9 7 7 * Anxeigeblatt für Seckenbeim und Noesheim. Erſcheint Mittwoch und Samstag. Abonnement: Monatlich 25 Pfg., durch die Poſt bezogen vierteljährlich Mk. 0.80 Redaktiau, ruck und Nerlag von J. Helfrich in zeckenheim. Nr. 54. . Anzeigen: Die Iſpaltige Garmondzeil⸗ oder deren Raum 10 Pfg bei Wiederholungen entſprechenden Rabatt. Samstag, den 25. November 1505. 5. Jahrgang . Zweites Blatt. Das Geheimnis der Brüder. Kriminal⸗Roman von J. Fichtner. 12)„(Nachdruck verboten). „Wie?“„Wer!“„Was?“— tönte es ringsum, und ſich behaglich zurücklehnend er⸗ klärte der Befragte weiter: „Ein Geigenkünſtler— kein Virtuos im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Er hat bei Hofe die Probe gemacht und glänzend be⸗ ſtanden. Man will ihn als erſten Konzertmeiſter für die Oper gewinnen, er will ſich aber nicht binden laſſen. Uebrigens hat unſere gute Stadt die Ehre, den jungen Künſtler den ihrigen zu nennen, da er von hier ſtammen ſoll!“ „Ah! Wie iſt ſein Name?“ „Welcher Familie gehört er?“ Er ſoll von armen Eltern ſtammen—“ 3„Jetzt erinnere ich mich; bei meinem letzten Aufenthalt in München ſprach man ſchon viel von ihm— er heißt, glaube ich, Herdung—“ fiel einer der jungen Bildhauer ein. „Nicht ganz ſo,“ berichtigte der Bankier wieder.„Der junge Mann heißt Hertieg, Achim oder Joachim— ſo was—“ It Ihnen, Herr Rat, der Künſtler nicht bekannt,“ fragte im verbindlichſten Tone Herr Heidorn. 5 „Nicht im geringſten!“ lehnte der Kom⸗ miſionsrat im kühlem Tone ab.„Ich kenne den Mann nicht!“ „Kein Zug veränderte ſich in dem regel⸗ mäßig ſchönen Geſicht des Polizeiinſpektors, als er höflichſt um Enrſchuldigung bat. Herr Franke aber ſah etwas fahl aus, als er ſich, ſchon wieder lächelnd, an meine Frau wandte. Sein:„Ich kenne ihn nicht,“ war an eine ganz beſtimmte Adreſſe gewendet ge⸗ weſen, denn das bei der Erzählung des Bankiers aufleuchtende Geſicht Erikas war nun bis in die Lippen erblaßt. Ob dies jemand außer mir bemerkt, weiß ich nicht. „Wir werden doch jedenfalls das Ver⸗ gnügen haben, den Künſtler hier zu hören, die betreffenden Kreiſe müſſen ſich darum bemühen!“ plauderte der Bankier weiter, als ſchon auf ein leiſes Zeichen der Hausherr die Tafel auf⸗ gehoben und im anſtaßenden Nebenſaale ein wundervolles Quartett hörbar wurde ich liebe nicht die ſogenannte Tiſchmuſik, ſie erſchwert und ſtört nur de Unterhaltung!“ hörte ich Herrn Franke zu meiner Frau ſagen. Und dieſe war natürlich ſeiner Meinung. Die Geſellſchaft verteilte ſich; jedem überlaſſen, ſich in ungezwungener Weiſe zu amüſieren und zu unterhalten, wie es ihm beliebte. N 1 Nicht lange währte es und ich ſah Sophie am Flügel und die jungen Herren eifrig be⸗ müht, Erika zum Singen zu bewegen. Auf ihren Wangen blühte nun eine ſelt⸗ ſame Erregung und aus ihren Augen leuchtete feſte Entſchloſſenheit, erwachte trotzige Gegen⸗ wehr. Sie wählte ein Lied von Brahms: „Mein Schatz iſt auf der Wanderſchaft.“ Muſterhaft und mit wahrer Freude be⸗ gleitete Sophie die herrliche, erſt leiſe klagende, dann flehend bittende und endlich zu hellem Trotz anſchwellende Stimme. 