1 8. Seite. Nr. 1 Neue Mannheimer Zeitung(Morgen⸗Ausgabe) 8 5 Jan ſpie ten . Es iſt ruhiger geworden an Silveſter! Silveſter⸗ 170 trubel, Silveſtetlaune überall, aber mit dem Leben f und Treiben an früheren Jahren nicht mehr zu ver⸗ nen gleichen. Selbſt der Verkehr am Nachmittag des ein letzten Jahrestages hat in den Hauptverkehrsſtraßen ba erheblich abgenommen. Keine Menſchenmaſſen durch⸗ en. ziehen die Straßen. der Das Gedränge iſt auch nicht größer wie an einem Srſch gewöhnlichen Samstag. 1 Wein, Feuerwerkskörper und Neufahrskarten ſind 5 die einzigen Gegenſtände, die überall eifrig einge⸗ die kauft werden. Nicht zuletzt iſt auch der Umſatz an nis Briefmarken reiht erheblich, denn die vielen Karten, zwei mit denen man ſeinen Bekannten und Freunden eing⸗ 1 alles Gute zum neuen Jahre wünſcht wie könnte dau N es auch anders ſein müſſen alle frankiert werden. Se* Ein Glück, daß es auf derPost eine Einrichtung 8. gibt, die Nachtdienſt heißt. Denn es iſt erſtaunlich, 5 85 wieviele Menſchen erſt in ſpäter Abendſtunde an die 5 benötigten Briefmarken denken. n. Mit Einbruch der Dunkelheit hält die halbwüch⸗ . ſige Jugend unker Aſſiſtenz der Kleineren die Ge⸗ neralprobe zur Knallerei ab. Beängſtigend ſchwillt er der Lärm beſonders in den Nebenstraßen an. Um verz aher ebenſo raſch wieder abzuflauen. Je mehr der bei 1 Zeiger vorrückt, je ſtiller wird es in 985 Straßen. 5. Nur einzelne Schläge ertönen noch. Es iſt die Atem⸗ ar ars. vor dem Sturm. Doch in einzelnen Gegen⸗ . In den der Stadt geht der Lärm in unvermindertem Meuge Maße weiter, beſonders in Gegenden, in denen größte die To Not herrſcht, von denen man glauben ſollte, daß die Menſchen dort das Geld für notwendigere Dinge gebrauchen als für Feuerwerkskörper. Beſonders ſchlimm iſt es in den Querſtraßen der Neckar⸗ stadt, erträglich in den erſten Straßen anfangend und am Ende der Mittelſtraße den Höhepunkt er⸗ reichend. Im Jungbuſchviertel geht es nicht minder lebhaft zu. Im Mittelpunkt der Stadt ist es auffallend ruhig. en e 8 4 9 5. 8 Papageie. An berg in se Nur die von ſerne ertönenden Schüſſe und Kracher en ein laſſen das Nahen der Jahreswende erkennen. unächſt Beſonders ſtark ſind die Gottes dienſte in 1 Verd den einzelnen Kirchen beſucht. Ein Zeichen, daß doch * N 3 2. 195 55 enkrankhe ein ſehr großer Teil der Bevölkerung das Bedürf⸗ nis hat, in ſtiller Einkehr einen Rückblick auf das verfloſſene Jahr zu halten. Die Sitte, den Silveſter⸗ abend im Famfilien⸗ und Freundeskreis zu verbrin⸗ gen, bürgert ſih anſcheinend immer mehr ein. Ueber⸗ all rler Wohnungsfenſter laſſen darauf ſchlie⸗ ßen. Die Menſchenmaſſen, die um die zehnte Abend⸗ ſtunde aus dem Zirkus Sarraſani ſtrömen, ver⸗ lieren ſich raſh. Die Lokale füllen ſich mehr und die Straßen nd bald wieder auffallend leer. In den beliebten Mannheimer Gaſtſtätten herrſcht frohes Leben. Man will die Sorgen vergeſſen und gemein⸗ ſam auf ein glücklicheres neues Jahr anſtoßen. Trotz⸗ dem alle Lokalitäten