Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten
 

Dämmerung Es war die erste bämmerung Mit leisem Tagverkünden, Und nur noch eben hell genug, Sich durch den Wald zu finden. Der Morgenstern stand linker Hand, Ich aber ging und dachte Im Eichtal an mein vaterland, Dem er ein Neujahr brachte. Matthias Claudius Die Brücke der Wünsche Von M. A. von Lütgendorff Ungezählte Segenswünsche fliegen in der letzten Jahresnacht von Mund zu Mund, von Herz zu Herz, gesprochen und geschrie- ben in der Heimat und fern von der Hei- mat. Und ihr Sinn ist auch überall der gleiche: Immer soll! der wunsch eine Glücksbrücke bauen, einen Weg, der zum Guten führ Myn trüt geselle, myn liebster hort, heißt es in. einer thüringischen Handschrift aus dem vierzehnten Jahrhundert, in der ein Minnesänger seiner Liebsten seine geluckwunsche zumnuwe jahr dar- bringt und in sehnsuchtsvoller Hoffnung, deren Erfüllung ihm das neue Jahr brin- gen soll, dazu fügt:Dyn gelucke ist myn heil! Einguot selig Jar steht auf der äl- testen, aus dem Jahre 1466 stammenden. gedruckten Neujahrswunschkarte, auf der sich über einer großen, seltsam geform- ten Blume ein Spruchband hinzieht. wer sie zeichnete, weiß kein Mensch mehr, aber sie geflel damals so allgemein, daßein gut selig Jahr gleichsam zur Formel wurde, die sich einbürgerte, wenn man einander Glück wiünschte zum Jahresanfang. Gleichzeitig kamen auch dieKlopf- an-Sprüche auf, mit denen man sich, in- dem man den vVers feierlich hersagte, be- glückwünschte, und die immer mitKlopf an, klopf an! Ein selig neues Jahr geht an! begannen, worauf die verschiedensten gu- ten Wünsche folgten, gut oder schlecht ge reimt, wie es gerade kam. Auch von den Meistersingern haben sich viele sol- cheKlopf-an-Sprüche erhalten, wie zum Beispiel der von dem Nürnberger Gelbgie- her Hans Rosenblut gedichtete Spruch Alles, was dein Herz begehrt, das wird dir zu diesem Jahr gewährt. Klopf dann noch mehr, daß dir widerfahr' alle Ehr! Der schriftliche Neujahrswunsch bestand damals gewöhnlich nur darin, daß man Briefen, die während der Neujahrszeit ge- schrieben wurden, ein paar höfliche Wün⸗ sche beifügte. Den eigentlichen persön- lichen Neujahrswunsch formt immer der Mensch und die Zeit, in der er lebt. Eisern, dem Sinn nach, waren die Neujahrswün- sche, die Friedrich der Große an seine Offlziere richtete. So am 31. Dezember 1781:Ihre Majestät der König lassen allen Herren Offlzieren zum neuen Jahr gratu- lieren, und die nicht sind, wie sie sein sol- len, möchten sich bessern! und dann ein andermal:Ihre Majestät der König lassen allen guten Herren Offlzieren vielmals zum neuen Jahr gratulieren und wünschen, daß sich die übrigen so betragen, daß Wir ihnen Kkünftig auch gratulieren können! stummen Giebeln einer deutschen Stadt, Geschirr und gaben endlich die Krüge den Küche; sie wurden älter, beugten sich, der Besonders kernhaft und frisch leitet auch der Goethe-Spruch ins neue Jahr: Zum Neuen Jahre Glück und Heil! Silvester 1917. Draußen brüllte der Sturm. Das Eis im Strom war gebrochen; das Wasser stieg beängstigend und schlug zeitweise gegen die Fenster unseres Hau- ses, das auf der Kuppe des Deiches stand: Der Fährmann stellte den Fährbetrieb nach der anderen Seite ein. Falls noch jemand rüber wollte, möchten wir ihn umschicken. Wir saßen warm in der kleinen Stube. Mutter hatte Berliner Pfannkuchen gebak- ken, aus Kriegsmehl, aber sie schmeckten. Vater setzte einen Punsch an, aus Frucht- säften und Kräutern, er schmeckte