von Eric Veyel
Stand: 27.03.2026
18. Jahrhundert
Die älteste noch erhaltene Zeitung Mannheims ist das 1741 erstmals erschienene Wöchentliches Mannheimer Frag- und Kundschafft-Blat. Es diente zur Verbreitung kurfürstlicher Verordnungen, es konnte aber auch von allen Mannheimer Einwohnerinnen und Einwohnern zur Veröffentlichung von Kleinanzeigen genutzten werden. Ab den 1770er Jahren änderte sich der Titel zu Wochentliches Mannheimer Intelligenz- oder Frag- und Anzeigs-Blatt. Von 1788 bis 1803 hieß es schließlich Churfürstlich gnädigst privilegirtes Mannheimer Frag- und Anzeigs-Blatt. Verlegt wurde die Zeitung zunächst in Mannheim bei Matthäus Bayer. 1761 erhielt der Universitätsbuchhändler Jakob Pfähler in Heidelberg die Konzession. 1770 wurde diese Konzession schließlich auf dessen Söhne übertragen, unter der Bedingung, dass amtliche Verordnungen darin kostenlos zu drucken seien. Darüber hinaus stand es als Anzeigenblatt allen Einwohner*innen Mannheims zur Veröffentlichung von Kleinanzeigen aller Art zur Verfügung. So finden sich darin neben den Verordnungen der kurpfälzischen Regierung unter anderem auch: Fund- und Diebstahlsanzeigen, Bekanntmachungen von in der Stadt ankommenden Fremden, Fruchtpreise, Stellengesuche und -angebote, Immobilienanzeigen, Versteigerungen, Hypothekenofferten sowie Warenangebote aller Art. Das Anzeigenblatt gewährt somit einen spannenden Einblick in die vormoderne Alltagswelt der Mannheimer Bevölkerung. Die Anzeigen stammen jedoch nicht ausschließlich aus Mannheim, sondern aus der ganzen Kurpfalz und angrenzenden Territorien, wie Speyer und Leiningen. Das Anzeigenblatt wird somit von einer gewissen regionalen Bedeutung gewesen sein.
Die Mannheimer Zeitung war eine der ersten Zeitung Mannheims, die über politische Themen berichtete. Sie wurde zwischen 1767 und 1810 mehrmals wöchentlich veröffentlicht, typischerweise mit einem Umfang von vier bis sechs Seiten im Quartformat. Die Gründer waren Hofrath Andreas Lamey und Christoph Jakob Kremer, beides Mitglieder der Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften. Gedruckt wurde sie in der "Hof- und Akademischen Druckerei". Über ihre Auflagenhöhe ist nichts bekannt, ihr Rezeptionsradius muss aber sehr weit gewesen sein. So fanden sich beispielsweise Exemplare der Zeitung in Regensburg und Paris. In ihrer Erstausgabe versprach die Zeitung, über "alle an dem hiesigen Hofe vorfallende Veränderungen, Staatsgepränge, Beförderungen, und Lustbarkeiten" berichten zu wollen. Politische Meldungen, die sowohl Kriegsberichte als auch Einblicke in das Leben der europäischen Adeligen umfassten, dominierten den Inhalt und füllten in der Regel drei Viertel der Zeitung. Die vierte Seite war für offizielle Mitteilungen und Anzeigen reserviert, wobei in den 1790er Jahren oft zwei zusätzliche Seiten für Anzeigen hinzugefügt wurden. Die politischen Berichte wurden ohne redaktionellen Kommentar präsentiert. Ab 1790 sah sich die Mannheimer Zeitung zunehmendem Wettbewerb durch das Mannheimer Intelligenzblatt, herausgegeben vom Katholischen Bürgerhospital, ausgesetzt. Nachdem die Akademische Buchdruckerei aufgelöst und teilweise von der Druckerei des Bürgerhospitals übernommen wurde, stellte die Mannheimer Zeitung um 1810 sein Erscheinen ein.
19. Jahrhundert
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Mannheim daraufhin zur führenden Zeitungsstadt Badens und nahm damit eine herausragende Rolle für den gesamten Südwesten Deutschlands ein. Als boomende Industriestadt mit einem selbstbewussten Bürgertum und als Hochburg der Sozialdemokratie hatte es eine überregionale Bedeutung. Das Pfälzisch-Badische Volksblatt, war die erste sozialdemokratische Zeitung in Mannheim. Die Probenummer erschien im September 1877. Ab dem 6. Oktober 1877 erschien die Zeitung einmal wöchentlich am Samstag. Die Zeitung wurde in der Druckerei von Fr. Mutterer in H 5, 2 (später R 1,9) hergestellt, während sich Redaktion und Expedition in J 5, 16 befanden. Redakteur war August Dreesbach, dem als ständige Mitarbeiter Franz Schreiber und Moses Oppenheimer zur Seite standen. August Dreesbach war 1874 als Agitator des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins von Stuttgart nach Mannheim gekommen und war einer der Führer der Mannheimer Sozialdemokratie. Dreesbach war der einzige Redakteur und zugleich Verlagsleiter des Blattes. Unter seinem Vorsitz war im September 1877 der Pfälzisch-Badische Preßverein ins Leben gerufen worden, der die wirtschaftliche Basis der Zeitung sicherte. Moses Oppenheimer führte den Vorsitz des Vereins. Am 29. Oktober 1878 brachte der Staatsanzeiger die Bekanntmachung, dass aufgrund des § 11 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie die Nummer 43 des "Pfälzisch-Badischen Volksblatts" vom 21. Oktober 1878 verboten und das weitere Erscheinen untersagt werde. Gleichzeitig wurde der Pfälzisch-Badische Preßverein aufgelöst.
