flicher Teil. Bchauntmachung Betr.: Hausſchlachtungen 1918/19. 8 Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß 0 Ueberwachungsperſonen für Hausſchlachtungen in dieſem Winter: 1. Für das Oberdorf, ſcheidend mit der linken Seite der Schul⸗ und Barſtädterſtraße Johann Hoock 9. Schuh⸗ machermelſter und N 2. fär das Unterdorf Leonhardt Hoock 2. Fahrrad- handler, in Rathausſtraße wohnhaft, vom Großh. Kreisamt Heppenheim beſtellt worden ſind. Die Beſtimmungen über Haus⸗ ſchlachtungen von 1917/18bleiben vorerſt auch für dieſe Haus⸗ ſchlachtungsperiode beſtehen u.lwerden in einiger Zeit nochmals unſererſeits veröffentlicht. Die Lebendgewichtsangabe kann bel Antragſtellung durch den Hausſchlachter ſelbſt gemacht werden. Anträge auf Genehmigung zur Hausſchlach⸗ tung können ab 20. Oktober 1918, vormittags (außer Sonntags) zwiſchen 11 und 12 Uhr bei uus im Wachtlokale geſtellt werden. Für Not⸗ ſchlachtungen iſt nach wie vor ein entſprechendes tier⸗ ärztliches Zeugnis neben der Zuzlehung der betreffenden Ueberwachungsperſon erforderlich. Wir heben ausdrücklich hervor, daß alle Hausſchlachtungen derart einzu⸗ richten find, daß die Dienſtverrichtungen den Ueberwachungsperſonen ordnungsmäßig erledigt werden können. Hierher gehört namentlich die rechtzeitige Benachrichtigung der zuſtändigen Ueberwachungsperſon vonſeiten der Hausſchlach⸗ ter über Tag, Ort und Stunde der beabſichtigten Schlachtung und dergleichen. Sollten Verſtöße gegen die beſtehenden geſetzlichen Vorſchriften vorkommen, ſo müßten wir ſtrafrechtliches Ein⸗ ſchreiten herbeiführen. Betr.: Verſorgung der Säuglinge. f Am Freitag, den 18. Oktober 1918 wird bei dem Obmann Winkenbach dahier für die Kinder, die nach drm 15. Oktober 1916 geboren ſind, je ein Pfund Grieß ausgegeben. Gleichzeitig gelangt der Säuglingszucker für die Kinder, die ſeit dem 15. Oktober 1017 geboren ſind, zur Ausgabe. Am Samstag, den 19. Oktober 1918 gelangt an die Kreisamtlich genehmigten Kranken je 250 Gramm Grieß zur Verteilung. Mit Rückſicht auf die geringe Zu⸗ weiſung erfolgt die Verabfolgung der wirklich genehmigien Mengen erſt ſpäter. Weitere Perſonen haben diesmal auf Zuteilung von Grieß keinen Anſpruch. Eine diesbezügliche Borſtellung bei uns iſt zweckkos. Betr.: Fleiſchverſorgung. Für dieſe Woche erhält eine erwachſene Perſon 50 Gramm, Kinder 40 Gramm Fleiſch. Viernheim, den 14. Oktober 1918. Großh. Bürgermeiſterei Viernheim Lamberth. Bekanntmachung. Petr.: Sqlachtverbote. 971 Vom 27. September 1918. Auf Grund des 9 4 Abſ. 2 der Bekanntmachung des Reichskanzlers über ein Schlachtverbot für trächtige Kühe und Sauen vom 26. Auguſt 1915(Reichs⸗Geſetzbl. S. 5155) beſtimmen wir zur Ergänzung und in Abänderung unſerer Bekanntmachung vom 15. Marz 1916(Reg.⸗Bl. S. 190) und vom 18. Juni 1918(Reg.