Nr. 16 Neckar-Bote(2. Blatt) Mittwoch, 28. Januar 1933 Deutsche werden oft bevorzugt Auch in Kanada liegt das Gold nicht auf der Straße „1953 können 35 000 Deutsche nach Kanada auswandern.“ An diese kurze Meldung, die der Chef der kanadischen Einwanderungs- kommission für Deutschland und Gsterreich in Karlsruhe, Joseph Robillard, vor kurzem herausgab, knüpfen sich wie in jedem Jahr viele Anfragen von Personen, die in den mei- sten Fällen Deutschland verlassen wollen, weil sie in einem anderen, weniger dicht besiedel- ten Land bessere Existenzmöglichkeiten zu finden hoffen. Uber 32 000 Deutsche sind 1951 nach Kanada ausgewandert. In den ersten neun Monaten des Vergangenen Jahres waren es rund 23 000 Manche, die angenommen hatten, in dem„ge- lobten Land“ jenseits des großen Ozeans werde für sie nur Milch und Honig fliegen, sahen sich bitter enttäuscht. Selten hatte einer das Glück, gleich in seinem erlernten Beruf Arbeit zu finden. Die meisten mußten sich mit einer anderen Tätigkeit durchschlagen. In den Wintermonaten war sogar überhaupt keine Arbeit zu finden. Das sind bekannte Tatsachen, und dennoch liegen bei der Karls- ruher Mission 100 000 Auswanderungsanträge vor. „Jeder, der glaubt, bei uns liegt das Gold auf der Straße, soll lieber zu Hause bleiben“, erklärt der Chef der Mission,„Wer jedoch den festen Willen hat, schwer zu arbeiten, der wird drüben besser leben und schneller vor- wärtskommen als in Deutschland oder in einem anderen der dicht besiedelten Länder Furopas.““ Für das Jahr 1953 ist eine neue Regelung getroffen, durch die verhindert werden soll, daß ein Einwanderer nach Kanada in den ersten Monaten ohne Arbeitsstelle ist. Es wer- den nur noch so viele Einreisevisen in Deutsch- land ausgegeben, wie offene Stellen aus Ka- nada gemeldet sind. Nach wie vor braucht Kanada vornehmlich Landwirte, Landarbeiter, Waldarbeiter, Haus- gehilfinnen, Krankenhauspersonal und Fach- arbeiter. Geistige Berufe, Arzte, Juristen usw. ſindet man selten auf der sogenannten„Hoff- nungsliste“, auf der solche Bewerber im Karlsruher Missionsgebäude verzeichnet wer- den, die Hoffnung auf einen positiven Be- scheid hegen können. Diejenigen Bewerber aus geistigen Berufen, die ausnahmsweise Glück haben, müssen zur Weiterführung ihrer akademischen Titel an den entsprechenden kanadischen Instituten erzeut Prükungen ab- Ein deutscher Landarbeiter verdient im ersten Monat auf einer kanadischen Farm bei freier Verpflegung und Wohnung 55 kana- dische Dollars(etwa 235 DMW). Nach vier Mo- naten wird ihm der vorgeschriebene Mindest- tarif von 80 bis 100 Dollar(345-430 DM) ge- zahlt. In der Regel werden jedoch schon in den ersten vier Monaten, die als eine Art Probezeit gelten, Sonder vereinbarungen mit den Farmern getroffen und höhere Verdienste erzielt. In der Stadt verdient ein ungelernter Arbeiter als Mindestlohn 1,05 Dollar(4,50 DM) pro Stunde, ein gelernter Zimmermann er- hält einen Stundenlohn von 2.25 Dollar(rund 10 DMͤ). Dem müssen die Lebenshaltungskosten ge- genübergestellt werden. Für ein möbliertes Zimmer einschließlich Verpflegung und Hei- zung zahlt ein Junggeselle zwischen 8 und 20 Dollar(35 und 85 DW) in der Woche. Ein Pfund Butter kostet 70 Cents(3,10 DW. Brot, Fleisch und Milch liegen unter dem deutschen Preisindex. Durchschnittlich müssen in Städ- ten wohnende Familien für Wohnung und Heizung etwa ein Drittel ihrer Einkünfte opfern. „Im Durchschnitt haben wir bei 165 000 Ein- Wanderern etwa 300 sogenannte schwierige Fälle“, kommentiert Joseph Robillard, der Chef der Mission. Nach England und Frank- reich steht Deutschland als„Mutterland für kanadische Einwanderer“ an dritter Stelle. Offenbar sind die Deutschen drüben gern ge- sehen, denn man findet häufig in Stellenanzei- gen den Zusatz:„Deutsche bevorzugt“. 7 Schweiz fördert Rheintal-Elektrifizierung 100 Millionen sfrs, sollen investiert werden Erhard sprach in St. Gallen In Bonn wurden die Besprechungen zwischen den Schweizer Ministern Stucki und Weber und der Bundesregierung über die Investition von 200 Millionen Schweizer Franken in der deut- schen Wirtschaft fortgesetzt. Einzelheiten über das Ergebnis wurden nicht bekannt. Wie ver- lautet, ist auch die Möglichkeit von Schweizer Investitionen in Westdeutschland über die zu- nächst vorgesehenen 200 Millionen Schweizer Franken hinaus besprochen worden. Dazu ge- höre unter anderem eine Schweizer Beteiligung in Höhe von 90 Millionen Franken am Hütten- 7 Phönix A. G. in Duisburg. 