4 0 5 9 V 4 2 iel verloren, 8. d 8 Silvesterabend ist eine Stunde der Rückschau. Wir halten sie heute wie in en jedem Jahr. Früher überließen wir uns tang bei einem Glase Pfälzer Weines den Er- Aas BOW innerungen nur kurz und wehrten uns nicht, wenn die schönen Erlebnisse sich gegen alle Nöte des Jahres vordrängten und die bösen und schweren Stunden mit einem milderen, versöhnenden Licht übergoldeten. Das Jahr 1943 lastet drückend auf uns. Es ist für Mannheim ein hartes Jahr ge- wesen, wie kaum eines in der langen Ge- schichte der Stadt. Es ist ein Jahr ge- wesen reich an Leid, erfüllt von Schreck- nissen, ein Jahr, in dem viele vieles, mancher alles verlor, Besitz und Gut, Ge- sundheit und Leben, ein Jahr der Opfer, ein Jahr des ständigen Kampfes an der Front der Heimat. Wir können uns über die Erlebnisse, welche die Nächte der britischen Terrorangriffe uns brachten, nicht leicht hinwegsetzen, und schon gar nicht mit einem hellen Gläserklingen wegtäuschen. Wir können es nicht, und wir brauchen es auch nicht zu tun. Wir Wollen vielmehr an diesem Silvester- abend in der Rückschau auf das zu Ende rollende Jahr nichts auslassen. Jeder ein- zelne von uns mag getrost durchdenken und an seinem Geist vorüberziehen las- sen, was ihm und seinem engsten Kreis inem einen in den Stunden begegnete, da die Bom- den man bei ben und Kanister der Feindflieger durch ischen kann. nichts Spiele- undenes dar- tes, das wir Sinn erfassen heimnisse zu en Wortkern Zegriff„Ant- Worte, deren verblaßt ist as abgenutzt g. Aber ur⸗ einem magi- Wort, dieses Ant, die sich ten hat, Ant- „ eindeutige, gegnung, ist renn es nicht Ausflucht, tö- ede sein soll. ißt: eindeu- r umrissene inen eindeu- eiß, eine in- Erinnerung, ehr gewonnen. K. die Luft pfiffen, da das Heulen und Krachen der Sprengkörper die Häuser erzittern machte, da ein barbarisch über die Stadt geworfener Phosphorbrand die Denkmäler unserer Kultur, die Wohn-— stätten, das Heim vernichtete, dæ der Tod diesen und jenen nahen Verwandten oder Freund für immer von uns nahm. Denn wir sollen an dieser Jahres- wende wissen, was wir verloren und wie unendlich viel wir verloren. Unsere Jahresbilanz muß lückenlos und ehrlich sein. Denn den Großen im Reiche des »Geistes, der Wissenschaft und der Kunst gleich, die ihren Weg aus der Nacht schwerer Schicksale, in zähem, unabläs- sigem Kampf gegen die Welt zum Liclit des- sieghaften Erfolges fanden, wollen auch wir aus der Summe des Leides, das wir einzeln und als Gemeinschaft einer deutschen Stadt erdulden mußten, die Kraft ziehen, mutig und gläubig, doch auch entschlossen, zu sühnen und zu vergelten, in das neue Jahr eintreten. Beginnen wir es im Geist der Sieges- zuversicht, im Geist auch einer eisernen, brutalen Kampfansage gegen den Feind, der uns in den letzten Monaten in Mann- heim so manchen Schlag versetzte, dann haben wir im schicksalsschweren Jahr 1943 zwar viel verloren, doch mehr noch gewonnen: einen unwendelbaren Glau- ben und Kampfeswillen. pf. noch die Umfassungsmauern, und gleich it listig nach ne Flucht zu e eindeutige MANNHEIM d Antwort, Verdunklungszeit von 17.32 bis.52 Uhr zt, eine Ver- zen, die man n und dem heißt ausge- r vom Men- ritt. Da gilt nalten, weil ssen entbin- Offizier in der Luftwaffe. Unter diesem Stichwort veröffentlicht im Anzeigenteil der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbe- fehlshaber der Luftwaffe einen Aufruf an die Jungen der Geburtsjahrgänge 1927 und 1928. Bewerber für die aktive Offizierslauf- bahn sowohl als Jungen, die Kriegsoffiziere (nicht Berufsoffizier) in der Luftwaffe wer⸗ den wollen, sollen jetzt ihre Gesuche einrei- chen. Die Bekanntmachung erläutert die. offen stehenden Waffengattungen und nennt die Meldestellen. Ausgezeichnete Soldaten. Ltn. O. Gram- lich, Kirchheim bei Heidelberg, Bogen- Straße 2, wurde mit dem EK I, Wachtmstr. Herbert Schachner, Waldhofstr. 