 100 l „Du weißt ja nicht, wie er mich gedemütigt hat, Hanna. Und nun haſſe ich ihn.“ „Danie, gib den Verkehr mit Herrn von Oſtendorf voll⸗ ſtändig auf wenn du dir das Grab deiner Liebe nicht vollends graben willſt!“ ſagte Hanna beſchwörend. 1 „Oſtendorf? Warum? Er wird mir nie gefährlich werden; aber er iſt ein guter Geſellſchafter und iſt gründ⸗ lich in mich verliebt.“ 8 N eee laß dich warnen! Dein Mann kennt Oſtendorf von früher und— und Oſtendorf iſt ein Taugenichts. Nun urteile ſelbſt!“ „Wer bat dir das geſagt?“ „Doktor Birkhoff!“ f „Ah, er? Darum alſo ſeine offene Feindſchaft gegen Oſtendorf?“ „Ja!“ l 5 „Nun, wer weiß, was da geweſen ſein mag; Studenten haben veſondere Geſetze Er braucht doch nicht geächtet zu Danie, als daß du dich glücklich ſchätzen der treue Kamerad dieſes Mannes zu der ſo vielen Menſchen das Leben angelt ſogar recht eifrig nach ihm von verſchiedenen Seiten; denn er iſt unermeßlich reich“, ſagte Daniela gleich⸗ ültig. ü 0 895 mag ja alles ſein; aber du mußt jedenfalls Herren endorf meiden“ e 1 Mann ſoll ruhig ſehen, daß ich kein dummes Kind mehr vin, daß ich mir meinen Bekannten⸗ treis von ihm nicht vorſchreiben laſſe.“ „Dann— dann wird es nicht lange dauern, Danie, und deine Ehe und dein Glück werden begraben ſein.“ „Wieſo? Ich gebe Rudolf niemals frei!“ Hanna ſah ſtarr in Danielas Geſicht. War denn ſo etwas nut möglich? N „Wenn du deinem Manne Grund dazu gibſt, iſt er ſehh bald frei. Danie. dein wenn auch vorläufig harmloſer Verkehr mit Oftendorf dürfte Grund genug für ihn ſein. Alſo ich habe dich gewarnt!“ „Genügend. liebe Hanna; aber ich werde gieht zue Sklavin herabſinken. Du haſt dieſes Wort ſchon einmal in bezug auf mich gebraucht, Hanna.“ Hanna Elten bereute immer und immer wieder, ihce haben, um dieſe aus crem traumhaften Idyll auf⸗ zuſcheuchen Wie konnte ſie os nur wieder gutmachen? „Ich war unbeſonnen, Danie. Und es war wohl nut meine eigene Zerriſſenheit, die ſich Luft machte. Du hätteſt dein Glück anders feſthalten müſſen.“ „Hanna, laß uns davon ſchweigen. Wenn man erſt an⸗ fängt, über alles nachzugrübeln, dann iſt man immer ſchon halb verloren Ich verdanke dir viele ſchöne Stunden, und ich denke gar nicht daran, dir einen Vorwurf zu machen. Mein Mann vergälli mir alles! Einſach alles! Als Birk⸗ hoff meinen Geſang, mein Talent anerkannte, hätteſt du ihn nur hören ſollen, wie verächtlich er über meine Nei⸗ gung den Stab brach.“ Hanna ſagte nichts mehr. Sie wußte jetzt, daß da vieles mitſpielte, von dem ſie keine Ahnung hatte und daß dieſe Ehe an dem gegenſeitigen Stolz und Sich⸗nicht⸗verſtehen⸗ ihn doch ſelbſt mii dieſer Dame. wollen zerbrach. * Reichskanzlers angeht, ſo ſind 15 Aus ſich⸗ anzler höchſtwahrſcheinlich nicht an Adolf Nie Haltung des Zentrums iſt in dieſer oerde. in die ſpäten Abendſtunden hinein. Es be⸗ Pungstechnik 9 anzuwenden. Im Verlaufe der Sitzung wur⸗ eerzeit heſamtbetrag für dieſes Gebiet nunmehr auf chüſſe für die Teilung von Neubauwohnun⸗ In der Sitzung nahm alsdann die Sied⸗ in, wobei es ſich u. a. darum gehandelt ha⸗ Nen dürfte, die 1 N rf nach wie vor als der entſchiedene Wille des Kanzlers 15 bezeichnet 4 ie umfangreiche Tagesordnung der Kabi⸗ ſettsſitzung dürfte ſich ferner noch auf die Utantreihs Finanzlage erons plan vor der Kammer.