Pressevielfalt vor 1933
Zu Zeiten der Weimarer Republik war Mannheim eine der führenden Zeitungsstädte Badens. Das Angebot an Zeitungen war groß und vielfältig, denn die meisten Parteien waren in der Stadt durch eigene Tageszeitungen vertreten: Eine der auflagenstärksten Zeitungen war die liberal-demokratische Neue Badische Landeszeitung. Der General-Anzeiger (ab 1924 Neue Mannheimer Zeitung) hingegen bekannte sich politisch zur nationalliberalen DVP. Das Mannheimer Tageblatt bezeichnete sich als „bürgerlich parteilos“. Das Zentrum war durch das Neue Mannheimer Volksblatt, die SPD durch die Volksstimme, die KPD durch die Arbeiterzeitung vertreten. Zudem gab es acht kleinere Stadtteilzeitungen, die sich meist als „parteilos“ bezeichneten. Ab 1931 kamm schließlich noch das Hakenkreuzbanner als zentrales Propagandaorgan der NSDAP in Mannheim und der Region hinzu. Noch zu Beginn der dreißiger Jahre gab es also in Mannheim acht große Tageszeitungen. Von rechts bis links waren dabei alle politischen Richtungen vertreten. Mit der „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten im Jahr 1933 fand jedoch die vielgestaltige Mannheimer Presselandschaft innerhalb kurzer Zeit ein Ende. Die Zeitungen wurden von den neuen Machthabern durch politische Hetze bekämpft, verboten oder hielten dem wirtschaftlichen Druck nicht stand. 1939 bleiben nur noch das Hakenkreuzbanner und die Neue Mannheimer Zeitung übrig. Gegen Kriegsende 1944 wurden auch diese beiden Zeitungen „auf Kriegsdauer“ zusammengelegt.
Pressekonzentration nach 1933
Die ersten Zeitungschließungen betrafen unmittelbar nach der Machtergreifung 1933 die kommunistischen und sozialdemokratischen Tageszeitungen in Mannheim. Die kommunistische Arbeiterzeitung wurde am 28. Februar verboten. Im Untergrund wurde sie allerdings einige Jahre weiter illegal verteilt. Beispielsweise in einer Ausgabe vom Dezember 1933. Wenig später musste auch die sozialdemokratische Volksstimme ihren Betrieb einstellen. So wurde in der Nacht vom 9./10. März 1933 deren Verlagsgebäude in R 3, 14/15 von SA, SS und Polizei unter Beteiligung des Obersturmbandführers und Verlagsdirektors des Hakenkreuzbanners Kurt Schönwitz gestürmt und mit der Hakenkreuzfahne beflaggt. Verlagshaus und Druckerei wurden anschließend für den Vertrieb des Hakenkreuzbanners in Besitz genommen. Diese Übernahme wurde in einer Sonderausgabe vom 27.5.1933 von den Nationalsozialisten propagandistisch in Szene gesetzt. Doch auch der politische und wirtschaftliche Druck auf die bürgerliche und katholische Presse nahm massiv zu. Vor allem die Neue Badische Landeszeitung war aufgrund ihrer liberalen Berichterstattung und ihres jüdischen Besitzers Heinrich Gütermann den neuen Machthabern ein Dorn im Auge. Als Versuche, die Zeitung über Mittelsmänner aufzukaufen und als gleichgeschaltete Parteizeitung weiter zu betreiben, am Widerstand des Besitzers und der Belegschaft scheiterten, setzte sich die Partei deren Vernichtung als Ziel. Dem Besitzer wurde das Betreten seiner Redaktionsräume verboten. Es wurde eine beispiellose Hetzkampagne gestartet, die der Zeitung einen Großteil ihrer Anzeigenkundschaft kostete. Am 28. Februar 1934 musste die Neue Badische Landeszeitung ihren Betrieb schließlich einstellen. Auch das katholische Neue Mannheimer Volksblatt geriet durch die politischen Repressalien zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Am 17. April 1934 wurde deren Verlagsgebäude in S 2,3 von einem nationalsozialistischen Mob gestürmt. 1937 musste die Zeitung schließlich mit dem Mannheimer Tageblatt fusionieren, welches fortan Mannheimer Neues Tageblatt hieß. Dieses wiederum wurde zwei Jahre später der Neuen Mannheimer Zeitung einverleibt, die dadurch ihre Auflagenzahlen erheblich steigern konnte.