114 in Mannheim, mit dem EK I und dem silber- n Verwundetenabzeichen, Stabsgefreiter „Pilhelm Baum, Viehhofstr. 9, Wachtmstr. Karl Kling, Schriesheim, Bahnhofstr. 16, der Oberwachtmstr. der LS-Polizei Andreas Frank, der Wachtmstr. der LS-Polizei Wilhelm Schick, der Wachtmstr. der LS- Polizei Eugen von der Mühlen mit dem EK II und der Wachtmstr. der LS-Polizei Fritz Bie dermann mit der Spange zum EK II ausgezeichnet. „FTeujahrsgrüße an die Heimat sandten dem „Hakenkreuzbanner“: Uffz. Karl Frank, die Grenadiere Albert Schad, Friedrich Mohr- einen Auf- ll, unerbitt- Und nicht Last, die für rerscheint. z2zu schwer tern tragen, der ganzen ZSeele. ng, eins der hrache, aber cht, die die lle ralb stimmt 1 Klar jahr“. bach, Hans Schneider, Ferdinand Röchner, die Arbeitsmänner Joachim Grau, Otto s kein gutes Beisel, Sigurd Becker, Helmut Becker, Eug. Seiler, Karl Wolf und aus der„Johann- inlese.“ Im- Sebastian-Bach-Stube“ eines KLV-Lagers die Mannheimer Mädel Ruth Willinger, jede Hoff- Anny Schreiner, Gisela Raab und Gerda sind die ei- Riedl. agen, deren Hohes Alter. Den 30. Geburtstag feiert lt- das ge- heute Franz Winkler, Seckenheim, Frei- pburger Straße 32, am 2. Januar Josef Ne u- ser, Rheinau, Bruchsaler Straße 66. 76 Jahre alt wurde Franz Essig, Käfertal, Gerwerbstraße 4, das 75. Lebensjahr voll- endet am Neujahrstag Katharina He ck, wegen sich ; s0 hören anee, 8 geborene Naas, Waldhof, Fichtenweg 20, und Klee“ den„73.“ feiert Emilie Ritter, Käfertaler Straße 73, zur Zeit Beerfelden i.., 72 lem Bauern Jahre alt wird Anna Feuerstein, Adolf- 4 Hitler-Straße 35, und als Tagesjüngster reiht sich Prokurist Fritz Schünemann, riel Stern B 7, 19, mit dem 60. Geburtstag an. —— g 50 Jahre treu im Dienst. Rud. Bertram, , Prokurist der Firma Imhoff u. Stahl Gmbl., Besleiter- Mannheim, blickt am 1. Januar auf eine 50- jährige Zugehörigkeit zu seiner Firma zu- rück.— 25 Jahre steht am Neujahrstag Ps. lusse kleln, Heinrich Roesinger als staatlich aner- kannter Jugendpfleger im Dienst der Evang. enn sle un- Kirchengemeinde Mannheim. 25 egensatz zu len Miüissen Fleisch- und Brot-Sonderkarten Ab Montag Lebensmittelkartenausgabe und lau, Die Ausgabe der neuen Lebensmittel- rauh“, was Kkarten, die für die Zeit vom 10. Januar bis tigen Ver- 6. Februar 1944 gelten, beginnt am Montag, ahres hin- 3. Januar, für die] Buchstaben A bis F. Am n abwech- Dienstag sind die Buchstaben G bis L, am nregeln des Mittwoch M bis R und am Donnerstag der Rest des Alphabetes an der Reihe. Ausgabe rbst wenig ist von.30 bis 16.30 Uhr durchgehend, am Mittwoch sogar von.30 bis 18 Uhr. Mit den neuen Lebensmittelkarten werden eine Fleischsonderkarte für luftgefährdete Ge- biete über 200 Gramm Fleisch, eine Brot- n sind“. sonderkarte über 600 Gramm-Brot, die reitet, weil eue Raucherkarte für die 58. Versorgunes- —.——— aren und ein Berechtigungsschein mi vier Abschnitten zum Bezug von Kpfeln fur weh!