100 Millionen ken wolllen die Schweizer für die Elektri- rung der Bundesbahnstrecke Karlsruhe-Ba- on von 200 Millionen Fran- Imzlich unterzeichneten Ab- dreigabe der deutschen Ver- die Rückzahlung der Bsschulden an die Schweiz und die Freistel- der Schweizer Vermögen vom Lastenaus- n vereinbart worden. Das Abkommen soll in der Schweiz, Bundeshaushaltsplan 1953/54 sind für den Schul- dendienst an die Schweiz 65 Millionen DM vor- ehen. 21 888 Im Rahmen einer von der Handelshochschule Sb „Die teten Vortragsreihe über Integration des europäischen Westens“ Bundes schaftsminister Erhard über 0 spekte der europäischen Erhard legte ein Bekenntnis zu einer freien Wirtschaft auf europàischem Boden und in weltweitem Rahmen ab. 1 Mit Nachdruck setzte er sich für die He lung der freien Konvertierbarkeit der Währunger und für die Aufhebung der Devisenzwangswirt- haft ein. Dies bezeichnete er s en entschei- denden Punkt n dem die wirtschaftliche Ge- adung auszugehen habe:„Heute bestehen in freien Welt noch drei gerrennte Wirtschafts- me, europäische Zahlungsunion, Dollarraum und südamerikanischer sowie nahöstlicher Raum. Damit die westliche Welt der Segnungen der in- ternationalen Arbeitsteilung in vollem Mage teilhaftig wird, müssen diese Wirtschaftsräume zusammenwachsen. Sie können dies aber nur, wenn die Währungen frei konventierbar gemacht werden, wenn also auf die künstlichen Wechsel- kurse verzichtet wird.“ Wirtſchaftliches Entscheidung über Ladenschluß steht bevor In absehbarer Zeit wird die endgültige Ent- scheidung über eine bundeseinheitliche Regelung des verkaufsfreien Nachmittags für Ladenge- schäfte fallen. Dabei steht in erster Linie zur Diskussion, ob den Verkäufern und Verkäufe- rinnen am Samstag oder am Mittwoch ein freier Nachmittag gewährt werden soll. Im Bundes- arbeitsministerium setzt man sich nach wie vor dafür ein, den Verkäufern und Verkäuferinnen einen freien Mittwochnachmittag zu geben und die Laden an diesen Tagen etwa von 13 Uhr an Seschlossen zu Balten. Abgeordnete verschiede- ner Parteien im Bundestag sind jedoch der Auf- fassung, daß dem Verkaufspersonal auch ein Wochenende zustehe und daß die Läden am Samstagnachmittag geschlossen bleiben sollten. Dem wird entgegengehalten, daß für die Mehr- zahl der arbeitenden Bevölkerung der Samstag- nachmittag die einzige Zeit sei, in der sie in Ruhe einkaufen könne. Gallen veranstal T Wieder deutsche Wertpapiere an US-Börsen Für rund 300 Millionen Dollar deutsche Wert- Papiere werden voraussichtlich im März wieder an amerikanischen Börsen zum Handel zuge- lassen. Seit elf Jahren sind in den USA keine deutschen Wertpapiere mehr gehandelt worden. Nach Schätzungen der amerikanischen Wert- papier- und Börsenkommission stehen rund 700 Millionen Dollar an deutschen Dollarschuldver- schreibungen aller Art aus, von denen nach der Durchführung der Bereinigung in den USA Effekten im Werte von knapp 300 Millionen Dollar an den amerikanischen Börsen zugelas- sen werden dürften. Neues Landeszentralbank-Gesetz Notenbankgesetzgebung in Schwierigkeiten Die Notenbankgesetze für die Bundesrepublik zur Ablösung des Besatzungsrechts im Zentral- bankwesen werden voraussichtlich nicht mehr in dieser Legislaturperiode des Bundestages ver- abschiedet werden können, obwohl der Bundes- tag schon am Mittwoch den Gesetzentwurf der Bundesregierung in erster Lesung erörtern wird. Die FDP hat im Bundestag einen eigenen Ge- setzentwurf vorgelegt, der ein zentrales Bank- system und die Auflösung der Landeszentral- banken vorsieht, während auf der anderen Seite der Bundesrat zu dem Gesetzentwurf der Bun- desregierung— der entsprechend dem„föderali- stischen“ Aufbau der Bundesrepublik die Bei- behaltung der Landeszentralbanken plant sogar eine noch weitergehende Einflußnahme der Länder gefordert hat. Zur Vervollständigung der Notenbankgesetz- gebung hat die Bundesregierung dem Bundesrat nun auch den Entwurf eines Gesetzes über die Landeszentralbanken zugeleitet. Dieser sieht eine bundesgesetzliche Regelung der Verhältnisse der Landeszentralbanken nur insoweit vor, als die Einheitlichkeit und Sicherheit der Währung auch eine Einheitlichkeit im Aufbau und Wirken der zum Notenbanksystem gehörenden Landeszen- tralbanken und ihre Unabhängigkeit sowohl vom Bund als auch von den Länderregierungen er- fordern. Wie bisher soll in jedem Land der Bun- desrepublik nur eine Landeszentralbank be- stehen. Die Höhe des Kreditplafonds der Länder bei den Landeszentralbanken macht der Ent- wurf von der Bevölkerungszahl abhängig. Die Bemessung des Plafonds auf 12 PM je Einwohner entspricht etwa der Höhe der bisherigen Kre- ditplafonds. Das Grundkapital der bisherigen drei Landes- zentralbanken in Baden-Württemberg wird der Bemessung des Grundkapitals der dortigen Lan- deszentralbank zugrunde gelegt. Diese Weist nach der Landeszentralbank von Nordrhein-Westfa- len und neben der Landeszentralbank von Bayern das höchste Grundkapital mit einem Betrag von 50 Millionen DM auf. Bürgschaften für Landsiedlungen beantragt Bundestagsabgeordnete der Regierungspar- teien und der Opposition haben im Bundestag einen Initiativ-Gesetzentwurf eingebracht, in dem die Bundesregierung ermächtigt wird, Bürg- schaften für zinsverbilligte Darlehen zur För- derung