— 10,5 werden? Und er verkehr überall in der Geſellſchaft. Man 0 heerons iſt am Dienstag durch die Einbrin⸗ Jing der Regierungsvorlage für das zwei⸗ erden. In der ausführlichen Begründung ht der Finanzminiſter von dem Sachver⸗ digenbericht ag mit rund 10,5 Milliarden Franken er⸗ hnet und feſtſtellt, daß nur ein Teil dieſes entlich großen Metalldeckung. Dennoch d des Geldmarktes ſei ſehr eigenartig. ſich ſeien große Kapitalreſerven vorhan⸗ mt. Die Staatsſchulden, die in den Jah⸗ 190 abnahmen, ſeien in den letzten zwei innere zerriſſene Stimmung Daniela gegenüber benutzt zu Mee Ende 1932 leere Kaſſen gezeigt. leihe zu Anleihe ſchreiten, bis die Wäh⸗ Erſtellung des Haushaltsgleichgewichls, fer · ald in eine langfriſtige Schuld umgewan⸗ 1„ Forts folgt.) zwiſchen dem Reichskanzler Schleicher und Dr. Hugenberg, vereinbart und nur wegen der Wahlen hin⸗ ausgeſchoben worden war. Die Unterredung fand daher unabhängig von den Verhand- lungen ſtatt, die ſeit einer Reihe von Tagen der Reichskanzler von Schleicher mit dem doppelten Ziele einer Klärung der par⸗ lamentariſchen Lage und einer Umbildung der Reichsregierung führt. Gerade was dieſe Bemühungen des e ad ten eigenklich ſchon durch die Tatſache hinrei⸗ chend gekennzechnel, daß Adolf Hitler von ſich aus nicht die Initſatſve zu einer Beſpre⸗ chung mit dem General von Schleicher zu ergreifen gewillt iſt, aber auch der Reichs⸗ Hitler herantreten wird. Mutmaßlich wird Göring als Reichskagspräſident die Jüh⸗ lung mit dem Reichskanzler aufnehmen. Im übrigen ſind alle nationalſozialiſtiſchen eußerungen der letzten Zeit unverändert auf die Forderung abgeſtellt, daß die NSDAP., alſo Adolf Hitler, die Regie⸗ rungsführung und Regierungsverant⸗ wortung überlaſſen werden müſſe. Frage noch immer nicht ganz klar, wenn auch die„Germania“ feſtſtellt, in politiſchen Kreiſen gewinne die Auffaſſung immer mehr an Boden, daß das Ergebnis dieſer Tage icht Verſtändigung, ſondern Kampf ſein Aus der Kabinettsſitzung a e ee Das Reichskabinett, das am Dienstag um 6.30 Uhr zuſammengetreten war, tagte bis aßte ſich zunächſt eingehend mit finanztech⸗ iſchen Fragen, wobei die Steuererhe⸗ für das Haushaltjahr 1933 eine beſondere Rolle ſpielte. Die Ab⸗ ichten der Regierung gehen dahin, künftig ine einfachere Erhebungsweiſe hen auch die weiteren Bürgſchaften für hausreparaturen, Wohnungseintei⸗ ungen uſw. bewilligt. Einſchließlich der ſei⸗ bereits bewilligten 50 Millionen ark für ähnliche Zwecke, beläuft ſich der und 100 Millionen Mark. Unter anderem dürften künftig auch Zu- en, ſowie für die Umwandlung von Ge⸗ chäftsräumen in Wohnräume bewilligt berden. ungspolitik einen breiteren Raum -volitik dem Syſtem es Vollſtreckungsſchußes anzupaſſen. Es werden, die Siedlung kalkräf⸗ tig durchzuführen. 8 ütſch⸗ſchwediſchen Handelsvertragsverhand⸗ ngen erſteckt haben. Milliarden Fehlbetrag. 