“ werdende und stillende Mütter ausgegeben, die den Berechtigungsschein B oder C vor- nee“, heiſt—*+—3 82 —— Vviernheimer Umschau achtsfeier der Partei. Eine besinn- 5—— zur Feier der deutschen Weih- 5 cht verlebten die Viernheimer Partei- genossen Ratskeller, Musik erklang, : 9 bis 10 Gedichte wurden gesprochen, ein BDM- der Hitler- hor sang, und Kreisschulungsredner Bald- Orchester. auf hielt eine Ansprache. Ortsgruppenlei- und Josef ter Kanf beschloß die Feier mit einem 30 bis 16: von starkem Glauben und trotziger Zuver- agnachmit- sicht erfüllten Gelöbnis, treu dem Führer zu folgen bis zum Siege. 50 Jahre Turnverein. Es war eine schlich- doch eindrucksvolle Feier, zu der sich am eiten Weihnachtsfeiertag die Mitglieder md Freunde des Turnvereins 13893 oß* usammenfanden. Musik- und Gedichtvor- verschönten die Gedenkstunde, in de- ren Mittelpunkt ein Rückblick auf die ver- gangenen fünf J ahrzehnte des Vereinslebens n, stattete. Alterspräsident Rektor den Hans Winkenbach er- MayrV Truppen, um.15 Uhr war die stark be- fallenen Vereinsmitglieder nahm K. Hoock die Ehrung der Vereinsjubilare vor. Für 50- jährige Mitgliedschaft erhielten eine Ehren- urkunde: Nikolaus Alter, Kaspar Englert, Martin Faber, Michael Hoock, Georg Klee, Johannes Müller und Johann Roos, für 30 jährige Vereinszugehö- rigkeit: Franz Kempf, Nikolaus Roos, Phi- lipp Martin und Philipp Wieland. Allen Mitwirkenden bei der schönen Feier sprach der zweite Vorsitzende Nikolaus Hof- mann den Dank des Vereins aus. Verkehrsunfall. An der Straßenkreuzung Straßenheimer, Heddesheimer, Viernheimer und Umgehungs-Straße kam es zu einem Zusammenstoß zwischen einem Radfahrer und einem Lastkraftwagen, bei dem der 72jährige Landwirt Philipp Reinemut aus Mannheimer Krankenhaus, in das er ge- bracht wurde, erlag R. wenige Stunden später dem erlittenen Schädelbruch. Monate schwerste Im Anblick der frischaufgeworfenen Grä- ber, der noch schwelenden Trümmer im Stadtinnern und in den vormals idylli- schen Siedlungen, der zerbombten Straßen, berührt ein Rückblick schmerzlich. Was in Jahrzehnten rastloser Arbeit und zähen Fleißes geschaffen wurde, sahen wir in die- sem Jahre in Schutt sinken. Darunter das meiste, was die Schönheit der dank der Ini- tiative ihrer Bürger so rasch aufblühen- den Stadt ausmachte und den besonderen Stolz jedes Rhein-Neckarstädters bildete. Daran denken wir an der Schwelle des neuen Jahres, von dem wir nicht wissen, welche weiteren schweren Prüfungen es bringen wird. Wir denken aber auch mit dankerfülltem Herzen an die vielen helfenden Hände, die sich in unserer Not darboten, an die Kame- radschaft, die im Feuerhagel der Bomben- nächte erhärtet wurde. Wer hätte in sorg- loseren Zeiten für möglich gehalten, daß eine solche Kräftefülle aus den Herzen der Einwohner einer so wundgeschlagenen Stadt ausströmen könnte, wie sich dies in den vergangenen Wochen und Monaten of- fenbarte? Die Qual der Stunden vermochte nicht, die gesunden Kraftquellen zu ver- schütten. Wortlos und verbissen wurde der Kampf gegen den Terror aufgenommen. Je mehr sich die Leiden und die Schrecken häuften, desto fester wuchs der Trotz der Männer und Frauen, die verstanden hatten, daß sie vom Schicksal dazu ausersehen wa- ren, gleich den Soldaten an den Fronten in der Front der Heimat das unerbitliche und grausame Ringen bis zum Siege durchzu- stehen. Ihre Tapferkeit, ihre Geduld un ihre Opfer werden unvergessen bleiben. Das im verflosenen Jahr Geleistete kann mit Stolz und Zuversicht erfüllen. Die Tage- buchblätter sprechen von Kampf und Wie- deraufbau, von Unbeugsamkeit und leiden- schaftlicher Selbstbehauptung. Wir erlebten Die Schlacht von Leipzig war geschlagen, die Macht Napoleons gebrochen. Die in den Rheinbund