auch. Wir durften bis Mitternacht wach bleiben und auf das neue Jahr anstoßen. Gegen zehn Uhr schraken wir dann alle auf. Es klopfte ein paarmal an der Tür. Vater erhob sich schwerfällig und öffnete. Ein Soldat stand im Türrahmen. Ein Ur- lauber, voll bepackt mit Tornister, Patro- nengürtel, Stahlhelm und Gewehr, Er wollte mit der Fähre über den Strom. Zu Frau und Kind. Vater machte ihm klar, daß die Fahrt über den wilden Strom jetzt unmöglich sei. Wenn es ihm jedoch recht wäre, möge er Auf jede Wunde eine Salbe! Auf groben Klotz ein grober Keil! Auf einen Schelmen anderthalbe! Aus den Brunnen steigt das neue lahr/ von osr wessel Wo in der Heimat am Tore der Silberbrunnen singt, da kündet das Brunnenmännlein stumm, was die Zukunft bringt. So heißt es in einem Neujahrsvers von Max Bittrich. Und pflegt man nicht man- chenorts die Brunnen zu bekränzen?Aëns dem Zeitbrunnen steigt schimmernd ein neues Jahr.. begann ein Gedicht, das wir in diesen Tagen lasen. Fließt die Zeit aus den Brunnen? Sind sie die Wasseruhren der Geschichte? Man muß wohl einmal in einer Nacht der Jahreswende an einem solchen alten Brun- nen gestanden haben, umringt von den um das Wesen dieser dunkel murmelnden Denkmäler zu begreifen. Immerzu rinnt das Wasser, immerzu spült es über das Leit- blech, immerzu quillt es nach aus der Tiefe. Lautlos vielleicht steht indessen auf der Bekrönung des Brunnens die steinerne Ge- stalt und verschweigt, was alles sie ge- sehen hat im Wandel der Zeiten.Alles fließt! heißt ein Wort der Griechen. Die Brunnen raunen es endlos nach. Es ist kein Zweifel, daß die Brunnen der alten Zeit im Getriebe der Gegenwart mit- unter seltsam verloren stehen. Sie haben etwas Grübelndes an sich, etwas Sinnen- des, das über die Menschen hinwegschaut und über die vorbeiklingelnden Straßen- bahnen. Früher hatten sie einen tätigen Sinn, waren eingeschaltet in den Ablauf des Tages. Wie Fausts Gretchen traten unzäh- lige Mädchen zum Brunnen, sprachen mit- einander, flüsterten und holten das Wasser aus dem Leitrohr; sie heirateten, holten Wasser und trugen es nun in die eigene Scheitel trug Schnee, aber immer noch hol- ten sie Wasser, gossen es über Tisch und Kindern, die ihnen nachschauten, wenn sie starben, um gleich ihnen dann den Ring alles Lebens aus dem Brunnen in der Mitte der Straßen und Gassen zu schöpfen. Immer stand der alte Brunnen im Um kreis ihres Daseins. Sie hörten seinen dunklen Mund murmeln, wenn sie bei offe- nen Fenstern schlaflos lagen vor Schmerz und Kummer, sie hörten die gleichmäßige Sprache fallenden Wassers, wenn sie voller Glück um Liebe und Dasein in einer mond- reichen Nacht an ihm vorübergingen. Der Brunnen war etwas Lebendiges. Er war gleichsam das Herzklopfen der alten Stadt. Dies freilich war er nur in der Nacht. denn am Tage hatte er ein nüchtern Schaf- fenswerk, sein Quellwasser in den und je- nen Krug zu reichen, Kessel und Kehlen zu tränken, den Pferden die Nüstern zu kühlen im schwappenden Eimer, den Mäg- den das Spülwasser zu spenden, den Spat- zen das kleine Sommerbad auf dem Trog- rand. Ein plätscherndes Gasthaus zum kal- Marktbrurmen in Trier ten Wasser war solch ein Brunnen. In sei- ner besten und tätigsten Zeit hatte er we⸗ nig Muße zum Philosophieren. Heute freilich erscheinen uns die alten Brunnen in den Städten wie verspätete Hüter eines Idylls aus Volkslied und Ro- mantik. Niemand kommt, ihr Wasser in Kannen und Krüge zu füllen. Aber manch mal bleibt. jemand in Gedanken stehen und schaut dem