14. Seite/ Nummer 605 Neue Mannheimer Zeitung/ Abend⸗Ausgabe e Mittwoch, 31. Dezember 1930 Räuberiſche Erpreſſung Mannheimer Schöffengericht Am Abend des 6. November unternahm der 23 Jahre alte K raftwagenführer Friedrich Miſchler von hier eine Bierreiſe. Die erſte Station war ein Automat. Dort macht er die Bekanntſchaft des 21 Jahre alten Schreiners T. und des gleichaltrigen Spenglers O. von hier. Letzterem knöpft er 60 Pfen⸗ nig für einen Stein Bier ab, obwohl ihm O. ſagte, daß er nur noch 20 Pfennig habe, um nach ſeiner Wohnung in Feuden heim zu fahren. In einer Wirtſchaft im Jungbuſchviertel verlangt M. von O. unter Drohungen mit einem Dolche die letzten 20 Pfennig. Der geängſtigte O. ſuchte ſich nun der gefährlichen Nähe des Menſchen zu entziehen. O. iſt durch einen Unfall— ein Ziegel iſt ihm auf den Kopf gefallen— auf der rechten Seite gelähmt und ſchleppt den einen Fuß nach. Bald hatte M. den Mann eingeholt und nun wiederholt er ſeine Dro⸗ hungen unter Schwingen des Dolches mit den Wor⸗ ten:„Gib die 20 Pfennig her oder Du ſt i r b ſt.“ Der arme invalide Menſch, der ſich nicht wehren kann, gibt das Geld hin und wandert mit ſeinem lahmen Beine in der Nacht nach Feudenheim zu Fuß. Der andere Begleiter ahnte, daß ihm das gleiche Schickſal blühen würde und ging auf die Polizei, um Anzeige zu erſtatten. Eine Stunde ſpäter wiederholt ſich dieſer Vor⸗ fall an der Ecke der Werft⸗ und Hafenſtraße. Ein junger Mann, der Packer Otto Ph. wartete dort, bis ihm die Haustüre geöffnet wurde. Schon bei dem erſten Räuberſtückchen hatte der 18 Jahre alte Tag⸗ !!! x Diebes⸗ und Hehlerbande vor Gericht Vor dem Schöffengericht Offenburg fand die Verhandlung gegen 6 Angeſtellte eines Offen⸗ burger Großkaufhauſes und gegen 10 Landwirte und Handelstreibende der Umgebung Offenburg ſtatt Bekanntlich hatten die Angeſtellten(Lagerarbeiter und Fuhrleute) nach den Ermittlungen ſeit dem Jahre 1928 für mindeſtens 10000 Mark Waren aus dem Lager geſtohlen und den Kaufleuten und Landwirten auf ihre Wagen geſchafft. Das Gericht verurteilte die Diebe zu Gefängnisſtrafen von 7 bis 3 Monaten, die Hehler zu Gefängnis⸗ ſtrafen von 10 bis 2 Monaten. Die Unter⸗ ſuchungshaft wurde voll angerechnet; ſoweit die Ver⸗ Arteflten ſich in Haft befanden, wurden ſie auf freien Fuß geſetzt. Zigeunerhändel vor dem Schwurgericht Das Schwurgericht Konſtanz verurteilte den 22 Jahre alten Händler Johann Trapp zu einem Jahr Gefängnis, weil er in einem Rauf⸗ handel den Händler Zepf, der mit ſeiner Mutter ſeit Jahren nach Zigeunerart herumzog, auf dem Radolfzeller Pferdemarkt am 27. Auguſt ds. Is. durch einen Meſſerſtich ſo ſchwer verletzte, daß er ſtar b. Der 29 Jahre alte Händler Otto Röder und der 29 Jahre alte Händler Richard Benz wurden wegen Teilnahme an einer Schlägerei, durch welche der Tod eines Menſchen verurſacht wurde, zu je vier Monaten Gefängnis verurteilt. Das Kartenſpiel„Rommeé“ iſt ein Glücksſpiel Das Kartenſpiel„Komme“ iſt, wie der Bericht der Polizeidirektion München beſagt, als Glücks ⸗ ſpiel anzuſprechen. Das wurde auch durch gericht⸗ liche Urteile beſtätigt. Da dieſes Spiel in München eine gewiſſe Verbreitung gefunden hat, macht die Polizei die Inhaber von Gaſtſtätten ſowie Gaſtwirte darauf aufmerkſam, daß ſie dieſes Spiel in ihren Lokalen nicht dulden dürfen, ſie ſetzen ſich ſonſt der Einleitung eines Strafverfahrens wegen . 