gezwungenen süddeutschen Staa- ten waren zu ihren deutschen Brüdern über- getreten, die badische Brigade allerdings mit ihrem Kommandeur, dem Grafen Wilhelm von Hochberg, in preußische Gefangenschaft geraten. Die Armeen der Verbündeten be- wegten sich dem Rheine zu, dessen linkes 1797 unter französischer Herrschaft stand. In der Neujahrsnacht von 1813 auf 1814 erfolgte der sorgfältig vorbereitete Rhein- übergang der preußisch-russischen Armee, die unter dem Oberbefehl des Generalfeld- marschalls Blücher stand-. Während dieser mit dem Zentrum bei Caub den Strom über- schritt, ging zur selben Zeit der rechte Flü- gel bei Koblenz und der linke bei Mann- heim über den Rhein. Dieser linke Flügel, der hauptsächlich aus Russen bestand und von dem baltischen General von Osten-Sak- ken befehligt wurde, traf im Laufe des De- zembers in unserer Gegend ein. Wohl kamen die Russen als Freunde, aber die Bevölke- rung von Mennheim hatte unter ihren Uber- griffen ziemlich zu leiden und war froh, als ihre Heere weiterzogen. Der Rheinübergang erfolgte in Höhe der alten Neckarmündung. Auf Kähnen setzten die Russen über, und es entwickelte sich ein heftiger Kampf auf dem jenseitigen Ufer. m 6 Uhr morgens landeten die ersten gte die Verdienste des Turnvereins. einem ehrenden Gedenken an die Se- festigte französische Schanze im Friesenhei- Philipp Effler, Der Turm des schönen Mannheimer Rat- hauses steht nicht mehr in der Pracht sei- ner barocken Architektur. Er ist ein Opfer der britischen Bombenangriffe geworden, wie so manches andere herrliche Bauwerk in unserer Stadt. Die Ereignisse des Jahres 1943 stehen in der Geschichte Mannheims einzig da. Das Jahr 1943 hat das Bild der Stadt Mannheim völlig verwandelt. Was an die Zeit Carl Theodors erinnerte, ist verschwunden. Mannheim war eine Stadt des Barock. Mannheim war eine Stadt der Kunst, des Sports und des regen Wirtschaftsgeistes. Das Nationaltheater, das über 160 Jahre gestanden hat, ist ebenso wie das„Kauf- gebaut wurde, ein Raub der Flammen ge⸗ worden. Vom kurfürstlichen Schloß, dem größten Schloß Deutschlands und dem zweitgrößten nach Versailles, stehen nur ihm flel die herrliche Jesuitenkirche den barbarischen Angriffen der britischen Luft- gangster zum Opfer. Manchen schweren Luftangriff hat Mann- heim in dem nun zu Ende gehenden Jahr Nicht ängstlich zittern in den Gewittern kommender Tage und jede Plage starnlhaft ertragen, tapfer sich schlagen, soll uns Verpflichtung, kerung. Wir können von Glück sagen, daß die Menschenverluste in unserer Stadt bei allen Angriffen verhältnismäßig gering ge⸗ wesen sind. Das danken wir der Voraus- sicht des Oberbürgermeisters unserer Stadt. Denn Mannheim hatte, als die Terror- angriffe der Briten begannen, im Stadt- denen die Bevölkerung Zuflucht und Schütz Hüttenfeld schwer verletzt wurde. In dem innern genügend Bunker zur Verfügung, in in den Bombennächten fand. Die Unter- bringung der Menschen in den Bunkern hat sich bewährt. Die Bunker haben standgehal- ten. Das Vertrauen der Bevölkerung in die r Prüfung und schõnster Bewãhrung für Mannheim Der Einsatz der Partei im Kampf gegen. den Luftterror die Steigerung dés blinden Vernichtungs- willens der Feinde vom Frühjahr an bis zu den Infernonächten im Spätsommer. Ohne die bis ins einzelne gehende Organisation der Partei hätten die Terrorschläge sich katastrophal auswirken müssen. So aber vermochte die Partei in und nach den Schreckensnächten sofort helfend und lin- dernd einzugreifen, verlor nie die Führung und