⸗Bl. S. 163) das Nach⸗ ſtehende: 1. Der 8 1 unſerer Bekanntmachung vom 15. Maͤrz 1916 erhält folgende Faſſung: „Das Schlachten und der Verkauf zum Schlachten die ſich in einem derart vorgeſchrittenen Zuſtand der Trächtigkeit befinden, daß dieſe den mit ihnen beſchaͤftigten Perſonen erkennbar iſt; folgender Tiere iſt verboten: a) Kühe, Rinder, Kalbinnen und Sauen, b) Milchkühe; c) weibliche, zur Nachzucht geeignete Kälber; d) Schaflämmer; e) zur Nachzucht geeignete weibliche Ziegen und Ziegenlämmer; b II. Der§ 4 der Bekanntmachung vom 15. März 1916 erhält folgende Faſſung: zelfällen beim Vorliegen elnes dringenden wirtſchaftlik Bedürfniſſes vom Ktelsamt zugelaſſen werden. Ste ſind zu beſchränken auf nichtträchtige Kühe, welbliche Kälber und welbliche Ziegen, dle nach ſachverſtandigem Ermeſſen zur welteren Haltung und zur Zucht ungeeignet ſind.“ Gegenwärlige Bekanntmachung tritt mit ihrer Berkün⸗ digung in Kraft. Darmſtadt, den 27. September 1918. 5 Großherzogliches Miniſterium des Innern. J. B. Hölzinger. Vorſtehende Bekanntmachung bringen wir hiermit mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis, daß eintretendenfalls entſprechendes tlerärztliches Gutachten nötig iſt. Dies iſt namentlich während der Hausſchlachtungsperlode gehörig zu beobachten. Uebertretungen müſſen beſtraft werden. Viernheim, den 14. Oktober 1918. Großh. Bürgermeiſterei Viernheim Lamberth. Bekanntmachung. Betr.: Die Veranſtaltung von Aufklärungsvorträgen durch das Forſchungsinſtitut für Erſatzſtoffe in Karlsruhe. Die Verſorgung der bürgerlichen Bevölkerung mit Be⸗ kleldungsgegenſtänden und Wäſcheſtücken wird immer ſchwie⸗ riger. Die Reichsbekleidungsſtelle muß daher Maßnahmen zu größerer Verwendung von Paplergarnerzeugniffen treffen, die neuerdings ſo einwandfrei hergeſtellt werden, daß ſie den An⸗ ſprüchen des Publikums für einen großen Kreis der Bedarfs— gegenſtände genügen können.. Um alle Kreiſe der Bevölkerung auf den notwendig werdenden großen Verbrauch von Papiergarn-Erzeugniſſen in geeigneter Weiſe vorzubereiten, findet am Freitag, den 18. Oktober 1918, abends 7 Uhr im Muſenſaal des ſtädtiſchen Roſengartens in Mannheim eine Verſammlung beteiligter Intereſſenten ſtatt, in welcher Prof. Dr. Übbelohde, Leiter des Deutſchen Forſchungsinſtituts für Textilſtoffe verſchiedene techniſche Fragen berühren und erläutern wird. N Außerdem wird Dr. Hölſcher, Leiter der Erſatzſtoffab⸗ teilung der Reichsbekleidungsſtelle, Berlin über die Lage der Papiergarninduſtrie und die Verſorgungsnotwendigkeit der Bevölkerung mit Papiergarn⸗Erzeugniſſen ſprechen. Ferner wird den Teilnehmern an der Verſammlung Gelegenheit gegeben, Papiergarn⸗Erzeugulſſe zu beſichtigen. In Anbetracht der Wichtigkeit der Angelegenheit wird erſucht, zahlreich an der Verſammlung teilzunehmen. Der Eintritt iſt frei. Reſervierte Plätze: Hofmuſikaltenhandlung K. F. Heckel in Mannheim, O 3, 10 und an der Abendkaſſe. Weinheim, den 12. Oktober 1918. Großh. Bezirksamt. Dr. Hartmann. —— aller Art llefert schnell, sauber Telefon 217 Eilige Aufträge in wenigen Stunden. e Neichhaltiges Papierlager. 1 Druckarbeiten Buchdruckerei 3 Martin Rathausstr. ein Mahlſchein mit Namen. 9 115 W W r e oſeph Knapp 2. Vans adwiaſe 14. Waſſerſir. 35. Zwei ſchöne einzelne Im Kauiuchenſtäle Haus schlachten 1 0 und 5 Stück empfiehlt ſich 10 Wochen alte Georg Haas Kaninchen„Georg n 25. zu verkaufen. Näheres Von großer Wichtigkeit Sandſtraße 14. iſt das hein. Beizen des wü. Sülit⸗Getreides Samſtag N empfehle hierfür Formalin rumabenc 127 pünktlich uu. Gorbin Flora⸗Drogerie. 