ng Nes fatlige.s- Qllegeslia Von Margret Halm Immer wieder wächſt aus dem Boden der neuen Zeit ein neuer Frauenberuf. Schafft ihn ein Be⸗ dürfnis, iſt ſeine Ausſicht doppelt groß. Schafft ihn Idee nur, iſt auch ſein Todesurteil darum noch nicht geſprochen, und ſehr wohl möglich, daß aus ſeinem Da—ſein Bedürfnis ſich geſtaltet. Der Gedanke einer Berufstätigen⸗Pflegerin iſt durchaus Bedürfnis. Und ein großes Bedürfnis dazu. Ein Columbuseti, auf zwei Seiten geſetzt. Ueber die Frage, ob es ratſam iſt und in der Tat Notwendigkeit, Heime zu ſchaffen, Häuſer zu hauen, um der Junggeſellin das Eigenheim zu geſtalten, nach dem auch ſie verlangt, berühren wir die Zeit⸗ einteilung der berufstätigen Frau, die frühmorgens in aller Eile nur ſich ſelber und das bischen Frühſtück zurecht macht, und um pünktlich an Ort und Stelle zu ſein, niemals dazu kommt, ihr kleines Heim, ſei es ſelbſt ein einziger Raum nur, den ſie ſich ſelbſt möbliert, ſo herzurichten, wie ſie ihn abends anzutreffen wünſcht. Frau Gerichtsaſſeſſor Dr. Spitzer leitebe im Kriminalgericht in Moabit als Vorſitzende eine Verhandlung wegen Diebſtahls. Unaufhaltfam bricht ſich auf allen Gebieten die berufstätige Frau ihre Bahn. Abſcheulich, wenn man abgemüdet dann nach Hauſe kommt, ſpät nach dem Vielerlet des Tages oder auch mal zeitig ſchon eine Freundin mit heim bringt, um gemütlich die Erholungsſtunde gemein⸗ ſam zu verbringen und— o Schreck, das Zimmer liegt noch ungeordnet da, wie man in Morgeneile es verlaſſen. Nicht immer har man gern, daß die Wirtin ſich darum bemüht. Denn ſelten nur zeigt das Bei⸗ einanderwohnen zweier Frauen ein ſo reines Güte⸗ verhältnis, daß die Wirtin nicht doch ein bischen ſchnuppern mag— die Mieterin das ertragen kann. Einer Zugehfrau Schlüſſel und alles anzuvertrauen iſt wohl auch nicht ſo ganz das Gegebene. Hier einzuſpringen und ſich's angelegen ſein zu laſſen, alleinſtehenden berufstätigen Frauen eine freundſchaftlich naheſtehende treu ſorgende Pflegerin zu ſein, wäre das nicht ein Beruf für manche gebildete Frau, die ein Schickſalsſchlag vor die Frage geſtellt: Wie könnte ich, die ich nicht viel gelernt, als Einziges und Beſtes mein Hausfrauen⸗ tum und innere Größe darzubieten habe, mir eine kleine doch ſchöne Arbeit ſchaffen? Die Witwe eines Arztes, eines Beamten, die Privatteére, die beſſere Tage geſehen. Man braucht ſie wohl nicht aufzu⸗ zählen die Frauen beſſerer Stände, die ſehnſüchtig nach einer Arbeit greifen, die ſie erfüllen können mit nicht allzuviel Vorkenntniſſen, mit nicht allzuviel Kraft. Immer zweien wäre da geholfen, zweiten und mehr. Denn ſelbſtverſtändlich wird die berufstätige Frau ſich's nicht leiſten können, eine andere, eben ihre Pflegerin vollkommen mit zu er⸗ nähren. Und wäre ja auch gar nicht nötig. Denn um ihr kleines Heim, das eins, zwei Räume nur umfaßt, ſchön zu ordnen und alles ſo vorzubereiten, daß, wenn die Junggeſellin abends heimkommt, zur kalten Mahlzeit der Tiſch gedeckt iſt, der elektriſche Kocher, der Samowar, das Eierpfännchen ſchon ſo bereit ſteht, daß ſie's nur einzuſtecken braucht, das Bett gut durchgelüftet und aufgelegt und alles blitz⸗ blank, Abgeriſſenes wieder hergerichtet, vielleicht auch nicht nur Handſchuhe und dünne Wäſche durch⸗ gewaſchen die Kleider ausgebhürſtet— dazu braucht eine Frau ja nicht einen ganzen Tag. Und je nach ihrer Unabhängigkeit vom eigenen Heim könnte ſie zwei, drei und mehr Pfleglinge be⸗ treuen, die alle ihr die Schlüſſel anvertrauen. Und da die Berufstätigen⸗Pflegerin ja ohnehin den gan⸗ zen Tag von Hauſe fort iſt, die Arbeit zwiſchen Vor⸗ und Nachmittag ſich einteilt, wird ſich aus drei, vier jeweils nur ein paar wenigen Mark dann doch ge⸗ nügend ſummieren, daß die Berufstätigen⸗Pflegerin ihr beſcheidenes Daſein verhältnismäßig ſorglos friſtet. eifenp Na Von Geh. Reg.⸗Rat Oberreg.⸗Rat Bohnſtedt, Die kürzlich verſtorbene hochverdiente Führertn der deutſchen Frauenbewegung, Helene Lange, betonte 1903 in einem Vortrage:„Denn überall, wo⸗ hin wir ſehen, iſt das Fehlen des weiblichen Einfluſſes, der dem ſozialen Leben die Momente geben würde, die unſer Familienleben zu voller Entwicklung ge⸗ bracht haben.“ Das Eigenſte aber dieſes weiblichen ſozialhelfen⸗ den Einfluſſes, ſo meinte ſie dabei, ſei die Rückſicht auf jeden, ob arm oder reich, ſtark oder ſchwach, die Achtung vor dem Einzelleben, eine geiſtigere Auffaſ⸗ ſung des Sexuellen und die Verantwortung für die kommende Generation. Um einen Kampf mit unſeres Volkes Not und um ſoziale Frie⸗ densarbeit gegenüber allem, was dieſe Not gegenein⸗ ander hetzt, handelt es ſich da, aber dank jener großen Führerin und dank jenem edlen Frauentum, das mit Hingabefreudigkeit, Lebensklugheit, unermüdlich kämpfendem und geſtaltendem Geſchick ihr folgte, iſt es ſeitdem doch anders geworden. * Es gibt wohl kein Gebiet öffentlichen Lebens, wo man die Mitarbeit der Frau nicht dringlicher brauchte, tiefer verſtünde, höher ſchätzte, als das der ſozialen Fürſorge. Ausbildungsveranſtaltungen da⸗ für, ſoziale Frauenſchulen, Wohlfahrtsſchulen wuch⸗ ſen, je nach Ort und Lage und Bedürfnis und perſön⸗ lichen wie geldlichen Mitteln verſchieden, heran. Dienſt und Stellung der jungen Fürſorgerinnen wurden mehr und mehr geordnet und geſichert, und eben jetzt hat der preußiſche Wohlfahrtsminiſter es wagen dürfen, dieſem bunten Leben in ſeinen neuen „Richtlinien für die Wohlfahrtsſchu⸗ len“ für Einrichtung und Betrieb, Lehren und Prü⸗ fen eine einheitliche Grundlage zu geben. So umfaſſend und vielgeſtaltig wie unſeres Vol⸗ kes Not und ſo ernſt die ſoziale Verantwortung auch jedes Einzelnen um die Hilfe für dieſe Not ſich dar⸗ ſtellt, ſo dringlich ſind dieſe Richtlinien es wert, min⸗ deſtens in ihrem allgemeinen einleitenden Teile und den ihr beigefügten Vorträgen ſozialpflegeriſch führend tätiger Frauen geleſen, gewürdigt und als Mahnruf auch zu eigenem Tun, wo immer jedem ſolch eigenes ſoziales Mithelfen möglich iſt, hingenommen zu werden. Unſere Frauenwelt, die Erzieher unſerer Jugend und alle ſonſt im öffent⸗ lichen Leben irgendwie ſozial, volkserziehlich, ver⸗ waltungstechniſch Verantwortlichen werden ſte ſich ganz beſonders zu Herzen nehmen müſſen, um zu verſtehen und zu werten, was hier vorliegt und vor⸗ geht, und um den Punkt zu erkennen, wo die eigene Pflicht zum Mittun einſetzt. So vielgeſtaltig wie das menſchliche Leben iſt die ſoziale Hilfsbedürftigkeit, die Not der Altersſtufen, Geſchlechter, Geſellſchaftsklaſſen und Berufe, auch in ihrem zeitlichen Wandel. Es geht dabei überall um ein individuelles Schickſal, um den Tatbeſtand oder das Erleben menſchlicher und geſell⸗ ſchaftlicher Schäden, um ein perſönliches Angewie⸗ ſenſein auf helfende Mitmenſchen. Dieſe Nöte will die ſoziale Arbeit beheben oder lindern. Säuglinge Stettin und alte Leute, männliche und weibliche Jugendliche, körperlich Kranke und ſittlich Gefährdete, Berufsar⸗ beiter verſchiedenſter Art und Aſoziale brauchen dieſe Hilfe. Jeder fürſorgeriſche Akt iſt ein praktiſches Tun, das die Kenntnis der dinglichen Verhältniſſe und Hilfsmittel vorausſetzt: Geſundheitliches, Er⸗ ziehliches, Berufliches, Sozialpolitiſches, Wirtſchaft⸗ liches uſw. Jeder ſolche Akt hat aber auch eine ſoziale Vorausſetzung, den Dienſt an der Geſellſchaft gegen all die Schäden und Ungerechtigkeiten, die im Ab⸗ lauf des geſellſchaftlichen und wirtſchaftlichen Lebens dem einzelnen oder ganzen Schichten zuſtoßen. Nach alledem baut ſich dann die Ausbildung unſerer Wohlfahrtsfürſorgerinnen in ihrem etwa zweijährigen Lehrgang auf. Man ſieht, Perſönlichkeitseignung und bildung ſowie um⸗ faſſende Sachbildung werden in hohem Maße von ihnen verlangt. Die Gliederung der Ausbildungs⸗ arbeit— und demgemäß die ſtaatliche Prüfung— geſchieht nach öͤrei Hauptfächern: Geſundheitsfür⸗ ſorge, Jugendwohlfahrtspflege, Wirtſchafts⸗ und Be⸗ rufsfürſorge, und für jede dieſer Richtungen und ihre verſchiedenen Einzelfächer: Hygiene, Seelen⸗ kunde, Erziehungslehre, Volksbildung, Volkswirt⸗ ſchaft, Sozialpolitik und vwerſicherueg, Staats-, Rechts⸗ und Wohlfartskunde bieten dann die neuen Richtlinien für Zielſetzung, Gang und Stoffauswahl eingehende Weiſungen. Wer die Fülle des Erwünſchten und Hergehörigen im ganzen überſchaut und hr im einzelnen nachgeht, der Fülle der Einzelpenſen, Fra⸗ gen, Begriffsbezeichnungen, Perſonen und Bücher⸗ namen, mag wohl erſchrecken, wenn er die Arbeits⸗ kraft lernender Jugend und die knappe Zeit und die Pflicht des Lehrenden, doch auch Verſtandenes, Ver⸗ tieftes, Werktagsnahes, Nacherlebtes, Dauerhaftes zu begründen, erwägt. Aber das iſt das lebens⸗ und menſchenkundig Weiſe und Geſunde an dieſen Richt⸗ linien, daß ſie das alles frei bezogen ſein laſſen auf die friſche Wirklichkeit der Menſchen und der Dinge, der Schulen und ihrer Lehrenden, ſo wie Lage, Be⸗ dürfnis, Gewordenſein, Lehrkörper dort ſie geſtalten. So kommen Einheitlichkeit und Frei⸗ heit, große Grundlinien und die lebende Fülle des ſozialen und ſchuliſchen Alltags gleichmäßig ſchön zu Recht und Wirkung, und die ſozialen Frauenſchulen werden dem Wohlfahrtsminiſter, der ſelbſt in dem Richtlinienheft tiefe, bewegliche, lebenskundige Worte gefunden hat, dieſe reiche Förderung und hohe Wer⸗ tung ihrer Arbeit tätig danken. Von der Oeffent⸗ lichkeit aber iſt zu hoffen, daß ſie unter dem Eindruck dieſer bedeutſamen Kundgebung von höchſtverant⸗ wortlicher Stelle nur immer neue Arbheitsgele⸗ genheit für unſere Sozialfürſorge⸗ rimnen ſchaffe und dort nach Entlohnung, Lebens⸗ ſicherung und dienſtlicher wie menſchlicher Behand⸗ lung der Wohlfahrtsfürſorgerinnen auch mit dazu beitrage, daß ſie Kraft und Friſche behalten für ihren ſchweren ſozialmütterlichen, notbezwingenden, innere Friedensarbeit leiſtenden Beruf! Der& He ,p, Ratio H Neclit, ue Von Alexa v. Saſſenberg Die Männer ſind nun einmal ſo beſchaffen, daß ſte ſich über Kleinigkeiten ärgern können.„Die Männer“? Ja, gibt es denn eine Generaliſierung? Iſt nicht einer vom anderen völlig unterſchieden? An ihrer Individualiſterung wird nicht gezweifelt. Glücklicherweſe iſt jeder ein Typ für ſich, eine Per⸗ ſönlichkeit, ſonſt würden ſte ja alle an einer und der⸗ ſelben Frauenerſcheinung Gefallen finden. Aber un⸗ ter einer beſtimmten Lupe geſehen, haben ſie doch irgendwo eine Aehnlichkeit miteinander. Wenn es ſich nämlich darum handelt, gewiſſe Sachen abſcheu⸗ lich zu finden.. gewiſſe Dinge nicht leiden zu kön⸗ nen.. kritiſteren, wenn Türen knarren und Schlüſſel ſich nicht im Schloß drehen. Eine ſchnelle Abhilfe, um einen empfindlichen Men⸗ ſchen nicht länger nervös zu machen: Eine Feder wird in ein Fläſchchen mt angewärmtem Oel ge⸗ taucht. Der Schlüſſel und das Innere des Tür⸗ ſchloſſes werden damit beſtrichen. Man ſchließt einige Male auf und zu, und die herausſtehende Zunge des Schloſſes bekommt gleichfalls etwas Oel. Der Schlüſſel dreht ſich wie„geſchmiert“. Die knar⸗ rende Tür hingegen wird ein wenig hochgehoben und die eiſernen Angeln bekommen einige Tropfen Oel. Die Tür wird geſchloſſen, geöffnet, das Verfahren wird ſolange wiederholt, bis das quietſchende Ge⸗ räuſch verſchwunden iſt. Die Zeitung iſt nicht zu finden Der Herr Gemahl iſt wütend. Zu ſeiner Behaglich⸗ keit gehört das Viertelſtündchen nach dem Mittag mit Zeitung, Zigarre(Zigarette). Ja, die Hausfrau muß eben dafür ſorgen, daß die Zeitung einen be⸗ ſtimmten Platz hat, wo ſie unbedingt ſofort zu fin⸗ den iſt. Sie darf ſie weder zum Einwickeln, noch als Wiſchpapier verwenden, wenn ſie die Wünſche ihres Mannes reſpekttert. Es iſt nicht ſo ſchlimm, wenn er ſeine Zeitung einmal nicht hat, denkt ſie vielleicht. Es iſt ſehr ſchlimm! Eine Nummer ſeines Tages⸗ programms fehlt! Ränder auf polierten Tiſchen ärgern ihn. Das ſieht ſo unordentlich aus, und gleicht ſchlteßt er darauf, daß die Frau Gemahlin nicht die nötige Sorgfalt und hundertprozentige Mühe verwendet. Sie kann dieſem Uebelſtand ab⸗ helfen. Sie gießt ein wenig Oel auf eine Handvoll Salz, legt das Salz auf die beſthädigte Stelle, läßt das Salz ein paar Stunden darauf liegen, entfernt es alsdann, reibt den Rand mit einem Lederlappen nach und wird ſich überzeugen, daß die ſchadhaften Stellen vollkommen verſchwunden ſind. Das verſtaubte Klavier klingt unharmoniſch und ſieht außerdem ungepflegt aus. Alſo wird der Deckel geöffnet, die Platte des Gehäuſes wird entfernt. Sie läßt ſich leicht heraus⸗ heben und wieder einſetzen. Mit einem weichen Pin⸗ ſel und einem trockenen Tuch wird der Staub aus den Holzfugen, Hämmern und Saiten entfernt. Ta⸗ ſten, die viel geſpielt werden, bedürfen einer Reini⸗ gung, die durch ein weiches Läppchen vorgenommen wird. Man taucht es in Eſſig, Spiritus und Chlor⸗ waſſer, drückt es gut aus und reibt die Untertaſten damit ſauber. 4 Maile, 2 Oomp sons ulvere 125 Verkäufe 5 5 Kolonialwarengeschäft (mit Ware und Ein⸗ 15 richtung) für 2500 d. L 3000„ zu verkaufen. Angeb. unt. N A 26 an die Seſchſt. 3291 Von Ilſe Riem Eine grundlegende Verſchiebung der Be⸗ ſitzverhältniſſe haben die Folgen des Krieges mit ſich gebracht. Für viele wurde die ganze Lebens⸗ haltung, der ganze Lebenszuſchnitt verändert; manche, die früher ohne Not und Sorge, ja ohne ge⸗ naues Einteilenmüſſen lebten, ſtehen heute vor den Reſten einſtigen Vermögens und wiſſen ſich nun, in den veränderten Verhältniſſen, nicht zu helfen. Sie klagen und jammern und ſtemmen ſich innerlich gegen ein Geſchehen, das nun einmal da iſt und ſo oder ſo überwunden, zu dem Stellung genommen werden muß. Der weitaus größte Teil des Volkes beſteht heute aus Leuten, die rechnen, die jede Mark ſorgſam abwägen müſſen, und für ſie alle heißt das Gebot der Zeit: Einfachheit. Und auch für jens andere, die„es nicht nötig haben“, ſollte es ſo heißen, damit ſie, welche die Mittel und alſo auch die Ver⸗ pflichtung haben, helfen und unterſtützen können, wo es nottut. Und wieviel tut es not! Frau Margarete Otten, geb. Drake, das Urbild der Vietoriga auf der Ber⸗ läner Siegesſäule, feierte ihren 83. Geburts⸗ Frau Otten hatte vor 60 Jahren ihrem Vater, dem Bildhauer Drake, Modell geſtanden und kann nun heute noch täglich beim Spaziergang durch den Tiergarten ſich ſelbſt als junges Mädchen ſehen. bag. Einfachkeit.. das heißt nicht: Aufgeben inner⸗ ſter, feinſter Kulturgüter und der Form ihrer äußeren Auswirkung; das heißt nicht, die Lebensver⸗ hältniſſe zurückſchrauben in überängſtlicher Sparſam⸗ keit; das heißt: Das Leben und die Lebens⸗ haltung ſo zu geſtalten, daß die vorhandenen Mittel, richtig und bewußt angewandt, immer noch eine gewiſſe Kultur lauch am Aeußern) zu ſchaffen vermögen—— und ſei ſie noch ſo ſchlicht. Das ſetzt voraus, daß der Schaffende, und hier wird es ſich meiſt um die Frau und Mutter handeln, ſich klar darüber iſt, was Kultur bedeutet, Und hier fehlt es in den meiſten Fällen; dieſer grundlegende Begriff wird noch immer viel zu ober⸗ flächlich, viel zu äußerlich genommen. Kultur heißt nicht, unzählige Wertſachen, ſeien ſie dies nun durch Material, Alter oder Seltenheit, um ſich her aufzu⸗ bauen; heißt nicht, in einer„vornehmen“ Gegend wohnen und dieſe teure Wohnung vielleicht mit allen möglichen ſchädlichen Opfern erkaufen. Kultur kann in der kleinſten und engſten Vorſtadtwohnung ſein (ſofern dieſelbe nur noch überhaupt die elementar⸗ ſten Bedingungen erfüllt, die eine ſolche Bezeichnung rechtfertigen), kann im Arbeiterviertel wohnen, ſo gut wie in der Villenkolonie.. oder auch nicht, hier wie da. Kultur iſt Echtheit, iſt Treue un d Zuverläſſigkeit des Materials, und ſei es das ſchlichteſte, das ſich nicht hinter einer ſchönen (aber verlogenen) Tünche verſteckt. Kultur iſt die Liebe und das Verſtändnis, mit dem die Dinge in den Räumen aufgeſtellt und zum Sprechen gebracht ſind, iſt eine kleine, feine, liebvolle Handarbeit, ein ſchönes, getriebenes kupfernes Gerät, das ſich nicht hinter einer ſo bald verſchwindenden Verſilberung verſteckt. Wahre Kultur(daher auch im Aeußern) iſt immer einfach und ſchlicht, ohne Verſchnörke⸗ lungen und ohne unnötigen Zierat. Wirkliche Kul⸗ tur ſchafft ſich Geräte und Möbel, Schmuck und Kleidung in ſchönen, ruhigen Linien, iſt ſparſam in Anzahl und zielbewußt in der Verwendung, ſo jede Häufung und jede unſchöne Ueberladung vermei⸗ dend. Aber das Gefühl dafür iſt im tiefſten Grunde nichts, was angelernt oder anerzogen werden kann; jeder muß aus der ſelbſterrungenen Erkenntnis der Notwendigkeit von Kultur heraus, ſelbſt die Augen öffnen, ſie ſuchen und ſehen lernen und dann ſelbſt pflegen und ſchaffen. Einfachheit iſt das große Gebot unſerer Zeit, das ſo oft verſinkt unter dem Rauſche lärmen⸗ der Feſte und Vergnügungen oder unter dem Kla⸗ gen um verlorenes Hab und Gut, von dem doch ſo oft noch hinreichend genug verblieb, um ſich hier tiefſte und feinſte Kultur zu ſchaffen. Eine verſenkbare but erhalt. Nlavier Nähmaſchine 7904 nrit ſchönem Ton, Fabrik. 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