4 ö Paris, 18. Januar. Der Schleier über dem Finanzvorſchlag Haushaltszwölftel im Parlament gelüftet aus, der den Fehlbe⸗ khlbetrages auf die Wirtſchaftskriſe zurück⸗ führen ſei. Die Hauptſchuld ſei der Fi⸗ nñpolitik der letzten Jahre zuzuſchreiben. e Währung halte ſich dank der außer⸗ liſſe man ſie aufmerkſam überwachen. Der aber ſie ſeien durch Theſaurierung ge⸗ 1926 bis 1928 geregelt wurden und bis hren plötzlich wieder um 18 Milliar⸗ Franken geſtiegen. Der Staatsſchatz Entweder rette man nun die Finanzen Purch einen enkſcheidenden Eingriff, oder man ſchließſe die Augen aus N Schwäche, 5 Dein Kaufmann, der befürchte, ſeine äubiger zu treffen. Dann werde man von g bedroht ſei. i der Plan der Regierung ſehe die ſofortige die Entlaſtung des Staalsſchatzes vor. bald das Gleichgewicht ereicht ſei, ſolle ch eine Konſolidſerungsanleihe von etwa Milliarden Franken die ſchwebende werden, um über die Vergangenheit wurde, und ihn beim Abmähen der laver unter den Jungens, harter Sand liegt. Da kommt plötzlich „heller Kopp“ auf eine findige Idee. Boden iſt wenigſtens hart, auf dem Anger„Bockchenwerfen“ holen. ihn ein richtiggehender Dorfjunge ja iſt der„Bock“, ein auf der Erde oder hilft entſprechend gewachſenen Aſt Wurzelſtubben beſteht. Oft auch ſtellmachers iſt der gegebene ſolchen Spielzeugs. Der„Bock“ iſt die Ziel⸗ ſcheibe, nach der mit dem Knüttel geworſen wird. Zunächſt werden die einzelnen Knüt⸗ tel om Spielleiter, der ſeine Häuptlingswürde meiſtens durch Fauſt und Stimmkraft er⸗ rungen hat, gemuſtert. Es gibt da unter den Jungens manchmal„Streber“, die als Spiel⸗ waffe einen Knüttel mit den Dimenſionen einer Wagenrunge einſchmuggeln möchten. Sind die Waffen als gut und gleich befunden, dann geht das Spiel los. Um den„Bock“ wird ein Kreis von etwa 1 Meter Durchmeſſer gezogen. Die Spieler ſtehen in dem 10 bis 15 Schritt entfernten Male. In der Nähe des Bocks, doch ſo weit, daß ein geworfener Knüttel ihn nicht treffen kann, ſteht der Bockhüter mit ſeinem Stock. Auf Kommando wird der erſte Knüttel nach dem Bock geworfen. Er fliegt vorbei. Es folgt der zweite, dritte und ſo fort, bis ein Wurf den Bock getroffen und umgeworfen hat. Nun ſpringt der Bockhüter hinzu, um den Bock wieder aufzurichten. Dieſen Mo⸗ ment benutzen die Werfer, um ihre gewor⸗ fenen Knüttel zu holen. Fir muß der Bock⸗ hüter beim Aufrichten des Pocks ſein; denn wenn er einen der zurückeilenden Werfer mit ſeinem Stock berührt, ſo iſt dieſer der Ge⸗ ſchlagene und wird Bockhüter. Nun beginnt das Spiel von neuem. Man deutet das Spiel als Nachahmung einer urſprünglichen Zauberformel, die der Unſchädlichmachung eines Korndämons, des Bocks oder der Roggenſau, galt, der im Ge⸗ treide hauſte, bis ihm ein Bein abgemähi letzten Garbe der Todesſtreich traf. Der Bock iſt daner Bebe Eine alte Bauernregel ſagt:„Im Jänner viel Regen und wenig Schnee— tut Bergen, Tälern und Bäumen weh“. Auch der Dorſ⸗ e will das Ausbleiben des richtigen inters mit Schnee und Eis gar nicht ge⸗ fallen. Der Monat Hartung ſoll Kälte brin⸗ gen, die alles„hart“ frieren läßt, damit man ſich draußen mit Schneebollſchlacht und Eis⸗ wettlauf tummeln kann. Es iſt doch zu lang⸗ weilig, wenn man die ſchöne Winterzeit hin⸗ term Ofen verbringen ſoll. So geht das Pa⸗ wie ſie aus der Schule kommen und maulend feſtſtellen müſ⸗ ſen, daß auf der Dorfſtraße noch immer nur ein Der da können wir ſpielen. Der Vorſchlag findet jubelnden Beifall; alles flitzt nach Hauſe, um den Schulranzen abzu⸗ legen und die handgerechte Spielwaffe zu dies Gerät nicht ſelbſt aus dem Haſel⸗ Dieſe beſteht in einem derben Knüttel, wie immer zur Hand hat. Der Mittelpunkt des Spieles ſtehendes dreibeiniges Geſtell, das entweder aus einem einem die Werkſtatt des