ewigen Geriesel zu, als sähe er hier, wie die Zeit dahinfließt und das Le- ben. Oder ein Dichter kommt und gewahrt von neuem das alte Sinnbild:Aus dem Zeitbrunnen steigt schimmernd ein neues Jahr. 5 Man kann darüber nachsinnen, was Vs bringen mag. Oder man kann in einer heh len Nacht beim sprudelnden Einerlei des Brunnens das Gesicht haben, wie groß alle geschichtlichen Zeiträume zu nehmen sind. Was ist schon ein Jahr im Ablauf des Ilistorischen, was ein Jahrzehnt? Eine fal- lende Sternschnuppe spiegelt sich im Brun nenwasser und ist nur ein Staubkorn der Ewigkeit. Muß man nicht in Generationen denken können? Wie lange steht dieser alte Brunnen, wieviel Wasser ließ er aus seinem steinernen Sockel schöpfen, wieviel trän- kende Kraft holte er unermüdlich aus der Erdel Im Mondschein sieht das Wasser silbern aus, im Gewitter leuchtete es manchmal seltsam giftig, dem Durstigen schmeckte es wie Wein, der Nüchterne trank es ohne Lust. aber es war immerzu dieselbe Quelle. So gleiten Schatten über unser Dasein, wechseln die Lichter darin, aber alles Le- ben bleibt darum doch eine Kraft der Be- ständigkeit, die immer neue Zukunft webt. Manche haben in der Nacht zum neuen Jahre das Gebheimnis der Zukunft lüften wollen, als geistere es auf dieser Schwelle für ein paar unheimliche Stunden greifbar herum. im voraus geballt. im voraus abzu- tasten. Man goß Blei und ließ es im kühlen Wasser gerinnen. Mädchen griffen in die dunkle Fläche eines Wassers und holten vom Grunde herauf, was dort zufällig lag. Vielleicht erriet man so, wie der Zukünftige war. Ein Stück Eisen versprach einen Schmied, ein Span Holz den Zimmermann, ein Halm Stroh die Begegnung mit einem Bauernsohn. Immer schien auf dem Grunde des Wassers, schien in den Rohren der Brunnen das Unerforschbare zu finden. Aber wenn dann ein Mädchen neugierig und beim Sternschein der Wendenacht in den Brunnenspiegel schaute, sah es doch nur sein eigenes Gesicht, umleuchtet von den Lichtern des Himmels, umdunkelt von den Schatten. Alles Zukünftige nämlich liegt bei uns selbst. Nicht in einem alten Brunnen. Sagten wir nicht, daß die beste Zeit des alten Brunnens nicht sein Gedankenmachen, // auf' seinen Rand geschrieben hat: den Reichen,/ Wir wünschen euch allzu- bei uns den Tag abwarten, der wohl bes- seres Wetter bringen würde. Wir kannten ihn nicht und er nannte auch nicht seinen Namen. Er dachte wohl gar nicht daran, und es war ja auch s0 unwesentlich. Abwesend und fremd saß er da- in seinen tiefen, dunklen Augenhöhlen glomm ein großes Staunen auf über dies friedvolle Zimmer- und erst als er ein Glas von unserem heißen Punsch zwischen den erdigen Händen hielt, kam etwas mehr Leben in sein hageres, zerfurchtes Antlitz. dessen Alter sich nicht schätzen ließ. Entschuldigung, murmelte er mit einem Zucken um den schmalen, schweigsamen Mund.Entschuldigung-. daheim-. Vater nickte ihm ernst zu, Hand war merkwürdig flatternd, als er dem Frau und Ihre Kinder gèsund antreffen. Er dankte und trank durstig. Dann wan- derten seine Augen wieder aus unserer Runde fort und auf eine beinahe geheim- nisvolle Art, mit einem Schimmer von eß⸗ i ff 5 1 n 1 N 744% Ragimund Reimesch sondern sein Tätigsein war? Als er Wasser reichte an den und jenen, hierhin und dort- hin, in hundert Häuser, tausend Stuben. Er floß durch alles hindurch und diente allen. So lasset uns tätig sein wie er! Nicht ans Gewand der Zukunft fassen, sondern sie zu erfüllen trachten. Nicht um Geheimnisse des Kommenden raten und