der landwirtschaftlichen Siedlung zu übernehmen. Nach dem Gesetzentwurf, der sich insbesondere auf die Neu- und Anliegersiedlung bezieht, soll die Bundesregierung Verpflichtun- gen dieser Art bis zu einer Höhe von 20 Mil- ljonen DM jährlich, jedoch insgesamt nicht mehr als 100 Millionen DM, eingehen dürfen, Ländern die solche Bürgschaften übernehmen, werden Ausfälle erstattet. Ferner soll der Bund für die land wirtschaftliche Siedlung außer dem im Bun- desvertriebenengesetz vorgesehenen Betrag jähr- lich 50 Prozent dieses Betrages zusätzlich zur Verfügung stellen. Schweiz will 200 Millionen investieren Die Schweizer Minister Weber und Stucki be- Sprachen in Bonn mit Bundesfinenzminister Schaf- ter die Investierung von 200 Millionen Franken (rund 200 Millionen DM) in der Bundesrepublik. Nach den zwischen der Bundesrepublik und der Schweiz geschlossenen Abkommen sind die For- derungen der Schweiz an die Bundesrepublik aus den Schulden des ehemaligen deutschen Rei- ches auf insgesamt 650 Millionen Schweizer Fran- ken festgelegt worden. Die Schweiz hat sich be- reit erklärt, von diesem Betrag 200 Millionen in der Wirtschaft der Bundesrepublik zu investie- ren. Die restlichen Reichsschulden in Höhe von 400 Millionen Franken soll die Bundesrepublik nach den Abkommen innerhalb von 31 Jahren abzahlen. Holland will keine US-Hilfe mehr Holland will, wie einer amtlichen Verlaut- barung zu entnehmen ist, für das Haushaltsjahr 1952/53 keine amerikanische Dollarhilfe mehr in Anspruch nehmen. Die Gold- und Dollarreser- ven des Landes seien vielmehr in letzter Zeit so stark angewachsen, daß sie für die Abdeckung des zu erwartenden Dollardeflzits ausreichend seien. Da es sich hierbei jedoch um eine zeitlich begrenzte Entwicklung handele, bedeute das nicht, daß Holland bei einer eventuellen späte- ren Wiederaufnahme der amerikanischen Aus- jandshilfe wiederum verzichten würde. Holland hat bisher 966 Millionen Dollar aus den ameri- kanischen Auslandhilfe-Fonds erhalten, davon rund 150 Millionen Dollar in Form von Anleihen bzw. Krediten. Agrarerzeugung über Vorkriegsstand Wintertagung der Landwirtschaftsgesellschaft — Flurbereinigung und Technisierung Bundesernährungsminister Niklas gab in Mains anläßlich der Wintertagung der Deutschen Land- Wirtschaftsgesellschaft ODL) bekannt, daß die westdeutsche Nahrungsmittelerzeugung gegen- Wärtig um 11 Prozent über dem Vorkriegsstand liege. Nach einem Niedergang ohnegleichen sei es den westdeutschen Bauern unter Hintansetzung der eigenen Bedürfnisse gelungen, Getreide- erträge von 25 Doppelzentner und Hackfrucht- erträge von 225 Doppelzentner je Hektar bei Kartoffeln und 350 Doppelzentner bei Zucker- rüben zu erzielen. Damit liege die Bundesrepu- blik mit an der Spitze der europäischen Länder. Die Nahrungsmittelimporte seien von 48 Pro- zent des Gesamtbedarfs 1949/50 auf 39 Prozent im Jahre 1951/2 gesunken. Die gute Ablieferung im ersten Halbjahr des laufenden Wirtschafts- jahres berechtige zu der Annahme, daß sich diese Tendenz weiter fortsetzen werde, Zur Ver- besserung der Ausbildungs möglichkeiten der Jungbauern seien aus dem Förderungsprogramm der Landwirtschaft 10,5 Millionen DM ERP-Gel- der als verlorener Zuschuß für den Bau von 169 landwirtschaftlichen Fachschulen zur Ver- fügung gestellt worden. Als eine seiner vordringlichsten Aufgaben be- zeichnete der Bundesernährungsminister, die Bauern immer wieder auf Maßnahmen gegen die Bodenzersplitterung hinzuweisen. Mit Hilfe staatlicher Zuschüsse in Höhe von rund 8 Mil- lionen DM hätten etwa 700 Flurbereinigungs- verfahren gefördert werden können. Auch die Mechanisierung der Landwirtschaft schreite un- aufhaltsam weiter. Der Ackerschlepperbestand in der Bundesrepublik belaufe sich auf 243 000. Er sei damit dreimal so groß wie bei der Wäh- rungsreform. 0 Wirtschaft in Kürze Das neue deutsch- französische Handelsabkom- men sieht neben einer Erhöhung der Einfuhr- kontingente für Walzwerkse tilien auch die Einfuhr ve Das amerikanische Amt für gemeinsame Si⸗ .(MSA) hat der Bundesrepublik 1,5 Mil- lionen Dollar bewilligt, die zur Bezahlung von Seefrachten verwendet werden sollen. Das Bundeskabinett hat den Finanzrmninister ermächtigt, durch Verwaltungsanordnungen die Zahlung der Zölle für Eisen und Eisenwaren für drel Monate aufzuschieben und nach Ablauf dieser Frist zinslos zu stunden. Durch diese Mag- nahmen sollen vor allem die Eisenerzeinfuhren aus Schweden gesteigert werden. a Die Unterzeichnung eines deutsch-Frgnzösi⸗ schen Warenaustauschprogramms steht jetzt be- Vor. Die Verhandlungen sind jetzt bis auf einige technische Einzelheiten abgeschlossen. 1 rgentinische Regierung hat in Buenos 1 85 drei von insgesamt 15 aus Deutschland ge- ljeferten Lokomotiven zur allgemeinen Besich- tigung ausgestellt. Die Lokomotiven wurden von gen Henschel-Werken gebaut. Mannheimer Schlachtviehmarkt vom 26.