nn eee allscher 59e Irtsgrupne Mernneim b —— pal — —.— —.— Donnerstag, ien 26. Januar 1922, abends 6 Uhr, pünktlich, im Casthaus„Zum Engel“ Dae Bauungs⸗Aeng mit Noxtrag des Herrn Lapltän Schneider-le Benhelm a über Reise nach lanan und Vorführung zahlreicher 1 Eintritt 2 Mark, Afür Mitolieder und d 0 Wird fein Eintrittsgeld erh Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Flür den Vorsta r rr ichthilder. eren Angehörige oben. nd: 6100s. 22 Arbgler- öcgaudheran um 8 Uhr, „Harmonie“ Morgen Freitag Abend 5 Geſang⸗Stunde um vollzähliges erſcheinen bittet Der Dirigent. Am Samstag, den 28. Januar, ſhergosahg- Deren„Marmont abends halb 9 Uhr „Zur Harmonie“ . öbpes-Generalgersammnun9. im Vereinslokal Alle Mitglieder ladet hierzu herzl. ein Der Vorſtand. EDDIE pol ist der grösste schauspieler der EDDIE POI führt sämtl. Sens EDDIE Ppol0 ist der beste Co beste Meisterboxer Amerikas! amerikanische Ebi Pol Eünit PIO Sensations-Film- Gegenwart! ationen, auch die lebensgefährlichst. persönlich aus! Wboy-Keiter und „Harry arsteller in dem 0 Jedse bnd ss Original amerik. Wildwestiilm in 6 Episoden, 34 Akten. J. Episode: Heißer 6 atemraubende Akte Boden kommt ab Samstag, den 28. Januar, abends 7 Uhr zur Vorführung in 15 U. T. Lichtspiele ö 5 Fisballlah Amel 0 Sportplatz hinterm Gaswerk. Pol⸗Anzeige. Sonntag, den 29. Januar 1922 Verbands- Weltspiele gegeu Hemsbach in Viernheim. 1 8 Der Spielausſch. Freitagabend pünktlich halb 8 Uhr Spielausſchuß⸗ Sitzung, anſchließend Spieler-Verſammlung im Lokal z. Stern Der Spielausſchuß. (Sportplatz am Tivoli) Sonntag, den 29. Januar Verbands-Wetiſp. der 1., 2. u. 3. Mſch. gegen dgl. Mſch. d. F.⸗C„Phönix“ Heidelberg. Spielbeginn: 1. Manuſch. nachm. 5 halb 3 Uhr. 2. Mſch. mittags 1 Uhr, 3. Mſch. vorm. halb 11 Uhr. Der Vorſtand. Freitag, den 27. Januar, abends 8 Uhr, Verwaltungs ⸗Ausſchuß mit Platzvertrags⸗Kommiſſion. Halb 9 Uhr Zuſammenkunft der Leichtathleten⸗ Abteilung. Der Vorſtand. Kaston-vlLgitewagen m. kroniſch abgedrehten Achſen und Gußbüchſen, ſtarken Rädern und Beſchlag. Wunder le Mafkiplatz Fee e anten Kaffee Malzkaffee Pfd. 6.40 Mu. Hunsthonig Pfd. 7 Mk. Zwelschen Pfo. 10 Mk, Pfd. 10 Mk. und Suppen-Einlage Pfd. 7.50 mk. LwWwiebask Paket 3 Mk. Ziindhölzer Pallet 4 Mk. Pk. Lahres. Lavalierhaus Mannheim J, 20 Fernsprech. 5433 An- U. Verkaufs-Ce- schäft für neue ung getragene Damen- , Herrengarderobe All, Art, Relsearfſkel Mopel, pfandschein Spezialität: Damen-, flerren- und Kinderschuhe. Inſerſeren bringt Gewinn! bemüse-Auel Fätlen-NMutleiln Zucker Gportberein 09 Viernheim ber 1 fön on Anbne finmumon as Slole bei 8 7 7 1105 Ipenneimer, urscherspassl Bringen Sie Ihre Rähmaſchine die nicht, oder ſchlecht näht, vielleicht aus gekocht werden muß, oder Ihr Fahrrad zur Reparatur oder zum Emaillieren und Vernickeln, zu V. Froschauer, Unnastranle Mr. 20 Reparaturen werden unter Garantie in ſorgfältigſter Weiſe ausgeſührt. Fahrradgummi u. alle Erſatzteile erhältlich. Sämtliche Reparaturen in kürzeſter rann Pünnd 22 f. Seſlbeimescümas, 20. Orangen Bismarchheringe bllronen fonlmops dohannisbrot Salzheringe Uimbpurgerkäs Schwefzerhäs Stärkewäsche andere Wäſche behandelt unſchädlich, ſchnell und gewiſſenhaft auch Buntwäsche in ſaſt trockenem Zuſtande, zum billigſten Preiſe Viernbheimer Wasch- u. Bügelanstalt Blätenweiss Ringſtraße Nähe ev. Kirche. Telefon Nr. 237. Annahme: Philipp Werle am Haltepunkt. Frau Mina Roſenthal, Rathausſtr. 56 Georg Froſchauer, Kühnerſtr. 8 Donnerstag, den 2. Februar 1922 1 abends 8 Uhr N eee eee 5 0 7 8 Jbrscllgchte tranken N lich ire Folgen 5 mit vortrag des klerrn Medizinafrats Dr. Werner, Hepnenneim. Einheitspreis 2.50 Mark. Der Besuch wird für beide Ge- Zeit. ſowle jede hessischer Landes-Vethaun zur e. 5 kämpfung der Beschlechtskrankheiten 0 e aut erhaltener asenstal Abels. ese billig z. verkaufen —. ˖‚—— Zahle hohe Preiſel Friſche eingetroffen Pfund 9.— Mk. und Coteletts Pfund 11.— Mk. goldg.Gprotten Jeden Samstag: friſch. Kuchen bei W. Dollbtis ſechsteiliger, Ein und Kirchſtr. 6. Schlafzimmer mit 1 Bett u. Küchen⸗ einrichtung 4500 Mk. Vertiko Di⸗ wan, Chaiflong, Spiegelſchrank, 2t pol u. lack. Schränke 2 gl. pol. u. lack. Betten, Küchen⸗ ſchränke, Tiſche, Waſchkomode, Komode, Matrat⸗ zen u. verſch. Klinger, S 2, 6. Mannheim. zu verkaufen oder gegen Stroh um— zutauſchen. Von wem, ſagt die für Alt Gold, Silberwaren, Platin, Münzen Zahngebiſſe, Schmuck ſachen, Brillanten. Kaufea y. Händlern gartmang, [Mannheim 32, 22 32, 22 e feklame Lein Einen großen u. einen kleinen Mehl- Rasten zu verkaufen 0 L. Goldstein. Fifleg-Schwem zu verkaufen Zu erfragen in der Exped. d. Blattes. Zwei 20 Wo⸗ chen alte Läuferſchweine zu verkaufen. Von wem, zu erfr. in det Exped. ds. Bl. Fengel-Lichtspiele Nur Freitag Samstag ab halb 8 Uhr orks u A K 2 len f Die geheimnisvolle Macht in 6 ſenſationellen Akten. 2700 Meter lang, Außerdem ein humorvolles Luſtſpiel „Jas Pute siegt“ Senſation! Montag: Senſation! 75 bre der etgep dor Lee Groß. Senſations⸗Abent.⸗Film in? Teilen er gleiche Film wie die Vampire 187 Ein weißes 2 1 9 1 el und ein Paar Weiss Schune Nr. 35, zu verkaufen Von wem, zu erfr. in der Exped. d. Bl. (Schnauze.), guter Rattenfänger, hat peeiswert zu ver⸗ kaufen. Joh. Kühlwein Kühnerſtr. 18. Druck ſachen liefert ſchnell, gut und jeder Art billig die Oruckerei dieſes Blattes. Nine der. San ſucht ſofort EI 1 5 Mmöhl. Zimmer mit Kaffee evtl. auch Nachteſſen. f 5 Näheres, zu erfragen in der Geſ ſtelle dieſes Blattes. Neue Tag- U. Abendkurst in Stenographie, Buchführung, Maschinenschreiben, Schön- schreiben usw. beginnen anfangs nüchſt. Monats, in der battandelsschules chüri: Mannheim Tel. 7105 Neue Vollkurse N 4, 7 zu ermäbigten Honorarsat zend beginnen Mitte April. Auskunft und Prosp. kostenlos, ———— — de 9 Ä 8 N 70 .. 1 9 Fe 1 Elektrotechnisches Büro Ausführungen von elektrischen Licht-, Mraft- und Hochspannungs-Anlagen für Private, Gewerbe und ln dustrie. Spezialität: krötelen v Aer. Hauswwasse on 80 unde Und fandunrtschaftl. Maschimen-Amtagen. Wir liefern zu jedem Konkurrenzpreis Moore, Auarade, Deleuchlungstör her Hostenanschläge werden federzeit gerne kostenlos ausgeführt. Geschäft“ d e 1 een 100 5 Donnerstag Abend, den 26. Januar, s Uhr, findet im Gaſt⸗ haus zum grünen Laub bei Franz Ehrhard eine öffentliche Verſammlung ſtatt, wozu wir alle Arbeiter aller Berufe, ob Geiſtes- oder Handarbeiter, höflichſt einladen. „Woran Kranbt die deutſche Arbeit Thema: 7 Referent: Genoſſe Wieſtener aus Berlin. Ortskartell der Freien Arbeiter⸗Union Deutſchlands Sundilkaliſten Viernheim. Im Intereſſe Eurer eigenen Sache erſcheint deshalb in Maſſen! kr⸗Bewegung?