1 e l Beſprechung lichen der Umwelt. 2, Seite. Nr. 1 8 Neue Maunheimer Zeitung(Morgen ⸗Ausgabe) Donnerstag, den 2. Janu. 5 e, Regierungen und Völker im Namen des Dautſchen Reiches und im eigenen Namen meine aufrichtigſten und herzlichſten Neujahrswünſche aus. Nach dem Austauſch der Anſprachen begrüßte der Reichspräſident die einzelnen Botſchafter, Geſandten und Geſchäftsträger und wechſelte mit ihnen Neu⸗ jahrswünſche. * 1 5 2 1* An dem Empfang nahmen Reichskanzler Hermann Müller, Reichsminiſter des Curtius, die Staatsſekretäre Meißner und Dr. v. Schubert, der Chef des Protokolls Graf von Tattenbach ſowie die Herren der Uum⸗ gebung des e teil. Weitere Glückwülnſche Um 1 Uhr brachte das Reichstagspräſi⸗ diu m, beſtehend aus dem Reichs tagsspräſidenten Löbe und dem Vizepräſidenten des Reichstags v. Kardorff, dem Herrn Reichspräſidenten die Glückwünſche des Reichstags dar. Anſchließend er⸗ Auswärtigen Dr. Dr. ſchien eine Abordnung des Reichs rats, beſtehend aus dem Preußiſchen Miniſter für Wiſſenſchaft, Kunſt und Volksbildung Dr. Becker, dem Sächſiſchen Geſandten Dr. Gradnauer, dem Württembergiſchen Geſandten Dr. Bosler und dem Braunſchweigiſchen Geſandten Exzellenz Boden, die die Glückwünſche des Reichsrats ausſprachen. Die Glückwünſche der Wehrmacht überbrach⸗ ten der Reichswehrminiſter Dr. h. e. Groener, der Chef der Heeresleitung General Heye und der Chef der Marineleitung Admiral Dr. h. c. Raeder. Generaldirektor Dr. h. c. Dorpmüller, der ſtändige Stellvertreter des Generaldirektors, Reichs⸗ bahndirektor Dr. Weirauch und Reichsbahndirektor Staatsſekregär a. D. Vogt überbrachten die Glück⸗ wünſche der Deutſchen Reichsbahn. Anſchließend erſchienen Reichsbankpräſident Dr. Schacht, Vize⸗ prüſtdent Dreyſe und Geh. Oberfinanzrat Budezies, um den Reichspräſidenten die Glückwünſche des Reichsbankdirektoriums auszuſprechen. Nach Beendigung der Empfänge trat der Reichs⸗ präſident auf den Balkon ſeines Hauſes und wurde von der in der Wilhelmſtraße verſammelten Volks⸗ menge durch lebhafte Hochrufe begrüßt. Ein deutſcher Prinz Verkauf deutſchen Grundbeſitzes an Polen [Drahtbericht unſeres Berliner Büros) Berlin 1. Januar. Wie ſich dieKreuzzeitung aus Kolberg berichten läßt, hat der im ſüdlichen Teil der Grenzmark an⸗ ſäſſige Prinz zur Lippe einen Teil feines Rittergutes Woynowo an polniſche Bauern verkauft. Die Polen ſind durch billige, bzw. zins⸗ loſe Kredite aus ſtaatlichen polniſchen Fonds über die Bank Ludowy in Stand geſetzt, Preiſe zu zahlen, die das Mehrfache des Wertes erreichen. Die Stim⸗ mung der deutſchen Landbevölkerung iſt außer⸗ orbefttlich erregt, ſodaß mit Ausſchreitungen bei weiteren Verkäufen deutſchen Bodens an Polen gerechnet werden muß. Der SatzNoblesse oblige verliert, wie es ſcheint an Giltigkeit, wenn der Pole mehr Geld zahlt, als der Deutſche! Das merkwürdige Verhalten dieſes Prinzen wird die Anhänger der Monarchie zweifellos beträchtlich