konnte die Betreuung in einer Breite und Tiefe durchführen, die als hervorragend bezeichnet werden darf. Die Fehlleitungen, die hier und dort verzeichnet werden muß- ten, die Störungen, die sich durch mensch- liche Unzulänglichkeiten oder durch augen- blicklichen Mangel an Kräften und Mate- rialien ergaben, vermögen den starken Ein- druck nicht zu verwischen, den jeder mit- nahm, der in entscheidenden Stunden in der Zentrale der Soforthilfe in der Kreisleitung weilte. Tage- und nächtelang hielten die weni- gen Männer, die hauptamtlich ihren Posten ausfüllen, in nervenzermürbender Arbeit durch, um dem Heer der freiwilligen Hel- ker und Helferinnen der Partei ihrè An-— leitungen zu geben, sie immer wieder zu neuem, noch intensiveren Einsatz aufzu- rufen. Das Beispiel, das die Aktivisten der Partei gaben, die neben ihrer harten Ta- gesarbeit noch übernormale Leistungen vollbrachten, riß auch den letzten Lauen mit, der sich noch verzagt im Hintergrund gehalten hatte. Noch nie waren die Mann- heimer so zu einer Familie zusammenge- schweißt worden, die wie Pech und Schwe⸗ fel zusammenhielt in der Arbeit, im Kampfe und in- gläubigem Vertrauen zum Führer. Den Steigerungen des Terrors entspra- chen die gesteigerten Anstrehgungen, um die erlittenen Schäden zu beseitigen und ihnen nach Möglichkeit vorzubeugen. Zu diesen Maßnahmen zählen die Verschik- Neujahrsglock en läuteten die Freiheit ein Der Rheinübergang bei Mannheim vor 130 Jahren mer Wäldchen erstürmt. Das Gros der Armee jedoch, bestehend aus 40 000 Mann mit 220 Geschützen, wartete in Mannheim ab, bis die von Schiffern des Neckartales verfertigte Schiffsbrücke über den Rhein ge- schlagen war. Die Schiffer von Mannheim, Heidelberg und anderen Neckarstädten tru- gen wesentlich zum Gelingen des Ubergangs über den Strom bei. Sie ruderten zum Teil die Truppen an das linke Rheinufer hinüber und beteiligten sich dort am Kampfe. Eine Anzahl von ihnen wurde mit goldenen oder silbernen Verdienstmedaillen ausgezeichnet. Die Neujahrsglocken 1814 läuteten in der Pfalz die Freiheit ein.„Gott hat gerichtet, der Herr hat uns errettet“; so beginnt der Aufruf des neuen Gouverneurs Gruner an die Einwohner der befreiten Gebiete. Begeisterung erfüllte an dieser Jahres- wende ganz Baden. Max von Schenkendorf, der damals in Karlsruͤhe weilte, dichtete, wie wir schon unlängst erwähnten, sein „Lied an die badische Dandwehr“. Der Frei- burger Dichter Jakobi raffte sich— vier Tage vor seinem Tod— noch zu einem Preislied auf das neue Jahr 1814 auf. Die badischen Truppen unter General Wilhelm von Hochberg verließen am Neu- jahrstag 1814 die Residenz und überschrit- ten am 14. Januar bei Basel den Rhein. Die badische Kavallerie hatte zich am 3. und 4. Januar schon bei Rastatt den Ubergang er- zwungen und so ihren Teil dazu beigetragen, daß mit dem neuen Jahre der Rhein wieder ein deutscher Strom in deutschem Lande War. V. S. haus“, das 1907/10 zum Néuen Rathaus um- Neujahrsgelõbnis der Rhein-Necłkarstadt 1943 erlebt. Aber ungebrochen sind der Mut und die Festigkeit der Mannheimer Bevöl- Bunker ist so groß, daß zahlreiche Familien in den eingebauten Kabinen der Bunker nächtigen, teils aus Vorsicht, teils auch, weil ihnen eine andere Unterkunft fehlt, seitdem sie infolge Ausbombung ihre bis- herige Wohnung aufgeben mußten. Die relativ geringe Zahl von Toten hat aber auch ihren Grund in der Bauweise unserer Stadt. Das System der Qaua- drate hat sich da als vorteilhaft erwiesen. Feuer und Rauch fanden überall