Die Neue Mannheimer Zeitung ging 1939 schließlich als wirtschaftlich potenteste Zeitung aus dem Verdrängungswettbewerb hervor und war somit die einzige verbleibende Alternative zur NS-Parteizeitung. Doch stellte sie durch die strikte nationalsozialistische Lenkung der Zeitungsinhalte kein Oppositionsblatt dar. Eine distanziertere Haltung zum NS-Regime kann mitunter zwischen den Zeilen gelesen werden. Dieser Spielraum war möglicherweise bewusst geduldet worden, um auch dem Nationalsozialismus ferner stehende Bevölkerungskreise durch weniger parteiideologische Sprache erreichen zu können. Durch die Verdrängung der Konkurrenz konnte das Hakenkreuzbanner seine Auflagenzahl massiv steigern und entwickelte sich schon bald zur auflagenstärksten Tageszeitung Mannheims mit eigenen Lokalteilen für Schwetzingen und Weinheim. Anfangs unter 10.000 Exemplaren (1932) wächst der Verkauf auf über 41.000 (1935) und schließlich auf 60.000 (1939) an. Gleichzeitig zog die Zeitungen einen Großteil der Anzeigenkunden an sich und auch die Stadt Mannheim benutzt das NS-Organ als Amtsblatt. Laut Hauptschriftleiter Dr. Wilhelm Kattermann sollte das Blatt „dazu beitragen, die Idee des Nationalsozialismus in alle Volksteile zu tragen.“ So waren von den acht großen Mannheimer Tageszeitungen, die 1932 bestanden hatten, 1939 nur noch die Neue Mannheimer Zeitung und das Hakenkreuzbanner übriggeblieben. Nachdem bei schweren Luftangriffen die Verlagsgebäude beider Zeitungen schwer getroffen wurden, wurden auch sie ab dem 1 Januar 1944 „auf Kriegsdauer“ zusammengelegt. Die Anzahl der Seiten nahm gegen Ende des Krieges immer weiter ab. Die letzte Ausgabe erschien am 23. März 1945. Zwei Tage später wurde Mannheim befreit, nachdem Einheiten der US-Army bei Sandhofen den Rhein überschritten hatten. Eine neue Zeit begann schon am 17. April mit der Veröffentlichung des Mitteilungsblattes für Mannheim, später Military Government Gazette, des ersten Zeitung im befreiten Mannheim.
Mannheimer Pressewesen nach 1945
Das Mitteilungsblatt für Mannheim war das erste offizielle Amtsblatt und zugleich die erste Zeitung nach der Befreiung Mannheims am Ende des Zweiten Weltkriegs. Sie erschien bereits am 17. April 1945, weniger als einen Monat nach der letzten Ausgabe der NS-Propagandazeitung "Hakenkreuzbanner". Das wöchentlich erscheinende Blatt diente der Stadtverwaltung und der amerikanischen Militärregierung als zentrales Kommunikationsmittel, um wichtige Bekanntmachungen für die Zivilbevölkerung zu verbreiten. Ursprünglich wurde die Zeitung unter der Schriftleitung der Stadt Mannheim veröffentlicht. Doch ab der achten Ausgabe übernahm die Militärregierung die Redaktion und benannte die Zeitung in Military Government Gazette um. Gedruckt wurde sie in der Mannheimer Großdruckerei, die zuvor zur Neuen Mannheimer Zeitung gehört hatte und bis Kriegsende auch das Hakenkreuzbanner produzierte.
Ab 1946 entwickelte sich aus der Military Government Gazette das Amtsblatt für den Stadtkreis Mannheim, das in dieser Form bis 1972 erschien.
Die erste nach dem Zweiten Weltkrieg in Mannheim erhältliche Tageszeitung war ab dem 5. September 1945 die Rhein-Neckar-Zeitung aus Heidelberg. Die erste Ausgabe des Mannheimer Morgen erschien dagegen erst am 6. Juli 1946. Der Name Mannheimer Morgen geht auf eine Vorgabe der US-Militärregierung zurück, nach der neue Zeitungen nicht an frühere Titel erinnern durften. Die Zeitung erschien zunächst unter dem Titel Der Morgen, doch da in Berlin bereits ein Blatt gleichen Namens existierte, musste der Titel bereits am 8. Oktober 1946 in Mannheimer Morgen geändert werden. Die Redaktion des Mannheimer Morgen zog in das rückwärtige Gebäude des im Krieg zerstörten Bassermann‑Hauses ein, dem früheren Sitz der Neuen Mannheimer Zeitung. Eine Druckmaschine aus dem Jahr 1932 hatte die Luftangriffe überstanden und wurde nun für die Produktion der neuen Zeitung genutzt. Anfangs erschien der Mannheimer Morgen dreimal wöchentlich mit vier bis sechs Seiten und einer Auflage von rund 71.000 Exemplaren, der damals aufgrund des Papiermangels höchstmöglichen Anzahl.
Quellen und Literatur, siehe: Weiterführende Literatur