Stellmachers zur Herſtellung Donars heiliges Tier und ſteht— nach kirch⸗ licher Abſchreckungsdeutung in engſter Beziehung zum Teufel; des Teufels Hörner und ſein Bocksfuß haben hier ihren Urſprung. Neben dem Wurfſpiel des„Bockchenwer⸗ fens“ iſt das Ballſpiel des„Sauballs“ ſehr beliebt. Man nimmt dazu eine Holh, kugel, die ein gutmütiger Gaſtwirt in Geſtalt einer ausrangierten Kegelkugel ſtiftet. Die Spielwaffe der Jungens beſteht in einem Stock, der an einem Ende leicht gekrümmt iſt, alſo eine Art von Krücke hat. Kann man ſich oder Wacholderſtrauch ſchneiden, ſo erbettelt oder „ſtibitzt“ man ſich einen abgelegten Spazier⸗ ſtock aus dem Beſtand des Patenonkels. In der Mitte des Spielplatzes wird ein großes Loch(Kaule) gemacht, und rings im Kreiſe in gemeſſener Entfernung werden kleine Löcher gemacht— immer ein Loch weniger, als die Zahl der Spieler beträgt. Das Spiel beginnt damit, daß alle Spie⸗ ler ihren Stock in die große Kaule halten. Jetzt wirft der Spielleiter die Kugel mitten auf die Stöcke. In demſelben Augenblick rennt jeder nach einem der kleinen Löcher und beſetzt es mit ſeinem Stock. Derjenige, der leer ausgegangen iſt, wird„Sauhüter“ oder„Sautreiber“. Er hat die Aufgabe, die „Sau“(Holzkugel) in eins der Löcher zu trei— des„Bocks“ nach, und der Sohn des Dorf- Vermittler ben. Die Spieler ſuchen die Kugel durch einen flinken und kräftigen Schlag möglichſt weit fortzutreiben; jeder ſetzt ſich aber dabei der Gefahr aus, daß der Sauhüter ſie ſeiner— ſeits wieder in das verteidigte Loch bringt oder auch ſeinen Stock in dieſes ſteckt, wo⸗ durch der Inhaber des ausgeſtochenen Loches ſelbſt zum Sautreiber wird. Mehr Gaudi kommt in das Rennſpiel dadurch, daß im Durcheinander jeder Spieler das Recht hat, ein leer gewordenes Loch mit ſeinem Stock zu beſetzen, wodurch der bisherige Beſitzer gleichfalls leicht Sautreiber werden kann. Daß bei dieſem Gewirr von Stöcken und Schlägen auch mal ein Schienbein unſanft berührt wird, iſt nicht verwunderlich und darf auch nicht verübelt werden. ſolchen„Sauhieb“ etwa unmännlich heulen oder ſich mit erboſtem Widerſchlag rächen wollte, wird aus der Spielgemeinſchaft aus⸗ geſchloſſen. Schlecht geht es auch dem, wer den Sauball mit dem Fuß bewegt, ſozuſagen „paddert“; das iſt unfair, koſtet eine ſcharfe Verwahrung und bei Wiederholung den Acht⸗ und Bannſpruch des Femgerichts: Freunde und Feinde zerbrechen ihm gemein⸗ ſam die Spielwaffe, was um ſo nachhaltiger wirken kann, wenn es ein„ſtibitzter“ Spa⸗ zierſtock iſt. e Wer als Junge ſolche Dorfſpiele mitge⸗ macht hat, und dann in der Großſtadt lebt, dem huſcht wohl in der Erinnerung an die ländliche Ungebundenheit ins Herz. Ob der Winter Schnee und Eis brachte, oder lau und lind war ein Stubenhocker ward der Dorfjunge nicht und fand allzeit Anſchluß an gleichgeartete Kame⸗ radſchaft in zwangloſer Bewegungsfreiheig und freiwilliger Spieldiſziplin. Letzte Nachrichten Starke Schneefälle und fälle in Spanien. Madrid, 18. Jan. In Nord⸗ und Mittel⸗ ſpanien ſind ſiarke Schneefälle eingetreten. Desgleichen iſt auch Madrid von einer meh⸗ rerezentimeter hohen Schneedecke eingehüllt. Der Schnee iſt überall liegen geblieben, was zum erſtenmal ſeit zehn Jahren in Spanien vorkommt. So weiſt z. B. Burgos in Kaſti⸗ lien eine Temperatur von 10 Grad