5 6 , ROMAN VoN GERTRUD WEYVMAR-H Ex ——— 32 Herbert Hagen wurde nicht Schande“ fortgeſchickt. Man hatte nur höfliche und glatte Worte für ihn. Herr Rudolf Hennes ſprach allerdings überhaupt nicht mit ihm; mit Leuten, die ſich micht bewährt hatten, hielt er ſich prinzipiell nicht auf. Am Verlobungstage übergab Hanns⸗Peter im Auftrage ſeines Vaters das Geld für die Rück⸗ reiſe und das Honorar für den laufenden Monat. (Nachdruck verboten.) „mit S chimpf und „Papa meint, du würdeſt dein Studium nicht länger unterbrechen wollen.“ Dieſe Anſicht ſeines Vaters kam ihm übrigens ſehr gelegen. Herbert war ihm plötzlich im Wege. Er ſah deſſen gemeinſame Spa⸗ ziergänge und Muſeumsbeſuche mit Anna Nicola⸗ jewna in Berlin, über die er ſich früher nur ſauft beluſtigt hatte, nachträglich in einem ganz anderen Lichte. Unter den Fettpolſtern ſeines Buſens regte ſich der Othello. „Ich fahre noch heute“, ſagte Herbert beleidigt. Und Hanns⸗Peter machte nur einen ganz ſchwachen Höflichkeitsverſuch, ihn davon abzubringen. Ihre zuletzt beinahe freundſchaftlichen Beziehungen zueinander waren auf einmal verblüht und zerflat⸗ tert. Das iſt in der Jugend oft ſo. Man meint ſich mit Ketten verbunden, und dann waren es nur Spinnweben, die der erſte Windhauch hinwegbläſt. Herbert glaubte, es ſchuldig zu ſein, daß er Anna Nicolajewna, dem falſchen, treuloſen Weibe, grollte. Als er ſich von ihr verabſchiedete, war ſein ſchmales Geſicht ſtarr vor Verachtung. Sie ſchien es aber nicht zu merken, ſondern ſtrich ihm ſacht über das blonde Haar. Er zog unwillig den Kopf zurück.„Alſo deshalb mußten wir nach Nizza fahren!“ ſagte er barſch. „Jetzt durchſchaue ich das ganze Theater.“ Sie nickte mit ihrem raſch vorüberzuckenden, ſchmerzlichen Lächeln.„Später einmal— wirſt du löhner Joſef B. von hier, der ſich unterwegs zu den Dreien geſellt hatte, eine höchſt zweifelhafte Haltung eingenommen. Hier griff er nun aktiv ein. Sie lockten dem jungen Manne, der ſie um Feuer ge⸗ beten hatte, je 10 Pfennig heraus, dann zupfte B. an der Weſtentaſche des Ph., aus der er die 10 Pfennigſtücke genommen und ſagte:„Das kleppert ja noch“. Darauf nimmt er ihm die letzten 60 Pfennig aus der Taſche, während ſein Komplize unheildrohend ihm im Rücken ſteht. Noch in der Nacht wurden die Raubgeſellen ver⸗ haftet. Beide Angeklagte ſchützten in der Verhand⸗ lung Trunkenheit vor. M. wollte von gar nichts wiſſen. Staatsanwalt Haas verwies auf die Unſicherheit im Jungbuſchviertel, dem endlich geſteuert werden müſſe und beantragte gegen M. eine Gefängnisſtrafe von 1 Jahr 