5 Die beiden Mädchen ſchienen müde. Ganz in ſich verſunken, ihren eigenen Herzens⸗ kummer niedergebend, achtete Erika nicht auf Zeit und Umſtände. Und vergeſſen hatte auch Sophie, wo ſie ſich befand. Ihre Seele lauſchte dem herr⸗ — es war lichen Wohlklang dieſer Stimme, der Klage der Sehnſucht, und mit feuchtſchimmernden Augen, ſelbſtvergeſſen und hingeriſſen, ſchloß ſich ihr Empfinden an das der jangen Sängerin. Entzückt, aber doch verſtändnislos hatten die meiſten gelauſcht. Ih tauſchte mit meiner Frau einen Händedruck— wir verſtanden uns. Und auch dort am Flügel ſpielte ſich ein ſtummer Frieden ab, zwei junge, lautere Seelen hatten ſich zu inniger Freundſchaft für immer gefunden. 3 Wir durchſchritten noch verſchiedene Räume. In einem mit türkiſcher Pracht ausgeſtatteten Achteckzimmer hatten ſich die älteren Herren zuſammengefunden— angeblich zu einem Skat. Herr Heidorn hatte für heute ſeine Be⸗ mühungen um Sophie aufgegeben. Dafür ſah ich ihn und ſtaunte darüber— mit Herrn Franke an einem Tiſch, eben die Karten miſchend. Vertrug ſich das mit den Würden eines Polizeibeamten? fragte ich mich. Was tats: Er war eben ein vollendeter Geſellſchafter und ſuchte jedem zu genügen. Ein Weilchen beobachtete ich. Herr Franke war eigentümlich zerſtreut, er ſpielte falſch und verlor. g Einige ältere Damen brachen auf; die Wagen warteten unten, was ſollten wir noch? Um jede Störung zu vermeiden, empfahlen wir uns ſtill bei der Hausfrau, die ſichtlich ermüdet, das Ende der Geſellſchaft gewiß herbeiwünſchte. g Hochbefriedigt verließen wir die gaſtliche Pforte und tauſchten unterwegs unſere Er⸗ Erfahrungen aus. Jedes von uns aber hatte doch wohl ſein kleines Geheimnis. Zu Hauſe war nichts vorgefallen. Die Kinder ſchliefen, wie ich mich überzeugte, unſer dienſtbarer Geiſt hatte Wort gehalten und war noch auf. Nun aber drängte alles zur wohl⸗ verdienten Ruhe. Gähnend geleitete Hanna mein Schwägerin, die ſchon ſehr ſchweigſam geworden war, in ihr oben gelegenes Zimmer. Nur ich empfand noch kein Ruhebedürfnis. Ich machte es mir in meinem Zimmer bequem und zündete mir noch eine Zigarre an. In meinen Stuhl gelehnt, den blauen Wölkchen nachſchauend, ließ ich noch einmal den heutigen Abend in meinem Geiſte Revue paſſieren. Meine Gedanken beſchäftigten ſich mit dieſem und jenem. Ich mußte zugeben, daß der Geſamteindruck ein durchaus vornehmer war, den ſelbſt die Erſcheinung der Hausfrau nicht ſtörte, welche doch unzweifelhaft kleinen Verhältniſſen entſprungen, aber doch taktvoll genug war, gewiſſe Mängel ihrer Bildung nicht merken zu laſſen. Ob dieſer ſo vom Glück begünſtigte Mann dieſen Umſtand nicht drückend empfinden mußte? a Er ſonnte ſich an ſeinen Kindern, deren vollkommene Ausbildung aller Fähigkeiten ihn ewiß reich entſchädigte und ſicher hatte er läne mit dieſen, denn Mannes war eine Eigenſchaft. 7 „Arme Erika“, mußte ich denkeu,„du wirſt deine Künſterliebe wohl fahren laſſen müſſen, denn wer mit ſo eiſernem Kraftzwang ſich den Weg zu bahnen verſtanden, wird um des Idylls eines Mädchenherzens wegen wohl keinen Schritt vom Ziele abweichen.