unter Null auf. Infolge des ſtarken Schneefalles ſind zwei Güterzüge entgleiſt. Schlägerei im Parlament Iwiſchenfall im preußiſchen Landtag. Berlin, 18. Januar. Am Dienstag nachmittag hielt der preu⸗ ßiſche Landtag ſeine erſte Vollſitzung nach den Weihnachtsferien ab. Im Laufe der Verhandlung kam es wieder einmal zu einer Schlägerei zwiſchen ftommuniſten und Nationalſozialiſten. Während der Ausſprache über Anträge des Landwirtſchaftsausſchuſſes zu Gunſten der Schwalm⸗Bauern(Düſſeldorfer Bezirk) hatte der kommuniſtiſche Abg. Fränken⸗Rheydt das Wort. Als er den Nationalſozialiſten vorwarf, ſie hätten einen kommuniſtiſchen Antrag abgeſchrieben, kamen eine Reihe Zu⸗ rufe von den Nationalſozialiſten. Plötzlich rief der Redner den Nationalſozialiſten zu, ſie wagten nicht in die kommuniſtiſchen Bauernverſammlungen im Weſten zu kom⸗ men. Als er hinzuſetzte„ein feigeres Geſin⸗ del als ihr ſeid, gibt es garnicht mehr“ ka⸗ men Entrüſtungsrufe von den Nationalſo⸗ zialiſten. Elwa 30 Nationalſozialiſten ſtürmten auf die Rednertribüne. Von der anderen Seite kamen ebenſoviele beglichen Abgeord⸗ nete. Ein Natſonalſozialiſt ſchlug mit der Fauſt auf den Abg. Fränken ein, doch ge⸗ wegzukommen. lang es anderen italiedern der kommuni⸗ Uiſchen iowohl wie der nationalſozialiſtiſchen raktion, die Skreitenden auseinanderzu⸗ ringen, ehe die Schlägerei einen größeren Umfang annehmen konnte. Als hierauf die Nationalſozialiften das Horſt⸗Weſſel⸗Lied ſangen, unterbrach Präſident Kerrl die Sitzung. Als nach etwa einer Viertelſtunde Präſident Kecrl die Sit⸗ zung wieder eröffnete, war die Ruhe im Hauſe wieder hergeſtellt. Der Präſident ſchloß den Abg. Fränken von der weite⸗ ren Teilnahme an der Sitzung aus wegen ſeiner gegen die Nationalſozialiſten gerichte⸗ ten Beſchimpfungen. Zugleich ſchloß er den Abg. Blei(N.) aus, der die Fauſtſchläge gegen Fränken geführt hatte. Suche nach Bert Hinkler. Von dem engliſchen Flieger Bert Hinkler iſt noch immer keine Nachricht eingegangen. Der engliſche Fliegerhauptmann Hope ſucht zurzeit im Flugzeug die Alpengegend ſüdlich von St. Moritz bis zur Silvaplana⸗Gruppe nach ihm ah. Wer bei einem ein leiſes Lächeln, Aus der Heimat Gedenktage 18. Januar. 1701 Kurfürſt Friedrich III. von Branden⸗ burg nimmt als Friedrich J. die Kö⸗ nigswürde an. 1871 Wilhelm I., König von Preußen, wird Deutſcher Kaiſer. 1923 Der Juriſt Karl v. Gareis in Mün⸗ chen geſtorben. Vildung jugendlicher Erwerbsloſer Die Reichsanſtalt hat durch eine Erhebung über die Zahl der jugendlichen Arbeitsloſen feſtgeſtellt, daß von den Arbeitsloſen bis zu 25 Jahren bei den männlichen 92,3 und bei den weiblichen 83,2 v. H. auf die Alters⸗ gruppe der 18⸗ bis 25jährigen entfallen. Mit Rückſicht hierauf hat ſich die Reichsanſtalt ent⸗ ſchloſſen, die Bildungsmaßnahmen für jugend⸗ liche Arbeitsloſe auf die Arbeitsloſen bis zum 25. Lebensjahre auszudehnen. Für die Aus⸗ weitung dürfte auch die Notwendigkeit maß⸗ gebend ſein, die Arbeitsdienſtwilligen, die wäh⸗ rend der Wintermonate in großem Umfange aus dem freiwilligen Arbeitsdienſt zurückſtrö⸗ men werden, nutzbringend zu beſchäftigen. Nicht ganz verſtändlich findet man es in kommunalen Kreiſen, warum die Reichsanſtalt die Arbeits⸗ ämter ausdrücklich ermutigt, als Träger von Lehrgängen für ausſcheidende Arbeitswillige