9 Monaten und gegen B. 9 Monate. Der Verteidiger Bs. R. A. D. Nauen, ah in dem jungen Menſchen nur ein Opfer des älteren M. und erſuchte um eine weſentlich mildere Strafe für ſeinen Maudanten Das Urteil lautete für M. auf 1 Jahr 3 Monate Ge⸗ fängnis und für B. auf 4 Monate. Die erſte Tat betrachtete das Gericht als räuberiſche Erpreſſung mit Anwendung von Waffen, die zweite im Sinne des Staatsanwalts als erſchwerten Diebſtahl. Das Ge⸗ richt zog alle Milderungsgründe heran, um die An⸗ geklagten vor dem Zuchthaus zu bewahren. Glückſpielens aus. Auch macht ſich jede Perſon ſtrafbar, die ſich an einem Glücksſpiel in einem öffent⸗ lichen Lokal beteiligt. Als öffentlich veranſtaltete gelten auch Glücksſpiele in den Vereinen und in ge⸗ ſchloſſenen Geſellſchaften, in denen Glücksſpiele ge⸗ wohnheitsmäßig durchgeführt werden. Sportliche Runoͤſchau Erſter Emmendinger Vorklub in Baſel knapp geſchlagen Marathon Baſel ſiegte:4 Ein in Baſel für Boxkämpfe ſeltenes Intereſſe hatte das Treſſen Marathon Baſel gegen den Emmen⸗ dinger Boyrklub om Samstag abend im Greifen⸗ bräuhaus Baſel aufzuweifen, waren doch über 1000 Zu⸗ ſchauer erſchienen, die an den Vorgängen im Ring regen Anteil nehmen. Emmendingen rechtfertigte ſeinen guten Ruf und gab ſich erſt nach tapferem Widerſtand geſchlagen. Marathon Baſel konnte im Schwergewicht keinen Gegner ſtellen, wodurch Emmendingen, das ſeinen guten Schwer⸗ gewichtler Seiler zu Hauſe laſſen mußte, im voraus be⸗ nachteiligt war. Dazu kam noch, daß Emmendingen mit 2 Erſatzleuten antreten mußte, während Marathon neben den Schweizer Meiſtern Klipfel und Buſer ſeine beſten Kräfte entgegenſtellte. Unter Berückſichtigung dieſer Um⸗ ſtände hat Emmendingen einen Achtungserfolg errungen, zumal Spörſn und Sillmonn mit den Schweizer Meiſtern unentſchieden kämpften. Als erſtes Paar betraten im Bantamgewicht Sillmann⸗ Emmendingen und Buſer⸗Baſel vom Publikum beiſällig begrüßt den Ring. Beide gingen in lebhaftem Schlagaus⸗ tauſch über die Runden, wobei ſich Sillmann in großer Form zeigte, die den Schweizer Meiſter zu keinem Vor⸗ teil gelangen ließ. Dos gegebene Unentſchieden entſprach dem Verlauf des ſchönen Kampfes. Im Federgewicht war der Erſatzmann Siegriſt⸗Emmendingen zu unerfahren, um dem geriſſenen Lemm⸗Baſel auf die Douer ſtandhalten zu können. Lemm ſiegte in der 2. Runde durch k. o. Den nächſten Kampf beſtritten Rudin⸗Baſel und Stahl⸗Emmen⸗ dingen. Es wurde erbittert um den Erfolg gekämpft, Rudin blieb ſeinem immer wieder angreifenden Gegner nichts ſchuldig und ſo war auch die zweite Runde ausgeglichen. In der Endrunde ging der bis dahin friſchere Emmen⸗ dinger zum Endſpurt über und ſiegte klar nach Punkten. Im Kampfe gegen den Schweizer Meiſter Klipfel⸗Baſel mich vielleicht verſtehen.