“ Annahmeſtelle: Sta 8 5 a rkewäsche owie ſämtl, andere Wäſche beſorgt in! tadelloſer Ausführung. N Nen 5 95— 12 Weinheim. Viernheim Franz Reiſchert, Friseur, Lorſcherſtt. len Aufnahmen in vornehmster Ausführung zu mässigen Preisen. Pass- Bilder innerhalb 24 Stunden Das Atelier ist täglich geöffnet. H. Oeser, Photogr. Atel. Viernheim, Rathausstr. Platz Schikorg chäfts⸗ ung. Garantiert chlorfreie, unſchädliche Behandl. Dampfvasch-Anstalt Edelweiss% urch die Poſt ru, Fahrplan. Geſchüfts⸗Anzeiger Den Abonnenten unſeres Blattes gewähren wir bei ee Alllshlatt der Heſſ. Bürgermeiſterei und des Polizeiamts Viernheim Lokal⸗Anzeigeblatt für Viernheim * inſeraten⸗Preis Die Iſpaltige Petitzelle oder deren Raum 90 Pfg. ie Reklamezeile 3⸗ Mk. Bei öſteren een und 16550 Aufträgen entſprechender Rabatt. Beflagengebühr für die Geſamt⸗ auflage 50 Mk. Annahmeſchluß für Inſerate vormittags 9 Uhr. 0 ger-Jeitut Im Falle höherer Gewalt Und ſonſtigen Störungen des Betriebs der Jeden der Lieferanten oder der Beför⸗ derungseinrichtungen hat der Bezieher keinen Anſpruch auf Vereins⸗Anzeiger ſtets zu achten. Redaktion, Druck und Verlag von Joh, Martin. Geſchäftsſtelle. Nathausſtr. 36 „Feruſprecher Nr. 21. Amt Viernheim. Nachrichtenblatt für alle amtlichen Velanntmachungen der Behörden Viernheims und Umgebung. e ne e en 0 7 2 91 F N + 5 8 8. Jnſerate haben in der„Vieruheimer Bürger⸗Zeitung“ ſtets beſten Erfolg.— Für am Telefon aufgegebene Inſerate wird keine Garantie übernommen. Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreiſes. poſtſchecktonto Nr. 21577 Amt Fraukfurt a. M. e Jahrg. * e Tagesspiegel. 5 Die Sitzung des Reichstags am Donnerstag, die auf 3 Uhr angeſetzt war, iſt auf 6 uhr verſchoben worden, weil die Sonderverhandlungen zwiſchen den Parteien noch zu keinem abgeſchloſſenen Ergebnis geführt hatten. Im badiſchen Landtag bemerkte Staatspräſident Hummel, der zugleich Unterrichtsminiſter iſt, in Ba⸗ den ſei kein Bevürfnis für das Weimarer Schulkom⸗ promi und das Reichsſchulgeſetz vorhanden, da Baden diejenigen Schularten beſitze, die ihm am beſten zu⸗ ſagen. f 5 Der rheiniſche Sonderbündler Dr. Dorten in Wies⸗ baden ſoll nach Paris abgereiſt ſein. Der Reichsverkehrsminiſter richtet an die Eiſenbah⸗ ner eine Warnung, den Dienſt willkürlich zu ver⸗ weigern. Sowenig das Reich das Auſtellungsverhält⸗ nis willkürlich ändern dürſe, ebenſowenig habe der Angeſtellte ein Recht auf Arbeitsverweigerung. Gegen derartige Dienſtvergehen werde unweigerlich mit Diſzi⸗ plinarverfahren und vorläufiger Dienſtenthebung ein⸗ geſchritten werden. f 0 7 Reichstag. i 85 Berlin, 27. i Die Erflasunz des Reichskanzlers. Die geſteige Sitzung begann kurz nach 6 Uhr. Das Haus war ſehr gut beſucht die Tribünen überfüllt. Zunächſt wird bie Beſchlußfaſſung des Reichstags vom 18. Dezember v. F. auf Genehmigung weiterer ſechs Millionen Mark zur Förderung des Nachrichten ſveſens im Inlauy wiederholt. Zweidrittelmehrheit erforderlich. Jan. r Reichstag ſtimmt zu. Es folgt die Entgegennahme der Regierungs⸗ erklärung. f. 0 Reichskanzler Dr. Wirth: Der Hauptfrage in der Politik der Reichsregierung, der Erfüllung der Vertragzverpflichtung, hat in den letzten Wochen die e Llrbeit und Sorgfalt der Regierung gegolten An die Bank von England wurde das Erſuchen gerichtet, Deutſchland die Zahlung der nächſten Leiſtungen durch eine langfriſtige An⸗ leihe von etwa 500 Millionen Goldmark oder durch entſprechende kurzfriſtige Bankkredite zu ermöglichen. Dieſes Erſuchen iſt abgelehnt worden mit der Begrün⸗ dung, daß unter den Bedingungen, die zurzeit die Zah⸗ lungsverpflichtungen beherrſchen, ein Kredit in Eng⸗ land nicht erhältlich ſei. Damit war zum erſtenmal aus den Reihen unſerer ehemaligen Gegner feſtgeſtellt, daß die Laſten, die Deutſchland auferlegt wurden, ſeine Kreditwürdigkeit vernichteten. Die Folgerung war das Geſuch an die Wiederherſtellungskommiſſion um Stun⸗ dung. Dieſes Geſuch iſt in Cannes dahin beantwortet vorden, daß die Zahlungen unter einer gewiſſen einſt⸗ veiligen Regelung geſtundet würden und daß die end⸗ zültige Beſchlußfaſſung über eine Aenderung des Zah⸗ ungsplans für 1922 auf Grund eines von der deut⸗ chen Regierung innerhalb 14 Tagen vorzulegenden Reformprogramms erfolgen ſolle. Tieſes Programm oird morgen der Wieverherſtellungskommiſſion über⸗ geben werden. f Der franzöſiſche Kabinettswechſel iſt faſt in der gan⸗ zen Welt als ein Zeichen dafür angeſehen worden, daß der Wiederherſtellung eines dauerhaften politiſchen und virtſchaftlichen Friedens in Europa noch Rückſchläge orohen könnten. Poincare hat erklärt, Deutſchland müſſe endlich anfangen, ſeine eingegangenen Verpflich⸗ tungen zu erfüllen. Wenn durch dieſe Worte der Ein⸗ druck erweckt werden ſoll, daß Deutſchland noch gar nicht begonnen habe, ſeine Entſchädigungsverpflichtun⸗ gen zu erfüllen, ſo muß ich dem laut widerſprechen. Deutſchland hat ſeit Annahme des Londoner Ultima⸗ tums Barleiſtungen von 1108, Millionen Goldmark und Sachleiſtungen von 420 Millionen Goldmark ab⸗ 908 Hinzu treten die im Abrechnungsverfahren eit dem Friedensſchluß abgeführten 500 Millionen Goldmark. Hinzu kommen auch die vor dem Ulti⸗ matum getätigten Leiſtungen Deutſchlauds. Die Ab⸗ lieferung der Handelsflotte und der Lokomotiven und Eiſenbahnen, der Seekabel uſw. l Poincare ſagt, weiter, Deutſchland habe auch nicht f wollen. Unſere Rechtfertigung und Aufklärung hat manches erreicht, die Vorwürfe Poincares aber machen den Eindruck, als ob wir in Frankreich tauben Ohren gepredigt hätten ünd man uns dort nicht hören wolle. Wir werden in Genua Gelegenheit finden, den beharrlichen Irrtümern entgegenzutreten. Der Vorwurf der Parteilichkeit des Reichsgerichts muß mit aller Schärfe zurückgewieſen werden. Nicht nur Angehörige neutraler Staaten, auch Mitglieder der eberholt De⸗ legation haben dieſe Unparteflichkeit wiederholt aus⸗ drücklich betont,(Hört! Hört!) Wie die von Deutſch⸗ and ſeinerzeit verlangte Auslieferung von„Kriegs⸗ derbrechern“ ſiſch unmöglich war, ſo wird auch die Auslie eee 55 nach e ves Zur Abſtimmung iſt Samstag, den 28. Januar 1922 Kriegs unmöglich ſein.(Lebhafter Beifall bet der Mehrheit.) Ich kann die Befürchtung nicht unterdrücken, daß die franzöſiſche Regierung dieſe Frage der ſoge⸗ nannten Kriegsbeſchuldigten und noch andere Fragen, ſo die angeblich noch nicht durchgeführte Entwaffnung dazu benützen will, um von neuem das Syſtem der Garantien und„Sanktionen“ anzuwenden. Wir werden dieſem gänzlich negativen und unfrucht⸗ baren Programm der franzöſiſchen Regierung ein po⸗ ſitives Programm entgegenſetzten, den baldigen voll⸗ ſtändigen Wiederaufbau der zerſtörten Gebiete Nord⸗ fraukreichs und Belgiens. Die neuen Steuern ſind folgendermaßen zu fkizzie⸗ ren. Das Geſamtaufkommen wird auf rund 100 Mil⸗ liarden Mark geſchätzt. Das bedeutet faſt eine Ver⸗ doppelung der im Haushalt 1921 eingeſtellten 35 Mil⸗ liarden Mark. Um dieſes Ziel zu erreichen, war ein Kompromiß notwendig, das heute zuſtandegekommen iſt.