gut, teils ſogar ſehr gut beſucht ſind, iſt überall noch Platz zu bekommen. Nirgends prangt das Schild:Wegen Ueberfüllung geſchlof⸗ krank ein mann kur zt und ei beiden n! eine Fe. finden. De iftreten den icht 1 bend ü 8 fen. Immerwährend wechſeln die Gäſte. Die einen rburg ſetzen ihren Jummel fort, die anderen möchten um 2 0 zwölf Uhr zu Hauſe ſein. chwer u f Der öffentliche Weihnachtsbaum am Waſſerturm Schrank. ſtrahlt mit ſanen Lichtern durch die Nacht. Kaum waren. T beachtet, denn die Menſchen haben zum Teil ſchon wieder Weihnachten, die Zeit der Einkehr, vergeſſen. Umſomehr Beachtung finden auf dem Silveſter⸗ bummel die Luslagen der Konfektionsgeſchäfte, die teilweiſe ſchoß die neueſten Faſ ſchingskoſtüme aus⸗ gestellt haben Eine Gelegenheit, um ſeine Ge⸗ danken mit ber nächſten Zukunft beſchäftigen zu können. Für nachdenkliche Menſchen iſt die Kunſt⸗ ſtraßſe vorzsglich geeignet. Kein Menſch weit und breit. Wie aufgeſtorben liegt die Straße nachts 8 elf Uhr.. Wie ein Macget zieht der Marktplatz die Menſchen halb zwölf Uhr ab an. dn Gruppen und Grüppchen ſammelt man ſich zu 8 5 2 ö. wordenen Chumpagnerlaune des unſterblichen Jo⸗ hann gerecht zu werden. Das Publikum unterhielt die in, ſich köſtlich. e. e** 1 Die muftkalſche Leitung derCarmen⸗Vorſtellung 1 für den Büffenvolksbund hat Helmut Schla⸗ ö wing, die dir Freitagvorſtellung desLohengrin Karl 1 für den erkrankten Eugen Jochum übernommen. In der Erſtaufführung von Sheriffs DramaDi ea ndere Seite am Samstag ſpielt Willy Birgel len Hauptmann Stanhope, Karl Marx, Ravul Alſter, Haus Simshänſer, und Bum Krüger die Offiziere Osborne, Trotter, Hibbert und Ra⸗ leigh, die weteren Rollen ſind mit Hans Godeck, Johannes Heinz, Joſeph Renkert, Hans Finohr, K Karl 1 1 und Harry Bender beſetzt. 3 FLeifahrsgedanken Al! ele, Altjahrsleid ukt zun in die Ewigkeit. Was zeſchehen, was geweſen, . virütber. Wie zeneſen von fer Krankheit ſchwerer Pein lauh man an ein neues Sein. Jedel Jahr, 0 wunkrbar, 5 der Menſch in ſeinem Wahn neue ſtets zu hoffen a t für ſich und ſeine Lieben all dis, was verſagt N N eim Borſtell! brausah fund mahnend tönt der Klang: 1 15 verzagt und bang, gt teten, licher Realiſtik. fröhlicher Knallerei. Die alle paar Schritte aufge⸗ ſtellten Polizeipoſten drücken nicht nur ein Auge, ſondern gleich alle zwei zu und laſſen alles hingehen. Es iſt ja nur einmal Silveſter im Jahr. Rings um den Marktplatz ſtellen ſich die, die der Knallerei von ferne beiwohnen wollen. Die Gehwege ſind dicht beſetzt. es eine rieſige Freude, ihre Schwärmer unter den auseinanderſtiebenden Menſchen auf der gegenüber⸗ liegenden Seite umherſauſen zu ſehen. Je mehr die Zeiger der erleuchteten Uhr auf dem alten Rathaus⸗ turm auf zwölf Uhr rückten, je größer wird der Lärm. In ununterbrochener Folge krachen die Schüſſe, ſchwirren die Raketen. Bald iſt die Luft vor lauter Pulverdampf blau und über dem ganzen Platz liegt eine Dunſtſchicht. Auf der Uhr ſieht man es, daß die Jahreswende