Abzug, Flächenbrände waren kaum zu verzeichnen. Der Wille zu leben Die Bevölkerungszahl! Mannheims ist durch die Ausbombung vieler Häuser klei- ner geworden. Viele Mannheimer. sich in den umliegenden Ortschafteh des badischen Landes einquartiert. Sie wohnen dort oft in sehr einfachen oder gar not- dürftigen Verhältnissen, und ihr sehnlicher Wunsch ist, in ihre Heimatstadt zurückzu- kehren. Am Tage kommen sie nach Mann- heim, um hier an ihrer alten Arbeitsstätte Zzu arbeiten. Das ist ein gutes Zeichen: die Vorsatz und Richtung, stetes Bereitsein im neuen Jahr sein! Damit am Ende alles sich wende in diesem Kriege zum größten Siegel Ludwig H ũ bs ch der Stadt mitzuschaffen. Die Kraft unserer Stadt zeigt sich am besten in dem Willen zu leben. Solange freilich die Möglichkeit neuer Angriffe der britisch-amerikanischen Luftpiraten auf Mannheim besteht, wäre es abwegig, einen grundsätzlichen Wieder- Mannheims Wiederaufbauwille nach dem Jahr der Terrorangriffe Blick vom Rathausturm auf die zerbombte Stadt/ Neuerwachen des Kunst- und Sportlebens Bevölkerung ist bestrebt, am Wiederaufbau Sofortmaßnahmen wurden unmittelbar nach der Katastrophe eingeleitet, wobei die Stadt entsprechend der Zahl der Ortsgruppen der NSDAp in 32 Bezirke eingeteilt wurde. Das hat sich als sehr vorteilhaft erwiesen. Material und Arbeitskräfte stehen heute nur knapp zur Verfügaͤng. Aber was nur irgendwie geschehen kann, wird in Mann⸗ heim durchgeführt. Soweit die Wohnungen einigermaßen erhalten sind, sind die Men- schen hier geblieben und haben sich, so gut es ging, wieder eingerichtet. 7 So geht das Leben in der Stadt weiter. pDie Schulen in Mannheim sind zwar ge. Ischlossen. Die Kinder sind in Heimen und auswärtigen Schulen untergebracht. Mei- stens sind die Mütter mit den Kindern ab- gereist, dagegen schaffen die berufstätigen Männer in Mannheim weiter. Sie zu ver- 3 pflegen, ist eine vordringliche Aufgabe. ha hat sich das Gaststättengewerbee mit der wiedereinrichtung beschädigter Gaststätten verdienstvoll eingeschaltet. Viele Wirtschaften wurden in den Keller verlegt. Dagegen fehlt es an Hotels in unserer Stadt, die von jeher einen starken Fremden-⸗- verkehr aufwies. Da ist es Sache der Stadt- verwaltung, helfend einzugreifen, und sie plant eine Reihe von Mahßnahmen, die sich gut auswirken werden. Daß wir die Zahl der Ladengeschäf- te wieder vergrößérn müssen, so weit es nur geht, um den Mannheimern die nötigen Gelegenheiten zu Einkäufen in der Stadt zu geben, versteht sich von selbst. Daß nach wie vor mit allen Mitteln daran gearbeitet wird, den Schutt zu beseitigen und die Straßen für den verkehr freizumachen, da- von kann sich jeder Mannheimer täslich überzeugen. Er wird dabei bedenken müs- sen, daß es sich um Millionen von Kubik- metern handelt, und daß selbst der Einsatz von Gleisanlagen und Kipploren, von Bag- gern und Greifern in den schwerbeschädig- ten Stadtteilen nur langsam Luft schafft. Eine weitere Bühne Mannheim war eine berühmte Kunst⸗- stadt seit mehreren Jahrhunderten. Mann- heim möchte diesen Ruf nicht einschlafen — aufbau Mannheims zu beginnen. Wenn der lassen, es möchte die Bevölkerung in die- Krieg erst siegreich beendet ist, wird auch der Wiederaufbau Mennheims mit allen Mitteln betrieben werden. Was inzwischen geschehen kann, wird durch die Sofortmaßnahmen des Hochbauamtes vorwärts getrieben. Diese kung der geschlossenen Schulklassen, die Umquartierung der Siechen und Alten, der Obdachlosen in die von der NSV vorberei- teten Aufnahmegebiete. Ubermenschliche