“ Das Du war ihr unwill⸗ kürlich auf die Lippen gekommen. Trotz ſeiner neun⸗ zehn Jahre hatte er noch einen ſo hübſchen, herben Knabenmund. Wie Boris, dachte ſie,— wie mein kleiner Bruder. Und ſie ſtrich ihm nochmals über das Haar. Dann küßte ſie ihn plötzlich feſt und herz⸗ lich auf den Mund. Und dann ſchob ſie ihn zur Tür hinaus. Er ging, wie betäubt. Sie legte noch eine Weile die Hand über die Augen. Das war noch ein anderer Abſchied geweſen und hatte mehr zu bedeuten gehabt, als die Trennung von die⸗ ſem jugendlichen Verehrer. In dieſem Augenblick hatte ſie auch Abſchied genommen von ihrem bisheri⸗ gen Leben, von der ſchweren, armſeligen und doch, ſo wollte es ihr jetzt ſcheinen, nicht ganz glückloſen Zeit in Berlin.— Nein, nein, ſie belog ſich ſelbſt. Es war gräßlich geweſen, ein großes Elend, nicht mehr zu ertragen! Sie wäre zugrunde gegangen, wenn es noch länger gedauert hätte!——— Es iſt angenehmer, vom Winter in den Frühling zu fahren, und es iſt leichter, aus einem kargen und engen Leben in ein reiches, üppiges hinüberzu⸗ wechſeln, als umgekehrt. Beides erfuhr Herbert in den nächſten Stunden und Tagen. Er war zwar auf der Reiſe ſo ſehr mit ſich und ſeinen Sorgen beſchäf⸗ tigt, daß er wenig darauf achtete, wie ſich die Land⸗ ſchaft, die draußen vorüberflog, wandelte. Bald kam auch die Nacht. Und am Morgen waren die Fenſter⸗ ſcheiben beſchlagen. Erſt als er in Berlin am An⸗ halter Bahnhof ſtand und frierend ſeinen Mantelkragen hochſtellte, weil ihn der Februarabend naßkalt anhauchte, als die Straßen manſchbraun vor ihm lagen und die Häuſer und Bäume im bleichen Schneelicht ſchwammen lin einem ſonderbar fahlen Licht, darein die Lampen u. Reklamen keinen goldenen Schimmer zu gießen vermochten, das ſie nur mit far⸗ bigen Tupfen beſäten), als er die ganze Troſtloſigkeit der ſonnenfernen Jahreszeit ſpürte, empfand er das Unnatürliche dieſes Zurückkehrens vom Frühling in den Winter. Er war aus dem Bahnhofe getreten, an der einen Hand ſeinen durchaus nicht leichten Koffer, an der anderen die Reiſetaſche. Die Dienſtleute hatte er abgewieſen. Aber einen Augenblick war er doch in Verſuchung gekommen, eine Autodroſchke zu nehmen. Rechtzeitig fiel ihm noch ein, daß er nur noch eine verhältnismäßig kleine Summe beſaß. Es hieß alſo ſparen. Er war, genau wie im vorigen Jahre bei ſchten Spürin⸗Emmendingen ſich viel vorgenommen zu hoben. Er ging jeden Schlagwechſel mit und lieferte dem Meiſter ein hervorragendes Gefecht, das mit einem gerech⸗ ten Unentſchieden endete. Im Mittelgewicht ſtanden ſich Fiſcher⸗ Emmendingen und Statble⸗Baſel gegenüber. Fi⸗ ſcher, der ſich in den beiden erſten Runden tapfer zur Wehr ſetzte, hatte in der Endrunde das Pech, ungedeckt in einen Schwinger des Schweizers zu laufen, der ihn über die Zeit zu Boden zwang. Sieger Staible durch k. v. K. C. De geshauleſicles Donnerstag, 1. Januar Nationaltheater:„Peterchens Mondfohrt“, Märchenſpiel von Gerdt v. Baſſewitz, Anfang 15 Uhr.