vermehren! Berlin will ſparen [(Drahtbericht unſeres Berliner Büros) Berlin, 1. Jan. Der Berliner Magiſtrat hielt am Silveſtertag eine außerordentliche Sitzung ab, in der Bürgermeiſter cho tz über die Finanzlage berichtete. Der Magi⸗ trat kam zu dem Beſchluß, noch über das urſprüng⸗ liche Sparprogramm nach Möglichkeit hinaus zu⸗ gehen und alle nicht unbedingt erforderlichen Aus⸗ gaben zu vermeiden. Vor der Sitzung hatte Bürgermeiſter Scholtz eine mit den Bezirksbürgermeiſtern. Sie endete mit der Bildung eines ſechsgliedrigen Aus⸗ ſchuſſes, der dem Magiſtrat Vopſchläge über die Aus⸗ gaben der Bezirke unterbreiten ſoll, die in den Rächſten Monaten unbedingt geleiſtet werden müſſen. Neujahrsempfang in Karlsruhe Im feierlich beleuchteten Bad. Landesthea⸗ ter war vormittags ½2 Uhr der traditionelle Feſtakt, zu dem die Badiſche Staatsregierung eingeladen hatte. Man bemerkte unter dem viel⸗ hundertköpfigen Auditorium die Mitglieder des Staatsminiſteriums, den Landtagspräſtdenten, die Spitzen der Reichs⸗ und Landesbehörden, die Ver⸗ treter der Kirchen, der Stadtverwaltung und ſonſti⸗ gen öffentlichen Körperſchaften, der Preſſe, der Be⸗ rufsorganiſationen, Gewerkſchaften uſw., ferner die Prominenten des geiſttgen und kommerziellen Le⸗ bens unſeres Landes, Mitglieder des Parlaments, kurzum Angehörige aller Geſellſchafts⸗ und Er⸗ werbskreiſe Badens. Den Auftakt bildete das Vorſpiel zu den Meiſter⸗ ſingern, geſpielt vom Landestheaterorcheſter unter Leitung des Generalmuſikdirektors Krips. Darauf betrat Honorar⸗Profeſſor Dr. Ott, Direktor des RealgymnaſtumsGoetheſchule, das Rednerpult zu ſeinem Feſtvortrage über Staat und Erziehung zum Staat. Er wies darauf hin, daß die Schule mit ihrer Auf⸗ gabe der Erziehung zum Menſchen und zum Staate heute wieder ſtärker als je eine öffentliche Ange⸗ legenheit geworden ſei. Die Wanderbewegung kenn⸗ zeichne den Drang der Jugend zur Selbſtverantwor⸗ tung, die zur tiefſten Wurzel des Gemeinſchafts⸗ gefühls werde. Mit den jugendlichen Grundforde⸗ rungen der Freiheit, der Selbſtverantwortung, des Gemeinſchaftsgeiſtes, des Lebensernſtes und des Glaubens an eine Zukunft ſollten die Kräfte bloß⸗ gelegt werden, aus denen ſich im Spiegelbilde jugendlichen Lebens unſer eigener Staat neu auf⸗ baut. Und die Erziehung zum Staate habe eine Verwandtſchaftlichkeit der Grundlagen der Jugend mit denen des Staates zur Vorausſetzung. Dieſe ſchuliſche Erziehung ſei in vollem Gange: einmal als Lebensform in den freien Schulen, dann als unter⸗ richtliches Fach, als Staatsbürgerkunde oder Selbſt⸗ verwaltungstheorie an den Staatsſchulen. Das Zu⸗ geſtändnis der Selbſtverwaltung an die Schüler⸗ ſchaften erfordere eines: die Selbſtſicherheit des Führers und Lehrers. Im Anſchluß an die mit großem Beifall auf⸗ genommenen Darlegungen Prof. Otts brachte Die Liquidation des deut ſchen Eigentums Ein deutſch⸗franzöſiſches Abkommen Am Dienstag iſt in Ausführung