* Auftrleb: Großvieh 468, Kälber 421. 1 41, Schweine 1779. Preise: Ochsen 2 5 8 2 7085. Bunen 4 6888, k. Lore, une 10, B 5363, C 4353, D 3843, HEärsen A 9 122 B 76—90, Kälber A 130140, B 115125, C 7 D 7095, Schafe A 6073, Schweine 4 8 B 113—120, C 112119. Marktverlauf: 1 vieh schleppend, Uberstand; EKülber schlepp 5 Schweine hleppend. Mannheimer Produktenbörse vom 26. 1. Nach vorübergehender Belebung durch Käufe der Großmühlen ist jetzt das Interesse für Inlands- Weizen zu 46 bis 36,25 DM frel Mannheim wieder abgeflaut, Vereinzelt sind die Landmühlen noch stärker am Markt vertréten. Die Bevorratung der oberrheinischen Mühlen ist bis etwa Ende März gesichert. Das Angebot in Inlandsroggen ist zu 42,25 bis 42,50 DM beschränkt. Am Mehlmarkt sind Neuabschlüsse ziemlich selten. Am Futtermittelmarkt ist prompte Weizenklele stark verknappt. Die Umsätze zu 23,75 DM sind trotzdem nur gering. Terminware liegt mit 23,50 bis 23.70 DM schwächer als in der Vorwoche. Rog genkleie und Weizenbollmehl sind um jeweils 0,0 DM auf 25 bzw. 25 bis 26 DM angestiegen,. Erst- mals sind wieder südd. Trockenschnitzel(mellasiert) zu 289 DM greifbar. Paul durch Verlag v. Graberg& Görg, Wiesbaden Copyright by Dr. Herzog, Tübingen (4. Fortsetzung) Ein jovialer àlterer Herr im dunklen Pelz- mantel, sein neugieriges blondes Töchterchen an der Hand, winkt lächelnd den Musikanten zu. Zwei lodenbewehrte Sportjünglinge grin- serii über den Paukenschläger, der immer einen Vierteltakt zu spät einsetzt. Zwei stupsnäsige Skihasen fangen mitten auf dem Bahnsteig an zu tanzen. a Cornelia Larsen steht mutterseelenallein vor der Türe des einzigen I.-Klasse-Abteils, dem sie soeben entstiegen ist, flankiert von ihren beiden hellgelben Schweinslederkoffern. Großer Gottl, denkt sie. Welch ein Betrieb! Und so etwas nennt Eckhart eine ruhige Winterfrische! Hoffentlich holt man sie auch ab. Sonst wird sie sich niemals zurechtfinden in dieser endlosen weißen Wüste Bei Gott. lieber am Gare du Nord in Paris ankommen, in Lon- dons Charing-Cross, am Bahnhof Friedrich- straße Flallo Gepäckträger! Wie ein Rudel hungriger Wölfe stürzt sich die Hoteldienerschaft auf den einzigen übrig- gebliebenen, anscheinend noch völlig un- schlüssigen Gast 5 „Zur Post, gnädige Frau]! Bestes Hotel am Platze!— Zur Alpenrosel, fließend warmes Wasser, aller Komfort!— Zur schönen Aus- dicht Herrliche Lage. dicht am Fuße des Gletschers!“ 8 „Danke danke“ wehrt Cornelis Larsen z6gernd ab.„Ich glaube, ich werde schon Wartet. Man holt mich ab, soviel ich weiß.“ Schauspiel Des dicken Dolderers Feldherrnblicke haben is seltsame auf dem Bahnsteig inzwischen erspäht. Kein Zweifel, das ist sie, das muß sie sein, die Erwartete! Donnerwetter! So totschick hat man sie sich eigentlich gar nicht vorgestellt. Pelz- mantel,. Schweinslederkoffer, I.-Klasse-Abteil! Stenotypistin stand doch damals unter der Vers- Einsendung Grundgütiger Firnschnee, wenn so schon die Tipmädel in Berlin aus- schauen, was muß das für eine Stadt sein! Jetzt reißt Dolderer gebieterisch den Takt- stock hoch. Mit einem Schlag bricht die Mu- sik ab. Dolderer hebt das Megaphon an die schnauz- bartbewehrten Lippen. Und in die tiefe Stelle hinein dröhnt nun seine weittragende Baß stimme: f „St. Walden grüßt seinen Ehrengast Cornelia Lucas! Es dankt für ihr Erscheinen!“ Die Larsen steht zur Salzsäule erstarrt. Ein eisiger Schrecken rinnt ihr durch die Glieder. Ist das die Diskretion, die Eckhart ihr ver- sprochen hat? Ist das ihr wohlgehütetes Inkognito? Ist sie dafür in die stille Berg- einsamkeit gefahren, um hier gleich in aller Oeffentlichkeit begrüßt zu werden? 8 Ein ohrenbetäubender Tusch Die Bläser blasen, daß ihnen bald die Kragen platzen. Der Paukenschläger haut auf sein Kalbfell. daß er schier springt. Und des dicken Dolderers Taktstock tobt sich in wilden Spiralen aus. Benommen, erschlagen von so viel naiver Fröhlichkeit und dem entsetzlichen Lärm Wankt Cornelia Larsen durch die Sperre. Läßt sich, halb willenlos schon, in den Schlitten heben.. Der schwere, riesige Tannenkranz, den die rotbäckige Resi ihr zu Füßen legt, wirkt wie ein Alpdruck. Aber dann ziehen die Rösser an. Die Schellen beginnen lustig zu klingeln Das enge Tal weitet sich und gibt den Blick frei auf die unendliche Weite der schneebedeckten Täler und Höhen.. Langsam breitet sich ein beslücktes Lächeln über Cornelias müde Züge. Sollen sie halt in Gottes Namen ihre Freude haben, die guten f Sie iS nN St, Waldener. Schön ist es k ier doch, wunder- Eine Stunde später steht Cornelia hinter den Winzigen Fenstern ihres kleinen Zimmers im „Alpblick“ und schaut in die weiße Wunder- welt hinaus. Vom Dach hängen riesige Eiszapfen. Die Tannen vor dem Haus sind dick gepolstert mit blitzendem Schnee. Endlos schwingt sich drüben die Kette der weißen Berge und drunten liegen, wie aus einer Spielzeug- schachtel