zagen, sondern unser Leben verrichten, unser Dasein an- packen von Tag zu Tag, denn daraus wüchst erst Zukunft. Halten wir die Hände in den Brunnensprudel, das macht frisch! Holen wir uns einen Reitertrunk wie einst aus dem Trog, das macht nüchtern und gewappnet zugleich! Fließe immerzu, treuer Brunnen. Und so mag es doch sein, wie es der Dichter Neig dich dem Quell, der rein strömt aus der Tiefe empor: Siehe, das Morgen wird sein, Ich komme aus Flandern und war zwei Jahre nicht und seine Soldaten sein Glas zuhob:Mögen Sie Ihre Der unbekannte Soldat/ von Oeor Basino Glück um die herben Lippen, sprach er leise von seiner Frau und seinen Kindern. Vier Gesichter, die über all dem schweren Geschehen ständen wie der Friede selbst, und die ihn immer wieder emporrissen aus aller Dumpfheit und Grübelei. Keiner von uns sprach ein Wort. Auch wir Kinder ahnten, daß es für ihn eine Befreiung war, in dieser nächtlichen Stunde einmal zu irgend jemanden zu sprechen, ohne daß eine Frage ihn störte. Und dann setzte die Uhr zum Stunden- schlage an, Mitternacht. Das alte Jahr ver- sank unwiderruflich, und das neue stieg dunkel und geheimnisvoll auf. So dunkel und geheimnisvoll wie der Frontsoldat in unsere Mitte. Still füllte Vater die Gläser, wir erhoben uns. Der Unbekannte überragte uns alle um Haupteslänge, seine graue, hagere Ge⸗ stalt schien plötzlich den ganzen Raum zu füllen und seine Enge zu sprengen. Der Blick seiner Augen wurde visionär, als er mit seiner schweren Hand das Glas hob und sagte:Einmal wird wieder ein Sil- vester sein, wo wir die Gläser in völliger Freiheit erheben. Aber es wird noch lange dauern. Es waren die letzten Worte, die an die- sem Abend gesprochen wurden. Still gin- gen wir alle zu Bett. Am anderen Morgen hatte sich der Sturm etwas gelegt, und der Unbekannte fuhr mit der Fähre in den grauen Dunst des Tages hinein. Wir sahen ihn nie wieder. Aber keiner von uns konnte die Begegnung mit ihm vergessen. Wir hatten in den Jahren nach- her manche laute Silvesterfeier. Aber um Mitternacht, wenn die Uhr zum Schlage ansetzte, zerstob aller Lärm stets wis ein Spuk. Er stand dann plötzlich zwischen uns, alle überragend und hager- der un- bekannte Soldat im grauen, zerschlissenen Rock, und sein schweigsames Antlitz ge- mahnte uns, daß wir noch immer kein Recht hatten, die Gläser jubelnd zu er- heben, so Großes inzwischen auch gesche- hen war. Und auch in diesem Jahr wird es nicht anders sein. Und neben dem Flandern- kämpfer von 1917 wird der junge Soldat von heute stehen, und beide werden die gleichen Worte auf den Lippen haben: Einmal wird wieder ein Silvester sein, wo wir die Gläser in völliger Freiheit er- heben! Und' bald wird es sein, Das letzte Eis im Strome wird zerbrechen, und das neue Jahr wird sich uns machtvoll und in starker Klarheit aus' den Stundenschlägen aller Glocken entgegenhebenl Die Bauernregeln bilden einen volkskund- lich wichtigen Teil des deutschen Sprich- Wortschatzes. Inhaltlich sind die meisten von ihnen auf überlieferter Beobachtung und selbstgewonnener Erfahrung beruhende Wetterprophezeiungen, Ernteorakel und Verhaltungsmaßregeln für die ländliche Praxis und das tägliche Leben. Es besteht gar kein Zweifel daran, daß viele Bauernregeln nur noch als Zeugnfsse des Volksaberglaubens interessant, manche durch allerlei Zufälle verdorben, andere in- folge der mit den Jahrhunderten wechseln- den europäischen Wetterlage und durch ab- geänderte Anbaugebräuche des Landman- nes überholt sind; auch