der Empfeh⸗ lung des Noungplanes Kapitel 9 Abſatz 4 zwiſchen Deutſchland und Frankreich ein Abkommen über die endgültige Einſtellung der Liquidationen und die Freigabe des noch nicht liquidierten dent⸗ 1 55 Eigentums abgeſchloſſen worden. Ein bedeutſamer Prozeß Vor dem amerikaniſchen Bundesgericht begann die Verhandlung der Klage des Verwalters des im Kriege beſchlagnahmten feindlichen Eigentums gegen die Eaſtman Kodak Co. auf Zahlung von 853 000 Dollar an Dividenden auf 28 450 beſchlag⸗ nahmte Aktien der Eaſtman Kodak Co., die ſich früher im 1 Vereinigte Fabriken photographi⸗ ſcher Papiere in Dresden befanden. Die Anwälte des Verwalters des feindlichen Eigentums übten ſcharfe Kritik an dem Vorgehen der Eaſtman Kodak Co., die die Aktien für nichtig erklärte, weil der mit dem deut⸗ ſchen Konzern abgeſchloſſene Vertrag angeblich gegen die Antitruſtgeſetze verſtoße. Die Hamburger Enthüllungen (Drahtbericht unſeres Berliner Büros) Berlin, 1. Januar. Zu dem Hamburger Rundſchreiben, in dem von neuem Putſchabſichten der Kommuniſten und einem Generalalarm am 12. Januar die Rede iſt, uimmt jetzt das Zentralkomitee der KPD. offiziell Stellung. Wie dieRote Fahne, ſo bezeichnet auch die Leitung der KPD. das Dokument alseine von Anfang bis Ernſt Varlach Zu ſeinem 60. Geburtstag am 2. Januar Von Carl Dietrich Carls Ernſt Barlach, der hervorragende Plaſtiker, Dra⸗ matiker und Graphiker wird heute ſechzig Jahre alt. Es gibt heute wenige Künſtler, die in ilrer Entwick⸗ lung ſo wenig von der Stunde beſtimmt worden ſind, die ſo wenig den Ablenkungen der Zeit nachgegeben haben wie er. Sein Werk zeigt eine unüberbietbare Geſchloſſenheit und Wucht. Von der Intenſität und der umfaſſenden Geiſtigkeit dieſes Künſtlers zeugt es, daß ſich ſeine Art in allen drei Künſten, die er aus⸗ übt, gleich ſtark ausprägt. Dr Graphiker in ihm ſteht nicht hinter dem dramatiſchen Dichter, der Dichter nicht hinter dem Plaſtiker zurück. n Die Kunſt Barlachs weiſt ausgeſprochene Zeichen nordiſchen Geiſtes auf. Sie iſt engverbunden mit der niederdeutſchen Landſchaft, in der ſie gewachſen iſt. Dieſe Bindung beſchränkt jedoch keineswegs ihre Wirkungsweite, da Barlach die landſchaftlich be⸗ dingten Beſtandteile ſeiner Kunſt durch ſeine Geſtal⸗ tungsweiſe weit über ihr begrenztes Sein hinaus⸗ hebt. So ſind ſeine Werke zwar aus dem Geiſte einer beſtimmten Landſchaft geſpeiſt, in ihrer Wirkung je⸗ doch an keine landſchaftliche Grenze gebunden. Der Plaſtiker Barlach bevorzugt als Matertal das Holz. Auch ſeine Graphik beſteht zu einem großen Teil in Holzſchnitten. Dieſe betonte Vor⸗ liebe für ein ſo eigenwilliges und ſchweres Material iſt für ſeine ganze Kunſt irgendwie charakteriſtiſch. Ihn reizt die ſeltſame Phantaſtik, die in dem er⸗ ſtarrten Leben des Holzes verborgen liegt. Das Phantaſtiſche hat in ſeinem Werke eine beſondere mitſchwingender wichtiger Oberton, ein Widerſchein iner künſtleriſchen