herausgekramt, die kleinen Häuser von St. Walden. Die große Larsen ist plötzlich ein kleines Mädchen geworden. Sie kommt sich vor, als sei sie aus einem Käfig entwischt und endlich wieder ihr eigener Herr Ganz auf sich selbst angewiesen, ohne den Schwarm der Verehrer und Freunde, die so dekorativ wirken und auf die Dauer so entsetzlich ermüdend sind. Und dabei liegen nur ein paar kurze Stunden Fahrt zwischen der höllischen Hitze der Ate- liers und der klaren, wonnigen Schneeluft der Berge. Zwischen der jagenden hastenden Großstadt und der tiefen, beruhigenden Stille der weiten weißen Wälder Cornelia Larsen gebt daran, ihre Koffer auszupacken. Sie hat Mühe, alles unterzu- bringen in den alten, engen Schränken. Eigentlich hat sie sich das Hotel etwas ele- ganter, moderner vorgestellt, das Eckhart ihr ausgesucht hatte. Aber nun ist sie schrecklich glücklich, daß alles so ist. So viel einfacher, ungezwungener, bequemer. Nein, hier wird es keinen Fünf-Uhr-Tee geben und keinen mondänen Nachmittags- cocktail Hier braucht man sich nicht drei-, viermal am Tage umzuziehen und zu reprä- sentieren und langweilige Konversation zu machen. 5 5 Welch ein Glück, daß sie das schlichte Dirndlkleid doch noch eingepackt hat. Es steht ihr, es steht ihr sogar ausgezeichnet, wie sie im Spiegel feststellt Es macht sie etwas voller vielleicht, aber um Jahre jünger. Sie wird künftig nur noch Dirndl tragen. Jawohl, eine Dirndlmode wird sie in Berlin einführen! Ach was, Berlin! Was geht Berlin Neugierig und ein klein wenig befangen a Cornelis barsen die steile xs Mettert — Tatsache, da steht es nelia Lucas, Stenotyp hinunter zur Gaststube. Sie wählt sien en Platz in einer holz verkleideten Ecke und is heilfroh, daß eigentlich keiner der anderen Gäste groß von ihr Notiz nimmt. Nur der riesige Neufundländer kommt langsam und majestätisch herangetappt. Läßt sich willig kraulen. Legt sich ihr zu Füßen. Auf dem Tisch liegt ein vergilbtes, abge- griffenes Heft. Cornelia schlägt es auf. La- chelnd begreift sie, das Hüttenbuch! Wie nett, wie unzeremoniell. Ferdi Obermeier, München Gerdi Kirchhuber, Verkäuferin,. Regensburg Heiner Berger, stud. rer pol., Karlsruhe liest sie. Vorsichtig, noch etwas unsicher, setzt sie ihren Namen darunter Cornelia Lucas, Ste- notypistin. Berlin, Das klingt doch eigentlich recht gut und paßt auf alle Fälle viel besser in diese Umgebung. Wie entsetzlich, wenn sie jetzt hätte schreiben müssen Cornelia Larsen, Film- schauspielerin Nein, Eckharts Rat mit dem Pseudonym war doch gut. g Xx„* Als zwei Stunden später Hannes Hegluncg von seinem Stübchen herunterkommt, sitzt der Toni gedankenvoll in seiner Stammecke und schmaucht sein Pfeifchen. Das Gästebue liegt vor ihm.. „A feins Ding, das Maderl aus Berlin!“, sagt der Toni und deutet auf die letzte, aufge- schlagene Seite.„A blitzsaubers Madel sag Heglund tut einen gelangweilten Blick in 2 aber pee e einen Pnlen Er braucht braucht er For Linderheimes dei einem Besuch kennen. Sespensterflugboot bei den lohnston- Inseln Chilenische Reise gesellschaft hatte es 1938 verlassen Valparaiso. Durch irgendwelche unvorhergesehenen Hreignisse sind verlassene Seefahrzeuge, sogenannte Gespensterschiffe, schon auf allen Ozeanen und Meeren aufgetaucht. Immer wieder verband sich mit ihnen ein ungewöhnliches Schicksal der Besatzung, das nicht irgendwelchem Seemannsgarn ent- sprang, sondern als Tatsachenbericht mit Do- kumenten untermauert an die Weltöffentlich- keit gelangte. In diesen Tagen ist nun sogar das erste Gespensterflugboot aufgetaucht. eine Passagiermaschine, die 1938 auf dem Rückwege von Hawaii im Bereich der Fan- ning- Inseln notwassern mußte, von den 28 Passagieren in Schlauchbooten verlassen wurde und dann, dem Ozean preisgegeben alsbald hätte sinken müssen. Am 14. Juni 1938 startete im Südhafen von Hawaii das Flugboot ZAP, eine viermotorige Doppelschwimmermaschine, mit 4 Besatzungs- mitgliedern und 28 Fluggästen an Bord zur Rückkehr nach Valparaiso. Ein plötzlich auf- kommendes Unwetter trieb das Verkehrsflug- zeug jedoch stark von der eigentlichen Route ab und drückte es nahe der New Lork-Inse! der Fanning-Gruppe auf die sich gerade lang- zam beruhigende See. Flugkapitän del Campo machte ein Dutzend vergebliche Startver- suche, als er merkte, daß durch Tankschaden der Brennstoff auslief und ein Fortkommen unmöglich sein würde. Zu seinem Schrecken stellte er auch fest, daß sämtliche Röhren des Funkgerätes nicht mehr funktionierten und die auf dem weiten Stillen Ozean treibende Maschine nicht einmal Hilfe herbeirufen konnte. Bei einem leckgeschlagenen Schwimmer konnte sich das Flugboot wahrscheinlich auch nur noch begrenzte Zeit über Wasser halten, so daß del Campo die Schlauchboote aufblasen ließ. Vom zweiten Piloten, dem Funker und der Stewardeß aufgefordert, auch mit einzusteigen, schüttelte er den Kopf.