beziehen sich nicht wenige der alten Sprichworte dieser Art auf Kalendertage, die infolge der Kalender- reform ihre Stellung im Monat verändert haben; aber dennoch sind zahlreiche von ihnen noch brauchbar bei vorsichtiger Deu- tung und Anwendung geblieben. Das Gut der deutschen Bauernregeln, wie es sich um den Jahreswechsel rankt, ist im übri- gen ehrwürdigen Alters und darum allein schon volkskundlicher Beachtung wert. Silvesternacht in Winterpracht uns Hoffnung auf ein Fruchtjanr macht, lautet ein Ernteorakel, das mit den allge- meinen monatlichen Bauernregeln zusam- menstimmt, wie ein Vergleich mit einer süddeutschen Januarregel, die gut zu der Erfahrung des Letztjahrtages steht, zeigt: Jänner, je kälter und heller- um so vol- ler Scheuer und Keller! Kälte fordert man ja von einem normalen Winter, der einem normalen. warmen Sommer vorauszugehen wie es Dein Handeln beschwor! Neujahr im bleckartal In dem mauerbewehrten Bergdorf Dils- berg, das unweit Heidelberg hoch überm Neckar liegt, wird die Jahreswende in Frie- denszeit festlich begangen. Um Mitternacht läuten alle Glocken. Alter Tradition getreu werden zum Läuten der Neujahrsglocken neun junge Bürger durch den Bürger- meister bestimmt. Beim Burgtor hat sich eine seltsame Schar zum mitternächtlichen Umzug versammelt: acht Dilsberger Nacht- wächter, mit Laterne und Hellebarde be- waffnet, mit dicken Mänteln, mächtigen Bärten, vomFeldwaibel angeführt. Auf dem Kopf tragen die Männer mächtige Dreimaster. Als Wahrzeichen seiner Macht trägt der Waibel am Gurt drei alte Stadt- torschlüssel. Ein krummer Türkensäbel. blank geschultert, erhöht das imponierende Aussehen des schnauzbärtigen Mannes, Der Fremde ahnt nicht, daß unter der phan- tastischen Kleidung, an der ein Spitzweg seine Freude haben müßte, junge Dilsberger stecken. Aus allen Gassen kommen zum Umzug Musikanten mit ihren Instrumenten, dazu viel Volk. Sobald der zwölfte Glockenschlag ver- klungen ist, erklingt das Dilsberger Nacht- wächterhorn. Zwölf mal stößt einer der Nachtwächter tutend in das Horn. Dann singen die Nachtwächter gemeinsam das Dilsberger Neujahrslied:Hört ihr Leut und laßt euch sagen/ Unsre Glock hat zwölf geschlagen./ Das alte Jahr ist vergangen/ das neu hat angefangen. Wir wünschen euch allen zugleichen,/ Den Armen wie mal/ Ein glückseliges Neujahr!/ Lobt Gott, den Herrn! hat, undHelle im Winter geht im allge⸗ Wie die Dilsberger Jahreswende feierten Uberall öffnen sich die Fenster. Glückwün- sche werden ausgetauscht. Im Burghof löst sich, der Zug wieder auf. Nun gehts in die Wirtschaften, wo der Glühwein dampft: das neue Jahr wirdangetrunken. Dilsberg zählt zu den am schönsten ge- legenen Dörfern Deutschlands. Auf drei Seiten vom Neckar umschlossen, nur auf der Südseite mit demkleinen Odenwald verbunden, reizte die Höhe die Menschen schon in der Frühzeit zur Besiedlung. Die Stadtmauern, die heute noch das alte Bergnest umgeben, stehen vermutlich auf einem vorgeschichtlichen Ringmal. Ein Diligin war der Herr der alten Volks- burg. Im 12. Jahrhundert waren die Dils- berger Burgherren Gaugrafen des Elsenz- gaues. Später saßen die Lauffen und die Dürn auf der Neckarfeste. Die Dürner traten in kurpfälzische Dienste. So kam Dilsberg 1350 an die Kurpfalz. Mehrfach wurde die Feste während des 30jährigen Krieges belagert. Tilly leitete -ohne Erfolg- am 6. April 1622 den An- griff persönlich. Erst im September(nach- dem sich Heidelberg ergeben hatte), kapi- tulierte Dilsberg. Im Januar 1633 wurde die