Grundfarbe am Gegenſtänd⸗ Seine Plaſtik zum Beiſpiel hat ch dann, wenn ſie weit von eigentlichen phan⸗ baſtiſchen Atmosphäre. Alle Aeußerungen des Stellung inne. Es iſt ein im Grundton ſeiner Kunſt iſchen Stoffen entfernt iſt, dieſe ſie umzuckende Lebens und der inneren Unruhe dieſer erdͤſchweren Geſtalten, wie ſie Barlach aus dem Unförmigen des Holzes herausſchlägt, ſind mit einer ſo geſteigerten Bedeutung erfüllt, daß uns bekannte Lebensformen plötzlich ungewohnt und beunruhigend erſcheinen. Wenn man verſuchen will, das Weſen der plaſtiſchen Kunſt Barlachs begrifflich zu erfaſſen, ſo darf man bei dem Worteerdgebunden, mit dem ſie ſehr oft charakteriſtert wird, nicht ruhen. Man trifft mit dieſem Wort das Weſentliche nur zu einem Teil. Die plaſtiſchen Geſtalten Barlachs ſind zwar der Erde auf das tiefſte verhaftet, ſie ſcheinen aus ihr hervor⸗ zuwachſen und noch halb in ihr zu ſtecken. Ihr Weſen iſt zu einem Teil noch unter dieſer Welt daheim und doch, zur Hälfte gehört es andererſeits bereits einem Reiche an, das über dieſer Welt ſchwebt. Die dunkle Gewalt eines Schickſals drückt alle dieſe Ge⸗ ſtalten nieder, aber vermag ſie nicht zu zerſtören, be⸗ wirkt nur ihren umſo trotzigeren und breiteren Wuchs. In der Maſſigkeit ihrer Formen aber birgt ling Staatspräſident Dr. Schmitt ein Hoch auf Heimat, Volk und Vaterland, die badiſche und deutſche Repu⸗ blik aus, das bepeiſterten Widerhall fand. Die Feſt⸗ verſammlung ſang das Deutſchlandlied. Mit der Siebenten Sinfonie A⸗Dur, 1. Satz von Beethoven gab das Landestheaterorcheſter dem Feſt⸗ akt einen würdigen Abſchluß. *.* Berliner Silveſterrummel s Berliner Büros) Berlin, 1. Jan. (Drahtbericht unſere Silveſter wurde in der Reichshauptſtadt ebenſo lärmvoll begrüßt, wie in den Vorjahren. Die Lokale in derCity und am Kurfürſtendamm waren überfüllt, aber die Gaſtwirte hatten mit Rück⸗ ſicht auf die ſchlechte wirtſchaftliche Lage auf die ſonſt üblichen Phantaſiepreiſe diesmal verzichtet. Nach Schluß der Theater und Kinos, die faſt durchweg ausverkauft waren, füllten ſich die Hauptverkehrs⸗ ſtraßen mit einer ſichtlich animierten gewaltigen Menſchenmenge. Schlag 12 Uhr, als die Glocken zu läuten anhoben, brach der Hexenſabbat los: Mit ohrenbetäubendem Geſchrei wurde das neue Jahr begrüßt. Papierſchlangen flogen durch die Luft, bengaliſches Licht flammte an allen Ecken und Enden auf, Raketen ziſchten in den Nachthimmel, Feuer⸗ werkskörper explodierten krachend. Hernach ent⸗ wickelte ſich eine Art Karnevalstreiben, das ſich bis in die Morgenſtunden hinein austobte. Freilich war es wohl mehr Krampf als echte Fröhlichkeit: Man wollte einmal gewaltſam die drückenden Sorgen vergeſſen. Natürlich kam es hier und da auch zu Erzeſſen. Aber die Polizei war, wenn es nur irgend anging, milde zu den Uebeltätern. Bei der Berliner Feuerwehr ging der Hoch⸗ betrieb, wie alljährlich zur Jahreswende, ſchon recht frühzeitig los. Von