Neues Mannheimer Volksblatt
Geschichte
Das „Neue Mannheimer Volksblatt“ war die parteinahe Zeitung der Zentrumspartei in Mannheim und wurde im Volksmund „die schwarze Kattel“ genannt. Gegründet wurde die Zeitung am 1. Oktober 1888, als eine Pressekommission der Zentrumspartei die Herausgabe übernahm. Die Redaktion leitete Karl Pohl, während Gustav Schwab den Druck verantwortete. Bereits im zweiten Jahr führte Pohl zusätzlich den Verlag. Trotz dieses Engagements blieb der Erfolg zunächst aus, sodass die Zeitung nur drei Jahre nach ihrer Gründung wieder eingestellt werden musste.
Etwa zur gleichen Zeit machte sich der Drucker Jean (bzw. Johann) Gremm, Mitglied des „Männervereins Zentrum“, selbstständig. Gemeinsam mit Josef Lorenz übernahm er die Druckerei Beutel in T 2, 1. Zuvor hatte Gremm beim Verleger Hahn gelernt, dem Herausgeber des Mannheimer Tageblatts. Auf Bitte des katholischen Pressekomitees belebte Gremm das „Neue Mannheimer Volksblatt“ erneut und brachte es ab dem 23. April 1892 wieder heraus. Nachdem Lorenz Mitte 1894 ausschied, wurde Gremm alleiniger Inhaber.
Im September 1899 zog das „Neue Mannheimer Volksblatt“ in ein neues fünfstöckiges Gebäude in S 2, 3. Gleichzeitig nahm man eine Rotationsmaschine für vier Seiten im größeren Format in Betrieb. Von da an erschien das Blatt am Samstagabend zusätzlich in einer zweiten Ausgabe. 1907 folgten die erste Setzmaschine und eine zwölfseitige Rotation, 1909 eine weitere Setzmaschine.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten konnte die Zeitung – anders als die sozialdemokratische Volksstimme und die kommunistische Arbeiterzeitung – zunächst weiterbestehen. Doch politische Repressalien führten zunehmend zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Am 17. April 1934 wurde das Verlagsgebäude in S 2, 3 von einem nationalsozialistischen Mob gestürmt. 1937 musste das Blatt schließlich mit dem „Mannheimer Tageblatt“ fusionieren, das fortan „Mannheimer Neues Tageblatt“ hieß. Zwei Jahre später wurde dieses wiederum in die „Neue Mannheimer Zeitung“ eingegliedert.
Literatur
Dussel, Konrad: Die Nazifizierung der deutschen Presse. Eine Fallstudie am Beispiel der Presse Badens 1932 bis 1944. In: ZGO 161 (2013), S. 427–456. Udo Leuschner, Zeitungsgeschichte. Link