9 jeweils von Ein faſt neuer halb 9 ab. Vollzähliges Gußherd Erſcheinen der Turner und zu verkaufen. Zöglinge erwartet Der Turnwart. Wo, zu erfragen in der Erped. 1 Kinderwagen Kindertlege-Sitzwagen 1 vierr. Leiterwagen 1 Sportwagen ſowie noch 5 3 Rüder für Handleiterwagen zu verkaufen Bismarckſtr. 50. ein weißes Huhn. Um gefl Rückgabe bittet Sehr ſchönes, ſchweres Eumnailgeſchirr E keine Kriegsware— 5 und ſtarkes Zinkgeſchirr iſt eingetroffen und wird zu den bekannt billigen Preiſen verkauft bei Jakob Beyer. Paar Müͤchen⸗ Ehe — Nr. 33—36— da verwachſen, preiswert zu verkaufen. Lorſcherſtr. 28. Einkaufstaſchen Taſchen zum Mitnehmen ius Geſchäſt, Verlängerungs⸗Taſchen, Schultaſchen und Ranzen, Ruckſücke, Reiſekoffer und Reiſelörbe empfiehlt in größter Auswahl Maſchinenöle aller Art, und la. Wageunfett ohne Zuſatz von Teerölen hat abzugeben Engelbert Heim chem, techn. Produkte Darmſtadt, Pankratiusſtr.6 Telephon 2095. Die Gründe dafür ſind mannigfach. Name unſeres für immer mit ihr verbundenen kolonialen Jakob Beyer. Zwei tüchtige Schuhmacher auf Stückarbeit für ſofort geſucht. Philipp Ehrhardt, Annaſtraße. Schuhreparatur-Werkſtätte u. Maßgeſchäft, 19. Oktober Wochenabſchnitt: 1 Lech⸗l' che 1 Gottesdienſt⸗Ordnung der israel. Gemeinde 13. Cheſchwan Sabbat-Aufang 500 Uhr Morgen 830 Uhr Nachmittag 350 Uhr „ Ausgang 615 Uhr Wochentag-Abend 600 Uhr „ Morgen 630 Uhr „Ausnahmen von dem Verbot in 8 1 können in Ein⸗ Wir empfehlen unsere gut sortierten Lager in: bompletten Wohn- und Schlafzimmern— Küchen-Einrichtungen sowie Einzelmöbel in: Füftots, vertlkons, Spisgel- und Kleiderschränte, Küchenschränke, Waschttsche mit und ohne Spfogolaufsatz, Schreibtische, Divans mit Plüsch und Brokatbezug, deftstellan, Stünle, Tische, Spiegel ele. Ferner unterhalten wir ein grosses Lager in: indewagen und Kinderklappstunle in verschiedenen Ausführungen. „Bettiedern“ in großer Auswahl und guten Qualitäten. ebrüder Kaufmann, Ladenburg. Nieruheimer Geſchüäfts⸗ Anzeiger Erſcheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag u. Samstag Bezugspreis: monatlich 60 Pfg. mit Trägerlohn, durch die Poſt pro Quartal 2.08 Beſtellungen können bei unſerer Expedition u. bei allen Poſtauſtalten gemacht werden. Beilagen: Sonntagsblatt, Wand⸗ kalender und Fahrplan. — e Lolal⸗Anzeigeblatt für Viernheim irger⸗Zeitu Vereins Anzeiger N 10 Anzeigenpreiſe: Amtsblatt der Groß. Bürgermeiſterei Viernheim Euthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Behörden Vieruheims und Umgebung. Inſerate finden in der Bürger⸗Zeitung wirkſamſte Verbreitung.— Für Wohnungsinſerate Ausnahme⸗Tarif Schriftleitung, Druck und Verlag: Joh. Martin, Viernheim, Rathausſtraße. Lokale Inſerate die einſpaltige Petit⸗ Zeile 25 Pfg., auswärtige 30 Pfg. Reklamen im Textteil 80 Pfg. auswärts 25 9% Teuerungszuſchlag. Beilagen für 1000 Exemplare 9 Mark. Bei zwangsweiſer Beitreibung wird der gewährte Rabatt hinfällig, desgleichen bei Nichtbezahlung innerhalb drei Monaten. Fernſprecher Nr. 217 Amt Viernheim. Michel! Michel! Laß das Schimpfen ſein! Hab' Mießmachen ſatt! Michel! Maulen iſt nicht fein! Rüſte Dich zur Tat! . 