den Nachmittagsſtunden an bis hinein in die Nacht liefen unaufhörlich Alarm⸗ meldungen ein. Exploſionen von Feuerwerkskörpern, Gasvergiftungen und Weihnachtsbaum⸗ und Zim⸗ merbrände waren vor allem die Urſachen. Ende freche, plumpe und ungewöhnlich dumme Fälſchung. EinOrganiſationsbüro des Zentral⸗ komitees exiſtiere nicht mehr und der Abgeordnete Obuch, der Unterzeichner des Aufrufes, habe ihm niemals angehört. Schließlich hat Obuch ſelbſt auf Anweiſung des Zentralkomitees gegen denHam⸗ burger Anzeiger Strafantragwegen wiſſentlicher Verleumdung und Urkundenfälſchung geſtellt. Es dürfte ſich ja nun zeigen, ob es Obuch gelingt, vor Gericht den Beweis für die Unechtheit des Do⸗ kuments zu erbringen. Kinderſterben bei den Wolgadeutſchen (Drahtbericht unſeres Berliner Büros) Berlin, 1. Jan. Auf die betrübende Nachricht von dem großen Kinderſterben im Flüchtlingslager Hammer⸗ ſtein bei Schneidemühl, wo etwa 4000 deutſch⸗ ruſſiſche Auswanderer untergebracht ſind, hat der Reichskommiſſar Stücklen noch am Dienstag den Leiter des Virchow⸗Krankenhauſes, Profeſſor Friede⸗ mann nach Hammerſtein entſandt. Nach deſſen be⸗ reits hier eingegangenem Bericht ſcheint der Höhe⸗ punkt der Krankheit ſchon überſchritten zu ſein. Es ſind faſt ausnahmslos Kinder im Alter bis zu vier Jahren betroffen worden. Man hat davon Abſtand genommen, die erkrankten Kinder aus dem Lager herauszunehmen, wohl aber iſt über das geſamte Lager Hammerſtein Quarantäne verhängt worden. Die Schwere der Epidemie wird in erſter Linie auf die ſchlechte Ernährung der Kinder zurückzuführen ſein, die einer verhältnismäßig leich⸗ ten Krankheit nicht den nötigen Widerſtand entgegen⸗ ſetzen konnten. ſich eine heimlche Unruhe, ein triebhaftes Empor Sehnen! Während die Plaſtik Barlachs längſt die Gel⸗ tung eines unverlöſchbaren Beſitzes der gegenwär⸗ tigen Kunſt erlangt hat, bleibt ſein Drama, die Bedeutung ſeiner ſprachlichen Geſtaltung umkämpft. Es iſt richtig, daß Barlach vielleicht nie der Dra⸗ matiker der eindeutig⸗klaren und unmittelbaren Bühnenwirkung ſein wird. Dennoch verdient er, daß wir uns auch mit ſeinen dramatiſchen Geſtal⸗ tungen, die alle tief in eine Sphäre geiſtiger Welt⸗ deutung eindringen, auseinanderſetzen. Der Grund⸗ ton der Dramen Barlachs iſt dem ſeiner Plaſtiken nahe verwandt. Auch in ihnen iſt jene Unruhe, deren Urſprung und Ziel man nicht kennt, die eigentliche Triebkraft. Sie befällt plötzlich den Menſchen, ſcheucht ihn auf aus ſeiner Gewohnheit und treibt ihn, dem geiſtigen Kern ſeines Daſeins nachzuſpüren. Das iſt das Grundthema der Barlach⸗Dramen, unter denenDer arme Vetter,(der z. Zt. auf dem Spielplan des Mannheimer Nationaltheaters ſteht), Die echten Sedemunds,Der blaue Boll undDie Sündflut bühnenmäßig die ſtärkſten ſind. Das Theater hat in dieſem, ihm vielleicht nicht ſehr be⸗ guemen Dramatiker unbedingt eine Aufgabe, deren Bewältigung ihm nützlich ſein wird. Wo iſt heute