Feste von den Schweden genommen; 1635 zogen die Kaiserlichen wieder ein. Ehe das Bergnest 1803 an Baden fiel, ge- hörte es der Kurpfalz. Mauern und Türme künden noch von einstiger Wehrhaftigkeit. Noch stehen das alteKommandantenhaus, die Zehnt- scheuer, Teile der Burg mit dem Burg- brunnen, von dem aus nach alter Uber- lieferung ein unterirdischer Gang nach Neckarsteinach führte: als letzte Rettung Verantwortung Von Richard Drews Ein gewichtiges, breit ausladendes Wort, ein Wort, das beinahe erdrückt wird von der Last der Vor- und Nachsilben, wie jener erdrückt wird, der nicht Gewicht und Ge- halt genug besitzt, Verantwortung zu tra⸗ gen. Ein Wort, bei dem einen das Bewußt- sein überwältigt, daß Sprache nichts Spiele- risches, in müßiger Laune Erfundenes dar- stellt, sondern Zuendegedachtes, das wir nur in seinem ursprünglichen Sinn erfassen müssen, um hinter seine Geheimnisse zu kommen. Schälen wir den eigentlichen Wortkern heraus, stoßen wir auf den BegriffAnt- wort. Antwort ist eines jener Worte, deren ursprünglicher Sinn ein wenig verblaßt ist vom täglichen Gebrauch, etwas abgenutzt durch allzu eifrige Verwendung. Aber ur- sprünglich ist es ein ernstes, einem magi- schen Anruf vergleichbares Wort, dieses Wort mit der seltenen Vorsilbe Ant, die sich noch in dem Wort Antlitz erhalten hat, Ant- wort geben, Antwort erteilen, eindeutige, alles in sich schließende Entgegnung, ist ein gewichtiges Unterfangen, wenn es nicht bloß bewegte Luft und faule Ausflucht,- richter Einwand und feige Ausrede sein soll. Verantwortlich sein aber heißt: eindeu- tige, unmißverständliche, klar umrissene Antwort geben; Antwort auf einen eindeu- tigen Befehl, ein höheres Geheiß, eine in- nere Stimme. Keine bequeme Erinnerung, nichts Dahergeredetes, das einem einen Notausgang offen läßt, durch den man bei nötiger Geschicklichkeit entwischen kann. Hic Rhodus, hic salta heißt die eindeutige Aufforderung, stehe Rede und Antwort, hier und sofort und schiele nicht listig nach Brücken hinter dir, die dir deine Flucht zu sichern vermögen. Verantwortlich sein, das heißt, eine Ver- pflichtung haben, eine Last tragen, die man nicht einfach abschütteln kann und dem Nächstbesten aufbürden. Das heißt ausge- Wählt sein, vom Schicksal oder vom Men- schen, der das Schicksal vertritt. Da gilt es standzuhalten und auszuhalten, weil keine Macht der Welt dich dessen entbin- det, was dir aufgetragen wurde. Verantwortung haben, heißt einen Auf- trag haben, der erfüllt sein will, unerbitt- lich und bis aufs-Tüpfelchen. Und nicht zusammenbrechen unter einer Last, die für Menschenschultern Und sie gerade dann, wenn sie zu schwer erscheint, mit fröhlichen Schultern tragen, mit federndem Herzen und aus der ganzen Kraft einer unerschütterlichen Seele. Das alles heißt Verantwortung, eins der gewichtigsten Worte unserer Sprache, aber mehr als ein Wort- eine Macht, die die Pforten der Hölle sprengt. . Bauernregeln an der lahresschwelle Aus altem Sprichwortschatz meinen mit Frost einher. Deshalb stimmt auch hierzu dieser Volksreim: Silvesterabend licht und klar verkündet uns ein Segensjahr. Weniger leicht deutbar will dieses Orakel erscheinen:Bringt Silvester Morgensonne, dann aber Nachtwind, so ist das kein gutes Vorzeichen für Korn und Weinlese. Im- merhin findet sich noch eine ähnlich lau- tende Ernteregel, die besagt:Silvester- wind und warme Sonne werfen jede Hoff- nung in den Born. Deutlicher sind die ei- gentlichen Neujahrsprophezeiungen, deren 3 lautet:Neujahr