„Ich bin schuld an dieser Notlandung“, sagte er. „ich habe kurz vor dem Start auf Hawaii eine Flasche Rum ausgetrunken, so daß ich als Pilot dem Orkan nicht gewachsen war. Ich bleibe deshalb an Bord, weil ich mich selbst kür dieses Versagen bestrafen will.“ Die ganze Reisegesellschaft versuchte, del Campo von diesem Entschluß abzuhalten, obwohl sie ihm nach dem Geständnis ernstlich böse War. Der vor der Notlandung wahrscheinlich unter Alkoholeinfluß gestandene Flugkapitän lehnte jedoch ab, winkte den eilig davonrudernden Booten nach und erschoß sich dann, wie man heute weiß, im Pilotensitz als Sühne dafür. daß er andebe Menschenleben in Gefahr brachte. e Das Flugboot mit dem Toten an Bord ist dann nicht gesunken. Während die Schlauch- boote mit sämtlichen Fluggästen und den destlichen drei Personen des Flugpersonals ohne Zwischenfall die New Lork-Insel er- reichten, wurde es von der Aequatorialströ- mung erfaßt und schnell in die Polynesische See binausgetragen. Zwei Frachter, die vor- übergehend den Kurs änderten, bekamen das Wrack nicht zu Gesicht. Es trieb nach Nord- Westen und strandete schließlich in der Bucht einer der kleinen unbewohnten Johnston- Inseln, wo es unter den Witterungsunbilden allmählich das Aussehen eines zerzausten. alten Riesenvogels annahm. Ende November 1952 befand sich der amerikanische Industrielle Richard Taft mit seiner Lacht auf einer Südseereise, als er durch Zufall das rund 2 000 Kilometer weit getriebene, nicht gesunkene Flugbootwrack entdeckte. Selbstmörder del Campo hockte, inzwischen zum Skelett verwandelt, immer noch auf seinem Pilotensitz, in der Todes- sekunde tief über den Steuerknüppel gebeugt. Neben ihm lag ein verrosteter Trommelrevol- 16 mit dem er sich die Schläfe durchlöchert hatte. Obwohl die heute noch alle am Leben be- kindlichen Passagiere damals ihre Rettung nicht vorherahnen konnten, sie trotz der nur wenige Seemeilen entfernten New LVork- Insel sogar sehr fraglich erschien, glauben sie nicht, daß der Genuß einer halben Flasche Rum den Ausschlag für das Schicksal des ZAP-Flugbootes gab. Die sterblichen Ueber- reste Flugkapitäns del Campo sollen in Chile zur Ruhe gebettet werden, während das ver- witterte Wrack als erstes Gespensterflugboot im Santlagoer Luftfahrtmuseum demnächst seinen Platz erhält. Die meisten von uns machen sich wohl ganz falsche Vorstellungen von der Sahara. Die unendliche Einöde dieses riesigen, gelben Sandmeeres entbehrt für Menschen mit wachem Geist und aufnahmebereitem Herzen trotz aller ihrer Schrecken andererseits durchaus nicht der Reize. Wieviele Forscher waren, in alter und neuer Zeit. geradezu berauscht von der Einmaligkeit der Wüste! Friedrich Sieburg beschreibt in seinem lesenswerten Buch:„Geliebte Ferne— Der schönsten Jahre anderer Teil“(Rainer Wun- derlich- Verlag Hermann Leins, Tübingen- Stuttgart) einen Morgen in der Sahara mit kolgenden eindrucksstarken Worten: „Noch war der Himmel von den Dünsten des Tages nicht getrübt, noch rührte der nie ruhende Wind uns wie eine Liebkosung an. Flach und gelb dehnte sich die Wüste um uns, nur am östlichen Horizont war die end- lose Linie unterbrochen, man ahnte dort die Sanddüne des Großen Erg. Der Boden war hart und mürb mit Kies und Steinen bedeckt, es war der nackte Planet, dem man die Haut vom Leibe geschunden hatte. Von allem Menschenwerk befreit, lag die Erde da, Roh- stofk Sottes, seine schöpferische Hand mit stillem Schauder erwartend. Mit geschlossenen Augen lag ich streckt zwischen dem Geröll auf der ausge- harten Häubchen und Perücke flogen in die Ecke „Schwester Maggie“ war ein Mann London. „Feuer— es brenntle“, gellte es durch das Londoner Kinderheim„Bethania.“ Die Küche war in Brand geraten, und nun schlugen die Flammen in den Gang und Sriffen auf Vor- hänge und Möbel über Entsetzt starrten die Schwestern in das Lodern, bis eine rief:„Die Kinder! Wir können nicht mehr in die obe- ren Schlafsäle!“ Dort lagen vier kleine Mäd- chen und drei kleine Jungen, der Aufgang war durch das Feuer im Flur versperrt. Da drängte sich Schwester Maggie, eine große hagere Person, durch:„Laßt mich zu den Kindern., ich werde sie holen!“ Und ehe die anderen recht begriffen, warf sie ihr Häubchen in die Ecke. Ein zweiter Griff und eine blonde Perücke folgte nach. Und plötz- lich hatte Schwester Maggie dunkles, geschei- deltes Männerhaar und verschwand hinter dem Vorhang von Rauch und Flammen. Was das zu bedeuten hatte, erfuhr man erst. als der Brand gelöscht und sieben Kin- der von Schwester Maggie— nein, von Mr. Mae Evans unter Einsatz seines Lebens ge- rettet worden waren. Mit einer Kopfwunde und starken Verbrennungen an den Armen trug man ihn zum Krankenauto Weinend ing Schwester Elizabeth nebenher. Die an- deren versuchten sie zu trösten„Sicher wird Ihr Bruder bald wieder gesund!“ Aber sie schüttelte traurig den Kopf„Wenn es nur das wäre— Mac ist ja mein Mann! Und nun werden wir unsere Stellung verlieren!