—„Hoffmanns Erzählungen“, Phant. Oper von J. Offenbach, Miete D 17, Anfang 19,30 Uhr. Roſengarten— Nibelungenſaal: Operetten⸗Volksvorſtel⸗ lung. Erſtes Gaſtſpiel Rudolf Seibold, München:„Wie⸗ ner Blut“, Anfang 20 Uhr. Apollo⸗Theater: Gaſtſpiel Irene von Palaſty in„Jim und Jill“, Anfang 15,30 und 20 Uhr. Planetarium: 16 und 16,30 Uhr Beſichtigung; 17 Uhr Vor⸗ führung mit Vortrag„Ein aſtronomiſcher Ausblick in das Jahr 1931“. Hl. Geiſtkirche: Kirchenmuſik, vorm. 9,30 Uhr. Lichtſpiele: Alhambra:„Das Land des Lächelns“.— Univerſum:„Das Flötenkonzert von Sansſouct.“— Palaſt⸗Theater:„Die Drei von ber Tankſtelle“. — Gloria:„Nur eine Nacht“.— Scala⸗Theater: „Die Drei von der Tanfkſtelle“. Schauburg: „Kaſernenzauber“.— Royy:„In Wien hab ich einmal ein Mädel geliebt“.— Capitol:„Zwei Welten“. — Lichtſpielhaus Müller:„Wolga⸗Wolga“. Morgen⸗Aufführung im Alhambra:„Walter Mittelholzers Afrika⸗Flug 1930“, Anfang 11,30 Uhr. Sehensmürdigkeiten: Abkühlung, ſtrichweiſe noch Niederſchläge, aufheiternd. Gebirge: Schneefälle bei müßigem Froſt. Abflauende Winde Der Einbruch ſubtropiſcher Warmluft iſt bei uns heute nacht erfolgt und hat allenthalben plötzlichen Temperaturanſtieg gebracht. Im Gebirge iſt daher bis etwa 1000 Meter Höhe vorübergehend Tauwetter eingetreten. Darüber halten ſich die Temperaturen noch um null Grad. In der Ebene herrſchte heute früh bis elf Grad Wärme. Die mit dem Warmluft⸗ vorſtoß verbundenen Niederſchläge ſetzten bereits ge⸗ ſtern abend ein und fielen nur auf dem Hochſchwarz⸗ wald als Schnee. Gleichzeitig hat der Südweſt ſtark aufgefriſcht. Von Nordweſten rücken jetzt kühlere Luftmaſſen heran, ſo daß im Gebirge mit baldiger Wiederher⸗ ſtellung des winterlichen Froſtwetters gerechnet wer⸗ den kann. In tiefen Lagen wird es in Aufheiterungs⸗ gebieten zu leichten Nachtfröſten kommen. Aus Nundfunk⸗Programmen Donnerstag, 1. Januar 07.00: Königs wſt.: Gymnaſtik; Köln: Konzert. 08.00: Stuttgart: Zum Neujahrsmorgen. 08.30: Frankfurt: Evang. Morgenfeier. a 09.00: Königs wſt.: Morgenfeier; Köln: Katholiſche Morgenfeier; München: Evang. Morgenfeier. 10.00: München: Kath. Morgenſeier. 10.30: Frankfurt: Konzert; anſchl. Vortragsſtunde. 11.00: Königs wſt.: Neujahrsglückwünſche; Mün⸗ chen: Konzert; Stuttgart: Kath. Morgenfeier. 11.30: Königs wſt.: Caruſo ſingt. 12.00: Königs wſt., Frankfurt: Konzert; Mün⸗ chen: Militärkonzert; Stuttgart: Muſikaliſche Morgenfeier; anſchließend Kapitel der Zeit und Konzert. 14.00: Frankfurt. Stuttgart: Jugendſtunde. 15.00: Frankfurt: Konzert; Stuttgart: Leſe⸗ ſtunde von Mauüheim. 15.30: M nchen: Orgelkonzert; Stuttgart: Mu⸗ ſtkaliſches Hörbild. r Leſeſtunde. Frankfurt, Stuttgart: Konzert von Mannheim; Köln, München: Konzert; Wien Strauß⸗Konzert. 16.00: 16.30: 17.00: Frankfurt, Stuttgart: Konzert. 18.05: München: Oper„Walküre“. 18.45: Berlin: Konzert; Frankfurt: Vortrag: Heilsberg: Konzert; Stuttgart: Vortrag. 19.00: Breslau: Liederſtunde; Frankfurt: Heltere Literariſche Stunde; Stuttgart: Klavierkonzert. Berlin: Dichterſtunde; Königs wſt h, Frank⸗ furt, Stuttgart: Vortrag: 10 Jahre Reichs⸗ wehr; Mailand, Turin: Konzert; Zürich: Oper„Lohengrin.