(Lachen auf der äußerſten Linken.— Lebhafter Bei⸗ fall bei der Mehrheit.) Von der Mehrheitsſozialdemo⸗ kratie bis zur Deutſchen Volkspartei waren alle Par⸗ teien daran beteiligt. Bei der Vermögens- und bei der Vermögenszuwachsſteuer ſind die von der Regierung vorgeſchlagenen mittleren Tarife vorgeſehen. Der Zu⸗ ſchlag zur Vermögensſtener ſoll 200 Prozent betragen. Dazu ſoll durch Geſetz eine Zwangsanleihe in Höhe des Gegenwerts von einer Milliarde Goldmark auf⸗ gelegt werden, die in den erſten drei Jahren unver⸗ zinslich bleiben ſoll. Dadurch ſollen die Mittel für die Kredite flüſſig gemacht werden, die durch das Reichshaushaltgeſetz für das Rechnungsjahr 1922 be⸗ reitgeſtellt und nicht für die Verkehrsanſtalten be⸗ ſtimmt ſind. Die Nachtriegsgewinnſtener ſoll fallen gelaſſen werden, da ihre Erhebung den Finanzämtern eine nicht im Verhältnis zu dem Aufkommen ſtehende Arbeit verurſachen und die Erhebung der übrigen Steu⸗ ern erheblich verzögern würde. Bei der Umſatzſteuer ſoll ein Satz von 2 Prozent zur Anwendung kom⸗ men. Die viel umſtrittene Frage der Umſatzſteuer der Genuofſenſchaften ſoll aus der Erörterung ausſcheiden Inſoweit ſoll es bei der Regierungsvorlage ſein Be⸗ wenden haben. Die Kohlenſteuer ſoll grundſätzlich 40 Prozent betragen mit der Möglichkeit der Anpaſſung an die Wirtſchäftslage. Die Zuckerſteuer wird mit Rück⸗ ſicht auf die ſtarke Vorbelaſtung durch die Umſatz⸗ und die Kohlenſteuer und auf die Bedeutung des Zuckers für die Säuglingsernährung auf 50 Mk. der Doppel⸗ zentner feſtgeſetzt. Die Steuer für Kaffee, Tee und Kakao wird nach den Vorſchlägen des Reichswirtſchafts⸗ rats bemeſſen werden. Die Regelung der Gemeinde⸗ Bierbeſteuerung ſoll der Landesgeſetzgebung überlaſſen bleiben. Die Einheit der geſamten Steuervorlage ſoll durch ein Mantelgeſetz gewahrt werden. In dieſem ſol⸗ len die Vorſchriften über die Zwangsanleihe Aufnahme finden. Im Anſchluß an dieſes große Geſetzgebungs⸗ werk ſoll bei den ſonſtigen Steuern geprüft werden, oh und inwieweit ſie der Geldentwertung anzupaſſen ſind. Ich beziehe mich auf das Wort des engliſchen Mi— niſterpräſidenten vom internationalen Vertrauen, das ein großes politiſches Bekenntnis iſt, indem ich darauf hinweiſe, daß auch das deutſche Volk, die deutſche De⸗ mokratie die Forderung nach Vertrauen erhebt mit Rückſicht auf das, was ſie bisher geleiſtet hat. Der Wiederaufbau Rußlands, dem auf der Konferenz von Genua beſonderes Intereſſe zugewandt wird, kann nur im Verein mit Rußland durchgeführt werden. Wir würden die größten Bedenken haben gegen eine Politik, die Rußland als eine Kolonie betrachtet und behandelt 1 wollte. er Reichskanzler gedachte ſodann der Verdienſte des verſtorbenen Papſtes Benedikt XV., in dem Deutſchland und die ganze Welt einen großen Völker- und Men⸗ chenfreund, den größten Förderer des Friedens ver⸗ oren habe. Auch heute gilt der Ruf: Gebt der Welt den wahren Frieden!(Starker Beifall.) * Abg. Graf Weſtarp(Dinatl.): Im Namen meiner Pacteifreunde kann ich nur unſerem äußerſten Befrem⸗ den darüber Ausdruck geben, wie man den für mor⸗ gen geforderten Reform⸗ und Garantieplan im Reichs⸗ lag und wie ihn vor allem jetzt der Reichskanzler be— handelt hat. Dieſer Plan und die Einſchränkung un— ſeres Papierumlaufs enthält Verpflichtungen, die von bem parlamentariſchem Syſtem nicht eingegangen wer- ben können ohne Zuſtimmung des Reichstags.(Zu⸗ Hmmung rechts.) Der Plan iſt vielleicht ſchon ab⸗ ſeſandt. Der Reichstag hat ſich damit noch nicht be⸗ Vet Eine Prüfung von ſachlichen Geſichtspunk⸗ ten aus iſt unter dieſen Umſtänden nicht möglich. keinungsverſchiedenheiten beſtehen zwiſchen Frankreich und England offenbar hinſichtlich der franzöſiſchen olitik, die nach wie vor darauf eingerichtet iſt. eutſchland zu zertrümmern. England dagegen be— eift, daß der Verſailler Friedensvertrag und das ondoner Ultimatum für das engliſche Wirtſchafts⸗ ſaben ſchweren Schaden gebracht haben, und iſt bereit, praktiſche Folgerungen daraus zu ziehen. Die Zwangs⸗ unleihe wird keine Steigerung der deutſchen Unter⸗ ehmungsluſt bewirken und die Kreditnot wird ver⸗ chärft werden. Wir müſſen allerdings nach dem erlorenen Krieg den Wiederaufbau der zerſtörten ebtete letſten. aber das deutſche Anerbiefen führ I darüber hinaus. Wir wollen eine Politik der abſo⸗ ſuten Ehrlichkeit.(Lebhafter Beifall e chts) abſo Neues vom Tage. 5 Tie Brotgetreideverſorgung geſichert. München, 27. Jan. Im Staatshaushaltsausſchuß ves bayeriſchen Landtags wurde ein Antrag der Mehr⸗ eitsſozialiſten und der Bayeriſchen Volkspartei über in großzügiges Hilfswerk zugunſten der Minderbemit⸗ telten behandelt. Da in der Ausſprache erneut be⸗ zauptet wurde, Deutſchland werde am 1. Mai kein Brotgetreide mehr haben, teilte der Landwirtſchafts⸗ -tiuiſter ein ihm zugegangenes Schreiben der Reichs⸗ zetreideſtelle mit, aus dem hervorging, daß die Brot⸗ etreideverſorgung bis Mitte Juli geſi⸗ chert ſei, und zwar die heute gegebene Brotration. Es ind an Inlo n Igetreide feſt gekauft und vorhanden: 130 500 Tonnen und aus dem Ausland 1650 000 Ton⸗ nan Bon dieſem Auslandsgetreide ſind nur noch 20 Tonnen zu liefern. Aus dem beſetzten Gebiet. Saarbrucken, 27. Jan. Die Regierungskommiſſion des Saargebiets hat das Auftreten der Reichstags⸗ abgeordneten Klara Zetkin in einer von der Kom⸗ fnuniſten Partei des Saargebiets einberufenen Ver⸗ iammlung verboten. Handel und Verkehr. Tollarkurs am 26. Januar 199 Mark. . Tie Preisſchraube. Die großen Margarinefabriken im Bezirk Cleve haben ab 25. Januar eine Erhöhung der für dieſe Woche geltenden Margarinepreiſe um 1 Mk. das Pfund vorgenommen;: die Preiſe werden jetzt jeweils von Woche zu Woche feſtgeſetzt.— Mit einer Erhöhung der Zuckerpreiſe rechnet man in den Kreiſen der Zuckerfabriken, die daher„Zurückhaltung“ beobachten; man erwartet in Verbindung mit der bevor⸗ ſtehenden hung für Rüben und Rohzucker.— Der Verein deut⸗ Zuckerſteuererhöhung auch eine Preiserhö⸗ ſcher Spielkartenfabriken, Sitz Altenburg, hat einen weiteren Aufſchlaa von 45 Prozent angeſent. Dollarkurs am 27. Januar 201 Mark. Mannheimer Kleinviehmarkt, 26. Jan. Es wurden zugetrieben 105 Kälber, 53 Schafe, 171 Schweine und 503 Ferkel. Bezahlt wurde für die 50 Kilo Lebend⸗ gewicht für Kälber erſte und zweite Klaſſe 12501300, dritte 1200— 1250, vierte 1100-1150, fünfte 1000 bis 1050, Schafe erſte 700— 750, zweite 650—.700, dritte 600650, vierte 550600 und fünfte 500-600, Schwei⸗ ne erſte 17501800, zweite 1770— 1750, dritte 1650 D. 1700, vierte 16001630, fünfte 1500— 1600, Sauen 1450-1600, Ferkel 200—550 Mk.