“ Wie aus dem Medizinstudenten Mac Evans Schwester Maggie wurde, ist eine eigene Ge- schichte Er und Elizabeth Henley hatten sich während des Krieges im Lazarett kennenge- lernt. wo sie arbeiteten. Ueberstürzt heira- tete man, und dann stand man nach 1945 mittellos da Mac konnte sein Studium nich: zu Ende führen. Wie ein Geschenk des Him- mels traf ein Stellungsangebot des Kinder- deimes ein. das unverheiratete Schwestern suchte. Das junge Paar beschloß, seine Phe zu verheimlichen. Elizabeth erhielt die Stelle ind man mietete ein Zimmer. Um vor Entdeckungen Sicher zu Sein, Mac gleich als Maggie Henley ein. Er Sich als die Schwester Elizabeths aus solche lernte ihn auch die Vorsteherin 20 Sab Als des und s Sich ergab daß Maggie Erfahrung in der Frankenpflege hatte, war auch für sie eine delle offen. Man schlug ein, dieses Geld OUte später für Mac-Maggies Studium der- Alten. So wurde aus ihr“ eine Schwester tie besonders bei den boys beliebt War, da ie berrlich mit ihnen zu spielen verstand. doch dann brach der Brand aus, und ange- ts der bedrohten jungen Menschenleben terte Schwester Maggie Existenz und Ge- Aunmnis. Vor Gericht erkannte men den Mut Mae ens an und bestrafte ihn wegen falscher Personalangaben nur bedingt. Eine Stiftung und ein Wohltäter ermöglichten dem Ehe- paar, das nach den Statuten des Heimes ent- lassen werden mußte, die Weiterführung des Studiums. In diesen Tagen erhielt der junge Doktor seine erste Anstellung als Arzt und braucht nun nie wieder„Schwester Maggie“ zu spielen. SCHOTTLAND, DAS Mit seinen Bergen, Wäldern, Feriensehnsucht vieler Engländer. ausgedehnte Jagden machen wie in den LANDSCHAFT S PARADIES Seen und Fjorden An wenigen Stellen der britisch GROSS meeru ist das ülte Schottland die n Inseln kann man so „Highlands“, dem schottischen Hochland. Nirgend- wo kann man aber auch so viel Einsamkeit finden, wie im schottischen Bergland.- Blick auf Loch Cathrine in Schottland. Bei Tag die Brunnen und bei Nochf die Sterne Wüsie Sahard— nackter Planet ohne Rrume Erdkruste und ließ den Wüstenwind über mein Gesicht streichen. Stärker als ein hi m- melhoher Wall, gründlicher als die f eines Panzerturmes schützte mich die Leere dieser Einöde vor der Außenwelt. Ich ver- suchte an die Schrecken der Wüste zu denken. an die Sandstürme, die tagelang dauern und die Spuren verwehen, an die endl osen Durst- Strecken zwischen zwei Brunnen, die von den mürben Gebeinen qualvoll verendeter Ka- mele gezeichnet sind, an die Schluchten aus glühendem Gestein, in denen die Reisenden dem Gewehrfeuer der unsichtbaren Räuber- banden erla an die notgelandeten Pilo- ten, die langsam neben den Trümmern ihres Flugzeuges verdorrten, an die verirrten Chauffeure, die unter ihren Lastkraftwagen Wahnsinnig wurden, an alle die Verwehten. Versengten und Gefallenen, an die ewige Wut des heißen Nordostpassats, an die bleichen Gespenster aus Sand um die Mittagsstunde. an das vor Hitze springende Felsgestein, an die eisigen Nächte, an die versiegten oder eingestürzten Brunnen, an die große stumme Unerbittlichkeit dieser nackten Erdoberfläche. die vom Atlas oben am Mittelmeer bis zum Nigerstrom tief im Süden reicht und der das köstlichste aller Gottesgeschenke, die Krume fehlt. Alles dies war mir in seiner harten und alltäglichen Wirklichkeit wohl bewußt. aber es hatte keine Gewalt über mich. Mir rschien die Wüste als Inbegriff der Gebor- genheit. Der Wind. der mit leichtem Brausen über mich hinwegging, das schwache Rieseln der Sandkörner unter mir, diese Stille, in der ich mein Herz zu hören glaubte, die Unendlich- keit des Himmels über mir, dessen Licht ich durch meine geschlossenen Augenlider spürte, alles das sprach zu mir mit tröstlicher Stim- me, daß ich schweigend antwortete: Laß“, oh Welt, oh laß! mich sein!! So sieht der dichterisch beschwingte Mensch Der musikalische„Fall Cicero“ Spanien hat nun Lissabon Heimlichen Spaß hatte Madrid an der Sache mit dem„steatlichen Radiospion“. Für das Regime war sie freilich ernst, noch ernster kür die amerikanische Botschaft, aber doch auch wiederum nicht zu ernst. um nicht dsrüber lachen zu können. Alles bewundert das Virtuosentum jenes spanischen Tontech- nikers, der nicht nur auf zwei Klavieren. sondern sogar auf einigen hundert Schall- dlatten meisterhaft zu spielen verstand. Ein kleiner Falangist und Altgardist“ Francos, der schon im Bürgerkrieg gegen die Roten gekämpft hatte, stand mit seinen bei- den militärischen Medaillen ziemlich verlas- sen da und aß zur nackten Zwiebel das küm- merliche Brot Glücklicherweise entdeckte er unter den Beamten der amerikanischen Botschaft einen Bekannten, welcher seinen und des Sternenbanners Einfluß spielen ließ. Ergebnis: Der gute Mann erhielt einen Posten deim staatlichen Rundfunk Seine Arbeit be- Stand darin, jeden Abend für die