12² ———— Michel! Zeig' als braver Mann Stark der ganzen Welt: Daß der Deutſche alles kann! Michel! Gib Dein Geld! Michel! Hör' den letzten Pfiff! Deutſcher Adler! Michel! Holla! Flieg'! Alle„Neune“ triff! Michel! 1 Sieg Franz Grosholz, Deutſch⸗Oſtafrika und die Zukunft des britiſchen Reiches. Unter den von den Briten beſetzten deutſchen Kolo⸗ nien nimmt keine ſo ſehr das Intereſſe der öffentlichen Meinung in England in Anſpruch wie Deutſch-Oſtafrika. Sicher hat der Helden v. Lettow und ſeine durch nichts niederzubeugende Tapferkeit, die auch dem Feinde Achtung abnötigen mußte, dazu beigetragen, dieſer Kolonie eine Vorzugsſtellung einzuräumen. Aber ſolche rein ideellen Werte allein konnten die Bedeutung Oſtafrikas bei den Engländern. nicht ſo ſtark in den Vordergrund treten laſſen.. In der Hauptſache iſt es die beſonders geartete Weltlage dieſer deutſchen Kolonie, insbeſondere ihre raumpolitiſche Stel⸗ lung innerhalb des Indiſchen Ozeans, die ſie für Groß⸗ britannien ſo überaus wertvoll macht. Bekanntlich bauen die Briten um die Ufer des Indiſchen Ozeans ein neues ſtaatliches Gebilde von gewaltiger räumlicher Ausdehnung aus alten und neuen Stücken auf. Die Kämpfe, die die f engliſchen Truppen heute in Arabien und Paläſtina, in Perſien und Ruſſiſch⸗Zentralaſien führen, ſind nichts anderes als Hilfsmittel zur Vollendung dieſes groß⸗ 0 artigen Planes. Es läßt ſich nicht leugnen, daß die Bemühungen Englands um die Vollendung dieſes Werks, das den Indiſchen Ozean zu einem britiſchen Binnenmeere machen würde, bisher leider allzu erfolgreich geweſen ſind. Es ſcheint nur noch ein Geringes nötig zu ſein, um die Verbindung zwiſchen den in Paläſtina und im Irak ope⸗ rierenden Truppen herzuſtellen. Die unmittelbare Ver— bindung zwiſchen, Kairo und Kalkutta durch britiſches Ge⸗ biet wäre dann eine Tatſache, und Lord Curzon würde. noch die Erfüllung, dieſes Ziels erleben, für das er ſo zäh und heiß gerungen that. Es könnten dann oſtwärts Kal— kutta neue und ununterbrochene Schiffs- und Bahnver— bindungen geſchaffen werden, die bis hinab nach Mel— bourne und Sidney reichten! Aber auch ſüdwärts eröffneten ſich, wenn die heutige Lage dauernd bliebe, phantaſtiſche Ausſichten für Eng— land. TeutſchOſtafrika iſt das fehlende Verbindungs- glied zwiſchen/ Uganda, Britiſch⸗Oſtafrika und Rhodeſia. Von Kapſtadtſher wie von Norden, den Nil entlang, arbei— tet ſich bereits die Bahnlinie weiter und weiter vor, ihre Ausgeſtaltung hat auch im Weltkriege nicht geruht, und die Vollendung der Linie Kairo—Kapſtadt iſt nur eine Frage der Zeit; ſie wird nur britiſches Gebiet berühren, wenn Deutſch⸗Oſtafrika in den Händen von Foreign Office bleibt! Es fügen ſich dann die zukunftsvollen drei e zuſammen, von denen die britiſchen Imperialiſten eit Jahren träumen: Kap Kairo Kalkutta! Deutſch-Oſtafrikaſiſt alſo buchſtäblich der Schlußſtein 1 0 dieſes gewaltigen, geradezu gigantiſchen Gebäudes; man erkennt, welche Rolle daher dieſe