die Bühne, die das innere Pathos ſolcher Werke wirklich meiſterte? Und doch: Es wird ſie einmal geben müſſen! Neben dem Plaſtiker und Dramatiker ſteht eben⸗ bürtig der Graphiker Barlach. Die Illuſtrationen zu ſeinem kleineren dramatiſchen SpielDer Find⸗ zu GoethesWalpurgisnacht, zu Schillers Hymnus an die Freude und die Holzſchnittfolge Die Wandlungen Gottes erweiſen ihn auch hier als einen Künſtler von höchſter Intenſität des Aus⸗ drucks. Die künſtleriſche Perſönlichkeit Barlachs ſteht heute feſt umriſſen da. Alle ihre Aeußerungen ſind unverwechſelbar; jedes Wort ſeiner Feder, Schlag ſeines Meißels iſt immer er, iſt undenkbar von anderer Hand. In der Geſtalt diefes Mannes, der zurückgezogen im mecklenburgiſchen Güſtrow jeder ſchäumenden Laune Zeugrkis ablegten. eber 70 Tote 4 bei einem Kinobrand* (Telegraphiſche Meldung) London, 1. Jan Durch einen Brand, der in einem Lichtſpie! in Gaysley(Schottland) ausbrach, kamen Perſonen, meiſt Kinder ums Leben. Die Brandkataſtrophe erfolgte währen Kindervorſtellung. Der Brand ging Vorführungsraum aus, und die Flammen auf den Zuſchauerraum über. Es entſtand ein und alles ſtürmte zu den Ausgängen, die ba ein Knäuel von Kindern verſperrt waren. Feuerwehr und Ziviliſten zogen die Kinder Augen der entſetzten Mütter ins Freie. Erſeh war das Bild am Krankenhaus, wo Wagen a gen mit Toten und Verletzten eintraf. Der Brandmeiſter Wilſon bezeichnet die kataſtrophe als das ſchrecklichſte Ereignis Lebens. Er betonte, daß die Feuerwehr zwei ten nach dem Alarm an der Brandſtelle eing. ſei. Das ganze Gebäude war in dichte Nau gehüllt. Zivilperſonen riefen ihnen zu:Se 3 Rauchhelme anf, man kann in den Na. hinein! Als aber ſeine Leute hörten, daß Gefahr ſeien, warteten ſie nicht erſt lan Rauchhelme, ſondern machten ſich an ihr werk. Ein Feuerwehrmann, der in das Gebäude eingedrungen war, erzählt, daß er Maſſe von Menſchenleibern vorfand. Die verz ten Kinder faßten die Feuerwehrleute bei Röcken und dieſe griffen, ſoviel ſie uur gr konnten, und eilten mit ihnen ins Freie. IßZn Nähe der Ausgänge lagen in dichter Menge 5 fammengeballt die Lebenden und die To Letzte Meloͤungen Papageienkrankheit auch in Altona f Ein Todesopfer 1 Altona, 1. Jan. Die ſogenannte Papageief krankheit, über deren Auftreten in Berlin berg berichtet wurde, iſt jetzt auch in Altona in ſe Fällen feſtgeſtellt worden, von denen ein; tödlich verlief. Die Kranken wurden zunächſt 8 Lungenentzündung behandelt, bis ſich der Verdaß( daß es ſich um die ſogenannte Papageienkrankheg, handelt, beſtätigte. Bei Behandlung eines krank eim gelieferten Ehepaars, von dem der Ehemann kur nach der Einkieferung ſtarb, ſind ein Arzt und ei; Krankenſchweſter infiſziert worden. Die beiden teren Fälle betreffen einen Mann und eine Fre welche ſich auf dem Wege der Heilung befinden. De Papagei des Ghepaars, der noch vor Auftreten de Krankheit ſtarb, war ein junges, vor acht Woche aus Südamerika eingeführtes Tier. Die beiden deren Papageien, von denen einer ebenfalls geſtoß iſt, der andere in Quartäue genommen wurde, ſol * von der gleichen Herkunft ſein wie das erſte Autobusungliick Fünf Tote, zehn Verlet Königsberg, 1. Jan. Am Silveſterabend ü fuhr ein Perſonenzug zwiſchen Inſterburg Blumenthal einen Perſonenomnibus der Sl Inſterburg. Von den Inſaſſen des Kraftwage wurden fünf Perſonen getötet, ſechs ſchwern un vier leicht verletzt. Der Uebergang iſt mit Schrank! verſehen, die aber nicht geſchloſſen waren. 7 dienſttuende Schrankenwärter wurde in ſel, r das Kreiskrankenhaus übergeführt werden. N Wärterbude bewußtlos aufgefunden und mußte 0 n dem ärztlichen Gutachten iſt alkoholiſche E Einwirki 11 5 1 als Grund der Pewußtloſigkeit ausgeſchloſſen? vorläufig nur anzunehmen, daß die Bewußtloſigt 1 auf einen durch Schwindel hervorgerufen 1 Schwächeanfall zurückzuführen iſt. Ob möglich weiſe eine Kohlenoxrydgasvergiftung vorliegt, u. erſt durch genaue Blutunterſuchung feſtgeſtellt w den. Bei dem Unfall entgleiſte die Lokomotive ein Wagen des Zuges; die Strecke war meh Stunden geſperrt. Die Verletzten wurden in Kreiskrankenhaus Inſterburg befördert. ſchafft, ergreift uns das Phänomen einer 99 produktiven Einſamkeit. Sein Werk wird De haben; denn es iſt die Tat eines tief in die Hin gründe der Welt eindringenden und aus menſchlit Urerleben neuſchaffenden Geiſtes. Nationaltheater Mannheim Die Fledermaus f Laune auf der Bühne, die dank t 3 4 Sprühende licher Darſtellung ſehr bald auf den Zuſchauerre übergriff, kennzeichnete die Fledermaus⸗Vorſtell die die kommende Silveſterſtimmung vorausah bewährten Kräfte bei, die ſich trotz alles Perſo⸗ wechſels als gut eingeſpieltes Enſemble haben. Was wäre eineFledermaus ohne Hel Neugebauer als Eiſenſtein, ohne Lande als Dr. Falke, ohne Voiſin als Frank und 1 Mang als Froſch! Jhnen reihte ſich würdig Sophie Karſt, die die Roſalinde bei aller hausfr lichen Würde doch auch mit dem nötigen Schar ausſtattete und vor allem den ſchwierigen geſa⸗ lichen Anforderungen vollauf gerecht wurde. dem berühmten Cſardas erſang ſie ſich wohlverſe ten Sonderbeifall. Ein wenig ſteifleinen, me a ſiert als leichtlebig wirkte Nora Landerich ihrem Prinzen Orlowſky. Günſtigen Eindruck er ten ferner Werner Mäckel(Alfred), Fri! mann(Blind) und Marianne Keiler als die für Guſſa Heiken eingeſprungen wa. Eine launige Ueberraſchung boten Da men 8 Tanzperſonals mit Tanzeinlagen nach Weiſen vo Joh. Strauß Vater(Rabetzky⸗Marſch) und Soh, (Wein, Weib, Geſang), die ſehr beifällig aufgeno men wurden. Es fehlte nicht an Anſpielungen al Dinge, die unſere Mimen dauernd in Atem holte Theatervoranſchlag und Zenſur. Es fehlte auch uu an anderen knalligen Effekten, die von der 1 Für die Regie zeichnete Alſced Landorg, a Dirigentenpult waltete init Umſicht Karl KI ſeines Amtes, nach Kräften bemit ſik 4 ließ. Zum guten Gelingen trugen vor allem* 56