kalt- das ge- 3** In diesem Gedankengange bewegen sich zahlreiche Neujahrssprichworte; so hören wir sagen: Knarrt zu Neujahr Eis und Schnee, gibt's reichlich Getreide, Obst und Klee oder Kernige Neujahrskält' bringt dem Bauern Brot und Geld 3 oder Gihtes in der Neujahrsnacht viel Sterne, dann legen die Hennen gerne; scheinungen kalter Zeit. Auch sagt man: Sind zum Jahresanfang die Flüsse kleln, so gibt es viel und guten Wein. Klein erscheinen die Flüsse, wenn sle un- ter einer Eisdecke liegen, im Gegensatz zu den bis zu Hochwasser steigenden Flüssen der Tauwetterzeiten. Solche aber sind zu Neujahr erfahrungsgemäß unerwünscht, dennBeginnt das Jahr feucht und lau, wird das Frühjahr trocken und rauhꝰ, was im allgemeinen auf keinen günstigen Ver- lauf des sommerlichen Fruchtjahres hin- deutet. Und das gleiche sagen in abwech⸗ Jahresbeginns: Im Jänner viel Wasser, im Herbst wenig Wein, Ist's an Neujahr sehr gelind, am Weinstock wenig Trauben sind. Auch diese Regel ist Weitverbreitet, weil allzu oft schon bewährt: Zum Jahreswechsel viel Regen und wenig Schnee tut Saaten, Wiesen und Bäumen weh! Neujahrsnebel bringt Märzenschnee, heißt es weiterhin undwenn's um Neujahr Re- gen gibt, oft um Ostern Schnee noch stiebt. Werner Lenz. Morgen im Rundfunk Samstag. Reichsprogramm: 9 bis 10 Uhr: Konzert. 10 bis 11: Sendung der Hitler- Jugend. 11.05 bis 12: Solisten und Orchester. 12.40 bis 14: Musik von Johann und Josef Strauß. 14.15 bis 15: Melodien. 15.30 bis 16: Märchen. 16 bis 18: Bunter Samstagnachmit- tag mit Grete Weiser, Jupp Hussels u. a. 18 bis 19:Kleine Sachen, die Freude machen. bis 22: Unterhaltungssendung. 22.30 bis : Fröhlicher Ausklang. Deu tschland- sender: 16 bis 17; Film-, Operetten- und Unterhaltungsmusik. 17.10 bis 19: Millöckers OperetteDas verwunschene Schloß. 20.15 bis 22 Uhr: Aus Oper und Konzert. In Paris errang der TerrafllmIch ver⸗ trau dir meine Frau an, mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle, einen großen Heiterkeits- Nun setzt sich der Zug in Beweguns. in Zeiten der Not. B. erfolg. 1 zu schwer erscheint. sternenklare Winternächte sind Begleiter- selnder Fülle viele andere Bauernregeln des 3 Silv Rücks jedem bei ein inneru nicht, gegen und o mit ei überge Das Es ist wesen schich Wesen nissen manch sundh. ein Ja Front die Ei britisc nicht 1 nicht wegtäl Wir br Wwollen abend rollend zelne und ar sen, w in den ben ur Verdunk Offizier Stichwort Reichsmin fehlshaber die Jungei 1928. Bewi bahn sowo (nicht Ber. den wollen chen. Die offen stehe die Meldes Ausgezei lich, Kir straße 2, v Herbert S Mannheim, Ben Verwi 7 Wilhelm B Karl K1i! der Oberw Wilhelm S Polizei Eus EK II unce Fritz Bie EK II aus: Neujahrs Hakenkre Grenadiere bach, Hans die Arbei Beisel, Sig. Seiler, Ka: Sebastian-! die Mann Anny Sch. Riedl. Hohes A heute Frar burger Str s er, Rhei Jahre alt Gerwerbsti endet am geborene den73. 1 Straße 73, Jahre alt v Hitler-Stra reiht sich B 7, 19, m. 50 Jahre Prokurist d Mannheim, jährige Zu rück. 25 Heinrich F kannter Ju Kirchengen Fleisch Ab Mont Die Aus Kkarten, die 6. Februar 8. Januar, Dienstag si Mittwoch 1 Rest des A ist von.30 Mittwoch den neuen Fleischsonco biete über sonderkarte neue Raucl periode, ei bakwaren vier Absch werdende die den Be zeigen. Weihnacl liche Stune nacht ver genossen Gedichte Chor sang, a uf hielt ter Hanf von starke sicht erfül xu folgen 50 Jahre te, doch eir zweiten V und Freui zusamment träüge vers ren Mittel gangenen f standen, stattete. würdigte Nach eine