deutſche Kolonie in den Berechnungen britiſcher Staatsmänner ſpielen muß. Man erkennt auch den ſengen Zuſammenhang zwiſchen den Kämpfen an der Paläſtinafrout, in Perſien und bei Bag— dad mit der Zukunft Deutſch-Oſtafrikas; die Einheit tür⸗ kiſcher und deutſcher Kampfziele wird dadurch hell beleuch⸗ tet. Dieſelbe Rolle, die im Nordweſten des Indiſchen Ozeans die große Dreiheit Arabien, Syrien, Perſien als Schlußquader des allumfaſſenden britiſchen Ozeanreichs ſpielt, ſoll im Weſten, Teutſch-Oſtafrika zufallen, Mit groſſem z Erſolgſhat England verſucht, die öſſent⸗ liche Meinung 1 Kulturwelt über das Schickſal Oſt⸗ alikas in seinem! tune au beeinfluſſen. Vie Methoden Dionnerstag, den 17. Oktober Poſtſchecktonto Nr. 21577 0 Amt Frankfurt a. M. 1918 ind nicht immer die gleichen und ſchillern in allen Far— ben; ſie hüten ſich natürlich vorſorglich, von dem ge waltigen Nutzen zu ſprechen, den das Land für die Welt⸗ ſtellung des britiſchen Reiches bei ſeiner eigenartigen Lage bedeuten würde. Um ſo mehr aber wird der öffentlichen Meinung in den Verbandsſtaaten und weit darüber hin aus eingeſchärft, welch eine dauernde Bedrohung die „deutſch-afrikaniſche: Geſahr“ bedeuten würde. Turch pieſes Manöver ſoll das britiſche Streben von ſeinem FEigertbnz verlieren und ſelbſtlos, nur von Sorge für die anderen Völker diktiert, erſcheinen. Bezeichnend hierfür ſind die Ausführungen J. R. A. Marriots, eines Mit— glieds des Unterhauſes, in der vornehmen britiſchen Mo— ſiatsſchrift,„ſNineteenth Century“, April 1918. Er malt bort aus, wie furchtbar für den Verband die Militariſie— rung Afrikas durch Deutſchland ſein würde und meint, F in Oſtafrika werde Deutſchland beſonders ſcharf zu zerke gehen. Es werde dort U-Bootſtützpunkte und brahtloſe Stationen anlegen, eine deutſche Flotte werde hier ankern, der die Aufgabe zufalle, die britiſchen Ver— bindungen nach Indien, nach Oſtaſien und nach der Süd— 5 zu unterbinden oder mindeſtens dauernd zu bedrohen, er Suezkanal werde gleichſam unter deutſcher Auſſicht Reed Man ſieht, wie geſchickt der Brite alles das den Deutſchen als Abſicht in die Schuhe zu ſchieben ver ſteht, was ſeine eigenen Staatsmänner an anderen Stellen der Welt ſich tatſächlich haben zuſchulden kommen laſ— ſen. Nieman hat energiſcher gegen die Militariſierung Afrikas gekämpft, als Deutſchland, dem die Kongoakte, ein Vermächtnis Bismarcks, zu verdanken ſind. Wohl abel beſteht ne“) den üblen Erfahrungen des Weltkriegs di! dringende Beſorgung für alle Nationen, daß Großbri' tannien, weun es einmal in den Beſitz ſeines erſtrebten indiſchen Ozeanreiches gekommen ſein wird, den freien Handel aller Völker nach Oſtaſien und Afrika kontrollieren und außerordentlich erſchweren wird. Gegen eine ſolche Gefahr iſt die Rückgabe Deutſch-Oſtafrekag an ſeinen rechtmäßigen Beſitzer die beſte Gewähr! Staatsſekretär des Reichsſchatzamtes raf Roedern über die Rriegsanleihe: D Rrie miing der Rriegsanleihe bleibt irt jedem Falle Gebot der Stunde. 