Orientsen- dungen arabische Musikschallplatten aufzu- legen, deren Melodien so lebhaft an das nächtliche Gejammer der Katzen erinnern. An diesen so wichtigen Mann machten sich Kommunistische Agenten mit der diskreten Frage heran, ob es ihm gegen gutes Geld möglich sei, gewisse Meldungen verschlüsselt über den Staatssender zu geben Der gute Mann dechte nach, setzte sich hin und arbei- tete einen einzigartigen Code aus Er bestand Aus den arabischen Schallplatten, von denen jede einen bestimmten Buchstaben darstellte Sollte also ein Text Sesendet erden, 80 mußte man pro Wort eine Anzahl Schellplat⸗ den guflegen Natürlich wechselte der Code Schlüssel aus Sicherheitsgründen alle Tage. Der Betrieb ging reibungslos vor sich In einem kommunistischen Haus in Tel Aviv stellte man jeden Abend auf Welle Nadrid ein und schrieb mit was Francos Altgardist mit Noten durchgab Meist Waren es Nach- richten, welche die militärische Zusa. men- arbeit zwischen Spenien und Amerike betrs- den. Aus Kenntnissen, die hm Sin Botschafts- Bekannter vermittelte fügte der Radiospion noch eigenes hinzu. Er hatte jedoch aicht mit das große Sandmeer der Sahara. Der mo- duch einen Spion de lischen Em indlichkelt seiner ara- bischen Radiohörer gerechnet. Sie beschw Sich, 858 B Madrid in jeder Sendung so einzelne Musikstücke wiederhole, was natür- lich en dem alphabetischen Widauet der Platten lag Die hellhörige Staatspol daraufhin die Orientsendungen unter 85 2 Lupe und bekam heraus, was es mit dieser Programmgestaltung auf sich hatte. spanische„Fall Cicero“ endete mit der naftung des Spions und zweier Agenten, die nun für ihre falsch angebrachte Musikalität büßen müssen. haufig PECH GEHABT In einem Chicagoer Geschäftshaus nahm Polizist O Hara zwei Einbtecket fest, welche die Rasse gesprengt hatten und ließ dabei ein Bündel Banknoten in seine eigene Tasche ver- Scubinden. Darauf wies sicht der eine Einbrechiet als Sergeant Collins aus, der eine Gangster- bande verfolgte, und verhaftete seinerseits O Hara. derne Reporter schaut es mit den Augen Kamera und mit dem Blick des Reali 0 der Wüste ist heute w er tausend Jahren d um Erdball. in se Zreichen Bildband„Reisen ohne Ende“(Brüder Auer-Verlag Bonn- Rheindorf) in Photos und Texten mit lebens- naher Eindringlichkeit dert, kommt Wolgang Weber auch auf die„Wasser- Adrar in der Sahara zu sprechen, in der 1 aße eine lange Reihe Brunnenlöcher, die Kanalisationsröhren „Ohne diese Brunnen würde es nicht die Stadt Adrar auf der Landkarte geben“, ver- Wolfgang Weber;„ohne sie würden keine Schulkinder spielen, ohne sie gäbe sicherte hier aud lar ee Hes ellieſten Letztet Schrei einet Neio Lorket Kosmetik- firma ist Wimperntusche, die in der Dunkelheit leuchtet.„Angtiffslustigen“ Damen ist damit auch bei Nacht die Möglichkeit gegeben, mit den Augendeckeln Blinksignale der Liebe zu klappern. In Hamilton(Kanada) kaufte sich Lloyd White die teuerste Zeitung seines Lebens. In einem unbewackten Augenblick entwendete er sie aus einem Kiosk. wurde ertappt und vom Richter mit 30 Tagen Gefängnis gebüßt. Einen Monatsverdienst verliert er außerdem noch. es keins der rostroten Häuser. Adar ist genau so alt wie seine unergründlichen Brunnen. Vor Urzeiten haben Sklaven einen unter- irdischen Wasserkanal über 40 Kilometer hinweg von den Bergen bis hierher gegraben, 20 Meter unter der Erde. Genau so tief sind die Brunnen. In und von der Sahara leben etwa zwei Millionen Menschen, deren ganzes Leben von den Brunnen abhängt. In jedem Wüstenkrieg, von den Ptolemäern bis in un- sere Zeiten, war es die furchtbarste, ver- brecherischste und sicherste Waffe, die Brun- nen zu verschütten. Jede Saharakarte zeigt Sie 8 85 Selbbraune Kreise, die etwa folgende 15 Salzig. 40 gut. 5 mäßig. Das die Brunnentiefe und die Jeder Polizist fragt mich am Ortsausgang: Wo ist Ihr Seil? Die Vorschrift ist: es soll 45 Meter lang sein. Viel mehr, als diese ebenso dumme wie kluge Frage zu stellen, hat die Polizei nicht zu tun. Verbrecher“ gibt es hier nicht. Ein Verbrecher braucht Wasser wie alle anderen Menschen. Man Würde ihn, wenn er flüchtet, am nächsten Wasserloch finden“ Was in der Wüste zählt, sind, um abschlie- Bend noch einmal mit Friedrich Sieburg zu Sprechen. bei Tag die Brunnen und bei Nacht die Sterne— Was aus tiefster Tiefe und aus höchster HShe spricht. Zwischen dem Tief- sten und dem Höchsten ist immer die Erde, und sei sie auch nur eine Welle Dünensand., in deren Schutz der Nomade, das Antlitz nach Osten gewandt., sein Gebet verrichtet in großen Mengen 20 dngloubſich billigen Preisen. 2. 8. Sorte 1[Nesselreste bis I Ilg(enthöit 8-10 m DN 6. weiter Sorten große Reste liefert · 2 dor, v. c. Nessel, 8etwsche Od · wcrst J, Inlet, Dacn. Sch en, Nem- cen, Windeln, Vorhönge, Hond- b cher, Hosen. Wigterkleiderstog- reste in vielen furben. 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