(d. St.). Stimmung: Kälberhandel ruhig, langſam geräumt; Schweinehan⸗ del lebhaft, ausverkauft; Schafhandel mittelmäßig; Fer⸗ kelhandel lebhaft. Mannheimer Produktenbörſe, 26. Jan. An der Don⸗ nerstagbörſe trat zunächſt auf den ſtarken Umſchwung der Deviſenkurſe infolge des erzielten Steuerkompro— miſſes eine Abſchwächung ein, die aber nur von kurzer Dauer war. Auf das erneute Anziehen des Dollar- kurſes hin wurde die Stimmung wieder ruhig. Mehl! iſt nur wenig angeboten und es koſteten: Weizenmehl Spez. 0 1275(gegen 1200 in der Vorw.), Roggen 900— 910(825—850) für die 100 Ka. ab ſüdd. Mü ſtationen. Ferner notierten für 100 Kg Mannheim netto Kaſſe: Weizen 830—880, Roggen 700 Gerſte 750-780, Hafer 625-640, nahes gelbes L Plata⸗Mais mit Sack 730— 740, inländ. Erbſen b. 900, Wieſenheu loſe 320, Preßſtroh und gebünd Stroh 100, Biertreber 580-600, Reis 900— 1400 Mk. Die ſüdd. Mühlenvereinigung hat ihren Weizenmehl preis Spez. 0 um weitere 75 auf 1275 Mk. für 100 Kg. ab Mühle erhöht. Die Mühlenvereinigung hat nun in dieſer Woche bereits die zweite Preiserhöhung vorgenommen und den Weizenmehlpreis im ganzen um 125 Mk. erhöht. Neue Holzlieferungen an die Entente. Soeben wer⸗ den die Forderungen an Holz bekannt, die die Entente⸗ ſtaaten für das laufende Jahr an Deutſchland geſtellt haben. So verlangt Italien 400 000 Kbm. Schnittholz rund 100 000 Fſtm. Nadelrundholz und etwa 1000 Fſtm. Eſchenrundholz. Belgien will wieder 100 000 Fſtm. Rundholz wie im verfloſſenen Jahr abnehmen. Die Beſtellungen Frankreichs, die noch nicht abgerufen worden ſind, erlöſchen und tauchen in der neuen An⸗ forderungen wieder auf. Zu den bedeutenderen Poſten gehören 200 000 Telegraphenſtangen. Uebrigens ſcheint Belgien bereit zu ſein, einen Teil der von Frankreich angeforderten, aber nicht abgerufenen Holzmengen zu übernehmen. Mit einer großen und unerwarteten For⸗ derung kommt Belgien, das 2,65 Millionen Schwel⸗ len haben will. Da die Einſchlagperiode in dieſem Jahr am 31. März abläuft, macht es große Schwierig⸗ eiten, das notwendige Rundholz dazu bereitzuſtellen. 1 5 Mutmaßliches Wetter. ö Der angekündigte Witterungsumſchlag verzögert ſich. da die ſüdweſtliche Luftſtrömung aufgehört und der Niederdruck 74 abgeſchwächt hat. Für Sonntag und Montag iſt daher kaltes Wetter zu erwarten. Zwiſchen Weinheim an der Bergſtraße und Mann heim, von beiden Städten gleichweit und je anderthalb Stunden entfernt, liegt der ſüdlichſte heſſiſche Ort im Rheintal, die große Landgemeinde Viernheim. Das Heſſenland ſpringt mit dieſer Gemarkung als Keil in das offen liegende badiſche Land ein, während die heſſiſchen Nachbarorte Lampertheim und Lorſch durch lange und breite zuſammenhängende Waldungen von Viernheim ge⸗ trennt ſind. Es iſt daher naturgemäß, daß der letztere Ort manches Eigenartige bietet, wenig Verkehr mit heſ—⸗ ſiſchen Gemeinden hat und ſich mehr den benachbarten Badenern, insbeſondere auch in der Sprechweiſe, ange— paßt hat. Die Lage von Viernheim bietet, wie bei ſo vielen Dörfern im flachen Rheintal, nichts beſonders Anziehen⸗ des, aber der Blick nach dem Gebirge iſt reizvoll. Durch Baumſchlag uicht verdeckt, liegt die ganze badiſche Berg⸗ ſtraße von Weinheim bis Heidelberg frei da. Der König⸗ ſtuhl bildet den Abſchluß. Aus der Ebene grüßen die ſchönen Türme der alten Römerſtadt Ladenburg von den Ufern des Neckars herüber. 5 Der Landſtrich, in dem Viernheim gelegen iſt, ge⸗ hört nach Ausweis der von Profeſſor Dr. Ihne in Darmſtadt redigierten phänologiſchen Karte zu den aller⸗ wärmſten im Deutſchen Reiche. Auf den Feldern der Ebene wird eifrig Tabakbau getrieben. Daß dieſer hier ſchon lange heimiſch iſt, dafür bietet der Viernheimer Waldrezeß von 1786 einen Beleg. In dieſem zwiſchen der Kurfürſtlichen Regierung in Mainz und der Gemeinde nach langwierigen Streitigkeiten zuſtande gekommenen Vertrage wird den Bürgern das Recht auf den Bezug von Tabakſtangen, an denen die Blätter in den Scheunen zum Trocknen aufgehängt werden, aus dem Staatswalde zuerkannt. Frühzeitig im Jahre muß der Bauer zur Feldarbeit hinaus. Sommergerſte iſt im Februar zu ſſäen, damit die Körner voll ausgewachſen ſind, bevor die Periode der größten Hitze einſetzt und die Pflanzen zum Abſterben bringt. Für eine zweite Ackerbeſtellung nach Aberntung des Getreides iſt die Möglichkeit geboten. Es kann ge lingen, zwei Haupternten einzutun, z. B. Winterraps und danach Tabak. Meiſt wird indeſſen vorgezogen, die ab geernteten Getreideäcker mit Gründungpflanzen, wie Wicken, Inkarnatklee und dergl. einzuſäen, um die Aecker für die nächſtjährige Haupternte in guten Zuſtand zu bringen. Dieſe letztere Art des landwirtſchaftlichen Betriebes war bei den praktiſchen Bauern ſchon lange üblich, bevor die nachhinkende Wiſſenſchaft deren hohe Bedeutung für Stick— ſtoffſammlung und damit die Möglichkeit des Betriebes einer viehloſen Wirtſchaft feſtgeſtellt hatte. Eine für die Viernheimer Landwirtſchaft nicht ge— ringe Gefahr bringen Jahrgänge mit ſehr reichlichen Nieder— ſchlägen, wie wir ſie z. B. zwiſchen 1870 und 1880 hatten. Wenu der Spiegel des Rheins hoch ſteht und ſich auf ſolcher Höhe hält, daß das Grundwaſſer nach dem Strom— bett nicht abfließen kann, ſondern Rückſtau eintritt, dann kann es vorkommen, daß in den niederen Feldlagern das Grundwaſſer über die Oberfläche ſteigt und die Aecker er ſaufen. Geſchieht das in einer Reihe von Jahren hinter— einander, gibts natürlich ſchwere Verluſte. Von hoher Bedeutung für die Bevölkerung iſt der Ortsbürgernutzen aus Feld und Wald. Der umfang⸗ reiche Feldbeſitz der Gemeinde wird ihren Angehörigen als Allmend zur Benutzung überlaſſen. Eine beſtimmte Zahl der älteſten Ortsbürger befindet ſich im Genuſſe der ſog. großen, aus je rund 12 Morgen Land beſtehenden All— mende. Eine ebenfalls genau feſtgeſtellte Zahl jüngerer Ortsbürger erhält das ſog. kleine Allmend zu bebauen. Stirbt ein Allmendinhaber, ſo rückt der im Ortsbürger— verzeichnis Nächſtälteſte in den Genuß ein. Dieſe Ein— richtung, den Bürgern, insbeſondere den alten, reichliche Unterſtützung zu gewähren, iſt zwar ſehr löblich, ſie führt aber naturgemäß zu einer unwirtſchaftlichen Behandlung der Aecker. Da die Nutznießer ganz unſicher ſind, wie lange ſie die Bebauung der Allmend haben werden, geht das Streben dahin, die Bodenkraft möglichſt raſch aus— Biol d. Roman aus dem Leben von Georg v. Pletten. 50)(Nachdruck verboten.) Kurz vor halb 12 Uhr kam ein Briefbote mit einem Expreßbriefe aus der Stadt, Mathilde erbleichte. Der Vater nahm den Brief entgegen, mit einem Riß löſte er das Kuvert und entfaltete den Brief mit zitternder Hand. Die Züge der Schrift waren ihm gänzlich unbe⸗ kannt. Er ſuchte die Unterſchriſt: von Sarazin, Oberſt des 12. Infanterie-Regiments.“ Der Vater überflog den Brief in Eile, während die Mutter und Mathilde mitzuleſen ſuchten, ohne vor 2 6 1 auch nur den Sinn eines Satzes erfaſſen zu önnen. „Es iſt alles aus!