7 g, ob Frieden, die Seich⸗ das wichtigſte 9 9 W* W** Lolale Nachrichten. Das Sonntagsblatt, welches am ausgeblieben, liegt heute bei. § Hausſchlachtungen. Auf die diesbezügliche Bekanntmachung in heutiger Nr. machen wir aufmerkſam. Als Ueberwachungsperſonen für die diesjähr. Hausſchlach tungen wurden die Herren Johann Hoock 9. und Leonhard Hoock 2. beſtimmt. Evangeliſche Gemeinde. Für den nächſten Sonn— tag, den 20. Oktober, hat das Großh. Oberkonſiſtorium im Einklang mit den anderen deutſchen Landeskirchen einen außerordentlichen Landesbettag angeordnet. Der Ernſt der Zeit läßt erwarten, daß die Gottesdienſte an dieſem Tage fleißig beſucht werden, damit unſer Volk unter Gottes Hand ſich beuge, ſeine gnädige Bewahrung und Führung erflehe und mit mutigem Gottvertrauen, das in keiner ſchweren Stunde bis hierher unſerem deutſchen Volke gefehlt hat, er— füllt werde. Samstag Die Erinnerung an Richthofen mahnt das deutſche Volk zur Zeichnung auf die . Kriegs- Aulethe. Aus der Anterhaltung mit engliſchen gefangenen Offizieren. Die jüngeren eungliſchen Offiziere von 19 bis 22 Jahren geben ihre Unintereſſiertheit an politiſchen ung wirtſchaftlichen Fragen offen zu. Sie ſind Hurrapatrioten und wiederholen die bekannten Schlagwörter, wie Mili— tarismus, Krieg für Belgiens Neutralität, nur ſieg— reicher Frieden, ohne ſich über ihre Bedeutung klar zu ſein. Sie halten den völligen militäriſchen Sieg der Entente für ſelbſtverſtändlich, der, wie es ihnen in ihren Zeitungen täglich erzählt wird, mit Hilfe der Amerikaner errungen werden wird. Weſentlich anders iſt das Bild, das ſich aus der Unterhaltung mit den älteren Ober— leutnants und Hauptleuten ergibt, die vor dem Kriege Geſchäftsleute in London, zum Teil Studenten waren. Ihr Urteil über den Krieg iſt dasſelbe, wie man es faſt von allen Mannſchaften zu hören bekommt:„Wir haben den Krieg ſatt.“ Da der Krieg doch am Ende durch eine Verſtändigung abgeſchloſſen werden müſſe, ſollte man lieber weiteres Blutvergießen meiden und möglichſt bald mit Unterhandlungen beginnen. Ein in kurzer Zeit zu erreichender militäriſcher Sieg erſcheint ihnen ausge— ſchloſſen. Und ſelbſt wenn in Jahren mit Amerikas Hilfe der Sieg erfochten werden kann, ſo liegt das nach ihrer Anſicht durchaus nicht im Intereſſe Englands. Haben doch die Einſichtsvollen längſt erkannt, daß die ſtändig zunehmende amerikan iſche Kriegsbeteiligung eine ernſte Gefahr für England bedeute. Man dürfe deshalb nicht warten, bis Amerika ganz die ent— ſcheidende Rolle innerhalb der Entente übernommen habe. Schon jetzt ſei die Bevormundung Amerikas unerträglich und mit jedem Monat Krieg werde die politiſche und wirtſchaftliche Abhängigkeit Engkands von Amerika grö— ßer. Im Volke ſei man ſich zwar über die Gefahr der amerikaniſchen Hilfeleiſtung noch nicht klar gewor— den, da die pro amexikaniſche Begeiſterung durch eine große Reklame mit Amerikaner Feiertagen, großen Um⸗ zügen uſw. genährt würde. Die beſſeren Kreiſe aber, namentlich die Geſchäftsleute, verhehlen ſich den Ernſt der Lage nicht und wünſchen auch aus dieſem Grunde einen möglichſt baldigen Frieden. Aber ſelbſt die ge— mäß igteren Elemente unter den gefangenen Offizieren halten einen mit allen Mitteln betriebenen