Aufgaben galt es zu lösen. Die Versorgung von Zehntausenden war von einer Stunde zur anderen sicherzustellen. Der Ausfall von Großküchen, Gaststätten und Versor- gungsbetrieben stellte zeitweise vor die größten Schwierigkeiten. Sie wurden in kürzester Zeit überwunden. Und während des Uberganges wurden die Verpflegungs- stellen der Ortsgruppen immer weiter aus- gebaut, sprangen die Wehrmachtsküchen ein, die aus den Nachbarkreisen anrollten, die großen Verpflegungszüge, die täglich bis zu 10 000 Liter Essen ausgaben. Eine Großaktion jagte die andere. Ange- fangen von der Bergung von Hausrat, dem Abtransport der Möbel von Fliegergeschä- digten, dem Sonntagseinsatz der Handwer- ker zur Beseitigung kleiner Schäden und Mängel bis zum Wocheneinsatz der badi- schen, Handwerker, die mit Gesellen und Lehrlingen kamen, um während einer Ar-— beitswoche einer selbstverständlichen Eh- renpflicht zu genügen. An Sonntagen Sah man die Bauernwagen aus dem Schwetzin- ger und Hockenheimer, aus dem Weinheimer Gebiet und weit aus dem Odenwald über das Mannheimer Plaster holpern. Sie halfen den Schutt von den Straßen wegfahren und den ausgebombten Stadtteilen wieder ein einigermaßen geordnetes Aussehen zu geben. Noch stehen viele Aufgaben durchzufüh- ren, die bereits in Angriff genommen wur- den. Es kann trotz allen Eifers nur schritt- weise ein Erfolg verzeichnet werden. Aber sie sind fühlbar und sichtbar. Es ist gewiß hart und bitter zugleich, in ausgepusteten Räumen sitzen zu müssen, die nur notdürf- tig abgedichtet werden konnten. Aber jeder Betroffene kann das sichere Bewußtsein tragen, daß auch ihm geholfen wird, daß auch er an die Reihe kommt. Keiner wird vergessen. Wie schön zeigte sich das in der Weih- nachtszeit! Die„Avantgarde der Rache“, die zur großen Kundgebung mit Robert Ley im Schloßhof aufmarschierte, Pickel und Spaten geschultert, konnte ein Weihnachts- geschenk des Gauleiters entgegennehmen. Aus allen Kreisen des Gaues kehrten bei uns Sing- und Spielgruppen ein, um un- sere vorweihnachtliche Stimmung zu ver- tieken und den ständigen Bunkergästen eine Freude zu bereiten. Das ist diesen freiwilligen Einsatzkräften auch vollkom- men gelungen. Sie wollen wiederkommen und die einmal aufgenommene Linie fort- kühren als Dank und als Anerkennung für die Haltung der Mannheimer. Wer am Weihnachtsabend Zeuge war, wie der Kreisleiter mit seinem engsten Mit- arbeiterstab durch die Bunker ging, um den Familien, die hier eine bleibende Zu- flucht gefunden haben, zu beweisen, daß der Partei nichts näher am Herzen liegt als die Linderung des schweren Loses, das die Volksgenossen auf sich nehmen müssen, die Heim und Habe verloren, der weiß, daß keine Mühe gescheut wird, daß kein Weg zuviel ist, um hilfreich beizustehen und die Leidgeprüften zu umsorgen. Schwere Opfer brachte Mannheim. Die Zeit der Prüfungen ist noch nicht zu Ende. Trotzdem haben wir den Mut zum„Den- noch!“, das wir am 14. November in der Treuekundgebung zum Führer vor aller Welt klar und eindrucksvoll bekundeten. Wir tragen auch die Gewißheit ins neue Jahr hinüber, daß Mannheim eisern stelien und weiterhin die„lebendige Stadt“ bleiben sen Kriegsjahren, da sie mehr als je nach Kultur hungert, und erst recht nach den schreckensvollen Ereignissen der Bomben- nächte, nach denen sie nach Entspannung, Erhebung und Aufheiterung durch das Theater und durch die Musik ruft, kulturell betreuen. Freilich: großes Schauspiel und große Oper wird man. vorab in Mannheim nicht bieten können. Doch