“ Mit dieſem Schrei ſank der Vate! zurück in die Arme von Mutter und Tochter, die ihn, aufs äußerſte beſtürzt, feſthielten. „Sendet ſofort einen Boten in die Kirche, daß er dem Herrn Pfarrer mitteile, die Hochzeit müſſe ver⸗ ſchoben werden, ein plötzliches Hindernis, ein plötzli⸗ cher Unfall... O, wie wird mir!— Waſſer, Waſſer! — Arme Mathilde!“ „Gott, was iſt Dir, Vater?“ rief Mathilde, ſich, die Hochzeit und alles um ſich vergeſſend, da ſie den Vater einer Ohnmacht nahe ſah. Man führte ihn zum Sofa, in das er, das Antlitz mit beiden Händen verhüllend, wie gebrochen niederſank. Dann fielen ihm die Arme wie leblos zur Seite, das Antlitz färbte ſich weiß und blau, die Augen ſchloſſen ſich. Faſt unverſtändlich mur⸗ melten ſeine Lippen:„Schickt zur Kirche!“ Dann lag er wie tot da. Seine Gattin und Mathilde im Hochzeitsſtagte wax⸗ fen ſich über ihn, erfaßten beide war auf den Schrei, den Mathilde ausgeſtoßen, ins immer geeilt und brachte Waſſer. Man beſprengte es Vaters Antlitz. Es half inſoweit, als er die Au⸗ gen ein wenig öffnete und die Lippen bewegte. wurde. ände. Die Dienerin on Geh. Staatsrat zunutzen. Dabei muß die Ertragsfähigkeit des Landes leiden.. ö ö g Die Berechtigungen auf Holz aus dem Staatswald ſind in dem bereits erwähnten Waldrezeß von 1786 feſt⸗ gelegt. Sie beſtehen nicht nur in bedeutenden Bezügen von Brennholz, ſondern auch in Abgabe des erforderlichen Bauholzes für die Hofreiten. Für die Außenwände der Gebäude ſoll nach dem Vertrage Eichenholz, für das in⸗ nere Gebälk Tannenholz geliefert werden. Von dieſer Bauholzberechtigung wurde ein recht ausgiebiger Gebrauch gemacht. In einem Jahre wurde eine ganze Straße neu bebaut; ſie erhielt von der Bevölkerung ihres raſchen Entſtehens wegen den charakteriſtiſchen Namen„Galopp⸗ ſtraße“. Da es wirtſchaftlich richtiger iſt, die Außenwände der Häuſer von Stein, ſtatt von Eichenholz aufzuführen und für die Innenwände ausgetrocknetes Floßholz ſtatt des grünen Holzes aus dem Walde zu verwenden, kam man um die Mitte des vorigen Jahrhunderts überein, die erſtere Bauart zu geſtatten. Wenn die Neubauten unter Dach gebracht waren, hatte der Oberförſter unter Zuziehung eines vereidigten Zimmermeiſters die Außen⸗ wände auszumeſſen und feſtzuſtellen, wie viel Eichenholz erforderlich geweſen wäre, wenn man von Holz gebaut hätte. Ebenſo wurde das tatſächlich verwendete Tannen⸗ holz des inneren Gebälks ausgemeſſen. Hieraus wurden dann die Maſſen des beſchlagenen Holzes zuſammenge⸗ ſtellt, dann in Rundholz umgerechnet und die von der Regierung für den Kubikfuß euehmngken hegt in barem Gelde angewieſen. Dieſes Verfahren hatte hohl die Folge, die Bauluſt lebhaft anzuregen, doch hatte der Waldbeſitzer keinen Nachteil, weil er das ſtarke, hochwertige Eichen⸗ ſtamm und Kiefernholz als Nutzholz verwerten konnte und nicht als Bauholz herzugeben brauchte. Gleichwohl war dieſe Bauholzberechtigung für den Waldbeſitzer ſehr drückend, insbeſondere auch, weil in ihr der Keim zu mancherlei ſchwierigen Prozeſſen gelegen war. So z. B. wegen der Frage: Wie umfangreich dürfen die Wohnhäuſer und Scheuern ſein? Ferner wegen der Frage, ob die— jenigen Bürger, welche ihre Rezeßhofreiten an Ortsfremde verkaufen, das Recht haben, Holz zu verlaugen, wenn ſie Luſt haben, einen Neubau zu errichten. Faſt ebenſo mißlich war eine der verſchiedenen Brennholzberechtigungen. Auf Grund des Waldrezeſſes hatte jeder Ortsbürger u.a. den Auſpruch auf ein beſtimmtes Maß von Eichenſcheit— losholz. Da jährlich bei der ſtarken Bevölkerungszunahme neue Ortsbürger in das Recht eintraten, ſchwoll die Ab— gabe von Jahr zu Jahr an. Bezüglich dieſer Berechti— gung enthielt der Rezeß indeſſen die Beſtimmung, daß ſie nur ſo lange zu leiſten ſei,„ſo lange der Wald dieſe Abgabe nach forſtmäßigem Befund ertragen könne“. Dieſer ſchon bei Abſchluß des Vertrags vorgeſehene Fall trat ums Jahr 1878 ein. Der alte ausgedehnte Eichenhoch⸗ wald war nun abgeerntet, das an ſeine Stelle getretene Jungholz vermochte weder Bauholz noch Eichenſcheitlos— holz zu liefern. Der Gemeinde wurde von dieſer Lage mit dem Bemerken Kenntnis gegeben, daß dieſe beiden Arten von Holzabgaben bis auf weiteres aufhören müß⸗ ten. Hiernach eingeleitete gütliche Verhandlungen führten zu der Feſtſetzung, daß die ungemeſſene Bauholzberechti— gung in eine genau fixierte, der Gemeinde zu zahlende Geldrente und die ungemeſſene Eichenſcheitholzabgabe in eine genau begrenzte, an die Gemeinde zu leiſtende Ab⸗ gabe von Kiefernſcheit- und Kuüppelholz umgewandelt Dieſe letztere Abgabe iſt auf den ſervitutbelaſte⸗ ten Wald nicht beſchränkt, ſondern das Holz kann im Falle des Bedürfniſſes auch aus den benachbarten ſervi⸗ tutfreien Waldungen geliefert werden. Dieſe er haben ihre beſondere Geſchichte. Zwiſchen der badiſchen Landesgrenze und dem ſervitutbelaſteten Wald zog ſich ein rund tauſend Morgen großes mageres Sandgelände hin, auf dem abwechſelnd etwas Korn gebaut und die Schafherde aufgetrieben wurde. Vor hundert Jahren kam zwiſchen Oberförſterei und Gemeinde ein Tauſchvertrag zuſtande, der beſtimmte, daß dieſes Land, die ſog.„Heide“ an den Staat zur Aufforſtung als Eigentum überging. Als Gegenleiſtung hatte der Staat vom ſervitutbelaſteten „Gott ſei Dank, er lebt!“ rief die Frau 1 Dieſer aber flüſterte:„Iſt zur Kirche geſchickt worden?“ „Geh“, beauftragte die Frau Profeſſor das Dienſt⸗ mädchen,„und ſage dem Herrn Pfarrer, daß ein plötz⸗ licher Unfall die Hochzeit heute für unmöglich gemacht habe, und daß er gütigſt den Gäſten davon Mitteilung machen und ſie im Namen der Eltern um Entſchuldi⸗ gung bitten möge.“ Das Mädchen eilte mit dem Auftrage fort. Die Gäſte in der Kirche wandten, als das Dienſt⸗ mädchen bereits auf dem Wege dahin war, nur mehr den Kopf zur Kirchentüre, die endliche Ankunft des Brautpaaxes und der Brauteltern zu erwarten. Man flüſterte ſich gegenſeitig ſeine Bemerkungen zu. Die Miniſtranten, in der offenen Sakriſteitüre ſtehend, blickten ebenfalls alle Augenblicke zur Türe; es hatte ſchon längſt halb 12 Uhr geſchlagen. Da auf einmal geht die von der Straße in die Sakriſtei führende Türe auf, und das Dienſtmädchen richtete die Unglücksbot⸗ ſchaft dem Prieſter aus. -Was iſt geſchehen?“ fragt er. „Das Mädchen ſagt, was es weiß:„Der gnädige Herr iſt plötzlich von einem Unwohlſein erfaßt worden, er liegt wie tot auf dem Sofa— eine Ohnmacht.“ Weiter weiß ſie nichts, nur, daß kurz vorher ein Brief ange⸗ kommen war. 5 11 0 der Bräutigam nicht?“ forſchte der Geiſtlich eiter. 2Bis jetzt nicht“, erwiderte das Dienſtmädchenn. Dem Prieſter blieb nichts übrig, als Stola und R i 10 Vorfall Jeſtiitaun Gebete bend gemeine VBeſtürzung. Hedw rach in lautes allein e aus. Der Pfarrer ſucht ſie zu beruhigen, allein ſie ſtürzt, ohne ein Wort 0 e Kirchen⸗ türe, ruft nach ihrem Wagen, und ſofort fährt ſie na 15 Sie ahnte, was vor babe Per Hater 4655 lich erkrankt, das kann nicht ſein!