nunmehr da iſt. Kein Glockenſchlag, kein Glockenton vermag den Lärm zu übertönen. Proſtt Neujahr⸗Rufe erſchallen. Auf dem Giebel des Farbenhauſes Becker erſcheint in farbigem Feuerwerk die SchriftProſit Neujahr. Doch Glockentöne vermögen den Lärm zu übertönen. Punkt zwölf Uhr raſt die Feuerwehr am Markt⸗ platz vorbei. Das ſoll keine Ueberraſchung für die Silveſterfeier im Roſengarten Bad Mannem 1930 Die Kurgäſte rebellieren Mehr Tempo! So macht man kein e Revue. Und gar eine Silveſter⸗Rewvue! Das zeigte der Silveſterabend im Nibelungenſaal. Die ganze Darbietung in einem intimeren Raum hätte vielleicht mehr Erfolg gehabt. Mit der Fledermaus⸗ Ouvertüre, die bei beſſerer Orcheſterbeſetzung nicht ſo dünn geklungen hätte, verſuchte man Stimmung in den Saal zu bringen. Dann ſtellte ſich Walther Friedmann als Kur⸗ direktor vor. Die Silveſter⸗Revue derFröhlich Pfalz nahm ihren Anfang mit einem Brunnen⸗ konzert am Ballhaus. Mit Trinkgläſern bewaffnet zogen die Kurgäſte ein. Warum das nächſte Bild Ein unverhofftes Wiederſehen war, wiſſen nur Gretel Noll und Walther Friedmann, die die⸗ ſes Geſang⸗ und Tanzduett darboten; denn der Geſang, wie auch die Vorträge des heiteren Doppelquartetts im dritten Bild waren im größten Teil des Saales nicht zu verſtehen. Das mag vor allem an der berühmten Nibelungenſaal⸗ Akuſtik und auch daran liegen, daß die hinteren Stuhlreihen unbeſetzt waren. Schon machte ſich Unruhe im Publikum be⸗ merkbar. Der wiſſenſchaftliche Vortrag des Bade⸗ arztes, von dem kaum ein Wort zu verſtehen war, wurde einfach totgeklatſcht. Verſuche, den ge⸗ reimten Vortrag über Geſundheit und Sport fort⸗ zuſetzen, ließ die einmal entfeſſelte Oppoſition im Publikum nicht gelingen. Der Tanz der Brunnen⸗ mädchen wirkte etwas beruhigend und auch die Szene zwiſchen Straßenkehrer und Kurhausportier (Ph. Reiſcher und G. Hahn), die im kräftigen Mannemer Dialekt wenigſtens verſtändlich und nicht ohne Witz war, fand Beachtung und Beifall. Das Nachmittagskonzert im Kurgarten indeſſen, die Rhapſodie in Blau für Jazzorcheſter mit Klavier⸗ ſolo, war den Muſikkennern auf der Empore zu langweilig und gab einer Anzahl ſehr junger Leute Anlaß, wiederholt ihr Mißfallen durch Klatſchen zum Ausdruck zu bringen. Guſtav Semmelbeck, der ſeinen recht ſchwierigen Solopart am Flügel Revue im Apollo Theater Die Silveſterfeier im Apollotheater wurde ſehr erfolgreich mit der Premiere von Em. Tauſigs Neuer Magazin ⸗Revne 1930 eingeleitet. Das kritiſche Urteil über den Inhalt des 28 Seiten ſtarken Bilderbuches, zu deſſen Durchblättern man drei Stunden braucht, iſt dahin zuſammenzufaſſen, daß die Illuſtrationen farben⸗ und abwechflungs⸗ reich, die Zwiſchentexte witzig, feinhumoriſtiſch, aber auch grotesk und bizarr ſind. Auf Erich Wolf, den Anſager, der Silveſter wo anders feierte, werden wir noch zurückkommen. Er wurde recht geſchickt durch Fritz Abel vertreten, der einer der köſtlichſten Nummern,Die Verſicherung betitelt, durch ſeine draſtiſche Komik zu einem ſtürmiſchen Heiterkeits⸗ erfolg verhalf. Wer bei dieſer Duoſzene nicht lacht, dem iſt nicht mehr zu helfen. Was den darſtelleriſchen Teil der Revue betrifft, ſo iſtVampyr, eine unheimliche Magazin⸗Geſchichte, die im nächtlichen Paris ſpielt, unbedingt zuerſt zu nennen. Em. Tauſig ſpielt den Vampyr mit geradezu ſchauer⸗ Baroneß Marietta v. Scotti, die gleichwertige Partnerin, zeigt in der Sprache ihres Tanzes eine imponierende Ausdruckskraft, die den Höhepunkt erreicht, wenn die Beſtie nach dem ge⸗ feſſelten hüllenloſen Opfer mit Meſſern wirft. Das harmlos⸗heitere Genre vertritt die amüſante Duo⸗ ſzeneRendezvous, in der Mr. Jimmy zeigt, in welch peinliche Situation man geraten kann, wenn einen der Schuh drückt. Am eindrucksvollſten wird in dieſem intereſſanten Bilderbuch der Tanz illuſtriert. Hier rangiert die Original⸗Szene1000% Amerika an erſter Stelle. Es iſt durchaus begreiflich, daß Dan Reeves vom Palace Newyork der Liebling der Amerikaner iſt, weil er ſich in ſeiner Groteskkomik virtuos auf ihren Geſchmack einſtellt. Aber auch uns imponiert er durch ſeine verblüffende Beweglichkeit als Tänzer, vor allem beim Step, in dem er nicht überboten werden kann. Als Inſtrumentaliſt geht er ebenfalls völlig eigene Wege. Und was er ſonſt an Einfällen DenFeuerwerkern auf dem Platz macht Schlag auf Schlag, Schlager auf Schlager bringen, ein Teil der Kurgäſte von Bad Mannem ſelbſt für amfſiert als die Schüchternen, die ihrem Mißmut nicht Luft zu machen wagten. Wir fürchten, Mannem wird nie ein feines Kurbad werden!... W. N. Schönheit des Magazin⸗Bilderbuches bei. klingenden, feinkultivierten Sopran, ebenſo Gin o 'argo, der ſeine italieniſchen Lieder prachtvoll Serenade packt. erſcheint, dann ſieht man auf das deutlichſte, wieviel Originalität und Frauenſchönheit ſich zu Wiener Revue vereinigt hat, 9% Tagen eine große Zugkraft ausüben wird. Trocadero, zu dem eine vorzügliche Jazzband aufſpielte. plätze bei weitem nicht ausreichten. Gar mancher, der keinen Tiſch vorbeſtellt hatte, mußte weiterwandern oder im Kaffee Platz nehmen, wo ebenfalls getanzt wurde. g berrſchte gute Stimmung. ilveſter und Neujahrstag in Mann Die letzten Stunden des alten Jahres ausgelaſſene Menge ſein, das iſt bitterer Ernſt. Es iſt nur unverſtändlich, daß die Menſchen das nicht begreifen wollen und ihre Feuerwerkskörper vor und über die Autos werfen, daß die Wagenlenker eine ſchwere Fahrt haben. Wenn es Ernſt iſt, muß jeder Scherz aufhören. Und daß die Feuerwehr nicht zum Spaß durch die Straßen fährt, wird auch der unvernünftigſte Menſch einſehen. Zu gleicher Zeit iſt es am Paradeplatz vollkommen menſchenleer. Nur die Straßenbahnwagen geben ſich das gewohnte Stelldichein. Aus den Fenſtern einiger Häuſer leuchten die Kerzen der Chriſtbäume, ertönen Rufe, ziſchen Raketen und leuchten bengaliſche Hölzer auf. Zehn Minuten nach zwölf Uhr beginnt am Markt⸗ platz die Menge ſich zu verlaufen. Der Reſt an Feuerwerkskörper wird raſch noch verpulvert. Dann aber geht es in ein Lokal oder nach Hauſe oder man durchzieht johlend die Straßen. Es muß aber an⸗ erkennend geſagt werden, daß die letztere Sorte Menſchen ſehr in der Minderheit geweſen iſt. So raſch wie der Lärm angeſchwollen iſt, ſo raſch nimmt er wieder ab. Die Gaſtſtätten profitieren davon, aber die Stimmung hat überall ihren Höhepunkt überſchritten. Die allgemeine Not läßt doch keine Ausſchweifung zu und drückt unbewußt und wenn man auch ungehemmt fröhlich ſein will. W ruhiger geworden an Silveſter 0 virtuos durchführte, ließ ſich nicht verdrießen, trotz aller Ungezogenheiten eines Teils des Publikums zu Ende zu ſpielen. Bezeichnender Weiſe fanden die nächſten Bilder geringeren Niveaus wieder die Beachtung des p. t. Publikums. Unter dieſem ungünſtigen Stern ging bie Uraufführung des pfälzer Mundart⸗Schwanks Die böſe Johanna von Karl Noll vor ſich. Die entfeſſelten Elemente erzwangen durch heftiges Applaudieren und Loslaſſen von Feuer⸗ werkskörpern eine ſehr beſchleunigte und abge⸗ kürzte Spielweiſe, wobei jede Pointe verloren ging. Vielleicht wäre es beſſer geweſen, den Schwank an den Anfang zu ſtellen, wo er mehr Beachtung und wahrſcheinlich auch den verdienten Beifall gefunden hätte, denn die Rollen waren in guten Händen und geſpielt wurde flott. Der Inhalt des Stückes ſoll bei einer gelegentlichen Wiederholung unter anderen Verhältniſſen gewürdigt werden. Endlich ſchlug die Befreiungsſtunde für die Tanzbeine und das war gut ſo. Die Silveſter⸗ RewueBad Mannem 1930 war eine ganz ſchöne Idee. Die dekorative Ausſtattung von Heinrich Bornhofen und die muſikaliſche Leitung von Ottos Homann⸗Webau waren anerkennenswert, aber für einen Silveſterabend war die ganze Sache zu ſchleppend, ohne das nötige Revue⸗Tempo, ab⸗ geſehen davon, daß einzelne Nummern und auch der Schwank in dem großen Raum verloren gehen mußten. Dazu kam ein Publikum(vielleicht war der Eintrittspreis zu billig!), das hauptſächlich tan⸗ zen und einen fidelen Rummel erleben wollte, wie das eben an Silveſter üblich iſt. Eine Revue müßte ſtatt 12 Bildern etwa die Hälfte und keines lang⸗ weilig, dann hätte ſich die Claque die geſchilderten Ausſchreitungen nicht leiſten dürfen. So hat eben die ſeiner würdige Unterhaltung geſorgt, hat ge⸗ lärmt, gebrüllt, geknallt, und hat ſich jedenfalls beſſer bietet, iſt in ihrer Komik ſo wirkungsvoll, daß man den Künſtler in die Parade der Revue⸗Kanonen ein⸗ reihen kann. Aber auch Mr. Jimmy, der als Tänzer eine wirklich unvergleichliche Beweglichkeit und zugleich eine Komik entwickelt, daß der ſtür⸗ miſche Beifall, den er erzielte, wohlverdient war, ein Beifall, der umſo höher zu bewerten iſt, wenn man feſtſtellt, daß das Publikum auffallend ſchwer in Silveſterſtimmung zu verſetzen war. Vor allem im Steptanz iſt Mr. Jimmy Dan Reeves gleich⸗ wertig. Das Programm hat durchaus recht, wenn es den Künſtler den lebenden Gummiball nennt und ſeine Beine als ſprechend bezeichnet. InSalut d' Amour zeigen auch Margot und Adi van Hoven ihre hervorragenden tänzeriſchen Qualitäten. In der afrikaniſchen Ballade erzielt vornehmlich Edna Lockwood eine brillante Groteskwirkung. Und ſchließlich die reizenden jugendfriſchen und formen⸗ ſchönen Magazin ⸗Girls, die in der verſchieden⸗ artigſten Aufmachung hinreichend Gelegenheit haben, ihre Grazie und tänzeriſche Routine in das wechſel⸗ vollſte Licht zu ſetzen. Das Vienna ⸗Ballet trägt ebenfalls viel zu dem Farbenreichtum und der Geſanglich gefällt ſehr Herma Heimiſch, eine entzückende Wienerin, mit einem kräftigen, wohl⸗ vorträgt und vornehmlich in der venezianiſchen Wenn in den beiden Schluß⸗ nummern das geſamte Enſemble auf der Bühne dieſer die auch in den Nach der Vorſtellung begann der Tanz im Der Beſuch war ſo ſtark, daß die Sitz⸗ Und zum brkkten im e c a i 5. brannten und 8 17 ſtark eim Der Neujahrstag Ohne Regen, aber auch wenig Soune Ohne Schnee und Eis, wie ein früher Früh⸗ lingstag, hat das alte Jahr von uns Abſchied ge⸗ nommen. In der gleichen Weiſe hat das neue Jahr begonnen. Die Nachtſchwärmer, die»ſpüät den Heimweg antraten, wurden in der Frühe des Neu jahrstages vom Regen überraſcht. Die Temperatur ließ nicht einmal ein Schneegeſtöber zu. Der erſte Tag des neuen Jahres war wenigſtens trocken. Die Sonne ließ ſich allerdings nur auf Augenblicke um die Mittagszeit ſehen. In den Straßen war es vor⸗ mittags auffallend ruhig. Man ſchlief ſich aus. Erſt nachmittags begegnete man zahlreichen Spazier⸗ gängern, die das Bedürfnis hatten, ſich in der friſchen Luft Bewegung zu machen. Auftakt des Karnebals Ein farbenfrohes Bild ſahen die Paſſa zwiſchen T 2 und I 3, wo die Prinzengar des Feuerio zu ihrem traditionellen Neujahr umzug Aufſtellung nahm. Als Neuheit iſt d Kavallerie zu verzeichnen, die Funkengarde Pferd. Um 2 Uhr ſetzte ſich der Zug mit der unifor⸗ mierten Kapelle Mohr an der Spitze in Be⸗ wegung. Am Habereckl, der Reſidenz des Feueri nahm der Elferrat die Parade ab und Präſide⸗ Bieber begrüßte ſeine Garde mit einem kräftige Proſit Neujahr, das allſeits freudigen Widerh fand. In ſeiner Anſprache ſtellte der Präſident er⸗ freuliche Dinge für das neue Jahr in Ausſicht, ſo z.., daß die Brüder Sklarek dem Feuerio 500 000 Mark ſtiften wollen, wenn ſte freigeſprochen werden. Mit dreifachem Ahoi! ſchloß die kurze Rede. Schneidige Kommandos ertönten und weiter ging der Marſch durch die Planken zum Waſſer⸗ turm, Parkhotel, Auguſta⸗Anlage, durch die Schwe⸗ zingerſtadt zur Bismarckſtraße und zum Schloß, durch die Breiteſtraße zurück und in die Unterſ und zum Ring, worauf ſich der Zug, dem ſich vie Spaziergänger angeſchloſſen hatten, zwiſchen T 2 und 1 3 wieder auflöſte. In den Abendſtunden, in der es wieder 8600 regendrohend ausſah, halten die Theater, Lichtſpiel⸗ häuſer, Kaffees und Wirtſchaften recht guten Beſuch aufzuweiſen. Die Mannheimer Lieder⸗ tafel hielt ihren traditionellen Neufahrs⸗ Herrenabend im Geſellſchaftsheim ab. Der Andrang war ſo ſtark, daß die Späterkommenden nur ſchwer unterkommen konnten. Wir d über die Veranſtaltung noch berichten. 5 Die Poltzeibilanz ber Silveſternach iſt nicht ſo ſchlimm wie in früheren Jahren au fallen. In den K⸗Quadraten wurde ein trunkener Monteur aufgefunden, der ſich bei Sturz auf die Straße eine Gehirnerſchütte rung zugezogen hatte. Er wurde dem Kranken⸗ haus zugeführt. In der achten Morgenſtund f ein 31 Jahre alter Schloſſer von noch kannten Tätern mit harten Gegenſtänden Kopf geſchlagen, ſodaß er ſchwere Kop letzungen und einen Naſenbeinbruch erli⸗ der Straße zwſichen J 2 und 3 wurden zwei löhner und ein Waldhüter von drei ſtellten Tätern körperlich mißhandelt und am Hinter⸗ kopf erheblich verletzt. Der Waldhüter hielt außerdem Meſſerſtiche in die linke Hand. D Verletzten kamen ins Krankenhaus, konnten ab. nach Anlegung von Verbänden wieder 2 la werden. In einem Kaffee in der Seckenheimerſtraße wu nachts 3 Uhr ein 21 Jahre alter Beamter na vorausgegangenem Wortwechſel von einem bis unbekannten Täter tätlich angegriffen. Der Beamte trug bei der ſich entwickelnden Rauferei einen Ar m⸗ bruch und Kopfverletzungen davon, ſodaß er 1 Allgem. Krankenhaus untergebracht werden mußte. In einem Hauſe der Käfertalerſtraße wurde nach vorausgegangenem Streit, der ſich im zewiten Stock⸗ werk des Treppenhauſes abgeſpielt hatte, ein 2 jähriger Matroſe von ſeinem Gegner, einem 28 Jahre alten Kaufmann, gepackt und lber das Treppengeländer geworfen. Bei dem zwei Stockwerke tiefen Sturz zog ſich der Matre nur einen Knöchelbruch zu. 5 Wegen Ruheſtörung wurden 30 Perſonen zur Anzeige gebracht. Feſtnahmen wegen verſchie⸗ dener ſtraftbarer Handlungen erfolgten in 1 Fällen. 1 * 50jähriges Gesche iabllaum Mit dem Ein⸗ tritt in das neue Jahr feiert der Verein Cre⸗ ditreform e. V. Mannheim ſein 5 50 1 h ges Geſchäfts jubiläum. Schon im J. 1860 wurden auf Veranlaſſung der Dresdner Harn delskammer die ſogenannten gewerblichen Schutz⸗ gemeinſchaften an verſchiedenen Plätzen Deutſchland errichtet. Im Jahre 1879 bildete ſich der B Barzahlung Mainz, der noch im gleichen Jahr den NamenVerein Creditreform(zum Schutz gegen ſchädliches Kreditgeben) annahm und det Zweck hatte, eine allgemeine Reform des Kredites durchzuführen. Ihm folgten die Gründungen v anderer Vereine in ganz Deutſchland, darunte Jahre 1880 die des Vereins Er Mannheim, der eine ſehr glücklich nahm und am Platze mit dem geſamtet Großinduſtrie und den Behörden d ſchäftsbeztehungen unterhält. Die B reform nehmen heute im Auskunftsweſen eine füh rende Stellung ein. Ihre Organiſation iſt in alle Kulturſtaaten als muſtergültig anerkannt.(Wi v0 r weiſen auf die Anzeige in der Silveſternuf aner* * Brandausbruch im Gartenhaus. In veſternacht wurde um 12.53 Uhr die Berufsf wehr nach der Hochuferſtraße gerufen, wo a bekannter Urſache ein bewohntes haus in Brand geraten war. wurde mit zwei Schlauchleitungen ge Schaden beträgt mehrere tauſend Mar Möbel und ſonſtige Einrichtungsg