ſelbſt einzutreten. Es wird— wie im Januar⸗ heft des„Städtetag“ betont wird— befürch⸗ tet, daß die Arbeitsämter, die ja bedauer⸗ licherweiſe auf dem Gebiete der Arbeitsvermitt⸗ lung nicht allzu ſtark in Anſpruch genommen ſind und in ihren Unterſtützungsabteilungen nur noch einen Bruchteil der Arbeitsloſen zu be— treuen haben, ſich Aufgaben zuwenden, die andere Organe beſſer erfüllen können. * ** Gefahren in der Wohnung. Täglich lieſt man, daß verzweifelte Menſchen zur Gas— vergiftung greifen. Aber Gasvergiftungen ſind auch ſchon ſehr oft durch falſche Sparſamkeit oder Unachtſamkeit entſtanden. Beſonders muß die Hausfrau auf den Gummiſchlauch des Gas— herdes achten, denn wenn er brüchig iſt, läßt er Gasgifte in die Wohnung. Der Hausfrau fällt der unangenehme Geruch immer weniger auf, ja ſie gewöhnt ſich daran, ohne zu wiſſen wie ſehr ſie ſich ſchädigt. Eine ſchleichende Vergiftung ruft Herzbeſchwerden, Atemnot uſw. hervor. Eine große Leichtſinnigkeit iſt es wenn man einen Topf mit Waſſer über⸗ kochen läßt, in dieſem Falle löſcht oft die Flüſſigkeit die Flamme aus und das Gas entſtrömt ungehindert. Immer ſollte man gut die Gashähne ſchließen, denn Achtſamkeit be⸗ wahrt vor Unheil. * Warnung an die Radfahrer. In letzter Zeit wird aus Kreiſen der Kraftfahrer wie⸗ der darüber Klage geführt, daß zahlreiche Fahrräder zur Nachtzeit nicht beleuchtet oder nicht mit Rückſtrahlern ausgeſtattet ſind. Bei den außerordentlich ſchweren Folgen, die eine ſolche Unterlaſſung haben kann, iſt die Polizei angewieſen, bei Verkehrskontrollen in ſolchen Fällen ſtets Strafanzeige zu erſtatten. Es iſt ferner beobachtet worden, daß ein Teil der Rückſtrahler, beſonders gegenüber abgeblen⸗ deten Fahrzeugen keine ausreichende Rückſtrahl⸗ wirkung beſitzt. Dies kann entweder darauf zurückzuführen ſein, daß der Rückſtrahler zu hoch angebracht iſt, oder daß er den tech⸗ niſchen Vorſchriften der„Anlage zur Ver⸗ ordnung über die hinteren Leuchtzeichen“ nicht entſpricht. Bei Verkehrskontrollen, die auf Kraftfahrzeugen durchgeführt werden, wird da⸗ her auch feſtgeſtellt, ob der Rückſtrahler mit dem vorgeſchriebenen Prüfzeichen verſehen iſt. * Wetterbericht Wettervorherſage: Keine weſentliche Aende⸗ rung. Apollo⸗Theater in Mannheim. Das Apollo⸗Theater in Mannheim rüſtet ſich, zu einer großen Revue, deren Premiere nunmehr endgültig am Donnerstag, den 19. Jan. vor ſich gehen wird. Die muſikaliſche Leitung des verſtärkten Orcheſters hat der hier in Mann- heim beſtens bekannte und beliebte Marine⸗Ober⸗ muſikmeiſters Alexander Fleßberg. Unter ſeiner Stabführung ſoll die Revue mit Tempo und Rhythmus zur ſiegreichen Fahrt ſtarten. Im ganzen ſind ca 60 Mitwirkende in der mit prachtvollen Dekorationen und Koſtümen ausge⸗ ſtatteten Revue beſchäftigt, u. a. die berühmten Midſchip⸗Girls von der„Scala“-Berlin in ihrem tollkühnen Gymnaſtik⸗Akt am hohen Maſt, die ſchönen ausgezeichneten Skandinavia⸗Girls, die Schifſs⸗Nachtigall Eddi Marlo, die zwerchfell⸗ erſchütternden Niotna und Partner, die bekannte Diſeuſe und Parodiſtin Thora Malmſtröm, da⸗ zu Miß Gurly Nielſen und Paul Buylfeld. Das Theater ſelbſt wird ſich in ſeiner inneren Ausſtattung dem maritimen Charakter der Ver⸗ anſtaltung anpaſſen. Zur Premiere merden alle Damen zum Andenken eine Spende erhalten.