“ 19.80: 19.40: London 1, 2: Konzert; Wien: Luſtiger Wiener Abend. 20.00: Berlin, Breslau, Heilsberg: Oper „Othello“; Frankfurt, Stuttgart: Konzert; Samburg: Das Haus der Norag; Köln: Sport; Oslo: Kammermuſik. 5 Frankfurt, Stuttgart, Köln: Oper„Die Entführung aus dem Serail.“ Budapeſt: Zigeunermuſik; Bukareſt: Sin⸗ foniekonzert; Daventry: Konzert. London 1. 2: Konzert; Tſchechiſche Sen⸗ der: Blasmuſik. Mailand, Turin: Sinfoniekonzert; Stock⸗ holm: Konzert. München: Tanzmuſik; Wien: Jazzmuſik. Berlin, Breslau, Heilsberg, Katto⸗ witz, Warſchau: Tanzmuſik. 0 . Der Rundfunk im neuen Jahr Der 1. Januar bringt gleich zwei Veranſtaltungen aus Mannheim: Um 15.00 Uhr gibt Walter Jenſen, Heidelberg in einer Leſeſtunde„Koſt proben bad i⸗ cher Dichter.“ um 16.30 uhr bringt das Kergl⸗ Quartett das Streichquartett in Es⸗dur op. 38 von Julius Klaas zur Uraufführung. Während die erſte Veranſtaltung nur über den Sender Mühl acker geht, wird das Konzert über Frankfurt und Mühlacker verbreitet werden. Ueber Königs⸗ wuſterhauſen, Frankfurt und Stuttgart iſt um 19.30 Uhr Reichs wehrminiſter Groe ner zu hören, der über„10 Jahre Reichs wehr“ ſpricht. Hamburg beginnt um 20.00 Uhr eine Wanderung durch das Hamburger Funkhaus und ſendet aus den ein⸗ zelnen Beſprechungsräumen, ſolche Stücke, für deren Darbie⸗ tungen die einzelnen Räume jeweils beſtimmt ſind.— Aus Wien iſt ab 16.30 Uhr ein Johann Strauß⸗Kon⸗ zert zu hören, deſſen Leitung Jo h. Strauß(Enkel) inne hat. Am Freitag wird aus dem Gloria⸗Palaſt, Mannheim ein Orgelkonzert um 12.00 Uhr über⸗ tragen, das von Organiſt W. Locks ausgeführt wird und das Muſik aus Tonfilmen bringt. Den Berufskundlichen Vortrag um 1808 Uhr hält Frau Dr. Edelmann, die über„Die Berufswahl der Mädchen unter dem Ge⸗ ſichts punkte der körperlichen Eignung“ ſpricht.— Der Aerztevortrag um 19.05 Uhr von Mannheim behandelt„Das Blut und die Blutkrankheiten(“.— Wien bringt um 20.15 Uhr ein Konzert der ehemaligen Hofburgkapel ke. Ein Konzert„Alte Muſik“(aus dem 17. und 18. Jahrhundert) wird am Samstag um 19.15 Uhr aus AK Mannheim über Mühlacker übertragen. Aus 5 führende ſind: Lene Heſſe, Hans Mayer, Walter Kötſcher und Kapellmeiſter Mar Sinzheime 3 Aus dem Berliner Metropol⸗Theater wird um 2115 Uhr von den Sendern Berlin, Heilsberg und Kö⸗ nigswuſterhauſen der 2. Akt der Leharſchen Operette„Schön iſt die Welt“ mit Richard Tauber und Gitta Alpar übernommen. Der Schwäbiſche Heimatabend des Süd fun ks um 20.00 Uhr, wird auch über eine Reihe andsrer deutſcher Sender gehen. e 20.15: 20.45: 21.00: 21.45: 22.45: 23.00: — Chefredatteur: Kurt Fiſcher Verantwortlich für Politik: H. u. Meißner Feuilleton: Or. Stefan Kayſer ommunalpolitik u. Lokales: Richard Schönfelder Sport u. Vermiſchtes: Willy Müller Handelsteil: Kurt Ehmer- Gericht und alles übrige Franz Kircher— Anzeigen und geſchäftliche Mit⸗ teilungen Jakobſgaude, ſämtlich in annheim— Herausgeber, Drucker und Verleger: Druckerei Dr. Haas, Neue Mannheimer Zeitung G. m. b.., Manndeim. R 1.