“ Auch mich begann zu ſchläfern; ein Gefühl des Wohlbehagens überſchlich mich; ich hörte draußen große Regentropfen klatſchend an die Fenſter ſchlagen und gedachte mit behaglichem Schauer mancher früheren Nacht, in welcher ich als junger, ſtrebſamer Arzt gleichſam mit Sehnſucht auf die Nachtglocke gelauert, um mich pflichteifrigſt in Wind und Wetter hinaus⸗ zuſtürzen. 5 0 ſehr der Ehrgeiz des zu fark hervortreten i blieb.— Ein ähnlicher Vorgang hat ſich in Hier würde ich lange warten können und— Gott ſei Dank— ich war ja nicht mehr darauf angewieſen. ö Gähnend begann ich mich außzukleiden, — da— ein ſchriller Ton.— Erſchreckt fuhr ich zuſammen. Was war denn das? Schon wieder? Nun fing es an zu läuten— Himmel, das war ja wohl gar meine Nachtglocke, die ich hier noch niemals gehört. i Eiligſt ſchlüpfte ich in meinen Schlafrock und dann hinaus. Richtig; ich mußte ſchon von weitem warnen, nicht das ganze Haus rebelliſch zu machen. Die Tür öffnend, fuhr mir ein Windſtoß entgegen und löſchte die Kerze aus. „Die gnädige Frau läßt bitten, Sie möchten recht bald zum Herrn kommen!“ hörte ich einen Mann ſagen, den ich endlich bei dem fahlen Nachtdunkel als einen Diener in einem Livreemantel erkannte. „Zu wem? Wer? Wo?—.“ „Auf die Parkſtraße, wo Sie heut abend zum Beſuch waren.“ „Zu Herrn Franke— iſt er erkrankt?“ „Ja— ganz plötzlich— als alle fort waren.“ „Sind Sie mit dem Wagen da?“ „Nein, nein, zu Fuß— es dauerte ſonſt zu lange. Zu unſerem Hausarzt war es zu weit—“ i (JFortſetzung folgt.) Vermiſchtes. — Die Volkszählung erfordert für Berlin (mit mehr als zwei Millionen Einwohner) eine umfaſſende Organiſation, für welche etwa 27 000 Perſonen tätig ſein werden. Die Zäh⸗ lung erfolgt nach Stadtbezirken, wozu ein be⸗ ſonderer Organiſationsplan angefertigt iſt. — Drum prüfe, wer ſich ewig bindet. Ein drolliger Vorgang hat ſich dieſer Tage auf dem Standesamt Poſen abgeſpielt. Erſcheint da ein Pärchen aus Wilda, um getraut zu werden. Als der Beamte an den Bräutigam die bekannte Frage richtet, antwortet dieſer mit einem kräftigen„Ja!“ Anders die Braut. Ihre Antwort lautet recht energiſch„Nee!“ Als der Beamte, in der Meinung, ſie habe nicht richtig verſtanden, die Frage wiederholt, ertönt abermals aus ihrem Munde, jetzt mit größtem Nachdruck das Wörtchen„Nee!“ Der Beamte machte Vorhaltungen. Die Braut blibt bei ihrem„Nee!“ Als ſie nun gefragt wird, warum ſie den nicht wolle, entgegnet ſie, indem ſie auf ihren Bräutigam zeigt: „Sehen Sie denn nicht; er iſt ja betrunken!“ Der Beamte:„Das hätten Sie ſich aber eher überlegen müſſen. Warum kommen Sie denn hierher, wenn Sie nicht heiraten wollen?“ Die Braut:„Ich habe mir die Sache unter⸗ wegs reiflich überlegt. Da er ſich öfter betrinkt, nehme ich ihn eben nicht!!“ Die Heirat unter⸗ Reinerz abgeſpielt. Auf dem dortigen Stan⸗ desamt entgegnete die im Brautſtaate er⸗ ſchienene Braut auf die Frage des Standes⸗ beamten, ob ſie die Ehe eingehen wolle, laut und vernehmlich„Nein!“ Mit verlängertem ditz fuhr der Bräutigam mit den Zeugen all von dannen, und die reſolute Braut begab ſich im vollen Schmuck zu Fuß nach ihrem Heim. Jedoch nach zwei Tagen erſchien das Paar erneut, und diesmal war das Bräutchen willig. Ihr diesmaliges„Ja“ be⸗ ſiegelte den Bund. e N a— Zerſtreut. 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