“ Das war ihr klar. 1 letzteren chet wieder abzulegen und dann zur erſtaunten 25 den Won zu gehen, um derſelben den unge 110 verloren!“. Wald ein rund dreihundert Morge f dem darauf ſtehenden Holze der Gemeinde zur Aus f ung und Umwandlung in Ackerland als freies Eigentum zu überweiſen. Außerdem war eine dem auszuſtockenden Walde an Größe gleiche Fläche von der„Heide“ dem ſervitutbelaſteten Walde zuzuſchlagen. Dieſer Tauſch be⸗ deutete einen wichtigen wirtſchaftlichen und kulturellen Fortſchritt. Die Gemeinde konnte aus dem Erlöſe für das nde Holz ihre aus den napoleoniſchen Zeiten ſtammenden Krie schulden bezahlen. Auf den dem Dorfe nahelegenen Waldäckern konnten mehr Feldfrüchte gezogen werden, wie auf der kümmerlichen Heide. Als Wald an⸗ gelegt, konnte die Heide beſſere Einnahmen liefern, wie als Feld. Sie wurde in den Jahren 1817 bis 1824 mit Kiefernſamen eingeſät. Ein großer Teil des ſo begrün⸗ deten Waldes iſt nun ſchon einmal abgeholzt worden. Der noch ſtehende mit beiläufig hundertjährigem Holz beſtockte Teil der urſprünglichen Kiefernſaat liefert eine entſprechende Menge des der Gemeinde nach dem Sſser Vertrage zu liefernden Holzes. ü N Auch dieſer obengenannte 1 war von trefflicher Wirkung. Er darf als Friedenswer Seit ſeinem Abſchluß iſt alle Sorge wegen der Aenede gen Bezüge aus den Waldungen auf Seiten der Genieinde geſchwunden und den reichlichen Beſchwerden über Hand⸗ habung des Waldrezeſſes und den daraus ſich entwickeln den Prozeſſen iſt der Boden entzogen. Dem Staate aber iſt die Sorge genommen, daß ihm das Eigentum an dem Walde infolge der ungemeſſenen, ſtetig in ihrer Größe wachſenden Berechtigungen verloren gehen könnte. Trotz der Unterſtützungen durch Allmende und Wald⸗ berechtigung herrſchte um die Mitte des vorigen Jahr⸗ hunderts in Viernheim große Armut. Sie war damals ſo arg, daß die Gemeinde beſchloß, ſolchen, die auswan⸗ dern wollten, die Mittel zur Reiſe nach Amerika zu be⸗ willigen. Zahlreiche Familien machten von dieſer Gelegen⸗ heit, ihre troſtloſe Lage zu verbeſſern, Gebrauch. 135 Bezeichnend iſt auch folgender Vorgang. In. den Kiefernbeſtänden der Heide war in jener Zeit die Raupe des Spinners in ungeheuren Maſſen als Schädling auf⸗ getreten. Heute würden wir die Gefahr durch Anbringen von Leimringen bekämpfen. Damals wußte man kein beſſeres Mittel, als Abſchütteln, Einſammeln und Töten des Ungeziefers. f gemacht, wer ſich an der Sammelarbeit beteiligen wolle, ſolle ſich melden. Die Zahl der Bewerber war ſo groß, daß ihnen eröffnet werden mußte, die Hälfte ſei über⸗ genug. Darüber gab's Beſtürzung. Flehentlich wurde gebeten, ihnen allen ein Verdienſt zu ermöglichen. Man verſtändigte ſich dahin, die Geſellſchaft in zwei Teile z trennen, mit der Beſtimmung, daß die eine Hälfte vor mittags, die ander nachmittags zur Arbeit antreten dürfe. Höchſt dankbar für dieſe Löſung zogen die Leute, die zur Arbeit zugelaſſen waren, unter Vorantragen einer Fahne in den Wald.„ Noch in den 70er Jahren waren nicht alle äußeren Erinnerungen an die duürchlebten traurigen Zeiten aüs dem Dorfbild verſchwunden. Noch fanden ſich eirzelne baufällige Häuſer mit erblindeten papierbeklebten Fefſter⸗ ſcheiben. 724 1 Von übelſter Wirkung für das Gedeihen der Bauern⸗ wirtſchaften waren die Verhältniſſe der Geldbeſchaffüng. Der Bauer, der Geld brauchte, ging zum Geldverleſher. Wer dieſen Weg einmal betreten hatte, und wie Miele haben ihn gewandelt, der hat den Rückgang ſchwer wieder gefunden. Ein Beiſpiel, wie es herging, möge genügen. Ein alter braver Waldarbeiter erzählte, ſein Vater habe bei einem ſolchen Geldverleiher ein Anlehen gemacht. All⸗ jährlich habe der Alte abbezahlt. Als er und ſein Bruder herangewachſen waren, hätten ſie den Vater gefragt:„Wie ſteht es denn mit Deiner Schuld? Wir ſehen Dich immer abbezahlen und meinen, Du müßteſt ſie los ſein. 80 Du nichts Schriftliches?“ Der Vater erwiderte:„J bin auch Euerer Meinung, aber eine Quittung habe i noch nie bekommen.“ Da rückten die Söhne dem Geld⸗ verleiher auf die Bude und verlangten Rechenſchaft. Sie Inzwiſchen war der Arzt gekommen. Mathilde ſelbſt war ihn holen 95 angen. Das Hochzeitskleid von ſich werfend, den ien mit dem Myrthenkranz vom Haupte löſend, in das erſte beſte Alltagskleid ſchlüp⸗ ſend, Jackett und Hütchen auſſetzend— ſo war ſie hHin⸗ weggeeilt aus dem Zimmer, in dem ſie gerade den Bräutigam erwartet hatte, daß er ſie zum Altar führen ſollte. An dieſe plötzliche Veränderung zu denken, hatte ſie gar nicht Zeit, ja ſie wußte noch nicht einmal, warum und wie das alles ſo gekommen. Nur eilen, dem Vater helfen, daß nicht auch er von ihrer Seite ge⸗ riſſen werde, galt es in dieſem ſchrecklichen Momente. Unglücklicherweiſe traf ſie den Hausarzt nicht daheim. Was nun? Einen anderen Arzt als Doktor Elven kannte ſie nicht. Zu ihm gehen? Zu ihm? In die⸗ ſem Momente, wo 0 ſie am Altar ſtehend wähnte, ſie, die er um ihre Hand gebeten und die ihn zurückgewieſen! Was wird er denken? Und ſie konnte ihm nicht einmal genügenden Aufſchluß geben. Allein es mußte ſein; ſie mußte das Opfer bringen; der Vater 9 nicht ohne ärztliche Hilſe bleiben! Alſo auf zum Doktor Elben. Sie nahm einen Wagen, und bald führte derſelbe an ihrer Seite Doktor Elen ins väterliche Haus. Hätte ſie damals auf jenem Maskenballe„Ja“ geſagt, vielleicht wäre ſie mit ihm am ſelben Tage, zur 1 Stunde zur Kirche gefahren! e e r. Elven war geradezu zuſammengeſchreckt, als Mathilde bei ihm eintrat in derangierter Toilette, mit I hverſtörten Zügen und bleichem Anklitz. Soeben 1 an ſeinem reibtiſch und dachte an ſie. ah das ſchöne Mädchen im Geiſte am Altar ſtehend, in ele Gewande, an der Seite des glücklichen, aber ihm ſtets verhaßten Mannes, er hörte ein der 5 f l tterkeit ſeines Herzens ſchüchtern ihm das Fawort der Treue 1 77 0 und er dachte:„Wird er es verdienen? Wird ſie glück⸗ lich werden mit ihm? Warum war es mir ni 1 ihre Liebe zu en axum hatte ich rüher um ſie geworben? Nun 15 mir 00 5 5 N der Wutherer gehoben und zu ſehwerer Beſtrafung eines letzten 40. Jahren rund um 4000, alſo durchſchnittlich Tauſend Einwohner mehr, wie die Stadt Bensheim auf⸗ zuweiſen hat. 0 bezeichnet werden. Fabrikarbeit herabſah, freut ſich nun, wenn ſeine in der Rückendeckung bei Kriſen in der Induſtrie darf aller bleiben, ſondern dieſe müſſen aufs kräftigſte gefördert Von der Oberförſterei wurde bekannt werden muß. Auf dem unteren nach der Weſchnitz hin— ziehenden Felde iſt feſtzuſtellen, ob es möglich iſt, daß das lauf finden kann, oder ob es durch ein Pumpwerk in die Man ſoll ſich durch die lange Reihe trockener Jahrgänge, Korrektionen am Rheinſtrom nie mehr Waſſer auftauchen würde. füllten ſich die alten Flußbette wieder und blieben nahezu zehn Jahre mit Waſſer gefüllt. der landwirtſchaftliche Ertrag der Gemarkung zu heben. Es kann dies wohl ganz ſchmerzlos geſchehen, wenn die auf neun oder zwölf Jahre öffentlich verpachtet. dem die Allmendberechtigten ſchadlos zu halten ſind. Es Einrichtung das Allmendfeld viel höhere Naturalerträge Allmendinhaber vorteilhaft ſein, da er ein wohl erheblich duktion würde der Geſamtheit Segen bringen. 