—6 5 Für unverlangte Beiträge keine Gewühr— Rückſendung erfolgt nur bel Rückporto Geſchäftliche Mitteilungen Mit dem Eſſen ſoll man aufhören, wenn es am beſten mundet, doch Weihnachten wird dieſe bewährte Regel wohl am häufigſten übertreten. Die Folgen ſind Verdauungs⸗ ſtörungen. Magenbeſchwerden und das ſehr unangenehme Sodbrennen. Etwas„Bullrich Salz“ bringt hier ſofortige Erleichterung und eine reibungsloſe, angenehme Ver⸗ dauung. Aber warten Sie nicht, bis die Beſchwerden ſich einſtellen; nehmen Sie dieſes in ſeiner Wirkung ſeit über 100 Jahren unübertroffene Mittel als Vorbeugung gegen* 5 die läſtigen Beſchwerden ſofort nach jeder Mahlzeit. Mil⸗ lionen nehmen„Bullrich Salz“ täglich; es iſt vollkommen unſchädlich und ſelbſt bei dauerndem gleichbleibender guter Wirkung. Gebrauch von ſtets S5 ſoweit, wie damals. Die Epoche Hennes lag hinter ihm wie ein ſchönes Märchen. Er mußte ſehen, daß er eine ganz billige Bude fand. Ins Studentenheim ging er natürlich nicht zurück, auch wenn man Platz für ihn gehabt hätte. Die Blamage nahm er nicht auf ſich. Ach, er war eigentlich noch ſchlechter daran, als damals. Denn jetzt hatte er auch noch Schulden — beim Schneider, im Schuhgeſchäft, beim Friſeur. — Wenn die Manichäer hörten, daß er nicht mehr bei Hennes war, würden ſie natürlich ihr Geld haben wollen. Er hatte ſich ſchon während der Fahrt überlegt, daß es am beſten ſein würde, dieſe Nacht in einem einfachen Hotel zu ſchlafen und morgen gleich nach Schönſtadt zu fahren. Er beſaß zwar noch Geld genug, um den halben Monat hier zu leben. Aber auf die Schulden mußte er mindeſtens in den näch⸗ ſten Tagen eine größere Abſchlagszahlung machen. Es hatte nun keinen Zweck, an die Mutter oder an Horſt um Geld zu ſchreiben. Er hätte ja ein ganzes Buch ſchreiben müſſen, um alles zu erklären. So etwas erzählte ſich beſſer. Er verſprach ſich auch viel mehr von ſeinem perſönlichen Einfluß auf die Mut⸗ ter. Sie konnte ihm ſchließlich doch nicht„Nein“ ſagen und würde Horſt ſchon beſtimmen, ihm das Nötige zu geben. Er fuhr dann ſofort nach Berlin zurück. Länger als zwei Tage würde es kaum dauern. Hatte er in dieſem Semeſter ſchon ſo viele Kollegs verſäumt, kam es nun auf ein paar mehr auch nicht an.—— Als Horſt am nächſten Mittag in der Wohnung anrief, um ſich, wie alltäglich, zum Eſſen anzumelden, da er eine beſtimmte Zeit nicht immer einhalten konnte, ſagte ihm ſeine Mutter:„Herbert iſt da.“ Er erſchrack. Das hatte natürlich nichts Gutes zu bedeuten. An frohe Ueberraſchungen war er ja von Herbert nicht gewöhnt.„Herbert? Jetzt— mitten im Semeſter?“ 25 „Ja, er iſt ſeit ein paar Stunden hier. Er wollte dich nicht ſtören.“ „Wie rückſichtsvoll!“ Er legte den Hörer auf die Gabel. So ein feiger Bengel! Nattrlich ſteckte er ſich hinter die Mutter.— Im Korridor oben begegnete ihm die Anna mit der Suppenſchüſſel. Er öffnete ihr hilfreich die Zim⸗ mertüür. Sie ſtreifte ihn mit einem warmen, faſt mütterlich beſorgten Blick. Daß der Herbert gekom⸗ men war, bedeutete ſicher wieder nur Aerger und Aufregung für ihn. Die Sorgenfalte ſtand ſchon zwiſchen ſeinen dunklen Brauen. Wenn ſie ihn doch ſeiner Ankunft in Berlin nach dem Tode des e auf die Straßenbahn angewieſen. Jawohl, er ma hätte tröſten dürfen! Aber ſie war nur ein Dienſt⸗ Die Mutter machte ſich an der Kredenz zu ſchaffen. Herbert lehnte am Büfett und rauchte eine Ziga⸗ rette. Er trug eine möglichſt gleichmütige Miene zur Schau.„Mahlzeit, Horſt.— Tja, ich muß euch leider heimſuchen. Hennes hat ſich verlobt. Und da bin 1 überflüſſig. Auf die Ehe kann ich ihn ſelbſtverſtänd⸗ lich nicht vorbereiten. Das wäre zuviel verlangt.“ Er lachte mit dieſem leichſinnigen Meckern, mit dem Hanns⸗Peters Freunde ihre Witze zu begleiten pflegten. Es wirkte auf Horſt in dieſem Augenblick doppelt abſtoßend. „Wir wollen erſt eſſen,“ ſagte er abweichend, denn Inge kam ſoeben herein.„Ueber dein Anliegen kannſt du mir nachher berichten. Appetitanregend wird es kaum wirken.“ „Wie du willſt.“ Inge ſah Herbert böſe an und ging auf ſeine halb verlegenen Neckereien nicht ein.„Er iſt ein rich⸗ tiges blaſiertes Ekel,“ erzählte ſie ſpäter ihrer Freundin.„Ich möchte ihm am liebſten die Augen auskratzen.“ Nur die Mutter hatte freundliche Worte für den „armen Jungen,“ wie ſie ihn bei ſich nannte. Sie 4 glaubte ihm alles. Die reichen Leute hatten ihn aus genutzt und rückſichtslos im Stich gelaſſen, als ſie ihn nicht mehr brauchten. Vielleicht trug er auch eine erſte Herzenswunde mit ſich herum. Dieſe ruſſiſche Gräfin! Er hatte das nur ganz ſchamhaft angedeu⸗ tet. Sicher liebte er ſie und litt an der Enttäuſchung. Armer Junge! Horſt brauchte wirklich nicht ſo ſchroff 5 und ſo höhniſch gegen ihn zu ſein. Es war ja fatal, N daß er wieder Geld brauchte und eine verhältnis⸗ mäßig hohe Summe. Aber ſie würde ſich ſchon be⸗ ſchaffen laſſen. Ihr Mann hatte doch auch ſtets jede Summe beſchafft, die gebraucht worden war. Horſt verſtand wahrſcheinlich nur noch zu wenig vom Ge⸗ ſchäft oder er war überängſtlich. Nun ſaß er wieder da mit einem Geſicht, wie drei Tage Regenwetter. Und Inge, die ihn fonſt immer aufzuheitern wußte, verſagte heute vollkommen. Der Trotzkopf wollte ein⸗ fach nicht. Sie hatte Herbert vorhin, als ſie aus der Schule gekommen war, kaum die Hand zur Begrü⸗ ßung gegeben und gleich ſchnippiſch bemerkt: Ach, du lieber Himmell Du willſt doch bloß Geld. Armer Hocky!“— Die Krabbe wurde überhaupt in letzter Zeit recht vorlaut. Sie war ja allerdings trotz ihrer dreizehn Jahre kein Kind mehr. Darum paßte N * aber auch das übertriebene, zärtliche Getue mit dem großen Bruder nicht mehr für ſie. Man mußte ihr das gelegentlich mal klarmachen. Frau Hagen ſeufzte.. ſeine liebe Not mit den Kindern. bote und mußte ſtill ſein. 8 Man hatte ſchon ortfetzung folgt) 25
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141 (31.12.1930) 605. Abendblatt
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