Handels- krieg nach Friebeusſchluß für ſicher. England habe ja geſehen, daß es auch ohne Deutſchland in England ſelbſt und in ſeinen Kolonien ſo feſtſetze, wie vor dem Kriege; es habe die Gefahr erkannt und werde ſich davor zu ſchützen wiſſen. Ueberdies ſei die Stimmung namentlich in den ſog. unteren Schichten ſo erbittert und deutſch⸗ feindlich, daß an ein Zuſammenarbeiten nach Kriegsende zenigſtens für die erſten Jahre nicht zu denken ſei. Vermiſchtes. „ Zar Veronand von Bulgarien iſt mit ſeinem Sohn, dem Prinzen Kyrill, und Gefolge in Koburg eingetroffen, um auf ſeinen dortigen Beſitzungen dauernden Aufenthalt zu nehmen und in Zurückgezogenheit ſich den Wiſſenſchaften, beſonders der Pflanzenkunde, zu widmen. König Ferdinand entſtammt be— kanntlich der römiſch-katholiſchen Linie des Hauſes Sachſen— Koburg und Gotha. Der älteſte Sohn Boris, jetzt König von Bulgarien, iſt ſeit 1896 griechiſch-orthodor, Prinz Kyrill und die Prinzeſſinnen Eudorie und Nadeſchda ſind römiſch— katholiſch Zweig des Koburger Hauſes iſt auch in Ungarn reich begütert durch die Verheiratung des Großvaters, des Zaren Ferdinand, des Prinzen Ferdinand von Sachſen— Koburg, mit der ungariſchen Gräfin von Kohary(1816). Der Roman von Jaſſy. Der Kronpkinz von Rumänien weigert ſich, ſeine Ehe mit Frl. Zizt Labrino rückgängig zu machen und' beharrt bei der Thronentſagung. Die junge Frau hat eine ihr vom Königspaar angebotene Abfindungsſumme von angehlich 20 Millionen Franken ausgeſchlagen. Großer Piebſtaht. Bei dem Diebſtahl des Geldſacks im Hauptpoſtamt in Berlin handelt es ſich um einen Wertbetrag von 70 Millionen Mark. Mord. In Warſchau wurde auf der Chlodnsſtraße der deutſche Kriminalbeamte Theodor von Zychlinskmermordet. Der Polizeipräſident ſetzte 20000 Mik. Belohnung auf die Ent- dechung des Mörders aus. Schiffsunglück.„Daily Chroniele“ meldet, daß der engliſe e Dampfer„Burutu“ von der Elder-Dempſter Linie(4000 29 auf der Rückreiſe von Weſtafrika nach einem Zuſammenſtoß ge⸗ ſunken ſei. Hierbei ſind 130 Perſonen um Leben gekommen. Verbotene Bücherausſuhr. Wie der„Figaro“ mitteilt, hat die franzöſiſche Regierung die Ausfuhr von zwe Büchern des Marſchalls Foch über die Kriegführung und über die Kriegs⸗ grundſätze, die Foch im Jahre 1910 veröffentlichte, verboten. weil fich während der letzten Monate eine ſtarke Nachfrage aus em Auslande, beſanders Deutſchland, bemerkbar ge gabe 0 Vatetländiſche Kundgebung. Au eisernen Daene Berlin fand eine vaterländſſche Kundgebung ſtatt, an der ſich oiele hunderte Perſonen aller Kreise beteiligten. Nach einer An⸗ rache des Reichstagsabg. Mumm wurde eine Entſchließung angenommen, daß die Unverſehrtheit des Reichegehiets die erſte Bedingung für den Frieden ſei. dürften die beſetzten Nachbargebiete nicht vorſchnell geräumt werden. Poſtdiebſtahl. Aus dem von Köultz(Weſtpreüßen) nach Zempelburg fahrenden Eiſenbahnzug iſt aus dein geſchloſſeuen Poſtwagenabteil eine an das Poſtamt Kamm gerichtete Wertkiſte mit 30000 Me. in Papiergeld geraubt worden. Die Schelbe des Wagenfenſters fand man zertrümmert. Von dem Täter ſehlt ede Spur. Djeſer Daher