1922 erſtreckt worden it. Benedikt XV. hat Erzölſchof Dr. Karl Fritz ein Hirten⸗ %% e leißig, lie h bei A 9 elmäßig Quittungen geben und machten den Vater bag ſchuldenfrei. Die inzwiſchen gegründeten Genoſſenſchaftskaſſen ermöglichten es den Leuten, aus den änden der Wucherer zu kom⸗ men. Heute iſt die Bevölkerung von dieſer Plage befreit und die Geldverleiher ſind verarmt. Eine Strafgerichts⸗ verhandlung in Mannheim, die den Schleier vou Treiben auptrepräſentanten geführt hat, kann als die Endſeene der Blutſaugerwirtſchaft angeſehen werden. Die Neuzeit brachte weitere Geſundung der wirt⸗ ſchaftlichen Verhältniſſe. Das Aufblühen der Mannheimer Induſtrie gibt reichliche Gelegenheit zu lohnender Beſchäfti⸗ gung. Der Bau der Bahn Weinheim— Viernheim—Mann⸗ heim 1195 den Weg zu den Arbeitsſtätten. Heute fahren an den en viele Hunderte von Arbeitern in die Fabriken am Rhein und bringen am Ende der Woche bedeutende Summen baren Geldes in die Heimatgemeinde. Die Zahl der Einwohner hat ſtark zugenommen, in den jährlich um 100. Heute ſind es 10 133, das iſt ein halbes Eine neuerbaute Kirche mit großen Raum⸗ verhältniſſen iſt weithin in das pfälziſche Land ſichtbar. Die alten Hütten ſind verſchwunden, freundliche Häuſer mit hellen Scheiben und weißen Vorhängen dahinter geben Zeugnis von dem gewachſenen Wohlſtand. Der Ort be⸗ ommt mehr und mehr ſtädtiſchen Charakter. Der Bauer, der früher von oben herunter auf die Landwirtſchaft nicht erforderlichen Kinder einen regelmä— ßigen Wochenverdienſt haben und die elterliche Wirtſchaft unterſtützen können. Es iſt erſichtlich, daß in Viernheim die Bedingungen für eine beſonders günſtige Entwickelung gegeben ſind. Die Arbeiter können in dem Heimatorte wohnen bleiben und brauchen nicht in die Stadt zu ziehen, um dort die Zahl der Beſitzloſen zu vermehren. Die Verbindung von Landwirtſchaft und Fabrikarbeit iſt nor⸗ mal und bürgt für eine geſunde Weiterentwikelung. Als dings die Landwirtſchaft in ihren Leiſtungen nicht zurück— werden. In erſter Linie kommt dabei in Betracht, daß die Feldmark vor künftigen Waſſerkalamitäten geſchützt ſchädliche Waſſer durch ein Grabenſyſtem geſicherten Ab Weſchnitz geworfen und von dieſer abgeführt werden kann. wie wir ſeither hatten, nicht in Sicherheit einwiegen laſ— ſen. Trockene und naſſe Perioden wechſeln von jeher mit— einander ab und werden es auch in der Zukunft tun. Vor 1870 war auch eine ſolche trockene Periode, welche die Bauern verführte, in den verlaſſenen leeren Flußbet—⸗ ten, den ſogenamiten Neckarbetten, Feldfrüchte anzubauen. Die allgemeine Anſicht ging dahin, daß hier infolge der So dachte man im Frühjahr. Und im Herbſte Natürlich waren alle tieferen Lagen der Feldmark während dieſer langen Zeit nstleidend. 5 Auch durch Aenderung der Allmendverhältniſſe iſt Gemeinde die freiwerdenden Allmende an ſich zieht und Die ein— gehende Pacht müßte einen beſonderen Fonds bilden, aus bedarf keines weiteren Nachweiſes, daß bei einer ſolchen lieſern wird, als bei dem jetzigen Verfahren, wo jeder fürchtet, den aufgeführten Dung zu verlieren. Die Sorge, das Allmend plötzlich zu verlieren, würde ſchwinden, ſeine Aecker würden darum ganz anders in Dung und Beſſer ung gehalten werden. Die Aenderung würde für den höheres Einkommen beziehen könnte. Die erhöhte Pro— Lokale Nachrichten. f* Vom Finanzamt wird uns mitgeteilt, daß die Friſt zur Einlieferung der bis 31. Dez. 1921 verwendeten Steuerkarten und Markenblätter an die Steuererhebeſtellen vom Landesfinanzamt Darmſtadt bis zum 28. Februar Anläßlich des Ablebens des Papſtes ſchrelben an die Diözeſanen gerichtet, das am Sonntag, den 29. Januar 1922, von ollen Kanzeln der Erzdiözeſe, zur Verleſung gelangen wird. Der Erzblſchof hat ein dreitägiges Trauergeläute angeordnet, jeweils mittags um 12 Uhr in 3 Abſtänden. Am Montag, den 30. d. Mts. wird in fämtlichen Pfarrkirchen ein Seelenamt ſtattfinden. Auf Anordnung des Erzbiſchofs Dr. Karl Fritz hat jeder Geiſtliche eine heilige Meſſe aufzuopfern. * Die Engel⸗Lichtſpiele waren geſtern abend wleder voll beſetzt, denn der 2. Teil des großen Filmwerks 15 e achtung! Gemäß eines Beſchluſſes des„Südweſtdeutſchen Zeit⸗ tungsverleger⸗Verelns“, dem auch wir unterſtellt ſin d, dürfen Lokalartikel, die in Form und Inhalt ein Inſerat erſetzen ſollen, nur dann aufgenommen werden, wenn ein entſprech⸗ endes Inſerat im Anzelgenteil aufgegeben wird. Weiter müſſen Lokalartikel, die mehr als eine halbe Stunde Satzzeit in Anſpruch nehmen, den Auftraggebern in be⸗ ſondere Rechnung geſtellt werden. Die Verleger, worunter auch die der hieſigen Zeitungen, haben ſich verpflichtet, dieſem Beſchluß nachzukommen. Die Herren Berichterſtatter wollen ſich hiernach bemeſſen. Wle jetzt ſchon feſtſteht, verlangen die Fabrikanten auf Zeitungsdruckpapier ſchon wieder einen Aufſchlag von 10-15% ab 1. Februar. Dieſe erneute Erhöhung zwingen ſowohl ſämtliche Zeitungen des Bezirks Mannheim als auch die hieſigen Zeitungen, den Bezugspreis von 5 auf 6 Mk. pro Monat zu erhöhen. Es iſt jetzt außer aher Zweifel, daß die Zeitungen durch den unerhört hohen Papierpreis außerordentlich ge— troffen und ihre Exlhzenz nur noch eine Frage der Zelt ſein kann, wenn die allgemeinen Verhältniſſe noch weiter ſo an⸗ dauern und ſtaatlicherſeits auf die Papierpreisgeſtaltung nicht eingewirkt wird. i Unſere Leſer bitten wir, uns auch in dieſer ſchweren Zelt die Treue zu bewahren. Hochachtungs voll Viernheimer Bürger⸗Zeitung, Viernheimer Anzeiger. „Der Reiter ohne Kopf“ betitelt:„Die geheimnisvolle Macht“, gelangte zur Vorführung Noch ſpannendere Momente wie die des erſten Teils führt der tollkühne Meiſterdetektiv Harry Plel aus. Darum verſäume niemand die heutige Abendvorſtellung zu beſuchen. Sonntag keine Vorſtellung jedoch Montag:„Morell, der Meiſter der Kette“. *Die Geſchlechtskraukheiten und ihre Fol⸗ gen Dies iſt, wie ſchan mitgeteilt. der Tltel des großen mediziniſchen Belehrungsfilmes, der in den Engel⸗Llchtſpielen vorgeführt wird. Der Film, der auf Veranlaſſung und unter Mitwirkung der Deutſchen Geſellſchaſt zur Bekämpfung der Geſchlechtskraukheiten von den Fachärtzten Herren Dr. med. E. Thomblla und Dr. N. Kaufmann hergeſtellt worden iſt, iſt keiner jener mit Recht abgelehnten Filme, die ſtatt aufklärend eher zerſetzend wir⸗ ken. Er bietet rein wiſſenſchaftliche Aufklärung und zwar in ſo klarer überſichtlicher Form daß z. B. die Oberſchulbe⸗ hörden von Hamburg und Berlin den Film ihren Abtur'⸗ euten haben vorführen laſſen. Er bringt mikrokinemato— graphiſche Bilder, bezeichnende Krankheitsfälle und Präparate. Und a. zeigt er in überaus anſchanlicher Weiſe das Ein⸗ dringen der winzigen Keankheitserreger in den Körper, ihr Verhalten in der Blutbahn uſw. kurz Dinge, über die ſich das große Puplikum aus der Beſchreibung heraus meiſt ganz falche Vorſtellungen macht. Der Film wird begleltet durch den Vortrag des Heren Medizinal⸗Rat Dr. Werner Heppenheim. Angeſichts der furchtbaren Tatſache, daß die Zahl der Geſchlechtskranken in Deutſchland auf über ſechs Millionen geſtiegen iſt, d. h. mit anderen Worten, jeder 10. Deutſche iſt geſchlechtskrank, iſt zu hoffen, daß dieſer Film in weiteſtgehendem Maße ſegensreiche Aufklärung in alle Schichten der Bevölkerung trägt und ſomit der Volks⸗ geſundheit wertvollſte Dienſte lelſtet § Anglaubliche Holzpreiſe. Man berſchtet aus Ech zell(Sberheſſen), daß im Beienheimer Wald ein Rm. Scheitholz auf 1000— 1200 Mk, Knüppelholz auf 800 bis 1000 Mk., zerkleinerte Wurzelſtöpe auf 600— 700 Mk. kamen. Unglaublich!— Wer kann das kaufen? — Das Vierzigfache des Friedenspreiſes koſtet heute Zeitungspapier. Ein leeres Zigarrenkiſtchen koſtet heute mit Etikette und Ausſtattung etwa 5 Mark deh ebenſo viel als früher im Großhandel eine gefüllte Kiſte einſchließlich der Verſandkoſten. „—. Die Höchſtpreiſe für Ziegelwaren ſind in in Baden neuerdings um durchſchnittlich 30 Prozent erhöht worden. 95 Produktenmarkt. der unſicheren Lage Auch der Produktenmarkt war von ſtark beeinflußt, dennoch die Ten⸗ denz faſt durchweg feſt. Die Preiſe zogen ſogar an. wobei die Ankündigung der 75proz. Erhöhung der Brotpreiſe und die neuen Gütertarife ab f mitwirkten. In Berlin notierten am 26. Januar je 50 Kg. Weizen 405407(. 2427), Roggen 314—3ʃ5 ( 8, Gerſte 373— 375( 18-20), Hafer 300 bis 302( 1418). Mais 305— 320( 13 30). An der Stuttgarter Produktenbörſe wurden für je 100 Kg. Stroh 95 100 Mk.(. 5 10) und für Heu 280 bis 300 Mk.( 20 40) bezahlt. Warenmarkt. Die Preisſteigerung iſt in vollem Gang, begünſtigt durch die Tariferhöhung, die Lohnforderun⸗ mangchhafte Wagengeſtellung, ſowie der neuen Steuer— 05 D 7 re ee.. Doppelt ſparſam 0 iſt die echte, gute Pfeiffer& Hillers ſtaffee- Eiſenz ge ee Alz oder 2 45 00 einen Coftel braucht; und gußerdem werden S5 5 5 Arch in ihren ndlichen ausgemitz dea und Sit rrrabets au haben in den dachafen . ö i N 1 gen 115 Streiks, die Transportſchwierigkeiten und vorlaſſen. Die bevorſtehende Erhöhung der Kohlen— ſteuer auf 40 Prozent wird eine weitere Preisſteige⸗ rung der meiſten Warenprodukte nach ſich ziehen. Die Erhöhung der Milchpreiſe hat bereits ein Anziehen der Fettpreiſe veranlaßt. Die maßgebende Kemptener No⸗ terung vom 25. Jan für Butter ſtellte ſich auf 31.18 Mk. für das Pfd.(Vorwoche: 30.25). Auch die Leder- 1 11 ziehen an. Auf der Häuteauktion am 24. Jan. n Ulm wurden Kalbfelte mie 1 Prog. Höher bezahlt. * Mit Büchſe und Laſſo ſo heißt das große Filmwerk, mit dem die U. T.⸗Lichtſpiele, Gambrinushalle. heute Samstag beginnen. Das Werk gliedert ſich in 6 Teile— 34 Akte. Ein gleichwertiger Künſtler, wie der Harry Piel führt hier die Hauptrolle. Darum,„Auf in die U. T.-Lichtſpiele.“ Sonntag 2. Vorführung. * Männergeſang⸗Verein. Der Männergeſang⸗ verein hält morgen Sonntag im Engel einen Familien⸗ Abend ab. Wichtige Verſammlung der Bauarbeiter morgen Sonntag im Gaſth. zum grünen Laub. Näheres im Inſerat, — Ter Austritt aus der Kirche. Eine gemeinſame Bekanntmachung der bayeriſchen Miniſterien der Ju⸗ ſtiz, des Innern, des Unterrichts und der Finanzen bezieht ſich auf den Vollzug des Par. 17 der Ver⸗ faſſungsurkunde über den Austritt aus einer Reli⸗ gionsgemeinſchaft. Danach iſt bei einer ſchriftlichen Austrittserklärung die öffentliche Beglaubigung durch einen Notar, eine Ortspolizeibehörde oder eine Be⸗ zirkspolizeibehörde notwendig. Einem Kind ſteht vom vollendeten 14. Lebensjahr an ſelbſt die Entſcheidung. über die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinſchaft zu. Es hat daher ſeinen Austritt ſelbſt zu erklären. Hat das Kind das 12. Lebensjahr vollendet, ſo können die Berechtigten ſeinen Austritt nur mit ſeiner Zu⸗ ſtimmung erklären. Dieſe Erklärungen der Kinder ſind perſönlich abzugeben. — Schlechte Geſundheit am Jahresende. Die Ge⸗ ſundheit der deutſchen Großſtädte war während des ganzen Jahrs 1921 nie ſo ſchlecht geweſen wie in der letzten Woche des vergangenen Jahrs. Die Sterblich⸗ keitsziffer betrug auf 1000 Einwohner in der erſten Dezemberwoche 13,5, in der zweiten 14,8, in der drit⸗ ten 15,1. An der Steigerung iſt beſonders die Grippe beteiligt. Im Auguſt hatten die Todesfälle an Grippe in allen 49 deutſchen Großſtädten 11 betragen, in der erſten Dezemberwoche aber 77. In den letzten drei Wochen ſtieg dagegen die Zahl dieſer Erkrankungs⸗ fälle auf 174, 333 und 698. Aehnlich iſt es bei der Lungenentzündung. Die Todesfälle an dieſer Krank⸗ heit betrugen in den vier Dezemberwochen v. J. 445, 573, 639 und 722..- a Amtlicher Teil. Betr. Benzolzuteilung für den Monat März 1922. Benzolbeſtellungen für den Monat März 1922 ſind von den bezugs berechtigten Gewerbetreibegden bis längſtens 5. Februar 1922 bei uns, Zimmer 23 aufzugeben. Spätere Anmeldungen können nicht mehr berückſichtigt werden. Heſſ. Bürgermeiſterei Viernheim Lamberth. Schlafzimmer mit 1 Bett u. Küchen⸗ Geräumiger [Laden anſchließenden Zimmern im Unterdorf, auf einrichtung 4500 Mk. Vertilio Di⸗ wan, Chaifſlong, Spiegelſchrank, Zt polu. lack. Schränke 2 gl. pol. u. lack. Betten, Küchen⸗ ſchränke, Tiſche, Waſchkomode, Komode, Matrat⸗ zen u. verſch. Klinger, S 2, 6. Mannheim. Ilſerſeren briagt Gewinn! Amit 2 als Lagerraum, längere Zeit zu mieten geſucht. Angebote unter M. 100 an die Exped. d. Blattes erbeten. Engel- Lichtspiele Harry Pfeis Abenteuerserie Heute letzter Tag ab 7 Uhr Der Hefter ohne Honk 2. fei in 6 atemraubenden Akten. Außerdem das übliche Beiprogramm. Achtung! Achtung! ore. der Aleister d. He J. Teil J. Teil„Die Kette“, 2. Teil„Glanz u. Elend“ Jeder Teil hat 7 ſenſatio Akte Der gleiche Film wie* a m p ire Ferner ein heiteres Luſtſpiel in 3 Akten Montag 1. Februar Madame Incognito Lachen ohne Ende. Ab nächſten Samstag ll. U. K. Harry pets Schwerster Sieg Kirchliche Anzeigen der evang. Gemeinde. Sountag, den 29. Jauuar 1922. Vormittags 10 Uhr; Gottesdienſt. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienſt. Abends 8 Ur Jugendvereinigung und Jungfcauen⸗ verſammlung. Montag, den 30. Junnar Vorm. 8 Ur: Wiedet anfang der Keinkinderſchule