begann die In- tendanz unmittelbar nach der Zerstörung des Nationaltheaters mit der ständigen Be- spielung des Schwetzinger RoO Ek Ok o- theaters, richtete den Pfalz bau in Ludwigshafen zu Theateraufführungen her, und die Mannheimer sprachen den Dar- bietungen freudig zu. Allerdings sind das Notlösungen: in Mannheim selbst gab es seit September keine Theateraufführungen mehr. Deshalb will man im Kammermusik⸗- saal der Musikhochschule eine Dein Neujahrsgeschenk an den Führer: ein Tatbekenntnis zur wehrgemeinschaft des deutschen Volkes. Erwirb das SA-Wehrabzeichen! kleine Bühne einrichten, um dort we⸗ nigstens Opern und Singspiele von intime- rer Form und kleine Schau- und Lustspiele zu geben. Zu dieser Bübne auf Mannheimer Boden tritt dann in Kürze das Kdy- Fronttheater mit Vorträgen, Film- und Theateraufführungen. Das Musikleben hat sich inzwischen bereits wieder befestigt. Für die großen Konzerte fehlte es ihm ebenso an geeig- neten Räumen wie dem Nationaltheater. Immerhin konnte sich im Saal des Sie- mens-Hauses eine Kammermusikgemeinde zusammenfinden, und in der Christus- kirche, die sich akustisch überraschend bewährte, nahm, die Musikalische Aka- demie der Stadt Mannheim, zunächst mit einem Zyklus aller Sinfonien von Anton Bruckner, sodann(mit Beginn des neuen Jahres) mit einer Reihe von vorzumietenden Sinfoniekonzerten ihre künstlerische Ar- beit erfolgreich wieder auf. Weitere Auf- kührungsräume wurden inzwischen von einigen Körperschaften für das Musikleben zur Verfügung gestellt. 4 Gemeinschaftsnotbetrieb des Sportes Auch auf dem Gebiete des Sportes soll durchaus kein Stillstand eintreten. Sport- gau und Sportkreis gehen neue Wege, um die bei einigen Vereinen eingetretenen Nöte und Schwierigkeiten zu überwinden. Als grundlegende Aufgabe darf man da die Schaffung eines Gemeinschaftsnot- betriebes bezeichnen. Als Uhungssam- melplätze für die Mannheimer Sportler bieten die Räume. des Turnvereins von 1846 die beste Möglichkeit, einen glatt laufen- den Sportbetrieb wiederaufzuziehen. Ein altes Wort sagt:„Wenn etwas gewal- tiger ist als das Schicksal, so ist's der Mut, der's unerschüttert trägt“. Diesen Mut haben 4. Mannheimer in dem nun ver- klingenden Jahre bewiesen. Seiner Pflich⸗ ten bewußt und eingedenk seiner unlös- lichen Verbundenheit mit der kämpfenden Front steht Mannheim ungebrochenen Mu- tes an der Jahreswende, steht Mannheim zuversichtlich im schweren Schicksalsringen unserer Zeit. Mannheim weiß, wie schwer auch die Bedingungen seiner Arbeit, seines Lebens geworden sind: daß es um Sein oder Nichtsein geht, um Leben oder Tod, um die Zukunft des ganzen Volkes.-ebo- Rundfunk am Sonntag Sonntag. Reichsprogramm: 8 bis.30 Uhr: Orgelwerke. 9 bis 10: Bunte Klänge. 10.10 bis 10.30: Dr. Goebbels Aufsatz:„Vor einem neuen Jahr“. 10.30 bis 11:„Ehrenbürger der Nation.“ 11.05 bis 11.30: Hans Busch spielt. 11.30 bis 12.30: Schöne Musik. 12.40 bis 14: Volkskonzert. 15 bis 17.10: Wagners„Meister- singer“, 3. Aufzug. 19 bis 20: Zeitgeschehen. 20.15 bis 22: Große Melodienfolge.- Deutsch- landsender: 9 bis 10:„Schatzkästlein“, 10 bis 11: Beschwingte Klänge. 11.05 bis 11.30: Chor- und Instrumentalflusik„Das Jahr“, 11.30 bis 12.30: Mittagskonzert. 14.30 bis 15: „Rotküppchen“, Märchenspiel. 16 bis 18: Was sich Soldaten wünschen. 18 bis 19: Kompo- nisten im Waffenrock. 20.15 bis 21: Volkstüm- wird. liche Unterhaltung. 21 bis 22 Uhr: Opern⸗ melodien.
Ausgabe
14 (1.1.1944) 358. 1. Ausgabe
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten